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Jonas Fränkel

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Jonas Fränkel (geboren 12. August 1879 in Krakau, Österreich-Ungarn; gestorben 4. Juni 1965 in Brig, ab 1919 heimatberechtigt in Bern) war ein Schweizer Germanist, Hochschullehrer und Herausgeber von Werken Gottfried Kellers.

Fränkel, Sohn jüdischer Eltern, bereitete sich zunächst auf eine Laufbahn als Rabbiner vor.[1] Nach seinem Bruch mit dem Judentum 1897 wandte er sich der Philosophie, Literatur und Kunst zu. In einer späteren Lebensphase näherte er sich dem Judentum allerdings wieder an. 1898 begann er ein Studium der Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und Philosophie an der Universität Wien, wo er, seit seiner Schulzeit schwerhörig, wegen der grossen Auditorien den Vorlesungen nicht folgen konnte. Bessere Bedingungen fand er an der Universität Bern, wo Oskar Walzel seine philologische Begabung entdeckte. Nach Bern war er vom Philosophen Ludwig Stein eingeladen worden; von der Alliance Israélite Universelle wurde er finanziell unterstützt.[2] Fränkel promovierte 1902 mit einer Dissertation über Zacharias Werner. Nach dem Scheitern eines ersten Habilitationsgesuches 1908 habilitierte er sich im Jahre 1909 mit einer Studie über die Briefe Goethes an Charlotte von Stein und erhielt die venia legendi für Neuere deutsche Literaturgeschichte. Anschließend war Fränkel bis 1921 als Privatdozent für Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Bern tätig. Ein Versuch der Umhabilitation nach Zürich scheiterte 1918 am Widerstand Emil Ermatingers, dessen Keller-Biografie von Fränkel kritisiert worden war. 1919 erhielt Fränkel das Schweizer Bürgerrecht.[2] Von 1921 bis 1949 lehrte er in der Nachfolge Ferdinand Vetters als ausserordentlicher Professor für neuere deutsche Literatur und vergleichende Literaturgeschichte an der Universität Bern. Auf vorfühlende Anfragen deutscher Universitäten im Hinblick auf mögliche Rufe, u. a. aus Jena, ging Fränkel nicht ein.[1]

Jonas Fränkel hob sich vor allem als Herausgeber von Werken und Briefen deutscher und schweizerischer Dichter hervor. In den Jahren von 1923 bis 1939 beförderte er ausschliesslich durch eigene Arbeit 17 von 22 Bänden der ersten textkritischen Edition von Keller-Werken zum Druck. Als er 1939 in seiner Schrift Gottfried Kellers politische Sendung mit dem Nationalsozialismus abrechnete, ergriffen Nazi-Sympathisanten unter seinen akademischen Gegnern die Gelegenheit, ihm die Weiterarbeit an der Keller-Ausgabe unmöglich zu machen. 1942 entzog ihm die Zürcher Regierung unter Vorwänden alle Arbeitsmöglichkeiten und verwehrte ihm den Zugang zu den Archiven.[3]

Der Schweizer Dichter und Publizist Carl Spitteler hatte seinen Freund Fränkel zum Biographen, Nachlassverwalter und Herausgeber seiner Werke bestimmt. Auch hier gelang es Fränkels Gegnern, diesen nach jahrelangen Prozessen und publizistischen Kämpfen an der Ausführung seiner Aufgabe zu hindern.[4] Die Verleihung des Nobelpreises an Spitteler im Jahr 1919 ging wesentlich auf die Bemühungen von Fränkel zurück.[5][6][7]

Zu den weiteren Forschungsschwerpunkten Fränkels gehörten ebenso die Werke Goethes, Heines und C. F. Meyers.[1]

1964 ernannte die Universität Jena Fränkel zum Ehrendoktor. Im selben Jahr erfolgte auch die Berufung zum Fellow des Leo Baeck Instituts in New York.[1]

Fränkel starb 1965 bei der Rückfahrt von einer Italienreise in Brig im Alter von 85 Jahren.[2][8]

2021 übernahm das Schweizerische Literaturarchiv Fränkels Nachlass.[9][10]

Schriften (Auswahl)

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  • Zacharias Werners «Weihe der Kraft». Eine Studie zur Technik des Dramas. Leopold Voss, Hamburg/Leipzig 1904.
  • Joseph Viktor Widmann. Drei Studien. Amalthea, Zürich u. a. 1919.
  • Gottfried Kellers politische Sendung. Oprecht, Zürich 1939.
  • Die Gottfried Keller-Ausgabe und die Zürcher Regierung. Eine Abwehr. Kommerzdruck, Zürich o. J. [1942].
  • Spitteler. Huldigungen und Begegnungen. Tschudy, St. Gallen 1945.
  • Spittelers Recht. Dokumente eines Kampfes. Pallas, Winterthur 1946.
  • Dichtung und Wissenschaft. Lambert Schneider, Heidelberg 1954.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 Vgl. Rätus Luck: Frankel, Jonas. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800–1950. Bearbeitet von Birgit Wägenbaur et al., Verlag Walter de Gruyter, Berlin und New York 2003, Reprint 2011, ISBN 978-3-11-090805-3, Band 1, S. 510–513, hier S. 511. Kostenpflichtiger Zugang online .
  2. 1 2 3 Joanna Nowotny: Wie Jonas Fränkel seine Heimat verlor. In: NZZ Geschichte. 31. März 2022.
  3. ↑ Fredi Lerch: Der Philologe als Künstler. In: Neue Zürcher Zeitung. 18. Januar 2013, abgerufen am 20. Juli 2026.
  4. ↑ Magnus Wieland: Der gecancelte Jude. In: Republik. 15. Juli 2021 (republik.ch [abgerufen am 20. Juli 2026]).
  5. ↑ Fredi Lerch: Spittelers Nobelpreis (1): Fränkel taucht auf. In: Journal B. 15. Oktober 2019, abgerufen am 20. Juli 2026.
  6. ↑ Fredi Lerch: Spittelers Nobelpreis (2): Lobbyist Fränkel. In: Journal B. 17. Oktober 2019, abgerufen am 20. Juli 2026.
  7. ↑ Fredi Lerch: Spittelers Nobelpreis (3): Fränkels Durchbruch. In: Journal B. 19. Oktober 2019, abgerufen am 20. Juli 2026.
  8. ↑ Fredi Lerch: Der ausserordentlichste Professor der Uni Bern. In: Journal B. 4. Juni 2015, abgerufen am 20. Juli 2026.
  9. ↑ Übernahme des Nachlasses von Jonas Fränkel mit Kryptonachlass Carl Spittelers, Medieninformation der Schweizerischen Nationalbibliothek, 22. April 2021, abgerufen am 19. Juli 2026.
  10. ↑ Roman Bucheli: Jonas Fränkel ist eine tragische Figur der Schweizer Literaturgeschichte und ein Opfer des helvetischen Antisemitismus. In: nzz.ch. 23. April 2021, abgerufen am 20. Juli 2026.