Wittenburg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wittenburg
Wittenburg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wittenburg hervorgehoben

Koordinaten: 53° 31′ N, 11° 5′ O

Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Ludwigslust-Parchim
Amt: Wittenburg
Höhe: 40 m ü. NHN
Fläche: 80 km2
Einwohner: 6313 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner je km2
Postleitzahl: 19243
Vorwahlen: 038848, 038852
Kfz-Kennzeichen: LUP, HGN, LBZ, LWL, PCH, STB
Gemeindeschlüssel: 13 0 76 152
Stadtgliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Molkereistraße 4
19243 Wittenburg
Website: www.amt-wittenburg.de
Bürgermeisterin: Margret Seemann (SPD)
Lage der Stadt Wittenburg im Landkreis Ludwigslust-Parchim
BrandenburgNiedersachsenSchleswig-HolsteinSchwerinLandkreis Mecklenburgische SeenplatteLandkreis RostockLandkreis NordwestmecklenburgBanzkowPlatePlateSukowBengerstorfBesitz (Mecklenburg)BrahlstorfDersenowGresseGreven (Mecklenburg)Neu GülzeNostorfSchwanheideTeldauTessin b. BoizenburgBarninBülow (bei Crivitz)CrivitzCrivitzDemenFriedrichsruheTramm (Mecklenburg)ZapelDömitzGrebs-NiendorfKarenz (Mecklenburg)Malk GöhrenMallißNeu KalißVielankGallin-KuppentinGehlsbach (Gemeinde)Gehlsbach (Gemeinde)GranzinKreienKritzowLübzObere WarnowPassow (Mecklenburg)Ruher BergeSiggelkowWerder (bei Lübz)Goldberg (Mecklenburg)DobbertinGoldberg (Mecklenburg)MestlinNeu PoserinTechentinGoldberg (Mecklenburg)BalowBrunowDambeckEldenaGorlosenGrabow (Elde)Karstädt (Mecklenburg)KremminMilow (bei Grabow)Möllenbeck (Landkreis Ludwigslust-Parchim)MuchowPrislichGrabow (Elde)ZierzowAlt ZachunBandenitzBelschBobzinBresegard bei PicherGammelinGroß KramsHoortHülseburgKirch JesarKuhstorfMoraasPätow-SteegenPicherPritzierRedefinStrohkirchenToddinWarlitzAlt KrenzlinBresegard bei EldenaGöhlenGöhlenGroß LaaschLübesseLüblowRastowSülstorfUelitzWarlowWöbbelinBlievenstorfBrenz (Mecklenburg)Neustadt-GleweNeustadt-GleweCambsDobin am SeeGnevenPinnow (bei Schwerin)Langen BrützLeezen (Mecklenburg)Pinnow (bei Schwerin)Raben SteinfeldDomsühlDomsühlObere WarnowGroß GodemsZölkowKarrenzinLewitzrandRom (Mecklenburg)SpornitzStolpe (Mecklenburg)ZiegendorfZölkowBarkhagenGanzlinGanzlinGanzlinPlau am SeeBlankenbergBorkowBrüelDabelHohen PritzKobrowKuhlen-WendorfKloster TempzinMustin (Mecklenburg)SternbergSternbergWeitendorf (bei Brüel)WitzinDümmer (Gemeinde)HolthusenKlein RogahnKlein RogahnPampowSchossinStralendorfWarsowWittenfördenZülowWittenburgWittenburgWittenburgWittendörpGallinKogelLüttow-ValluhnVellahnZarrentin am SchaalseeBoizenburg/ElbeLudwigslustLübtheenParchimParchimParchimHagenowKarte
Über dieses Bild

Wittenburg ist eine Stadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist seit 1. Januar 2004 Sitz des Amtes Wittenburg. Der Ort ist ein Grundzentrum.[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage und Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brücke über die Motel mit dem Wittenburger Wappen

Die Kleinstadt im Westen von Mecklenburg-Vorpommern liegt an dem kleinen Fluss Motel unmittelbar nördlich der Autobahn A24 BerlinHamburg. Sie liegt etwa 40 Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt Schwerin und ist Teil der Metropolregion Hamburg. Im Nordwesten der Stadt befindet sich das Biosphärenreservat Schaalsee.

