Künstlerhaus Graz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien. Haupteingang
Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien, Seiteneingang

Das Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien ist ein Ausstellungshaus für bildende Kunst in Graz. Es ist der zeitgenössischen Kunst gewidmet. Seit Januar 2013 verantwortet der Kunstverein Medienturm mit seinem Team die programmatische Ausrichtung und den Betrieb des Hauses.

Als erster Kulturbau Österreichs ist das Künstlerhaus 1951 durch Leo Scheu richtiggehend aus dem Schutt des Krieges erbaut worden. Ähnlich der Documenta (Kassel) ist das Künstlerhaus der Anbindung an die Moderne verpflichtet, in diesem Zusammenhang waren hier immer wieder wesentliche Ausstellungen zu sehen, etwa „ambiente/environment“ im Rahmen der Dreiländerbiennale „Trigon“, 1967.

Das 2013 nach einer umfangreichen Generalsanierung wieder eröffnete und neu positionierte Künstlerhaus zeigt zeitgenössische Kunst aktueller internationaler Strömungen unter Einbindung herausragender steirischer Künstler.

Mit spezifischer Kompetenz und unter unabhängiger Leitung des vergleichsweise jungen, von 2000 bis 2012[1] in einem ehemaligen Grazer Wasserturm ansässig gewesenen Kunstvereins Medienturm agiert die von Sandro Droschl geleitete Institution mit medialer Umsicht, ist sich den Anforderungen und Ansprüchen eines regionalen wie internationalen Kunstpublikums gewahr und sucht dabei konsequent die Verbindung von junger und darauf bezogener etablierter Kunst. Mit einer zeitgemäßen Ausrichtung und als ehrwürdige Institution im neuen Glanz entspricht das 1951 erbaute Künstlerhaus seinem traditionellen Ruf eines der architektonisch schönsten Ausstellungshäuser Österreichs und ist zugleich um ideale Rahmenbedingungen für die Präsentation und Auseinandersetzung mit aktueller Kunst bestrebt. Im Foyer liegen zahlreiche internationale Kunstzeitschriften, Publikationen der Institution und Informationsmaterial zu den jeweiligen Ausstellungen zur Lektüre und Ansicht auf.

Das Künstlerhaus eröffnete am 6. März 2013 mit der Ausstellung Chat Jet (Part 1) – Malerei ‹jenseits› ihres Mediums.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1909 stimmte der Gemeinderat von Graz für das später vor dem Burgtor genützte Grundstück, 1910 jedoch schritten 1327 angesehene Bürger, inoffiziell angeregt von einem Ausschussmitglied des Stadtverschönerungsvereins, im Wege einer Bittschrift gegen diese Entscheidung ein, und es entwickelte sich umgehend eine tiefgreifende Diskussion um alternative Standorte.[2]

Das Künstlerhaus wurde allerdings erst 1951 an der Adresse Burgring 2 errichtet und am 20. Juni 1952 (mit dem großen Saal, der angeschlossenen Apsis und dem abgesetzten Grafikraum) mit einer Ausstellung steirischer Künstler eröffnet.[3]

Als erster Kulturbau Österreichs ist das Künstlerhaus richtiggehend aus dem Schutt des verheerenden Krieges erbaut worden. Unter der Bauherrenschaft des Landes Steiermark wurde auf einem von der Stadt Graz zur Verfügung gestellten prominenten Ort im Stadtpark unweit der Landesregierung, des Domes und des Schauspielhauses das Gebäude errichtet und damit einem jahrzehntelangen Wunsch der lokalen Künstlerschaft und der kulturell interessierten Bevölkerung entsprochen. Diese große kulturpolitische Anstrengung wurde begünstigt durch die in den Jahren 1945 bis 1955 in Süd-Österreich und der Steiermark positionierten britischen Alliierten, die in ihrem Bestreben nach einer Demokratisierung der Bevölkerung auf Re-Education und Ent-Nazifizierung gesetzt haben und sich davon auch in ihrem kulturellen Engagement leiten ließen, wofür der Neubau des Künstlerhauses ein öffentlich sichtbares Zeichen im Stadtbild von Graz bleiben sollte.[4]

Erbaut wurde das Künstlerhaus Graz nach dem Entwurf des Architekten Robert Haueisen[5] vom Grazer Stadtbauamt unter Beratung von Leo Scheu nach Vorbild der Wiener Secession.[6]

Lage und Räume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus liegt östlich der Altstadt unweit des Burgtors und am Südwestrand des Stadtparks.

