Johann Gerdes (Politiker)

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Johann (genannt Jan) Gerdes (* 16. April 1896 in Groß Bornhorst; † 5. März 1933 in Oldenburg) war ein deutscher Politiker (KPD), Landtagsabgeordneter und das erste NS-Opfer in Oldenburg i. O.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerdes war Sohn eines Arbeiters. Zunächst war er Telegraphenarbeiter bei der Post. 1923 wanderte er nach Brasilien aus. Wegen einer Malariaerkrankung seiner Frau kehrte er 1927 zurück und erwarb in Ofenerdiek, Gemeinde Ohmstede eine Klensiedlerstelle. 1928 wurde er Mitglied der KPD und 1930 Gemeinderatsmitglied in Ohmstede. Er engagierte sich sehr für die KPD. Er wurde als Redner eingesetzt und gab die Gemeindezeitung „Der rote Sender von Ohmstede“ mit heraus. 1931 verzog er nach Etzhorn.

Als Nachrücker zog er am 10. Dezember 1932 in den Oldenburgischen Landtag ein, wo er einen Sitz im Petitionsausschuss einnahm.[1] Er kümmerte sich außerdem vorrangig um die Landwirtschaftspolitik und um die Auseinandersetzung mit der regierenden NSDAP kümmerte.

Anfang 1933 übernahm er eine führende Funktion bei dem Notstandsarbeiterstreik in Ohmstede. In der Nacht vom 2. auf den 3. März 1933 wurde er von einem SA-Trupp unter einem Vorwand aus seinem Haus gelockt, zuerst zusammengeschlagen. Anschließend schoss der SA-Führer Ludwig Thielebeule auf Gerdes. Drei Tage später erlag Gerdes den erlittenen schweren Verletzungen im Oldenburger Pius-Hospital. Die Täter aus den Reihen der SA wurden kurz festgenommen, aber dann nach einigen Tagen auf Grund einer Amnestie freigelassen, weil „die Tat im Kampf um die nationale Erhebung begangen wurde“. Der Trauerzug zur Beisetzung auf dem Ohmsteder Friedhof am 10. März 1933 wurde zur letzten großen Demonstration gegen den Nationalsozialismus in Oldenburg.[2]

Gegen den Mörder Ludwig Thielebeule wurde erst nach dem Ende des Nationalsozialismus ein Strafprozess geführt, bei dem er 1947 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Oldenburg-Bürgerfelde/Ofenerdiek wurde 1998 die „Johann-Gerdes-Straße“ nach ihm benannt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beatrix Herlemann, Helga Schatz: Biographisches Lexikon niedersächsischer Parlamentarier 1919–1945 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Band 222). Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2004, ISBN 3-7752-6022-6, S. 121–122.
  2. H. H. Adler: Rat ehrt ermordeten Antifaschisten. In Zeitschrift Oldenburger Stachel 6/1998, S. 15.[1]