John Swinton

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John Swinton (* 12. Dezember 1829 in Saltoun bei Haddington, Schottland; † 15. Dezember 1901 in Brooklyn Heights, New York) war ein in Schottland geborener US-amerikanischer Journalist, Zeitungspublizist und Redner. Obschon er seinen größten Einfluss als Hauptleitartikler der New York Times während der 1860er Jahre hatte, ist Swinton am bekanntesten als Namensgeber seiner eigenen Wochenzeitung John Swinton’s Paper, einer herausragenden Zeitschrift der amerikanischen Arbeiterbewegung der 1880er Jahre. Swinton arbeitete auch insgesamt 12 Jahre als Leitartikler der New York Sun.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Swinton wurde in Saltoun, Schottland, am 12. Dezember 1829 geboren.[1] Swintons Vater emigrierte nach Amerika, als John sehr klein war, und wurde ein Siedler-Pionier auf dem Gebiet des heutigen Illinois.[2] Er starb schon bald nach seiner Ankunft in Amerika und hinterließ seinen Sohn John in sehr jungem Alter in den Arbeitsmarkt.[2]

Swinton wurde Lehrling bei einem Drucker im Jahr 1841, als er gerade 13 Jahre alt war.[3] Zwei Jahre später zog er nach Montreal, Kanada um, wo er als “journeyman printer” (reisender Aushilfsdrucker) arbeitete.[3] Swinton blieb für den Rest der 1840er Jahre in Kanada.

Swinton kehrte in die Vereinigten Staaten zurück, um das Easthampton Seminary in den Neuengland-Staaten in Massachusetts zu besuchen.[3] Er beendete seine Studien dort nicht, stattdessen zog er um nach New York City, um sich an dem dortigen Medical College (Medizin-Schule) einzuschreiben, wo er jedoch ebenso das Studium nicht mit einem Titel beendete.[3] Swinton radikalisierte sich politisch an der Sklaverei in den Vereinigten Staaten, und er organisierte Kampagnen für den Abolitionismus.[3] 1856 zog er nach Kansas, um an der „Bewegung für Freies Land“ teilzuhaben, und nahm eine Stelle als Manager bei der Zeitung Lawrence Republican an, einem Papier, das sich gegen die Sklaverei wandte.[4]

Später zog er nach South Carolina um, in einen Staat, der zu jener Zeit noch die Sklaverei gestattete, und übernahm einen Job als Drucker und Setzer beim staatlichen Druckbetrieb.[4] Swinton lehrte in dieser Periode im Geheimen Klassen von schwarzen Menschen in South Carolina.[4]

Journalistische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Swinton kehrte 1860 nach New York City zurück, und schrieb einen Medizin-Artikel bei der New York Times, der so gut angenommen wurde, dass Swinton ein Posten als Editorial-Schreiber bei dem Blatt angeboten wurde.[4] Swinton wurde bei diesem Tun von seinem Bruder Raymond Swinton unterstützt, der bei der Times bereits 1858 an Bord gegangen war und dort schnell im Management aufgestiegen war.[4] Er blieb bei der Times für ein Jahrzehnt, wurde der erste Editorial-Schreiber der Zeitung, und dieses über die gesamte Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs hinweg.[2]

Von 1870 bis 1875 arbeitete Swinton als freier Journalist. Er schrieb umfassend für Horace Greeleys New York Tribune.[4]

Swinton wurde in die radikale Politik der Arbeitsbewegung involviert, als er im Frühjahr 1874 auf einer Massenversammlung auf dem Tompkins Square in New York City sprach — eine Versammlung, die von der Polizei gewaltsam aufgelöst wurde.[2] Swintons Qualitäten als wirksamer Redner fielen auf, und im Herbst 1874 wurde er überredet, auf dem Ticket der Industriepolitik-Partei zum Bürgermeister von New York zu kandidieren.[2] Swinton erhielt nur wenige Stimmen und sah seine Kandidatur auch nur als weitenteils symbolisch an.[2]

1880 war John Swinton Ehrengast bei einem Bankett, das ihm die Führer der Zeitungszunft ausrichteten. Jemand sprach ehrende Worte über die unabhängige Presse.

