Dysenterie

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Klassifikation nach ICD-10
A04.9 Bakterielle Darminfektion, nicht näher bezeichnet
Bakterielle Enteritis o.n.A.
ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Eine frühe wissenschaftliche Arbeit über die Ruhr war Johann Georg Zimmermanns Von der Ruhr unter dem Volke im Jahr 1765, und denen mit derselben eingedrungenen Vorurtheilen, nebst einigen allgemeinen Aussichten in die Heilung dieser Vorurtheile (Zürich 1767)

Als Dysenterie (veraltete Bezeichnung Dissenterie; englisch dysentery) oder Ruhr (von althochdeutsch ruora ‘Strömung, schnelles Fließen’)[1] wird in engerem Sinn eine entzündliche Erkrankung des Dickdarms bei einer bakteriellen Infektion bezeichnet (Bakterienruhr). In weiterem Sinn werden unter Dystenterie auch Durchfallerkrankungen verstanden, die bei Infektionen mit Parasiten wie Amöben (Amöbenruhr) oder Lamblien auftreten oder bei Virusinfektionen.

Mit dem veralteten Ausdruck Dysenteria catarrhalis[2] wird dagegen die Zöliakie-Erkrankung bei Gluten-Unverträglichkeit bezeichnet.

Entstehung und Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auslöser der Dysenterie oder Ruhr (früher auch „Bauchfluss“) sind Shigellen (gram-negative Stäbchenbakterien) und Amöben (Protozoen). Die Inkubationszeit beträgt ca. 2–3 Tage. Erste Anzeichen sind kolikartige Bauchschmerzen und Diarrhö. Die Stuhlentleerung ist mit 8–30 Mal am Tag sehr häufig und schmerzhaft (Tenesmen). Der Stuhl ist meist schleimig und hell (weiße Ruhr, „Lienterie“) oder blutig (rote Ruhr). Das Auftreten von Fieber ist möglich, aber uncharakteristisch. Normalerweise erholt man sich nach 4 bis maximal 14 Tagen. Der starke Flüssigkeits- und Elektrolytverlust kann lebensbedrohlich sein und führt vor allem bei Kleinkindern zu ZNS-Symptomen, Nierenversagen und Kreislaufkollaps. Die schwersten Verläufe werden durch die Toxine der 1897 entdeckten Spezies Shigella dysenteriae verursacht, wohingegen mildere Formen bei Shigella sonnei vorkommen.

Krankheitsfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nachkrankheit kann sich ein Reiter-Syndrom entwickeln. Die Reiter-Trias besteht aus entzündlichen Prozessen am Auge (Konjunktivitis, Iritis, Lidschwellungen), an der Harnröhre und an Gelenken (Arthritis, Bursitis, Synovitis).

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der symptomatischen Therapie sind Chinolon-Antibiotika, Aminopenicilline, Cephalosporine und Cotrimoxazol Mittel der Wahl, aber auch Tetracycline und Sulfonamide können eingesetzt werden. Für die optimale Therapie unverzichtbar ist die Empfindlichkeitsprüfung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Ruhr – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werner Köhler: Dysenterie. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 330 f.; hier: S. 330.
  2. Johann Lucas Schönlein: Allgemeine und specielle Pathologie und Therapie. Band 1, Würzburg 1832, S. 385. Digitalisat
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