Johann-Philipp-Reis-Preis

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Preisverleihung 2013 in Gelnhausen. Jurymitglieder, Bürgermeister Thorsten Stolz mit den beiden Preisträgern.

Der Johann-Philipp-Reis-Preis ist ein Wissenschaftspreis für eine herausragende, innovative Veröffentlichung im Bereich der Nachrichtentechnik. Die mit einem Preisgeld dotierte Auszeichnung erinnert an den Erfinder des Telefons Johann Philipp Reis.

Stifter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1987, dem 125-jährigen Jubiläum der Präsentation des Telefons, stifteten die beiden Städte Gelnhausen (Geburtsort von Philipp Reis) und Friedrichsdorf im Taunus (Arbeits-, Wohn- und Sterbeort von Philipp Reis), sowie der VDE und die Deutsche Bundespost Telekom (später die Deutsche Telekom) den mit ursprünglich 20.000 D-Mark und heute mit 10.000 Euro dotierten Preis.[1]

Verleihung und Voraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Preis wird alle zwei Jahre an bis zu 40-jährige Ingenieur- oder Naturwissenschaftler/innen im Rahmen einer akademischen Feier verliehen. Diese fand erstmals 1987 in Friedrichsdorf anlässlich der 300-Jahr-Feier statt und wird seitdem abwechselnd in Gelnhausen und Friedrichsdorf begangen; der Preis wird durch den jeweiligen Stadtbürgermeister überreicht.[2]

Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

# Jahr Name Institut Titel der Arbeit
1. 1987 Dietmar Hohm Kapazitive Silizium-Sensoren für Hörschallanwendungen
2. 1989 M. Strafner Einchip-Lösung für den Anschluss von Endgeräten
2. 1989 G. Weinberger
3. 1991 Reinhard Lerch Analyse hochfrequenter akustischer Felder in Oberflächenwellenfilter-Komponenten
4. 1993 Alfred Felder 25 GHz and up to 40 Gb/s ICs in a 0,8 μm Selective Epitaxial Silicon Bipolar Technology
5. 1995 Herbert Reininger Stochastische und neuronale Konzepte zur automatischen Spracherkennung
6. 1997 Peter Jung A Generalized View on Multicarrier CDMA Mobile Radio Systems with Joint Detection
6. 1997 Friedbert Berens
6. 1997 Jörg Plechinger
7. 1999 Jiri Navratil Untersuchungen zur automatischen Sprachen-Identifikation auf der Basis der Phonotaktik, Akustik und Prosodie[3]
8. 2001 Ute Jekosch Ruhr-Universität Bochum Sprache hören und beurteilen: Ein Ansatz zur Grundlegung der Sprachqualitätsbeurteilung („interdisziplinäre Studien über die Erwartungen der Benutzer an gesprochene Sprache und die Nachbildung von Sprache durch Maschinen“[4])
9. 2003 Henning Puder TU Darmstadt Geräuschreduktionsverfahren mit modellbasierten Ansätzen für Freisprecheinrichtungen in Kraftfahrzeugen („Geräuschreduktion bei Freisprecheinrichtungen in Kraftfahrzeugen“)[5]
9. 2003 Peter Jax RWTH Aachen Verbesserung bandbegrenzter Sprachsignale: Algorithmen und theoretische Grenzen („künstlichen Bandbreitenerweiterung von Telefonsprache“)[5]
10. 2005 Ralf Müller[6]
  • Wissenschaftliche Arbeiten zur asymptotischen Analyse der spektralen Effizienz von CDMA-Übertragungsverfahren bei unterschiedlichen Detektionsprinzipien
  • Entwicklung neuer Modelle für MIMO-Kanäle
  • Entwicklung neuer Entzerrungs- und Multiuser-Detektionsverfahren

(verbesserte Datenübertragung im mobilen Internet)

10. 2005 Robert Fischer[6] Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Precoding and Signal Shaping for Digital Transmission (verbesserte Datenübertragung im mobilen Internet)
11. 2007 Martin Schubert[7] TU Berlin Fundamentale Beiträge zur schichtenübergreifenden Optimierung („Schichtübergreifende Optimierung als zentrale Technik zur Steigerung der spektralen Effizienz von Mobilfunksystemen“)
11. 2007 Holger Boche[7]
  • QoS-Based Resource Allocation and Transceiver Optimization (Foundations & Trends in Communications & Information Theory, Bd. 6, Nr. 6, Boston, Delft, 2005)
  • Solution of the Multiuser Downlink Beamforming Problem with Individual SINR Constraints (IEEE Transactions of Vehicular Technology, Bd. 53, Nr. 1, Jan. 2004)
  • A Generic Approach to QoS-Based Transceiver Optimization (IEEE Transactions on Communications, 2007)
  • Iterative Multiuser Uplink and Downlink Beamforming under SINR Constraints (IEEE Transactions on Signal Processing, Bd. 53, Nr. 7, Juli 2005)
  • Resource Allocation in Multiantenna Systems Optimizing a Sum of Inverse SIR (IEEE Transactions on Signal Processing, Bd. 53, Nr. 7, Juli 2005)

