Käppele (Würzburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Käppele von der Festung Marienberg aus gesehen
Luftbildaufnahme
Innenraum der Wallfahrtskirche
Alte Gnadenkapelle mit Pietà (um 1640)
Deckenfresko im Chor der Kapelle

Käppele ist der volkstümliche Name der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung auf dem Nikolausberg in Würzburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Plänen von Balthasar Neumann wurde 1748 bis 1750 quer vor die alte Gnadenkapelle die Wallfahrtskirche mit den zwei achteckigen Fassadentürmen gebaut, wobei er sich bei der Gestaltung des Äußeren wohl von dem wölbungsreichen Umriss der von Antonio Petrini 1691 fertiggestellten Kirche Stift Haug leiten ließ.[1] Die ehemals kleine Holzkapelle ging auf einen Bildstock zurück, der 1640 von einem Mainfischer in seinem Weinberg während des Dreißigjährigen Krieges aufgestellt wurde. Der Bildstock enthielt eine Darstellung der schmerzvollen Mutter mit dem toten Jesus auf dem Schoß (Vesperbild). Um 1653 entstand eine erste kleine Kapelle, die laufend erweitert wurde. Diese Gnadenkapelle wurde von 1778 bis 1781 in den Neubau der Wallfahrtskirche integriert. Die Konsekration der Kirche erfolgte erst 1824[2] durch Bischof Adam Friedrich Groß zu Trockau.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs blieb die Kapelle zweimal vor der Zerstörung verschont. Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 wurde die Kirche durch ein halbes Dutzend Phosphorbrandbomben getroffen, die Feuer konnten gelöscht werden, und als Schaden blieb ein Loch im Kirchendach über der Orgel. Einem Befehl der SS vom 4. April 1945, das links des Maines gelegene Käppele von der rechten Seite des Maines aus durch umfunktionierte Flakgeschütze vorsorglich zu zerstören, verweigerte sich der Gefreite Ludwig Herrmann aus Geldersheim hartnäckig. Damit bewahrte er das Käppele vor dem Untergang.[3][4]

Wallfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sich während des Dreißigjährigen Krieges entwickelnde Wallfahrt zur Schmerzensmutter wurde seit 1749 von den Kapuzinern betreut, deren Konvent sich im 1748 errichteten Hospiz befand. Nach der Aufhebung des Kapuzinerklosters in der Würzburger Innenstadt (Kapuzinerstraße) nach der Säkularisation von 1803 konnte das Hospiz weiterbestehen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts trafen sich dort auch die Mitglieder einer Allerseelenbruderschaft und die einer Bruderschaft zur schmerzhaften Mutter Gottes. Die Wallfahrt wurde weiterhin von den Kapuzinern betreut und das zeitweilig verwaiste Hospiz ab 1836 wieder mit Kapuzinern besetzt.[5] Am 19. Oktober 2014 haben die Kapuziner nach 260 Jahren das Kloster verlassen, nachdem dies im März des Jahres bereits angekündigt worden war.[6][7]

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deckenfresken in der Kapelle zeigen das Motiv der Kreuzabnahme und Maria als apokalyptisches Weib. Sie wurden 1781 von dem bayrischen Maler Matthäus Günther geschaffen.

Der Altar der alten Gnadenkapelle birgt noch die originale Pietà aus der Zeit um 1640.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel

Die Orgel des Käppele wurde 1991 durch den Hardheimer Orgelbau Vleugels in den historischen Orgelprospekt aus dem Jahr 1750 eingebaut. Dieses Gehäuse stammt wie das nicht mehr erhaltene Werk aus der Werkstatt von Johann Christian Köhler. Die neue bzw. rekonstruierte Disposition ist fast identisch mit der Köhlers. Das rein mechanische Instrument hat 31 Register auf zwei Manualen und Pedal. Auffallend sind die vielen Nebenregister. Die Windversorgung erfolgt über vier Keilbälge.[8]