Das Haus bietet im Wesentlichen ebenerdig eine große, hohe Halle mit einer Apsis mit etwas erhöhtem Boden im Norden. Ostseitig schliesst ein niedrigere länglicher kleinerer Raum an. Über die breite Treppe vor dem Eingang im Osten gelangt man in den kleinen Foyer von dem sich seitlich eine Treppe in den Kellervorraum hinunter wendelt. Von hier gelangt man in Sanitärräume und zwei Ausstellungsräume mit demselben Grundriss wie im Erdgeschoss, jedoch ohne Apsis. Die Raumhöhe ist hier geringer. Im großen Kellerraum stützen einige Säulen die Decke. Eine flache Rollstuhlrampe führt rechts des Eingangs ins Gebäude.

Ausstellungshistorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1952 und 1991 beschloss das Kuratorium des Künstlerhauses, bestehend aus Vertretern der Landesregierung, der Stadt Graz, der Künstlervereinigungen, des Unterrichtsministeriums und der Bundesgewerbeschule Graz, die Aufteilung der Ausstellungen. Auch die Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum sowie der Grazer Kunstverein organisierten regelmäßig Ausstellungen im Künstlerhaus bis 2011. Ab 1963 fand bis 1985 regelmäßig alle zwei Jahre die Dreiländer-Biennale Trigon statt, eine davon 1967 unter dem Titel ambiente/environment.[7] Die Ausstellungsgestaltung hatten Günther Domenig und Eilfried Huth über. Bis 1992 fanden hier die von der Neuen Galerie Graz ausgerichteten Dreiländerbiennalen trigon, darunter Audiovisuelle Botschaften (1973)[8] und weitere thematische Ausstellungen statt.

Von 2003 bis 2012 war das Künstlerhaus eine Abteilung des Universalmuseums Joanneum unter künstlerischer Leitung von Werner Fenz, die sich mit den dem Haus zugehörigen Künstlervereinigungen – Berufsvereinigung bildender Künstler Steiermark, Sezession Graz, Steiermärkischer Kunstverein – Werkbund, Vereinigung Bildender Künstler Steiermarks und Künstlerbund – die Ausstellungstermine teilt.

Das Künstlerhaus ist somit in sämtlichen Belangen, sowohl organisatorisch als auch wirtschaftlich, unabhängig, und keinem Aufsichtsrat unterstellt. Der Leiter des Vereins Medienturm, Sandro Droschl, erhielt den Zuschlag für den Betrieb des Hauses ursprünglich über fünf Jahre, dieser wurde jedoch bereits bis 2020 – mit Option bis 2022 – verlängert.[9]