Ortsteile der Stadt Wittenburg sind: Körchow, Lehsen, Zühr, Perdöhl, Wölzow, Helm, Klein Wolde und Ziggelmark.[3]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittlere Niederschläge
Der Jahresniederschlag beträgt 653 mm. Der Niederschlag liegt im unteren Drittel der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes. 31 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Februar; der meiste Regen fällt im August. Im niederschlagsreichsten Monat fällt etwa 1,6-mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagsschwankungen liegen im unteren Drittel. In nur 2 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger stark (Durchschnittswerte 1961–1990).

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Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtsbergturm

Vorgeschichtliche Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon aus vorgeschichtlicher Zeit lassen sich in und um Wittenburg Spuren menschlicher Siedlungstätigkeit nachweisen. Mit der einsetzenden Völkerwanderung rückten aus den östlichen Gebieten wendische Siedler vor. In der Gegend um das heutige Wittenburg ließ sich ein Stamm der Polaben nieder. Zu dieser Zeit wird die Entstehung der Burganlage mit dem späteren Namen „Amtsberg“ im sumpfigen Gebiet der Motelniederung vermutet.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wittenburg gehörte Anfang des 12. Jahrhunderts zum Gebiet des abodritischen Teilstammes der Polaben. 1142 belehnte Heinrich der Löwe den sächsischen Grafen Heinrich von Badewide mit dem Land der Polaben, das nach ihrem Hauptort bald als Grafschaft Ratzeburg bezeichnet wurde. An den kulturellen, wirtschaftlichen und religiösen Traditionen der Wenden änderte sich dadurch zunächst nichts. Erst im Zuge des Slawenkreuzzuges dürfte die slawische Burganlage in Wittenburg zerstört worden und anschließend eine kleine deutsche Ansiedlung als Grenzstation zum benachbarten Gebiet der Abodriten entstanden sein. Diese wurde im Herbst 1158 durch ein abodritisches Aufgebot unter Pribislaw und Wertislaw eingeäschert, die mit dem erfolgreichen Überfall ihren in Lüneburg von Heinrich dem Löwen eingekerkerten Vater Niklot freipressten. Nach Niklots Tod 1160 kam es unter der Führung des alt-sächsischen Edelfreien-Geschlechts der Witten zu einem Wiederaufbau der Burg, die der deutschen Exklave in Schwerin und dem dort soeben eingerichteten Bistum unter Berno militärische Rückendeckung geben sollte. Am Fuß dieser Burg entstand erneut eine Siedlung, in der sich Handwerker und Händler niederließen. Es dürfte auch zu ersten zaghaften Ansiedlungen deutscher Kolonisten gekommen sein, auch wenn die ganz überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Polaben waren. So bildete die neue Burg den Ausgangspunkt für die spätere Stadtgründung Wittenburgs.

Stadtgründung

Die Stadtgründung Wittenburgs ist urkundlich nicht eindeutig überliefert. Im Jahre 1194 wurde Wittenburg als „provincie“ der Grafschaft Ratzeburg im Isfriedschen Teilungsvertrag erwähnt. Am 25. Mai 1201 kam es dann bei Waschow zu einer Schlacht zwischen den Ratzeburgern und Schweriner Grafen, in deren Verlauf die Burg sich kampflos ergab. Das Land und die Stadt Wittenburg fielen auf Anordnung des dänischen Königs Waldemar II. drei Jahre später der siegreichen Schweriner Grafschaft zu. Erst unter den neuen Grafen, den Brüdern Gunzelin II. und Heinrich I. setzte eine nennenswerte Besiedlung ein. 1226 verlieh Kaiser Friedrich II. der Stadt Lübeck die Reichsfreiheit und sichert ihr den ungehinderten Handelsverkehr mit Hamburg, Schwerin, Ratzeburg und Wittenburg zu. Dieses Datum steht auch für die Stadtgründung Wittenburgs, möglicherweise erfolgte diese aber auch schon früher. 1230 wurde Wittenburg schließlich als „civitas“ im Ratzeburger Zehntregister aufgeführt, welches die damals zum Bistum Ratzeburg gehörenden Ortschaften geordnet nach Kirchspielen auflistet.
In Alt-Wittenburg herrschte das 1319 bestätigte Lübische Stadtrecht.