Swinton antwortete (Übersetzung):

„So etwas gibt es bis zum heutigen Tage nicht in der Weltgeschichte, auch nicht in Amerika: eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß das. Es gibt hier nicht einen unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben. Und wenn er es täte, wüsste er vorher bereits, dass sie niemals im Druck erschiene. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, dass ich meine ehrliche Meinung aus dem Blatt, mit dem ich verbunden bin, heraushalte. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Bezahlung für ähnliche Dinge, und wenn Sie so verrückt wären, Ihre ehrliche Meinung zu schreiben, würden Sie umgehend auf der Straße landen, um sich einen neuen Job zu suchen. Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, also was soll das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“ [5]

Swinton betätigte sich in der Gewerkschaftsbewegung von New York, sprach auf Versammlungen der Arbeiter und vor dem Stadtrat für die Gewerkschaften.[2] Er wurde in den Angelegenheiten der Zigarrenmacher aktiv, in der Gewerkschafts-Kampagne gegen das „Tenement-System“.[2]

In der Nachfolge seiner Freiberufler-Tätigkeit nahm Swinton 1875 eine dauerhafte Position als Editorial-Schreiber bei der New York Sun und verblieb in dieser Tätigkeit einige Jahre.[6]

John Swinton’s Paper[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1883 verließ Swinton die Sun, um eine eigene Zeitung zu gründen, die bekanntgewordene John Swinton’s Paper.[6] Die Erstausgabe von Swintons neuer Publikation erschien in New York City am 14. Oktober 1883.[7] John Swinton’s Paper war eine vierseitige Zeitung mit sechs Spalten, die einmal wöchentlich erschien.[8] Die Überschrift jeder Ausgabe [9] deklarierte Swintons Ziele:

1. Fest einzutreten für die Menschenrechte im amerikanischen Verständnis.
2. Kampf gegen das zunehmend Falsche in Gesellschaft und Industrie.
3. Einsatz für die Organisationen und Interessen der arbeitenden Menschen und die Verbreitung von Neuigkeiten der Gewerbe und Gewerkschaften.
4. Einigung der politischen Kräfte, Suche nach einer gemeinsamen Plattform, und Nachrichtenübermittlung an junge Menschen in diesen Bereichen (der Arbeit und der Gewerkschaften).
5. Warnung an das amerikanische Volk vor den gefährlichen Umtrieben der Millionäre, Monopolisten und Plutokraten.

6. Aussicht auf bessere Zeiten des Fair Play und des öffentlichen Wohlergehens.

In seiner Publikation war Swinton frei, seine eigenen radikalen Ideen zur amerikanischen Arbeiterbewegung zu verbreiten: Seine Zeitung erlangte landesweite Verbreitung.[6] Hauptziele von Swinton waren die von ihm so genannten “Räuberbarone” des jeweiligen Tages, einschließlich Jay Gould und William Henry Vanderbilt, die sich einem endlosen Strom von satirischen Cartoons, Gedichten und aggressiven Editorials gegenübersahen.[10] In seiner Zeitung nahm Swinton Stellung gegen die ausufernde Ausbeutung von Gefangenen und die Vertragsarbeit von Einwanderern, und er beschrieb insbesondere das Schicksal chinesischer Einwanderer beim Eisenbahnbau in dunklen Tönen.[10]

Swintons Einsatz gegen die Vertrags-(Zwangs-)Arbeit, hervorgehoben in einer Serie von Artikeln beginnend am 28. Oktober 1883, wird nachgesagt, dass er die Staatsversammlung von New York bewog, eine Untersuchung dieser Vorgänge aufzunehmen, die auf eine Untersagung dieses Systems im Bundesstaat mit Wirkung von 1885 hinauslief.[11]