Einige wichtige Ausstellungen im Künstlerhaus Graz
1952
  • Eröffnungs-Ausstellung Steirischer Künstler (Katalog)
1954
  • Wilhelm Thöny (Katalog)
1957
  • Le Corbusier
1960
  • 80 Maler der École de Paris 1900–1959 (Katalog)
1963
  • Trigon 1963. Malerei und Plastik der Gegenwart aus Italien, Jugoslawien und Österreich. Länderbeitrag Österreich (Katalog)
1965
  • Trigon 1965. Italien, Jugoslawien, Österreich. Bereich Malerei (Katalog)
1967
  • Trigon 1967. ambiente nuovo / post environment (Katalog)
1969
  • Trigon 1969. architektur und freiheit (Katalog)
1971
  • Trigon 1971. intermedia urbana (Katalog)
1973
  • Trigon 1973. audiovisuelle botschaften (Katalog)
1975
  • Trigon 1975. identität – alternative identität – gegenidentität (Katalog)
1977
  • Trigon 1977. Der kreative Prozeß (Katalog)
1979
  • Trigon 1979. masculin – feminin (Katalog)
1981
  • Trigon 1981. auf der suche nach autonomien. der regionalismus in der kunst (Katalog)
1983
  • Trigon 1983. eros-mythos-ironie (Katalog)
1985
  • Trigon 1985. Synonyme für Skulptur (Katalog)
1986
  • Bruno Gironcoli. Mütterliches – Väterliches: Eine fiktive Modellvorstellung (Katalog)
1987
  • Albert Oehlen (Künstlerbuch)
1992
  • Trigon 1992. Identität : Differenz – Tribüne Trigon 1940–1990 – Eine Topografie der Moderne (Katalog)
1993
  • Trigon 1993. Kontext Kunst: The Art of the 90’s (Katalog)
1996
  • 2. Österreichische Triennale zur Fotografie. Radikale Bilder (Katalog)
  • Inklusion : Exklusion. Versuch einer neuen Kartografie der Kunst im Zeitalter von Postkolonialismus und globaler Migration (Katalog)
1998
  • Kunst ohne Unikat. Multiple und Sampling als Medium. Techno-Transformationen in der Kunst (Katalog)
  • Sue Williams (Katalog)
2000
  • Rudi Gernreich. Fashion will go out of fashion (Katalog)
2001
  • The Magic Hour. Die Konvergenz von Kunst und Las Vegas (Katalog)
2002
  • Cosima von Bonin’s Fondorientierte Ausstattung (Katalog)
2003
  • mangelos nos. 1 to 9 ½ (Katalog)
2004
  • JO – Cameron Jamie (Katalog)
2005
  • Über die Farbe und ihre Bedeutung in der Kunst
2007
  • G.R.A.M. China Entdecken
2008
  • Gunther Skreiner. Short Stories (Katalog)
2009
  • Kunst x 80 | Jahr x 80. 80 Werke aus der Sammlung Johannes Messner
2010
  • Albert Mayr. The Jonny Hawaii Orchester (Katalog)
2013
  • Chat Jet. Malerei „jenseits“ ihres Mediums
  • Kerstin Cmelka. Kunst und Lebensform (Katalog)
  • The only performances that make it all the way... (Katalog)
  • ... Was ist Kunst? ... Resuming Fragmented Histories (Katalog)
2014
  • Damir Očko. Studies on Shivering (Katalog)
  • Wörter als Türen – in Sprache, Kunst, Film (Katalog)
  • Chat Jet (Part 2). Skulptur in Reflexion
  • K8 Hardy. YDRAH 8K (Katalog)
  • ordinary freaks. Das Prinzip Coolness in Popkultur, Theater und Museum
  • Philipp Timischl. They were treating me like an object. As if I were some sextoy or shit. I don’t wanna see them again.(Katalog)
2015
  • Florian Hecker / John McCracken (Katalog)
  • DIDING. Ein Innen, das ein Außen bleibt? (Katalog, Online-Publikation)
  • wow! Woven? Entering the (sub) Textiles (Katalog)
  • Jörg Schlick (Katalog, Vinyl LP)
2016
  • Melanie Gilligan. The Common Sense Substitution (Katalog in Vorbereitung)
  • Klaus Scherübel. VOL. 19
  • Sighs Trapped by Liars. Sprache in der Kunst (Fanzine)
  • Keren Cytter. Selection (Novel)
  • Darja Bajagić. Unlimited Hate (Katalog)
  • Yes, but is it performable? Untersuchungen des performativen Paradoxes (Katalog)
2017
  • Maja Vukoje. fuels ’n’ frumps (Katalog)
  • Stephan Dillemuth. Schall und Rauch – eine Revue in Bildern (Katalog)
  • Abstract Hungary (Katalog in Vorbereitung)
  • trigon 67 / 17. ambiente nuovo / post environment
2018
  • Ute Müller
  • Was vom Kino übrig blieb
  • Ashley Hans Scheirl. Genital Economy Posing (Katalog in Vorbereitung)
  • Hannah Perry. Rage Fluids
  • Stuart Middleton. Motivation and Personality
2019
  • Hate Speech. Aggression und Intimität

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Verein der Bildenden Künstler Steiermarks (Hrsg.): Der Bau des Künstlerhauses in Graz. Denkschrift. Verlag des Vereins, Graz 1908, OBV.
  • (Ausschuss zur Gründung des Vereines „Künstlerhaus“): Ein Künstlerhaus in Graz. Selbstverlag des Ausschusses zur Gründung des Vereines „Künstlerhaus“, Graz 1908, OBV.
  • Wilfried Skreiner (Bearb.), Alexander Wied (Red.): Bildende Kunst in der Steiermark, 1945–1960, 23.4.–16.5.1983, Graz, Neue Galerie und Künstlerhaus. Verlag Neue Galerie, Graz 1983, OBV.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Künstlerhaus Graz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sandro Droschl (Red.): Ab 2013 sorgt das Team des Kunstvereins Medienturm (…). In: medienturm.at, abgerufen am 14. August 2015.
  2. Adalbert von Drasenovich: Künstlerhausbauplatz. In: Grazer Tagblatt, Morgen-Ausgabe, Nr. 94/1910 (XX. Jahrgang), 6. April 1910, S. 1–4. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/gtb.
  3. Katalog zur Eröffnung des Künstlerhauses in Graz und zur Ausstellung steirischer Künstler. Malerei, Graphik, Plastik. 20. Juni bis 3. August 1952. Graz 1952, OBV.
  4. :: KM– Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien. Abgerufen am 6. Februar 2019.
  5. Stadtpark, Burggarten und Opernring. In: Gertrude Celedin, Wiltraud Resch: Kulturführer Graz. Kunst, Architektur, Wissenschaft, Literatur. Böhlau, Wien (u. a.) 2003, ISBN 3-205-77081-1, S. 149.
  6. :: KM– Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien. Abgerufen am 6. Februar 2019.
  7. trigon 1967
  8. Kulturkalender Graz (Memento des Originals vom 28. April 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/kultur.graz.at
  9. https://www.km-k.at/de/institution/building/

Koordinaten: 47° 4′ 18,2″ N, 15° 26′ 40,5″ O