Hauptstadt der Grafschaft

St. Bartholomäus-Kirche

Im Jahr 1282 war Wittenburg Hauptstadt einer selbständigen Grafschaft, die sich von der Elbe bei Boizenburg bis hinter Crivitz erstreckte. Ungefähr siebzig Jahre dauerte diese Wittenburger Grafenzeit, die Glanzperiode der Stadt, denn durch die regen Handelsbeziehungen mit Lübeck blühte der Ort wirtschaftlich auf. In dieser Zeit spielte die Wehrhaftigkeit eine entscheidende Rolle. Noch heute zeugen Reste der einstigen Befestigungsanlagen von der Stärke dieser Bauten; das Mühlentor wurde 1850 und das Steintor 1869 abgerissen.

Mit dem Bau der Stadtkirche St. Bartholomäus wurde um 1240 begonnen. Die frühgotische Backsteinkirche wurde zwischen 1257 und 1284 geweiht.

Wittenburg bei Mecklenburg

Die Stadt Wittenburg fiel 1358 durch Kauf an die mecklenburgischen Herzöge. Viele Jahre diente ihnen die Burganlage als Notlager und Nebenresidenz, später als Wohnsitz fürstlicher Witwen. 1496 hatte die Stadt 500 bis 600 Einwohner. Wittenburg wurde Landstadt in Mecklenburg und als solche Teil der Städte im Mecklenburgischen Kreis, die bis 1918 auf mecklenburgischen Landtagen der 1523 vereinten Stände vertreten waren. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts weilte Herzogin Sophia mehrere Male im Wittenburger Schloss. Die tatkräftige Herzogin setzte sich für die Einführung und Förderung der Eisenindustrie ein. Durch die Ausnutzung des in der Gegend vorkommenden Raseneisensteins siedelte sie Eisenschmelz- und Hammerwerke an und versuchte damit, den Wohlstand der Stadt zu heben. Diese Werke sind nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder verschwunden.

Dreißigjähriger Krieg und danach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hungerturm

Auch während des Dreißigjährigen Krieges stand Wittenburg unter dem Schutz von Herzogin Sophie, indem sie Schutzbriefe erwirkte. In kämpferische Handlungen war Wittenburg in den ersten Kriegsjahren nicht verwickelt, jedoch zermürbten ständige Unternehmungen zur Verteidigung der Stadt und die damit verbundenen Steuern und Abgaben die Einwohner. Schlimm wütete 1629/1630 die Pest in der Stadt. In den folgenden Jahren griffen kriegerische Handlungen auch auf Mecklenburg über. Einquartierungen und Plünderungen mussten die Bürger Wittenburgs mehrfach erleiden. Der schlimmste Tag jedoch war der 1. Februar 1642, als Kroaten die Stadt im Sturm nahmen und furchtbar hausten. 1644 lebten noch etwa 100 Bürger in der Stadt.

1657 brannte fast die gesamte Stadt nebst Rathaus, Kirchendach und Glockenstuhl bis auf drei Häuser nieder. 1679 und 1726 wüteten weitere Stadtbrände.

1735 wurden die Stadt und das Amt Wittenburg mit sieben anderen Ämtern von Herzog Christian Ludwig II. an Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg verpfändet. Dies war die Folge der Reichsexekution, welche Christian Ludwigs Bruder Karl Leopold verursacht hatte. Eine lüneburgische Besatzung lag 33 Jahre in der Stadt. Erst 1768 wurden diese Landesteile mit einer Million Talern wieder eingelöst. Ein Motiv auf dem Wittenburger Notgeld zeigt den Tross mit der Ablösesumme.[4]

Franzosenzeit

In der im November 1806 beginnenden Besetzung durch Napoléon Bonaparte, der „Franzosenzeit“, hatten die Wittenburger besonders zu leiden. Die Stadt lag an der großen Heerstraße zwischen Boizenburg und Schwerin und war damit eine besonders günstige Station für unaufhörliche Truppendurchzüge und Einquartierungen.

