Königliche Staats- und landwirtschaftliche Akademie Eldena

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Die Königliche Staats- und landwirtschaftliche Akademie Eldena war ein 1835 gegründetes Institut der Universität Greifswald, das 1876 wieder aufgelöst wurde.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitgenössische Darstellung der Klosterruinen von Eldena

Eldena ist ein Ortsteil der Hansestadt Greifswald. Errichtet wurde die Fakultät auf dem Gebiet des 1535 säkularisierten Klosters Eldena. Das Kloster mit Ländereien von 14.400 ha war der Universität 1634 von Bogislaw XIV., dem letzten Herzog von Pommern, geschenkt worden.[2] Dadurch war das wirtschaftliche Überleben der Universität Greifswald gesichert worden.[3] Die Gebäude dienten auch der Universität in den folgenden Jahrzehnten als Steinbruch und wurden nicht weiter genutzt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akademie war zur Zeit ihrer Gründung der Philosophischen Fakultät der Universität Greifswald angegliedert. Mit ihr entstand erstmals in Preußen eine Ausbildungsstätte, an welcher die universitäre landwirtschaftliche Ausbildung in enger Verbindung mit der Praxis ermöglicht wurde.[4] Friedrich Gottlob Schulze, der vorher an der Friedrich-Schiller-Universität Jena lehrte, wurde aus als erster Direktor und Professor zur Leitung der Anstalt an die Universität Greifswald berufen. Er berichtet von schwierigen Anfängen, da es zwischen Eldena und Greifswald nur schlechte Wege gab und er in Greifswald Gebäude vorfand, die Ruinen glichen. Als erstes Auditorium diente ein ehemaliger Schafstall, und Wohnungen für sich und weitere Lehrer waren kaum zu finden. Am 22. März 1835 meldete Schulze an die Universität Greifswald, das der Lehrbetrieb am 18. Mai 1835 aufgenommen würde. Begonnen wurde mit 22 Studenten, welche zum Teil Schulze aus Jena gefolgt waren.[5]

Die Akademie wuchs rasch, und schon im dritten Semester waren 64 Studenten immatrikuliert. Zur selben Zeit waren in Greifswald insgesamt nur wenig mehr als 100 Studenten eingeschrieben. Der Erfolg der Akademie erregte die Missgunst bei den Greifswalder Professoren. Schulze beendete seine Tätigkeit nach vier Jahren und eröffnete sein Institut in Jena wieder.[6] Bis zu diesem Zeitpunkt hatten 213 Studenten in Eldena studiert.[7] Der Grund waren ständige Streitereien mit den Greifswalder Professoren über die Besetzung der Planstellen und auch seine Unzufriedenheit darüber, dass er zu wenig Unterstützung in seinem eigenen Fachgebiet, der Staats- und Kameralwissenschaft erhielt.[8] Während seiner Militärzeit als Einjährig-Freiwilliger 1838/39 war Otto von Bismarck Gasthörer an der Akademie in Eldena und musste dort vermutlich auch einige Zeit im Karzer verbringen.[9]

Ehemaliges Akademiegebäude in der Hainstraße 5, heute Forstamt

Zum Nachfolger von Schulz wurde Heinrich Wilhelm von Pabst berufen, der die Aufbauarbeit im Sinne seines Vorgängers fortführte. Der Weggang von Schulz wird heute als Beispiel dafür genannt, dass es damals Differenzen darüber gab, inwieweit die Lehre in der Landwirtschaft wissenschaftlich oder eher praxisbezogen sein sollte. Die mangelnde Wissenschaftlichkeit führte später dazu, dass sämtliche deutschen Akademien, außer in Weihenstephan, als universitäre Einrichtungen geschlossen wurden. In der Zeit von Pabst wurden die Gebäude und Einrichtungen neu errichtet oder modernisiert und komplettiert. Carl August Peter Menzel entwarf die meisten Pläne, unter anderem den des dann doch nicht realisierten neuen Hauptgebäudes. Pabst verließ die Akademie 1843. Der neue Direktor, Eduard Baumstark, schrieb dazu später, das erst mit der Fertigstellung aller Gebäude Ende 1842 die Akademie wird als gegründet angesehen werden konnte.[8]

