Johann Gottlieb Benjamin Siegert

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Johann Gottlieb Benjamin Siegert (* 22. November 1796 in Groß Walditz, bei Löwenberg, Schlesien; † 13. September 1870 in Ciudad Bolívar) war der Erfinder des Bitterlikörs Angostura.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er studierte in Berlin Medizin. In jungen Jahren kämpfte Siegert in den napoleonischen Kriegen auf Seiten Preußens unter Gebhard Leberecht von Blücher bei Waterloo (1815) zuletzt als Stabsarzt. Siegert erreichte einen bedeutenden Rang in der preußischen Armee. In Friedenszeiten (1820) führte ihn sein Weg nach Venezuela.

Unabhängigkeitskriege in Südamerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden Südamerikas kämpften die Separatisten unter der Führung von Simón Bolívar gegen die spanische Krone. Siegert schloss sich den Truppen Bolívars an. Siegerts Erfahrung und sein Talent führten unmittelbar zu seiner Ernennung zum Generalstabsarzt im Militärkrankenhaus in Guayana. Während "es eine gut dokumentierte Geschichtsschreibung über die britische Unterstützung und über die Hilfe französischer Offiziere gibt, wissen wir dagegen so gut wie nichts über die Hilfe, die uns Deutschland im Krieg gegen Spanien gab". Die "Berichte über die Söhne des großherzigen und edelmütigen Deutschland welche ebenso in Südamerika für die Freiheit kämpften, sind dürftig", beklagte César García Rosell in Lima Anfang der 1960er Jahre. In der Tat verlaufen die Spuren der meisten deutschen Legionäre in Südamerika im Sand. In der mutmaßlich umfangreichsten Liste Freiwilliger aus den deutschen Ländern des frühen 19. Jahrhunderts in der Armee von Bolívar, von Günter Kahle aus dem Jahr 1980, fehlt der Name des Angostura-Bitter-Erfinders Johann Gottlieb Benjamin Siegert. Von den wahrscheinlich 6000 europäischen Legionären waren etwa 300 Deutsche. Von allen Europäern überlebten wohl nur 150 die Kämpfe, die schlechte Verpflegung und Krankheiten wie Cholera, Typhus oder Denguefieber. „Die Legionäre hatten von einem Dorado geträumt“, sie fanden aber ein Angostura, das „aus Lehmbaracken oder Ziegelhütten bestand. Unmittelbar dahinter begann der Busch“. Die Felder waren vernachlässigt. „Malaria, Pocken und Gelbfieber gingen um.“ „Die Nahrungsmittel waren knapp und für europäische Mägen unverdaulich.“ So Gerhard Masur, der deutschstämmige Biograf Bolívars. „Nun war das Paradies […] mit reichlich Hölle unterfüttert“ führt der Freiburger Peter-Paul Zahl aus, der 1985 nach Jamaika ausgewandert ist.

1821 verließ Bolívar Angostura westwärts, Siegert blieb in der Stadt im Regenwald.

Tonikum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Angostura begann Siegert mit Forschungsarbeiten an tropischen Kräutern Südamerikas. Nach vier Jahren war die Formel für ein Kräutertonikum ausgereift. In seiner Privatpraxis in der Stadt am Ufer des Flusses Orinoco setzte er die Formel erfolgreich bei europäischen Patienten ein, die an tropischen Krankheiten litten. Der Erfinder nannte sein Stärkungsmittel „Dr. Siegert's aromatic bitter“ oder „amargos aromáticos“. Unter seinen Kollegen fanden Siegerts Verdienste schnell Anerkennung.

Seefahrer mischten Angostura mit Gin und brachten es in ihre Heimat. Europäische Söldner und Seeleute machten das Tonikum in der ganzen Welt bekannt. Als seine Erfindung immer beliebter wurde, gab Siegert seinem Stärkungsmittel eine neue Bezeichnung. Er wählte den Namen der Stadt, in der er lebte: „Angostura aromatic bitter“. Siegert gab seinen Beruf als Arzt auf und verschrieb sich ganz der Herstellung seiner Medizin. Im Jahr 1850 begann er mit dem Export nach Trinidad und England. 1870 starb er.

Erben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Simón Bolívars Rücktritt vom Amt des Präsidenten erschütterten Venezuela ständige Unruhen und Revolutionen. Für die Söhne Siegerts wurde es unmöglich, ihr Geschäft weiterhin in Venezuela zu führen.

1875 wanderten sie nach Trinidad aus und bauten die Firma neu auf. Seitdem ist ihr Sitz in Port of Spain. 1802 bereits hatte Spanien die Insel Trinidad offiziell an England abgetreten. Die politische Lage auf der Insel war ruhig.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kahle, Günter: Simón Bolívar in zeitgenössischen deutschen Berichten. Dietrich Reiner Verlag
  • Kahle, Günter: Simón Bolívar und die Deutschen. Dietrich Reiner Verlag
  • Zahl, Peter-Paul: Geheimnisse der karibischen Küche. Rotbuch Verlag
  • o. V.: Fragen an die deutsche Geschichte. Deutscher Bundestag (Hg.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]