Zeit des technischen Aufschwungs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 19. Jahrhundert brachte durch seine Fortschritte in der Technik und die dadurch bewirkten Umwälzungen auf den Gebieten des Verkehrs und des wirtschaftlichen Lebens sowie in den politischen Verhältnissen auch für Wittenburg eine neue Zeit. Es entstanden neue Straßenzüge, erste Firmen gründeten sich, wie die Gasanstalt und Molkerei. Moderne Bauten, so das Amtsberggebäude 1848, das Rathaus 1852, die Stadtschule am Lindenwall 1874, die kaiserliche Post 1889, der Turmanbau an der Kirche 1908/1909, das Gaswerk 1909 und das Bahnhofsgebäude wurden errichtet. Die Entwicklung wurde mit dem Anschluss an die Eisenbahnlinie HagenowNeumünster im Jahre 1894 stark vorangetrieben. Bis 1923 wurde eine eigene Stromversorgung aufgebaut.

Krieg und Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krieg und Zerstörung

Von direkten Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg war Wittenburg nicht betroffen. Der Abwurf von Bomben forderte in Wittenburg mehrere Todesopfer. Es wurden Gebäude zerstört, die jedoch noch während der Kriegszeit wieder aufgebaut wurden. Nach der Kapitulation Deutschlands besetzten zunächst US-amerikanische, dann britische Truppen die Stadt. Kurz darauf übernahm die sowjetische Besatzungsmacht die Kontrolle. Mit ihr kamen Diebstähle, Vergewaltigungen und der Abtransport von Akademikern, Unternehmern und Großbauern in das sowjetische Speziallager Nr. 9 Fünfeichen.[5] In der Stadt wurden zahlreiche Flüchtlingslager eingerichtet. Die Stadtschule diente als Lazarett. Durch den Zustrom von Umsiedlern, Flüchtlingen und Vertriebenen aus den Ostgebieten erhöhte sich die Einwohnerzahl kurz nach dem Krieg von 4300 auf 8000. Viele von ihnen fanden in Wittenburg eine neue Heimat.

Wiederaufbau und DDR

In der DDR entwickelte sich auch in Wittenburg das wirtschaftliche und kulturelle Leben. In der kleinen Stadt dominierten zwei größere Betriebe, die Milchkonservenfabrik und die Konsum-Süßwarenfabrik. Es gab eine Reihe größerer und kleinerer Handwerksbetriebe. Hauptsächlich war Wittenburg vom Obstanbau und von der Landwirtschaft geprägt. Von 1952 bis 1990 gehörte Wittenburg zum Kreis Hagenow im Bezirk Schwerin.

Nach der politischen Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wendezeit

Im Herbst 1989 wurde durch Kundgebungen und Friedensgebete, durch Demonstrationen und Bürgerforen die Wende auch in Wittenburg eingeleitet. Kurz nach der Grenzöffnung hat es die Stadt Wittenburg verstanden, ihre günstige örtliche Lage und vor allem die unmittelbare Anbindung an die Bundesautobahn 24 Hamburg–Berlin zu nutzen. Durch die Bereitstellung eines attraktiven Gewerbegebietes beidseitig der Hagenower Chaussee siedelten sich in kürzester Zeit diverse hiesige und auswärtige Investoren an. Der Branchenmix der Firmen ist groß und reicht von Nahrungsmittel- und Elektroindustrie, Maschinenbau und Druckerei über Dienstleistungseinrichtungen bis hin zu den verschiedensten Fachmärkten. Neue Bauvorhaben namhafter Firmen zeugen von ständigen Bemühungen der Stadt, mit weiteren Gewerbeansiedlungen die Infrastruktur zu verbessern und vor allem Arbeitsplätze zu schaffen.

„Der Glücksfänger zu Wittenburg“ auf dem Markt

Stadterneuerung

Ab 1991 wurde der historische Stadtkern im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert, das Stadtbild mit dem modernisierten Demmler-Rathaus hat sich stark verbessert. Auch wurde aus städtebaulichen Gründen mit der Beräumung des ehemaligen Molkereigeländes ein unansehnlicher Missstand nahe dem historischen Stadtkern beseitigt, es entstanden hier ein Einkaufsmarkt, kleinere Fachgeschäfte sowie attraktive Wohnungen. Aufmerksamkeit verdienen die Erschließung und Instandsetzung der Straßen im südwestlichen Teil des Altstadtkerns. Neben dem Wohngebiet am Schäferbruch entstanden drei größere Wohnkomplexe. Die Fertigstellung einer großen Sport- und Mehrzweckhalle im Herbst 1998 erweiterte das sportlich-kulturelle Freizeitangebot der Stadt.

