Jungenspiele

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Maipaare des Scherberger Jungenspiels beim Sonntagnachmittagsumzug 2009

Die Jungenspiele haben in und um Würselen im westlichen Rheinland eine lange Tradition. Es handelt sich hierbei um Maigesellschaften, welche nur in der Stadt Würselen als Jungenspiele bezeichnet werden. Erstmals wurden Vorläufer der Jungenspiele im Jahre 1620 urkundlich erwähnt.[1] Im Frühjahr wählen die Maijungen, diese bestehen aus den Junggesellen des Ortsteils, der einzelnen Jungenspiele die Spielspitzen für das laufende Jahr. Diese besteht je nach Jungenspiel aus Maikönig und Maikönigin (wird beim Maisingen bestimmt), Maiknecht und Maimagd, 1. und 2. Pritschenmeister, sowie bis zu 2 Ehrendamen. Neben der Spielspitze gehören zu einem Jungenspiel auch die Maipaare (die Maijungen mit ihren Maimädchen), sowie die Pritschenkinder (Teilweise auch Fahrradkinder, Fahnenträger, Fahnenmädchen) sowie die Fahnenschwenker.

Maisingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maibaum vor dem Scherberger Festzelt 2007

In jedem Jahr in der Nacht zum 1. Mai ziehen die Maijungen unter der Leitung ihres Maikönigs durch ihre Ortsteile und singen mit dem Mailied ihre Maimädchen aus, wobei sie um eine Spende bitten, die aus Lebensmitteln (meist Alkoholika und Eier) oder Geldbeträgen bestehen kann. Am Ende dieser Nacht wird ausgezählt und die großzügigste Spenderin zur Maikönigin ernannt. Zu ihr ziehen die Maijungen in den frühen Morgenstunden des 1. Mai und setzen ihr den Maibaum. Der Maibaum ist eine mit bunten Bändern geschmückte Birke. Es folgt ein gemeinsames Frühstück bei der neuen Maikönigin mit den gespendeten Eiern.

Maiball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Maiball wird entweder in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai („in den Mai feiern“) oder im Laufe des Mai, meistens dann an einem Samstag, gefeiert. Die Traditionen der einzelnen Jungenspiel unterscheiden sich aber nicht nur den Termin betreffend. Teilweise ziehen die Maijungen vor dem Maiball in einem kleinen Festzug zu ihrer Maikönigin um diese zum Maiball abzuholen. Anstatt eines Festzug oder zusätzlich zu diesem wird teilweise auch ein Maibaum an zentraler Stelle des jeweiligen Gebiets aufgestellt und es wird gemeinsam das Mailied gesungen.

Auf den Maibällen der einzelnen Jungenspielen, wird die komplette Spielspitze des Jungenspiels zum ersten Mal der Bevölkerung vorgestellt.

Jungenspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während das Jungenspiel Euchen am ersten Wochenende nach Pfingsten und das Jungenspiel Linden-Neusen am zweiten Wochenende nach Pfingsten ihre Großkirmes feiern, ist der Höhepunkt der Kirmessaison Großkirmes am dritten Wochenende nach Pfingsten. Dann finden mehrere Umzüge der Jungenspiele statt.[2][3] Bereits am Donnerstag werden die Festzelte errichtet, wobei jedes Spiel sein eigenes Zelt stellt. Im Laufe dieses Kirmeswochenendes ziehen die Spiele samstags und am Sonntagvormittag durch ihre jeweiligen Ortsteile, während am Sonntagnachmittag der große, mehrstündige Umzug aller Spiele durch das Ortsgebiet von Würselen stattfindet, eingeleitet durch eine Messe in St.Sebastian und das anschließende große Fahnenschwenken. In einigen Ortsteilen laden die Jungenspiele am Montagmorgen zum Frühschoppen ein, bevor abends ein weiterer Umzug durch die Ortsteile stattfindet. Am Dienstagabend folgt der letzte Umzug durch die Ortsteile. Am Ende eines jeden Umzuges kehrt man in sein Festzelt ein und hat einen geselligen Abend. Das Spiel endet an Kirmesmittwoch, teilweise auch Kirmesdienstag mit dem Spielbegraben.

Eines der drei Jungenspiele im Zentrum (Bissen, Markt-Preck und Oppen-Haal) wird in jedem Jahr durch den Schützenkönig der St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft Würselen 1624 e.V.[4] zum sogenannten Königsspiel. Dadurch entsteht eine enge Verzahnung der Jungenspiele mit der Schützengesellschaft. Eine ähnliche Regelung existiert bei den anderen Spielen und Ortsteilen mit den jeweiligen Schützenvereinen ebenfalls.

Das Bardenberger Jungenspiel richtet sich mit seinem Jungenspielstermin nach Peter und Paul. Die Jungenspiele in Broichweiden (Weidener Jungenspiel, Vorweidener Jungenspiel Nassau und Dobach - St. Jobs) feiern wegen der frühen Schulferien in NRW teilweise die Jungenspiele am 1. Wochenende nach den Schulferien.

Diese Tradition war in der Vergangenheit nicht nur in Würselen verbreitet, in ähnlicher Form gab es diese Veranstaltungen auch in anderen Teilen des Rheinlandes, aber nur in Würselen konnte das Brauchtum der Jungenspiele bis in die heutige Zeit erhalten werden. Dies liegt besonders am Engagement der beteiligten Personen. In Würselen gibt es 13 (12 Offizielle) verschiedene Jungenspiele, jeder Ortsteil feiert mit seinem Jungenspiel die Kirmes, jeder Ortsteil feiert die Kirmes individuell.

Liste der Jungenspiele in Würselen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jungenspiele unterscheiden sich von Königsspielen durch die Existenz eines Schützenkönigs. Neben den drei festen Königsspielen (Scherberg, Schweilbach-Teut, Morsbach), die über eigene Schützenvereine verfügen, gibt es im Ortsgebiet Würselen noch ein wechselndes Königsspiel, welches das Spiel austragen darf, dem der amtierende Schützenkönig der Würselener Sebastianus-Schützen zugerechnet wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. wuerselen.de (Memento des Originals vom 23. August 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wuerselen.de
  2. Kurt Michels: Würselen - Porträt einer Stadt. Verlag der Buchhandlung Kölling, Würselen 1982, ISBN 3-9800430-2-9, S. 132.
  3. wuerselen.de (Memento des Originals vom 23. August 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wuerselen.de
  4. St. Sebastianus Schützen-Gesellschaft Würselen 1624 e.V.

Literaturhinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Michels: Die Würselener Jungenspiele – Maibrauchtum in einer rheinischen Stadt. Verlag der Buchhandlung Kölling, Würselen 1980, ISBN 3-9800430-1-0.
  • Kurt Michels: Würselen - Porträt einer Stadt. Verlag der Buchhandlung Kölling, Würselen 1982, ISBN 3-9800430-2-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]