Jochen Distelmeyer

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Jochen Distelmeyer beim Immergut Festival 2016
Jochen Distelmeyer beim Immergut Festival 2016
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[1]
Heavy
  DE 29 09.10.2009 (2 Wo.)
Songs from the Bottom, Vol. 1
  DE 36 19.02.2016 (1 Wo.)
  AT 23 26.02.2016 (2 Wo.)
Singles[1]
Lass uns Liebe sein
  DE 78 25.09.2009 (1 Wo.)
Regen
  DE 79 12.02.2010 (1 Wo.)

Jochen Distelmeyer (* 24. Juli 1967 in Bielefeld) ist ein deutscher Musiker. Besondere Bekanntheit erwarb er als Kopf der Band Blumfeld.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen ist Distelmeyer in Brake (Bielefeld), er ist der ältere Bruder des Filmkritikers Jan Distelmeyer. 1986 las er in einem Artikel der Spex erstmals über die Szene um das Bad Salzufler Label Fast Weltweit und schloss sich ihr 1987 an. Mit seiner Band Die Bienenjäger veröffentlichte er dort erstmals Beiträge auf Cassetten-Samplern.[2] 1988 absolvierte er seinen Zivildienst in Hamburg,[3] wo er 1990 mit Andre Rattay (Schlagzeug) und Eike Bohlken (Bass) die Band Blumfeld gründete, bei der er nicht nur sang und Gitarre spielte, sondern auch den Großteil der Songs textete. 1991 erschien die erste Single „Ghettowelt“ auf Alfred Hilsbergs Label ZickZack, die sogleich im Spex Single des Monats - und etwas später auch des Jahres - wurde. [4][5]

Im selben Jahr nahm die Band die LP Ich-Maschine auf, die euphorische Reaktionen bei der Presse hervorrief. Als Reaktion auf die Pogrome gegen Ausländer in Rostock-Lichtenhagen und Mölln Ende 1992 drängte Jochen Distelmeyer im Hamburger Freundeskreis auf politische Aktion.[6] Nachdem auch Die Goldenen Zitronen bei einer Tour durch Ostdeutschland angegriffen worden waren, wurde der Hamburger „Wohlfahrtsausschuss“ als Initiative gegen Neofaschismus gegründet. [7][8]

Zu dieser Zeit erschien das zweite Album L'État et moi, das von der Kritik hochgelobt wurde und den endgültigen Durchbruch Blumfelds bedeutete. Wurde auf Ich-Maschine noch „unglückliches persönliches Bewusstsein .. ausgestellt und dekonstruiert“, gab es hier „ein konkretes Gegenüber, mit dem sich das Ich auseinandersetzt [..] : Staat, Geld, gesellschaftliche und persönliche Strukturen“ [9]. Die von Distelmeyer verfassten Texte lösten eine langjährige, auch akademische Exegese aus und wurden selbst von Schriftstellern wie Durs Grünbein rezipiert [10].

Nach der Auflösung von Blumfeld 2007 begann Distelmeyer eine Solokarriere. Im September 2009 erschien sein erstes Soloalbum Heavy, zu dem Distelmeyer wieder auf Tour ging. Als erste Single erschien Lass uns Liebe sein, gefolgt von der EP Regen.[11]

Im Februar 2015 veröffentlichte der Rowohlt-Verlag Distelmeyers ersten Roman Otis, welcher von der etablierten Kritik eher gemischt aufgenommen wurde.[12][13][14]

Im Februar 2016 erscheint Distelmeyers zweites Soloalbum Songs from the Bottom, Vol. 1 auf dem sich ausschließlich englischsprachige Coverversionen befinden.[15]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heavy (2009)
  • Einfach so – live (Livealbum, 2010)
  • Songs from the Bottom, Vol. 1 (2016)

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lass uns Liebe sein (2009)
  • Regen EP (2010)

Sonstige Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1988: V.A.: Fast Weltweit präsentiert: Jetzt!... Die Sterne... Der Fremde... Die Bienenjäger... Die Time Twisters... Bernadette Hengst (Der „Rote“ Cassetten-Sampler Nr. 1), Fast Weltweit
  • 1988: V.A.: Fast Weltweit präsentiert: Jetzt!... Die Sterne... Der Fremde... Die Bienenjäger... Die Time Twisters... Bernadette Hengst (Der „Blaue“ Cassetten-Sampler Nr. 2), Fast Weltweit

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Chartquellen: Deutschland / Österreich
  2. Die Bienenjäger bei discogs
  3. Walter Gödden: Do it yourself! In: Stadt.Land.Pop - Popmusik zwischen westfälischer Provinz und Hamburger Schule, Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen, Bd. 34, 2008, S. 112-131, ISBN 978-3-89528-708-4
  4. Spex-Artikel zur Single des Monats
  5. Artikel in der indipedia zur Ich-Maschine
  6. Björn Fischer: Die Lyrik der späten Hamburger Schule (1992-1999), 2007, S. 12, ISBN 3638866955
  7. Wohlfahrtsausschüsse (Hg.): Etwas Besseres als die Nation - Texte und Materialien zur Abwehr des gegenrevolutionären Übels, Edition ID-Archiv, 1994, ISBN 3894080388
  8. Grothe, Nicole: InnenStadtAktion, Kunst oder Politik?, S. 124 (Google books, abgerufen am 18. Juli 2009)
  9. Walter Gödden: Eine Geschichte mit Blumfeld In: Stadt.Land.Pop - Popmusik zwischen westfälischer Provinz und Hamburger Schule, Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen, Bd. 34, 2008, S. 229-245, ISBN 978-3-89528-708-4
  10. Stadt.Land.Pop- - Das Projekt In: Stadt.Land.Pop - Popmusik zwischen westfälischer Provinz und Hamburger Schule, Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen, Bd. 34, 2008, S. 12, ISBN 978-3-89528-708-4
  11. Discographie bei Discogs
  12. Jan Wiele: Antiken-Carpaccio mit Seelensalat, in: FAZ, 31. Januar 2015, S. 12
  13. Zusammenfassung der Kritik bei Perlentaucher
  14. Das Trommeln der Ahnunglosen in: Die Zeit Online
  15. jochendistelmeyer.de, Album-Unterseite, abgerufen am 5. Januar 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jochen Distelmeyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien