Körchow

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Körchow
Wappen von Körchow
Koordinaten: 53° 27′ 0″ N, 11° 4′ 0″ O
Höhe: 64 m ü. NHN
Fläche: 26 km²
Einwohner: 773 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte: 30 Einwohner/km²
Eingemeindung: 25. Mai 2014
Postleitzahl: 19243
Vorwahlen: 038848, 038852

Körchow ist ein Ortsteil der Stadt Wittenburg im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland).

Zur Ortschaft gehören die Ortsteile Körchow, Perdöhl und Zühr.[1]

Geografie und Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Körchow liegt etwa sieben Kilometer südlich von Wittenburg und neun Kilometer westlich von Hagenow, wo sich auch die nächste Bahnanbindung befindet. Die Bundesautobahn 24 verläuft etwa sechs Kilometer nördlich der Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Körchow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Körchow

Körchow wird 1194 als Kurchowe im Isfriedschen Teilungsvertrag erstmals urkundlich erwähnt. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die romanische Feldsteinkirche erbaut. Sie wird bereits 1230 im Ratzeburger Zehntregister genannt, welches die damals zum Bistum Ratzeburg gehörenden Ortschaften geordnet nach Kirchspielen auflistet. Mit ihren bis zu 2,6 Meter starken Mauern im Turm und den schießschartenähnlichen Fenstern macht sie den Eindruck einer mittelalterlichen Wehrkirche, ist aber zu diesem Zweck weder errichtet noch als solche genutzt worden.

In den Jahren 1734/35 war der in Wittenburg geborene Satiriker Christian Ludwig Liscow kurzzeitig als Gutsverwalter der Familie von Clausenheim angestellt. In der Kirche von Körchow finden sich verschiedene Hinweise auf die Familie, so ein Monogramm am Kanzelaufgang, ein Wappen mit der Jahreszahl 1761 an der Empore und ein Epitaph für Johann Heinrich von Clausenheim.

Bis in die 1930er Jahre war der Ort ein Gutsdorf und wurde dann aufgesiedelt, das heißt für die Besiedlung in Bauernwirtschaften aufgeteilt. Es entstanden vierzig Neubauernstellen. Körchow ist also niemals Stammgut einer Familie gewesen.

Das Gutshaus Körchow ist im Stil eines englischen Herrenhauses gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die oberen Stockwerke des älteren Gebäudes abgetragen, das Erdgeschoss entkernt und als Düngemittel-Lager genutzt. Später wurde daraus ein Tanzsaal für die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG). Der neuere Teil diente bis 1972 Wohnzwecken, das Gemeindebüro und die LPG-Küche waren darin untergebracht und zeitweilig auch der Kindergarten. 1976 wurde auch dieser Teil bis zum Erdgeschoss abgetragen und größtenteils eingeschossig wieder aufgebaut. Bis 2002 wurde das Gutshaus als Gaststätte genutzt. 2007 erwarben die neuen Eigentümer das Gut und bauen es zu einem regionalen Veranstaltungsort aus. Gut Körchow ist auch Vereinsheim des Griese Gegend e.V. sowie mit INOSCENO, dem Internet und Open Source Center Nord, seit Anfang 2011 Anlaufstelle für die Anhänger von Open-Source-Software.

Zum 25. Mai 2014 wurde Körchow zusammen mit Lehsen nach Wittenburg eingemeindet.[2]

Zühr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Zühr wird – ebenso wie Körchow und Perdöhl – bereits 1194 im Isfriedschen Teilungsvertrag erstmals urkundlich erwähnt. Zühr war seit dem 14. Jahrhundert das mecklenburgische Stammgut des lauenburgischen Geschlechts von Züle. In der Ortsmitte von Zühr befindet sich das um 1740 für den sächsisch-polnischen Feldmarschall von Zühlen (Züle) in Fachwerkbauweise errichtete Herrenhaus Zühr. Breit gelagert mit dreizehn Achsen und zweigeschossig, ist das Gutshaus mit einem hohen Walmdach versehen. Die Mitte wird durch einen dreiachsigen Mittelrisalit mit einem flachen Giebeldreieck betont. Über der Tür zeigt ein Wappen drei Eichenblätter an einem Aststück. Es ist das Wappen der Familie von Graevenitz, die das Gut Zühr ab 1830 besaß. Im 19. Jahrhundert wurden an den Giebeln und auf der Parkseite des Gutshauses Veränderungen vorgenommen, an der nachträglich angebrachten Veranda sind der Name und das Datum C. v. G. (Graevenitz) 1863 zu erkennen.[3] Familie von Graevenitz verkaufte das Gut 1930 an eine Siedlungsgesellschaft.

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde das Gutshaus durch den Bund Deutscher Mädel genutzt. Zu DDR-Zeiten wurde es als Altenheim genutzt. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten beherbergt das Haus heute eine Wohn-, Arbeits- und Lebensgemeinschaft St. Josef der Caritas Mecklenburg e.V.

Westlich vom Herrenhaus befindet sich im angrenzenden Park ein ringsum von Wasser umgebener Hügel einer abgegangenen Turmhügelburg, zu dem eine kleine Brücke führt. Das um 1930 erweitere ehemalige Schulgebäude wird heute als Gemeindezentrum genutzt.

Die meisten Bauernhöfe sind im Zuge der Truppenübungsplatzerweiterung durch die Umsiedlung nach Mecklenburg zwischen 1936 und 1942 entstanden, was auch an ihrer annähernd gleichen Bauweise zu sehen ist.

Flagge und Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 9. Juni 1999 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 191 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Rot eine eingebogene goldene Spitze, worin ein roter Kirchturm mit Rundfenster, geschlossener Rundbogenpforte und Walmdach sowie schwarzem Kreuz; vorn eine goldene Korngarbe; hinten ein goldener Pferderumpf.“[4]

Das Wappen wurde von dem Schweriner Heraldiker Karl-Heinz Steinbruch gestaltet.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flagge der Gemeinde Körchow

Die Flagge der ehemaligen Gemeinde ist gleichmäßig längsgestreift von Gold (Gelb) und Rot; in der Mitte des Flaggentuches liegt, auf jeweils zwei Drittel der Höhe des goldenen (gelben) und roten Streifens übergreifend, das Gemeindewappen. Die Länge des Flaggentuches verhält sich zur Höhe wie 5:3.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor Kliefoth, der bedeutendste Theologe der mecklenburgischen Kirchengeschichte, wurde am 18. Januar 1810 in Körchow geboren. Nach seinen geistlichen Richtlinien wurde die Paulskirche in Schwerin gebaut. Heute ist eine Straße in Körchow nach ihm benannt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Körchow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. § 1 der Hauptsatzung (Memento vom 7. Mai 2014 im Internet Archive) (PDF; 28 kB) der ehemaligen Gemeinde Körchow
  2. Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Gebietsänderungen
  3. Neidhardt Krauß: Fachwerk-Gutshaus von Zühr. In: Mecklenburg-Magazin. Regionalbeilage der SVZ (1992) Nr. 5, S. 11.
  4. a b § 2 der Hauptsatzung (Memento vom 7. Mai 2014 im Internet Archive) (PDF; 28 kB) der ehemaligen Gemeinde Körchow