Jonas Ludwig von Heß

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Jonas Ludwig von Heß (* 8. Juli 1756 in Stralsund; † 20. Februar 1823 in Hamburg) war ein deutscher Schriftsteller, Topograf, Aufklärer und Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabstein Freilichtmuseum Heckengarten Friedhof Ohlsdorf
Grabmaltafel Althamburgischer Gedächtnisfriedhof Ohlsdorf

Der aus Pommern stammende Grundbesitzersohn kam 1780 erstmals nach Hamburg und fand schnell Anschluss an aufgeklärte Kreise. Er verkehrte in den Familien Sieveking und Reimarus, gab zeitweise ein literarisches Journal heraus und veröffentlichte eine dreibändige Hamburg-Topografie, die nicht nur die natürlichen, sondern auch die baulichen und sozialen Verhältnisse in der Stadt beschrieb und bis heute als eines der bedeutendsten Zeitzeugnisse gilt. Anfangs ein glühender Anhänger der französischen Revolution, kritisierte er die Terrorherrschaft ebenso wie die fanatischen Reaktionäre und plädierte dafür, in die „schlichte, ungeschmückte Bahn des Rechts und der Vernunft einzulenken“.[1]

1800 ging Hess nach Königsberg, schrieb an der dortigen Universität in wenigen Wochen eine medizinische Doktorarbeit und kam außerdem in Kontakt zu Immanuel Kant. 1801 kehrte er nach Hamburg zurück, erwarb das Bürgerrecht und heiratete 1805 die Tochter des Senators Johann Michael Hudtwalcker. In der 1810/11 erschienenen erweiterten Neuausgabe seiner Hamburger Topografie widmete er sich vor allem den sozialen Einrichtungen der Stadt und kritisierte vor allem die Zustände im Werk- und Zuchthaus sowie im Krankenhof.

Nach dem vorübergehenden Ende der französischen Besatzung 1813 gehörte Heß zu den Mitbegründern der Bürgergarde und wurde zu deren Kommandanten ernannt. Im Mai 1813 musste er jedoch vor der Übermacht der erneut anrückenden Franzosen kapitulieren und die Stadt fluchtartig verlassen. Er ging über Göteborg nach London, wo er erfolgreich Hilfsgelder für die gegen Frankreich kämpfende Hanseatische Legion einwarb. In England verfasste er außerdem zwei Denkschriften, in denen er sich sowohl für den Erhalt der politischen Selbständigkeit Hamburgs als auch für demokratische Reformen im Inneren einsetzte. Ab 1815 lebte er vier Jahre in Paris, um dort Entschädigungsansprüche von Hamburger Kaufleuten gegenüber dem französischen Fiskus zu vertreten. Nach seiner Rückkehr hielt er auf Anregung der Handelskammer öffentliche Vorlesungen zur Handelsgeschichte und -geografie, zur Schifffahrt und zum Wechselrecht.

Heß wurde auf einem der Dammtorfriedhöfe beigesetzt,[A 1] sein Grabstein befindet sich heute im Grabmal-Freilichtmuseum Heckengarten des Ohlsdorfer Friedhofes. Im Bereich des Ohlsdorfer Althamburgischen Gedächtnisfriedhofs befindet sich darüber hinaus ein Grabmal (“Freiheitskämpfer 1813 1814 1815”) zu Ehren von Jonas Ludwig von Hess und anderen.

1928 wurde der Von-Heß-Weg in Hamburg-Hamm nach ihm benannt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hamburg topographisch, politisch und historisch beschrieben, 3 Bde. (1787–92) (Band 1, (1810), Band 2, (1811) und Band 3, (1811), SUB Hamburg)
  • Durchflüge durch Deutschland, die Niederlande und Frankreich, 7 Bde. (1789–97), (1. Bd.), (2. Bd.), (3. Bd.), (4. Bd.), (5. Bd.), (6. Bd.) und (7. Bd)
  • Versuche zu sehen, 2 Bde. (1797, 1800), 1. Bd. (Digitalisat), 2. Bd. (Digitalisat)
  • Über den Werth und die Wichtigkeit der Freiheit der Hanse-Städte (1814)
  • Agonien der Republik im Frühjahr 1813 (1815), (Digitalisat)
  • Was darf, und was darf nicht in Hamburg geschehen?, Hamburg, 1799, (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jonas Ludwig von Heß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zitiert nach Grolle, Hamburgische Biografie, S. 133.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. letzte Wohnadresse: von Hess, Dr. J. L. ABC-Straße no 141 , 1822, in: Hamburgisches Adress-Buch bei Staatsbibliothek Hamburg