Angosturabitter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
200-ml-Flasche Angostura
Seitenansicht mit Abbildung von Kaiser Franz Joseph I.

Als Angostura oder Angosturabitter bezeichnet man einen Cocktailbitter, der neben Enzianwurzel auch Bitterorange, Gewürznelken, Kardamom, Zimt und Chinarinde enthalten kann. Angosturarinde wird im Originalrezept nicht verwendet, wohl aber in Nachahmerprodukten. Der Bitter wird zum Aromatisieren von Spirituosen sowie zur Herstellung von Mixgetränken (beispielsweise den Cocktails Old Fashioned oder Manhattan) verwendet, dient aber auch zum Abschmecken von Desserts oder für Saucen für Fisch und Fleisch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwickelt wurde Angostura von dem deutschen Arzt Johann Gottlieb Benjamin Siegert, der Anfang des 19. Jahrhunderts auf Wunsch des südamerikanischen Freiheitskämpfers Simón Bolívar ein Lazarett in der damaligen venezolanischen Stadt Angostura (heute Ciudad Bolívar) eingerichtet hatte. Gegen die dort herrschenden Tropenkrankheiten entwickelte er 1824 ein hochprozentiges Tonikum, das jedoch nicht als Medizin, sondern als Würzmittel unter dem Namen Angostura Karriere machte. Später verließ Siegert Bolívars Truppen, um seine Erfindung zu vermarkten. Die Angostura Group bzw. die Firma House of Angostura mit Sitz auf Trinidad ist der Rechtsnachfolger des von Siegert in den 1850er-Jahren gegründeten Unternehmens. Die Produktionsanlagen befinden sich in Laventille, 2006 waren etwa 250 Mitarbeiter mit der Herstellung des Bitters beschäftigt.[1] Die Firma exportiert ihren Bitter in mehr als 100 Länder,[2] vertreibt heute zudem einen Rum und hat einen weiteren Bitter entwickelt, bei dem Zitrusfrüchte dominieren.[3]

Sie weist darauf hin, dass ihre unter dem Markennamen Angostura Aromatic Bitters vertriebenen Bitter, die angeblich noch immer nach Siegerts Originalrezept aus dem Jahr 1824 zubereitet werden, keine Angosturarinde enthalten. Der Name leite sich lediglich vom Namen der Stadt ab, in der Siegert seine Erfindung gemacht habe. Dennoch werden von anderen Herstellern – teilweise ebenfalls unter der Bezeichnung Angosturabitter – Bitter vertrieben, die Angosturarinde als zusätzlichen Bestandteil enthalten.[4]

Jede Flasche zeigt an der Seite die Abbildung einer Medaille mit dem Antlitz Kaiser Franz Josephs I., die das Unternehmen auf der Weltausstellung 1873 in Wien gewann.

Angostura enthält 44,7 Vol.-% Alkohol; trotzdem war er in den USA während der Prohibition nicht verboten, da er so bitter ist, dass er lediglich zum Aromatisieren verwendet werden kann („Starkbitter“).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wayne Curtis: And a Bottle of Rum: A History of the New World in Ten Cocktails. gedruckt: Broadway Books, New York 2006, ISBN 0-307-51285-1/ E-Book: 1st edition, Crown Publishers, New York 2006, ISBN 1-4000-5167-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Angosturabitter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. W. Curtis: And a Bottle of Rum. New York 2006, Kapitel: Rum and Coca-Cola, Ebook-Position 2677.
  2. W. Curtis: And a Bottle of Rum. New York 2006, Kapitel: Rum and Coca-Cola, Ebook-Position 2689.
  3. angostura.com, 25. März 2018
  4. Erich Kolb (Hrsg.): Spirituosen-Technologie. S. 150f, Behr’s Verlag, Hamburg 2002.