Swinton versuchte eine ähnliche Wirkung insgesamt gegen das System der Kontrakt-Arbeit von Immigranten zu erzielen. Mit diesem System wurden Arbeiter von Arbeitgebern zur Einreise gebracht, oft, um Streiks zu brechen; sie wurden nur mit einem minimalen Lebensstandard und Unterstützung gehalten, um ihre Gelder für die Daheimgebliebenen zu sparen.[11] Swinton nutzte einen Reporter undercover, einen investigativen Reporter, um die Missbräuche dieses Systems aufzudecken, das dann im Januar 1884 zu einem Beschluss des US-Kongresses führte, der die einschlägige Gesetzgebung in dieser Angelegenheit im Januar 1885 beseitigte.[12] Im Folgenden setzte Swinton seinen Kreuzzug gegen das System fort, beschuldigte die Administration des konservativen Demokraten Präsident Grover Cleveland des Versagens bei der Aufgabe, diese Gesetze zu verbessern.[13]

Obschon Swinton eine bedeutende und einflussreiche Leserschaft in der Gewerkschaftsbewegung gewann, war die Zeitung John Swinton’s Paper kein wirtschaftlicher Erfolg.[14] Swinton widersetzte sich einer finanziellen Unterstützung seitens Dritter, bestand stattdessen alleinig auf der Unterstützung durch Abonnements (ein Dollar im Jahr), Verkäufe an Zeitungsständen (3 Cents pro Exemplar), und bezahlte Anzeigen (25 Cents pro Zoll und Spalte).[14] Schon im Dezember 1884 begannen sich die Verluste zu häufen, ein Prozess, der sich 1887 beschleunigte, als die Knights of Labor einen Boykott seiner Publikation begannen, aufgrund Swintons Gegnerschaft und seiner Verpflichtung auf ein Netzwerk von rivalisierenden Gewerkschaften, die später unter der Führung der American Federation of Labor verschmolzen.[15]

Im August 1887 war der finanzielle Verfall nicht mehr tragbar. In der letzten Ausgabe vom 7. August 1887 erklärte Swinton, dass er nicht mehr länger die Verluste seiner Zeitung stützen könne. Er schrieb:

„Meine Mittel reichen nicht länger aus, um künftig weitere Belastungen zu tragen. Ich wurde ruiniert durch diese Zeitung und die damit verbundene Arbeit, in die ich in den vergangenen vier Jahren tausende Dollars gesteckt habe – alle aus meiner eigenen Tasche.“[16]

Späteres Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Swinton kehrte zur bezahlten journalistischen Arbeit für andere zurück und behielt weiter eine bedeutende Rolle als Redner in der Frage der Arbeiterbewegung.[17]

Swinton kandidierte 1887 für die Progressive Labor Party für den Senat des Bundesstaates im 7. Distrikt.[2] Swinton unternahm eine ernsthafte Anstrengung, diese Wahl zu gewinnen, wurde aber schließlich geschlagen.[2]

1892 kehrte Swinton zu seiner früheren Position in der Editoren-Riege der New York Sun zurück und schrieb Editorials für diese Zeitung.[4] Er behielt diese Position bis 1897 bei.[4]

Tod und Vermächtnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1899 verlor Swinton sein Augenlicht, tat aber weiter sein Bestes, um trotz seiner Behinderung als Autor aktiv zu bleiben.[4]

Swinton starb in Brooklyn Heights, New York, am 15. Dezember 1901, drei Tage nach seinem 72. Geburtstag. Er wurde auf dem Friedhof Green-Wood Cemetery in Brooklyn, New York, begraben. Auf seinem Grab steht ein Denkmal, das ihm lokale Gewerkschafter errichteten.[4]

Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher und Pamphlete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The New Issue: the Chinese American Question. New York: American News Company, 1870.
  • The Tompkins Square Outrage: Appeal of John Swinton, Addressed to the Legislature, through the Committee on Grievances, and Delivered in the Assembly Chamber at Albany, March 25th, 1874. Albany: 1874.
  • John Swinton’s Travels: Current Views and Notes of Forty Days in France and England. New York: G.W. Carleton & Co., 1880.
  • Storm and Stress: Address of John Swinton of New York, Held at the Social Democratic Festival, Ogden’s Grove, Chicago, Sunday Afternoon, June 12, 1881. Chicago: n.p., 1881.
  • Old Ossawattomie Brown: Speech on the 22nd Anniversary of John Brown’s Death, Delivered in ... New York, December 2, 1881. New York: n.p., 1881.
  • A Model Factory in a Model City: A Social Study. New York, Press of Brown, Green & Adams, 1888.
  • Addresses before the American Federation of Labor Convention at Philadelphia, Pa., Dec., 1892. With William Salter and Amos J. Cummings. Washington, DC: American Federation of Labor, n.d. [1892].
  • Striking for Life: Labor’s Side of the Labor Question: The Right of the Workingman to a Fair Living. New York?: American Manufacturing and Pub. Co., 1894.
  • A Momentous Question: The Respective Attitudes of Labor and Capital. Philadelphia: A.R. Keller Co., 1895.
  • 1860 — Lincoln, Debs — 1895: A Remarkable Article Written in 1895 by the Great New York Journalist, John Swinton. Terre Haute, IN: Anchor Co., n.d. [1895].

Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The New Slave Trade. In Bruce Shapiro (Hrsg.): Shaking the Foundations. 200 Years of Investigative Journalism in America. New York: Nation Books, 2003; S. 40–44.
  • Karl Marx. In: derselbe: John Swinton’s Travels. In: The Sun. New York. Nr. 6 vom 6. September 1880, S. 1.[18]
  • (Rede von John Swinton). In: [Bericht der „New Yorker Volkszeitung“, Nr. 68 vom 20. März 1993 über die Gedenkkundgebung New-Yorker Arbeiter für Karl Marx am 19. März 1883.][19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sender Garlin: John Swinton, American radical, 1829-1901. Including the full text of his interview with Karl Marx in 1880. New York American Institute for Marxist Studies, New York 1976.
  • Frank T. Reuter: "John Swinton’s Paper," Labor History, vol. 1, no. 3 (1960), pp. 298-307.
  • Marc Ross: John Swinton, Journalist and Reformer: The Active Years, 1857-1887. PhD dissertation. New York University, 1969.
  • Robert Waters: Career and Conversation of John Swinton, Journalist, Orator, Economist. Chicago: Charles H. Kerr & Co., 1902.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  Wikiquote: John Swinton – Zitate (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sender Garlin, Three American Radicals: John Swinton, Charles P. Steinmetz, and William Dean Howells. Boulder, CO: Westview Press, 1991; pg. 4.
  2. a b c d e f g h i j John Swinton Dead: The Noted Economist, Writer, and Orator Gone. In: New York Times, December 16, 1901.
  3. a b c d e "John Swinton," in Gary M. Fink (ed.), Biographical Dictionary of American Labor. Revised Edition. Westport, CT: Greenwood Press, 1984; pp. 539-540.
  4. a b c d e f g h i j Garlin, Three American Radicals, pg. 5.
  5. Sinclair Upton: The Brass Check: A Study of American Journalism 1920., S. 400
  6. a b c "John Swinton," in William D.P. Bliss and Rudolph M. Binder (eds.), The New Encyclopedia of Social Reform. New Edition. New York: Funk and Wagnalls, 1908; pg. 1184.
  7. Frank T. Reuter, "John Swinton’s Paper," Labor History, vol. 1, no. 3 (Fall 1960), pg. 298.
  8. Reuter, "John Swinton’s Paper," pg. 300.
  9. Reuter, "John Swinton’s Paper," pg. 301, citing John Swinton’s Paper, October 14, 1883, et seq.
  10. a b Reuter, "John Swinton’s Paper," pg. 302.
  11. a b Reuter, "John Swinton's Paper," pg. 303.
  12. Reuter, "John Swinton’s Paper," pp. 303-304.
  13. Reuter, "John Swinton’s Paper," pg. 304.
  14. a b Reuter, "John Swinton’s Paper," pg. 306.
  15. Reuter, "John Swinton’s Paper," pp. 305-306.
  16. John Swinton’s Paper, August 7, 1887, cited in Reuter, "John Swinton’s Paper," pg. 307.
  17. Reuter, "John Swinton's Paper," pg. 307.
  18. Neudruck in: Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung I. Band 25. Dietz Verlag, Berlin 1985, S. 442–443.
  19. Abgedruckt in: Ihre Namen leben durch die Jahrhunderte fort. Kondolenzen und Nekrologe zum Tode von Karl Marx und Friedrich Engels. Dietz Verlag, Berlin 1983, S. 220–222.