(„Schichtübergreifende Optimierung als zentrale Technik zur Steigerung der spektralen Effizienz von Mobilfunksystemen“)

12. 2009 Sebastian Möller[8] TU Berlin Leistungen auf den Gebieten der Sprachsignalverarbeitung, der Telekommunikation und der Mensch-Maschine-Interaktion. Prof. Möller gilt heute als einer der führenden Experten der Qualitätsbeurteilung und der benutzerfreundlichen Gestaltung von Kommunikationsnetzen und multimodalen interaktiven Systemen und Diensten.
13. 2011 Patrick Marsch Nokia/Siemens Einführung des „Kooperativen Übertragungsverfahrens“ (Coordinated Multi-Point, CoMP) im Mobilfunk, bei dem Basisstationen kooperativ Signale an Endgeräte senden oder von diesen empfangen, um Signalenergie aus Interferenzen zu gewinnen.[9]
13. 2011 Alexander Raake TU Berlin Forschungs- und Entwicklungsprojekte (u. a. „HiQ Voice“) für innovative Sprachdienste.[9]
14. 2013 Bernd Geiser Javox Solutions GmbH, Aachen Im Rahmen seiner an der RWTH Aachen angefertigten Doktorarbeit wurden neuartige Algorithmen und Verfahren zur Verbesserung der Sprachqualität beim Telefonieren (Mobil, Festnetz und Voice over IP) entwickelt, wobei umfangreiche und kostspielige Umbauten des Übertragungsnetzes entfallen können. Eine Lösung ist beispielsweise die versteckte Übertragung von Zusatzinformation mittels Steganographie. Aus den versteckt übertragenen Daten kann das empfangende Handy zusätzliche Audiofrequenzen erzeugen, was die Sprachqualität merklich erhöht. Es sind lediglich die Endgeräte auszutauschen.[10]
14. 2013 Rafael F. Schaefer TU München In drei Arbeiten entwickelte er Übertragungsverfahren für die abhörsichere Kommunikation in drahtlosen Netzwerken wie dem Mobilfunk. Er bewies unter anderem mit Hilfe eines speziellen Sicherheitskriteriums, dass die vertrauliche Nachricht beweisbar sicher vor Abhören ist. Gleichzeitig zeigte er auf, wie sichere und öffentliche Nachrichten so effizient wie möglich gleichzeitig übertragen werden können und sich ein Kapazitätsproblem in bestimmen Kommunikationskanälen lösen lässt.[10]
15. 2015 Sander Wahls Technische Universität Delft Arbeiten zur Verbesserung der Übertragungsqualität in optischen Fasern[11]
16. 2017 Georg Böcherer Technische Universität München Arbeiten zur kanalangepassten Signalumformung bei der digitalen Nachrichtenübertragung[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann-Philipp-Reis-Preis für Technik zur effizienteren Mobilfunk-Nutzung, Heise online, vom 18. November 2007.
  2. Forschungsförderung: „Johann-Philipp-Reis-Preis“ gestiftet; in: ZPF-Heft, 12/1986; S. 12.
  3. Philipp-Reis-Preis 1999 auf hessennetz.de
  4. Johann-Philipp-Reis-Preis: Damit Maschinen sprechen lernen auf uni-protokolle.de vom 31. Oktober 2001.
  5. a b Philipp-Reis-Preis 2003 an TUD-Wissenschaftler Henning Puder auf uni-protokolle.de vom 13. November 2003.
  6. a b Johann-Philipp-Reis-Preis geht an zwei Erlanger Wissenschaftler. In: presse.uni-erlangen.de. 10. November 2005, abgerufen am 23. Dezember 2016.
  7. a b Technische Universität Berlin: Professor für Mobilkommunikation Holger Boche erhält Leibniz-Preis und 2,5 Mio. Euro (JPRP: Gemeinsam mit seinem Kollegen Martin Schubert) von Martina Hafner in elektronikpraxis vom 7. Dezember 2007.
  8. Sebastian Möller forscht um Technik intuitiv nutzbar zu machen von Johann Wiesböck in elektronikpraxis vom 2. November 2009.
  9. a b Johann-Philipp-Reis-Preis 2011 geht an Prof. Alexander Raake und Dr. Patrick Marsch, (Memento des Originals vom 20. Dezember 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vde.com Pressemitteilung des VDE vom 17. November 2011; abgerufen am 6. Februar 2012.
  10. a b Philipp-Reis-Preis geht 2013 an zwei Elektroingenieure auf gelnhausen.de vom 5. November 2013.
  11. Taunus Zeitung: Johann Philipp Reis-Preis für Sander Wahls – Taunus Zeitung. In: taunus-zeitung.de. 8. November 2015, abgerufen am 10. November 2015.
  12. FOCUS NWMI-OFF/Magistrat der Stadt Gelnhausen: Stadt Gelnhausen: Innovation mit hohem Praxis-Potenzial. In: Focus Online. 14. November 2017, abgerufen am 19. November 2017.