Im Bereich der schulischen Einrichtungen weist die Kleinstadt Wittenburg sämtliche Schultypen auf: Grundschule, Realschule mit Grund- und Hauptschulteil, eine Außenstelle der Allgemeinen Förderschule Hagenow und ein Gymnasium. Am Rande des Altstadtkerns hat die Caritas ein Altenpflegeheim errichtet.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1950 wurde die bisher eigenständige Gemeinde Ziggelmark eingegliedert. Am 1. Januar 1951 kam Helm hinzu. Am 25. Mai 2014 wurden die Gemeinden Körchow und Lehsen nach Wittenburg eingemeindet[6], wodurch sich die Gemeindefläche von 46,25 km² auf 80 km² vergrößerte.

Körchow, Perdöhl und Zühr

Körchow (Kurchowe), Perdöhl und Zühr wurden 1194 erstmals erwähnt. Um 1230 wurde die romanische Feldsteinkirche gebaut. Körchow war ein Gutsdorf mit häufigen Besitzerwechsel; das Gut Körchow wurde um 1935 aufgesiedelt und das Gutshaus in den 1950er Jahren und 1976 abgerissen.

Das Gut Zühr befand sich ab dem 14. Jahrhundert im Eigentum der Familie Züle, die um 1740 das zweigeschossige, 13-achsige Gutshaus als Fachwerkbau errichtete. Nach 1930 wurde das Gut aufgesiedelt,

Lehsen

1233 Ersterwähnung als zum Kirchspiel Wittenburg gehörender Ort. Im Mittelalter bis 1690 war der Ort ein Lehen der Familie von Blücher und danach war das Gut bis 1899 im Besitz der Familie von Laffert. 1822 entstand das Herrenhaus Lehsen und 1868 das Laffert-Mausoleum.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Wittenburg.svgEinwohnerentwicklung von Wittenburg - ab 1871.svg
Desc-i.svg
Einwohnerentwicklung von Wittenburg nach nebenstehender Tabelle. Oben von 1496 bis 2017. Unten ein Ausschnitt ab 1871
Jahr Einwohner
1496 500–600
1644 100
1857 3100
1920 3359
1989 6000
2000 5161
2006 4924
2010 4834
2012 6092
2015 6385
2018 6313

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtvertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtvertretung von Wittenburg setzt sich nach der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 aus 19 Vertretern zusammen:[7]

Partei / Liste CDU SPD Körchower Wählergemeinschaft Die Linke AfD
Sitze 6 6 3 2 2

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • seit 2013: Margret Seemann (SPD)

Seemann wurde in der Bürgermeisterwahl am 22. September 2013 mit 56,5 % der gültigen Stimmen gewählt.[8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Stadt Wittenburg
Blasonierung: „In Silber ein gezinntes rotes Stadttor mit offenem Tor, einem hohen schlanken Mittelturm nebst zwei betagleuchteten Rundbogenfenstern übereinander, Spitzdach und goldenem Knauf sowie mit zwei fünffach gezinnten Seitentürmen mit je drei betagleuchteten runden Fenstern übereinander; auf den Seitentürmen zwei sitzende, zugewendete, rot gezungte, golden bewehrte, schwarze Lindwürmer.“[9]

Das Wappen wurde am 10. April 1858 von Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin festgelegt, 1997 von dem Barsbütteler Hans-Frieder Kühne neu gezeichnet und unter der Nr. 127 der Wappenrolle des Landes Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Wappenbegründung: Das Wappen ist nach dem Siegelbild des S(IGILLVM) BVRGENSIV(M) DE WITTENBORCH – als Abdruck erstmals 1296 überliefert – gestaltet und im April 1858 festgelegt worden. Das in der Tingierung der vorher braunen Lindwürmer überarbeitete Wappen vereint ein städtisches Symbol, ein Stadttor, mit Figuren aus einem Herrschaftssiegel, zwei Lindwürmer, entlehnt den Siegeln der Grafen zu Schwerin. Das Stadttor symbolisiert eine befestigte Stadt, die Lindwürmer verweisen auf den Grafen zu Schwerin als Stadtgründer und Stadtherrn.
Historisches Wappen
Wappen der Stadt Wittenburg 1940–1945
Blasonierung: „In Blau ein gezinntes silbernes Stadttor mit offenem Tor, hohem gezinnten Mittelturm mit Spitzdach sowie dreifach gezinnten Seitentürmen, auf denen zwei zugewendete, rot gezungte goldene Lindwürmer sitzen.“[9]