Von den Studenten der Universität Greifswald aus dem damaligen Russischen Kaiserreich besuchten mit 134 von 192 Personen fast 70 % die Akademie Eldena. In der Mehrzahl waren dies Deutsch-Balten. Die in Eldena aufgebaute Musterwirtschaft mit der verbundenen Ausbildung aus Theorie und Praxis war für die baltischen Gutsbesitzer, besonders nachdem das landwirtschaftliche Institut an der Universität Dorpat nach nur kurzem Bestehen wieder geschlossen worden war, ein Anreiz ihren Nachfolgern eine gute Ausbildung zukommen zu lassen. Die Mikroskopierübungen und chemischen Analysen, welche Bestandteil der Ausbildung waren, verdeutlichen die Verbindung zwischen theoretischer und praktischer Ausbildung. Studenten in Eldena waren offiziell an der Philosophischen Fakultät in Greifswald eingeschrieben. In der Praxis war das allerdings kaum von Bedeutung und von ihnen wurden kaum Vorlesungen in Greifswald besucht. Ein weiterer Grund für den Besuch der Akademie waren sicher auch die einfachen Zugangsmöglichkeiten. Für ausländische Studenten bestanden die nur in einem polizeilichen Führungszeugnis und der Einverständniserklärung des Vaters, ohne dass eine besondere schulische Vorbildung gefordert wurde.[10]

Aus Polen besuchten 90 Studenten die Akademie. In den Anfangsjahren von Eldena studierte der überwiegende Anteil der Polen, die sich in Greifswald eingeschrieben hatten, in Eldena. Nachdem 1847 im schlesischen Proskau ebenfalls ein landwirtschaftliches Lehrinstitut eröffnet hatte, gab es kaum noch polnische Studenten in Eldena.[11] Aus Ungarn kamen nur 11 Personen, was auch relativ weniger als 10 % der ungarischen Studenten in Greifswald entspricht.[12] Aus anderen Ländern kamen bis 1870 aus Holland ein Student, aus Dänemark, Norwegen und Schweden zusammen 16 Studenten, aus der Türkei ein Student und aus Nord- beziehungsweise Südamerika je zwei Studenten. Nach 1860 ließ der Besuch durch ausländische Studenten spürbar nach, da damals auch in den jeweiligen Heimatländern Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen worden waren.[4]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die meisten landwirtschaftlichen Akademien entweder einer Universität angeschlossen oder geschlossen. Zu lange hatten sie sich neue wissenschaftlichen Erkenntnissen nur zögernd angenommen.[13] So war Ferdinand Jühlke als Leiter der Gartenbauabteilung gegen die „fortlaufende Verwissenschaftlichung des Unterrichts (aufgetreten), die zu Einschränkungen bei der praktischen Ausbildung führe.“[14]

Die Bibliothek der Akademie wurde von der Universitätsbibliothek Greifswald erworben. 1877 wurden von dieser 3.500 Bände und 1922 nochmals 2.247 Bände übernommen. Heute besteht ein bedeutender Teil der historischen Bestände im Fachgebiet Landwirtschaft aus dieser Übernahme.[15]

Insgesamt hatten 1.400 Studenten die Akademie während ihres ungefähr 40-jährigen Bestehens besucht. Der Lehrplan war straff organisiert und ließ ihnen wenig Freiheiten in ihrer Zeitgestaltung während des für gewöhnlich zweijährigen Studiums. Eine Besonderheit für die damalige Zeit war es, dass sich die Studenten duzten.[4][16]

Das Klostergelände, auf dem sich die Akademie befand, war bis 1939 im Besitz der Universität Greifswald.[17]

Landwirtschaftsschule

Auch nachdem in Eldena keine universitäre Ausbildung mehr angeboten wurde, blieb es ein Standort für landwirtschaftliche, gärtnerische und forstwirtschaftliche Ausbildung. Die Landwirtschaftsschule wurde 1933 in „Mackensen-Schule“ umbenannt und nach der kriegsbedingten Schließung im Zweiten Weltkrieg nach 1950 in der DDR zu einer landwirtschaftlichen Ingenieurschule. Nach der Wiedervereinigung beherbergen die Gebäude unter anderem eine Berufsschule.

Institute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gartenbaulehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während ihres Bestehens erweiterte die Akademie umfangreich ihre Einrichtungen, Lehr- Und Forschungsmittel und Sammlungen, um ihrem von Anfang an bestehenden Anspruch gerecht zu werden, dass Lehre und Forschung eine untrennbare Einheit bilden. In der Gartenbaulehre, für die 3 Semester vorgesehen waren,wurden die Fachbereiche "Handelsgewächsanbau", "Gemüsegartenbaulehre", "Obstbaulehre" und "Landschaftskunst als Gartenbaulehre" zusammengefasst.[18] Der akademische Gärtner Ferdinand Jühlke unterrichtete Gartenbau von Beginn an als Teil der praktischen Ausbildung. Ab dem Wintersemester 1843/44 war es ein eigenständiges Lehrfach. Ab da erteilte Jühlke vollständigen Unterricht in Obstbaumzucht, ländliche Verschönerungskunst, allgemeine Kultur der Forstpflanzen, Obstbau- und Gehölzzucht, landwirtschaftlicher Küchengartenbau, Verschönerung ländlicher Besitzungen, Gemüsegartenbau und Gartenbau in seiner Beziehung zur Landwirtschaft. Hugo Schober schrieb 1843 dazu, dass der Unterricht bei Jühlke vielfältigen Nutzen und ein edles reines Vergnügen aber das es nur in den seltensten Fällen angemessen sein kann wenn ein Landwirt Gärten und Parks anlege, welche nur dem Vergnügen dienen sollen.[19]

Angelegt waren ungefähr 4 ha akademische Gärten, die den neuen Wirtschaftshof und das Akademiegebäude fast vollständig umgaben. Ferdinand Jühlke als Verantwortlicher für die Betreuung sämtlicher Obst- und Gartenbaulichen Anlagen sah den Zweck der Gärten und Baumschulen in der Prüfung neuer Kultursorten und dem Beispiel für die praktische Landwirtschaft, um den dort Tätigen ein höheres Einkommen zu ermöglichen.[20] Er entwarf auch einen Idealplan für die Anlage eines 1,5 ha großen Versuchsgartens bei jeder Landwirtschaftsschule. In der praktischen Gartenbaulehre wurden in Eldena neue Obst-, Gemüse- und Gehölzarten angebaut und geprüft. Ebenso wurde mit neuen Schnitt- und Drainageverfahren experimentiert. Neue Maschinen, wie der Dampfpflug und neue Betriebseinrichtungen, wie Heizungen für Gewächshäuser, kamen zum Einsatz. Auch Fragen zur Düngung und dem Einfluss der Elektrizität auf das Pflanzenwachstum wurden wissenschaftlich bearbeitet. Dabei stand die Abteilung mit Wissenschaftlern, Gärtnern, Baumschulbesitzern aus ganz Europa im Austausch und in Kontakt.[21]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Wilhelm von Pabst

Direktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Professoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Hoffmann: 125 Jahre landwirtschaftliche Lehranstalten in Eldena bei Greifswald in Festschrift der Fachschule für Landwirtschaft und Melioration Greifswald-Eldena zur 125-Jahr-Feier und zum 10-jährigen Bestehen der demokratischen Fachschule am 25. Mai 1960, Greifswald-Eldena, 1960, S. 9–13[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chronik der Universität Greifswald (Memento des Originals vom 18. Dezember 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uni-greifswald.de (abgerufen am 8. November 2014)
  2. a b Die Klosterruine auf greifswald-eldena.de, abgerufen am 8. November 2014
  3. Dirk Alvermann, Nils Jörn, Jens E. Olesen: Die Universität Greifswald in der Bildungslandschaft des Ostseeraums, LIT Verlag Münster, 2007, ISBN 9783825801892, S. 71
  4. a b c d Heinz Duchhardt (Herausgeber): Jahrbuch für Europäische Geschichte Band 6, Oldenbourg Verlag, 2005, S. 40 ff. Vorschau bei googlebooks
  5. Die Akademie auf greifswald-eldena.de, abgerufen am 9. November 2014
  6. T.A. Goltz: Geschichte Der Deutschen Landwirtschaft, Verlag Cotta, Stuttgart 1902/03, S. 167 ff.online bei googlebooks
  7. T.A. Goltz: Geschichte Der Deutschen Landwirtschaft, Verlag Cotta, Stuttgart 1902/03, S. 125 online bei googlebooks
  8. a b Angela Pfennig: Die Welt ein großer Garten: der Königlich-Preußische Hofgartendirektor Ferdinand Jühlke (1815-1893), Lukas Verlag, 2002, S. 64/65 ISBN 9783931836887
  9. Eckhard Oberdörfer, Horst Dieter Schroeder: Ein fideles Gefängnis. Greifswalder Karzergeschichten in Wort und Bild, Schernfeld, Edition Studentica im SH-Verlag, 1991, S. 68 (nach einer online verfügbaren Buchbesprechung)
  10. Dirk Alvermann, Nils Jörn, Jens E. Olesen: Die Universität Greifswald in der Bildungslandschaft des Ostseeraums, LIT Verlag Münster, 2007, ISBN 9783825801892, S. 344/345
  11. Dirk Alvermann, Nils Jörn, Jens E. Olesen: Die Universität Greifswald in der Bildungslandschaft des Ostseeraums, LIT Verlag Münster, 2007, ISBN 9783825801892, S. 378
  12. Dirk Alvermann, Nils Jörn, Jens E. Olesen: Die Universität Greifswald in der Bildungslandschaft des Ostseeraums, LIT Verlag Münster, 2007, ISBN 9783825801892, S. 394
  13. Bundesverband Agrar Ernährung Umwelt: Entwicklung der landwirtschaftlichen akademischen Ausbildung online als pdf (Memento des Originals vom 3. September 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vdl.de
  14. Angela Pfennig: Die Welt ein grosser Garten: der Königlich-Preussische Hofgartendirektor Ferdinand Jühlke (1815-1893), Lukas Verlag, 2002, S. 49 ISBN 9783931836887
  15. Felicitas Marwinski Friedhilde Krause Eberhard Dünninger, Friedhilde Krause, Gerhard Heitz, Karen Kloth: Handbuch der historischen Buchbestände. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, Georg Olms Verlag, S. 59 und 76, ISBN 3487416832
  16. Hans-Uwe Lammel, Gisela Boeck: Tochter oder Schwester – die Universität Greifswald aus Rostocker Sicht, Referate der interdisziplinären Ringvorlesung des Arbeitskreises „Rostocker Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte“ im Wintersemester 2006/07, S. 28 (online als pdf)
  17. Klosterruine Eldena auf der website des Deutschen Verbands für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. (abgerufen am 28. Juni 2015)
  18. Angela Pfennig: Landesverschönerung durch Obstbau in Nordvorpommern und Rügen -Die Baumschulen der königlichen Staats- und landwirtschaftlichen Akademie Eldena in Sylvia Butenschön (Hrsg.): Frühe Baumschulen in Deutschland, Universitätsverlag der Technischen Universität Berlin, 2012, S. 175
  19. Andrea Pfennig, S. 176
  20. Andrea Pfennig, S. 176
  21. Angela Pfennig: Landesverschönerung durch Obstbau in Nordvorpommern und Rügen -Die Baumschulen der königlichen Staats- und landwirtschaftlichen Akademie Eldena, S. 177


Koordinaten: 54° 5′ 17,9″ N, 13° 26′ 59″ O