I Hauptwerk C–f3
1. Principal 8′
2. Rohrflöten 8′
3. Viola di Gamba 8′
4. Solicional 8′
5. Octava 4′
6. Flauto Italiano 4′
7. Spitzflöten 4′
8. Sesquialtera II 223
9. Superoctava 2′
10. Mixtur V 2′
11. Fagotto 8′
12. Trompetta B/D 8′
II Positiv C–f3
13. Gedackt 8′
14. Fugara 8′
15. Piffara 8′
16. Principal 4′
17. Flauto di Amore 4′
18. Quinta 223
19. Octava 2′
20. Flacionet 2′
21. Terz 135
22. Mixtur IV 1′
23. Krummhorn 8′
24. Vox humana 8′
Glockenspiel (ab c0)
Tremulant
Pedal C–d1
25. Subbass 16′
26. Principalbass 8′
27. Violonbass 8′
28. Quintbass 513
29. Octavbass 4′
30. Mixturbass IV 2′
31. Posaunbass 16′

Eine sehr ausführliche und gründliche Dokumentation über den denkmalpflegerischen Befund und die Rekonstruktion der Köhler-Orgel ist nachzulesen auf der Website des Käppele.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptgeläut ist ein Durgeläut mit den Tönen f1, g1, a1 und c2. Die Glockengießerei Klaus in Heidingsfeld goss sie im Jahr 1929. Glocke 1 und 4 hängen auf dem Ostturm, Glocke 2 und 3 auf dem Westturm. Im Dachreiter hängen zwei weitere Glocken des 18. Jahrhunderts mit den Tönen gis2 und h2.

Stationsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Station des Kreuzweges
Stationsweg

Zum Käppele führt ein Treppenaufgang mit („je nach Zählung“) 247 bzw. 265[9] Stufen, der, in halber Höhe vom Mainufer aus gesehen, von 1761 bis 1799 als Kreuzweg errichtet wurde. Die Kreuzwegstationen mit den Treppenanlagen wurden von Oktober 2002 bis Oktober 2006 für 4,4 Millionen Euro saniert.[8] Der Stationsweg ist der größte seiner Art in Deutschland. Er ist in Gestalt von gepflasterten Terrassen angelegt, auf denen große Platanen Schatten spenden. Eine symmetrische Treppenanlage führt jeweils von einer Terrasse zur nächsthöheren.

Das Ensemble aus Kirche und Kreuzweg, eingebettet in die Weinbergslandschaft, gilt als ein bedeutendes Kleinod des Spätbarock. Das Käppele ist eine der wenigen Kirchen in der Stadt, die den Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 ohne größere Schäden überstanden haben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Winfried Jestaedt: Das Würzburger Käppele. Echter Verlag, Würzburg 1999.
  • Paul-Werner Scheele: Das Würzburger Käppele. Wallfahrt, Kreuzweg, Gnadenkapelle, Wallfahrtskirche. Schnell & Steiner, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-2394-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Käppele (Würzburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 576–678 und 942–952, hier: S. 619.
  2. Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1226.
  3. Ulrich Wagner: Die Eroberung Würzburgs im April 1945. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2 (I: Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001, ISBN 3-8062-1465-4; II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004, ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band III (2007), S. 294–314 und 1290–1292; hier: S. 301 f.
  4. Norbert Vollmann: Als das Käppele sterben sollte. In: Mainpost vom 4. April 2015.
  5. Wolfgang Weiß: Die katholische Kirche im 19. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 430–449 und 1303, hier: S. 434 f.
  6. Pressemitteilung: Kapuziner verlassen Käppele. Diözese Würzburg, 18. März 2014, abgerufen am 29. Oktober 2014.
  7. Würzburger Käppele: Mönche ziehen nach 260 Jahren aus. Br-online.de, 20. Oktober 2014, archiviert vom Original am 21. März 2014; abgerufen am 29. Oktober 2014.
  8. a b Geschichte des Käppele. Abgerufen am 30. Dezember 2015.
  9. Christoph Pitz: Käppele. auf Mein-Wuerzburg.com (2015–2018), abgerufen am 4. Juli 2018.

Koordinaten: 49° 47′ 3,5″ N, 9° 55′ 18,8″ O