Das Wappen wurde von dem Berliner Prof. Hans Herbert Schweitzer gestaltet. Es wurde am 14. September 1940 durch den Reichsstatthalter in Mecklenburg verliehen.

Wappenbegründung: Das Wappen verlor schon bald nach dem Ende des II. Weltkrieges seine Gültigkeit.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt verfügt über keine amtlich genehmigte Flagge.[10]

Dienstsiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dienstsiegel zeigt das Stadtwappen mit der Umschrift „STADT WITTENBURG“.[10]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wittenburg unterhält seit dem 17. Juni 1990 eine Städtepartnerschaft zu Löningen in Niedersachsen.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche
Rathaus
Rathaus, von der Großen Straße aus gesehen
Mühle

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Wittenburg

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Altstadt, wird von einem gut erhaltenen Wall umschlossen. Turm- und Mauerreste der ehemaligen Stadtbefestigung und die aus dem 13./14. Jahrhundert stammende historische Torturmruine auf dem Amtsberg wurden 1998 saniert.
  • St.-Bartholomäus-Kirche von 1240. Die frühgotische dreischiffige Hallenkirche besteht aus Backsteinen. Der Chor ist einschiffig. Die Kirche ist dem Apostel Bartholomäus geweiht. Der Turm wurde 1909 an der Westfassade vorgesetzt. Im Innern findet sich ein ursprünglich aus Hagenow stammender Schnitzaltar aus dem 15. Jahrhundert. Zur Inneneinrichtung der Kirche gehören weiter eine Bronzefünte von 1342, die hölzerne Kanzel von 1666 und zwei Pastorenbildnisse sowie ein Epitaph aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
  • Rathaus, 1852 nach Plänen des Hofbaurats Georg Adolf Demmler errichtet. Am 8. Januar 1853 fand die feierliche Einweihung statt. Es gehört zu den bedeutenden Bauwerken aus der Zeit des Historismus und wurde ab 1996 umfassend saniert und im Inneren umgestaltet.
  • Amtsberg:
    • Burgtorturm, auch Amtsbergturm genannt,
    • Amtsgerichtsgebäude von 1848,
    • Amtsbergpark mit Resten der ehemaligen Befestigung (Bastion, Mauer).
  • Wallstraße
    • Reste der Stadtmauer,
    • Hungerturm,
    • Storchenturm.
  • Haus Markt 9, gehört zu den wenigen erhaltenen Fachwerkhäusern aus dem 17. Jahrhundert
  • Pfarrhaus am Kirchplatz, zweigeschossiger Backsteinbau in den Formen der „Ludwigsluster Architektur“ im 19. Jahrhundert
  • Fachwerkhaus Toitenwinkel 4 mit Schnitzereien von 1732, wurde 1995 saniert
  • Haus in der Großen Straße 15 aus der Gründerzeit
  • Haus in der Großen Straße 13, gründerzeitlicher Ziegelbau
  • Niederdeutsches Hallenhaus (1847 in Haar (Amt Neuhaus) erbaut, 1984 nach Wittenburg umgesetzt)
  • Erdholländerwindmühle, 1890 auf dem Fundament einer abgebrannten Mühle errichtet
  • Heinrichstein, eines der ältesten Kulturdenkmäler in Mecklenburg-Vorpommern, stammt aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Er steht vor der St.-Bartholomäus-Kirche. Er wurde nach der Schlacht bei Waschow erschaffen.[11]
  • Herrenhaus Lehsen mit Kaltwasserquelle, Logierhäusern, vier Hektar großem Park mit fremdländischen Baum- und Straucharten
  • Herrenhaus Zühr, zweigeschossiges Fachwerkgebäude
  • Großsteingräber bei Wittenburg
  • Großsteingräber bei Perdöhl

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das MehlWelten Museum befindet sich im ehemaligen Wittenburger Amtsgericht. Das Gebäude wurde von einem privaten Investor mit mehr als einer halben Million Euro aufwendig saniert. Auf einer Fläche von 450 Quadratmetern wird die Bedeutung der Mehlsäcke und des Mehls für die menschliche Kultur dargestellt. Mittelpunkt ist die sogenannte „Sackothek“. Hier zeigt das Museum 3100 zum Teil kunstvoll gestaltete Mehlsäcke aus 130 Ländern. Das Museum wurde am 10. Juni 2008 durch Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) eröffnet.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wittenburg liegt mit der gleichnamigen Anschlussstelle an der Bundesautobahn 24 HamburgBerlin.

Bis zum Jahr 2000 bestand eine Schienenverbindung über die Kaiserbahn nach Hagenow beziehungsweise Zarrentin. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Strecke im Fernverkehr von Berlin nach Kiel bedient.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Turn- und Sportgemeinschaft Wittenburg mit den Sparten Handball, Laufen, Volleyball, Gymnastik
  • Wittenburger Sportverein
  • Judoverein Wittenburg in Körchow
  • Kampfsportklub Wittenburg
  • Boddiner Sportverein 80 in Wittendörp/Boddin
  • SV Apfelblüte Dodow in Wittendörp/Dodow
  • Lehsener SV in Lehsen
  • TSV Pogreß in Wittendörp/Pogreß
  • Reit- und Fahrverein Perdöh im Körchow Ortsteil Perdöhl
  • Sportfischverein "Gut Fang" Wittenburg
  • Alpincenter Hamburg-Wittenburg: Im Dezember 2006 wurde der Indoor-Schneepark als Snow Funpark eröffnet. Die auf dem 33,8 Hektar großen Gelände befindliche Wintersporthalle hat eine Pistenfläche von 30.000 m², die Hauptpiste eine Länge von 330 Metern sowie eine Breite von 80 Metern. Die Skihalle wird seit dem 16. Oktober 2008 von der Van der Valk-Gruppe betrieben.
  • Jährlich findet im Frühjahr zu Beginn der Laufsaison der Wittenburger Mühlenlauf statt. Etwa 500 Läufer absolvieren dabei Distanzen über zwei, fünf und zehn Kilometer.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franck-Gedenktafel

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wittenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Amt M-V – Bevölkerungsstand der Kreise, Ämter und Gemeinden 2018 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Regionales Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015
  3. Hauptsatzung der Stadt Wittenburg. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  4. Stefanie Leibetseder: Wittenburg. Hrsg.: Gerhard Fouquet, Olaf Mörke, Matthias Müller und Werner Paravicini. Abteilung I: Analytisches Verzeichnis der Residenzstädte und herrschaftlichen Zentralorte. Teil 1: Niedersächsischer und obersächsischer Reichskreis, Schleswig, Preußen, Livland, hrsg. von Harm von Seggern. Ostfildern 2018, S. 636–638.
  5. Carl Tabel: Bericht aus Wittenburg und Fünfeichen. In: Joachim Schultz-Naumann: Mecklenburg 1945. 2. Auflage. Universitas, München 1990, ISBN 3-8004-1215-2, S. 276.
  6. Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Gebietsänderungen (Memento vom 15. Januar 2016 im Internet Archive)
  7. Wahl der Stadtvertretung am 26. Mai 2019
  8. Margret Seemann wird Bürgermeisterin in Wittenburg. In: Focus, 22. September 2013.
  9. a b Hans-Heinz Schütt: Auf Schild und Flagge - Die Wappen und Flaggen des Landes Mecklenburg-Vorpommern und seiner Kommunen. Hrsg.: produktionsbüro TINUS; Schwerin. 2011, ISBN 978-3-9814380-0-0, S. 150/151.
  10. a b Hauptsatzung § 1 (PDF).
  11. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven:@1@2Vorlage:Toter Link/www.kreis-lwl.de Webseite Amt Wittenburg
  12. Mitglieder der Sagen-und Märchenstraße Mecklenburg- Vorpommerns. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  13. Website des Projekts Große Potemkinsche Straße