Kaiserbahnhof Halbe

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Königliches Empfangsgebäude

Der Kaiserbahnhof Halbe (offizielle Bezeichnung in der Denkmalliste: Bahnhof Halbe, bestehend aus Bahnhofsempfangsgebäude und „Königlichem Empfangsgebäude“) ist ein denkmalgeschütztes Gebäudeensemble in Halbe, einer Gemeinde im Landkreis Dahme-Spreewald im Land Brandenburg. Er liegt an der Bahnstrecke Berlin–Görlitz.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstrecke verläuft von Nordwesten kommend in südöstlicher Richtung durch den Ort. Die Gebäude liegen auf der dem Ortskern abgewandten Nordostseite der Gleisanlagen an der Bahnhofstraße, die eine Verbindung zur Landstraße 74 herstellt. Das Gebäudeensemble steht auf einem Grundstück, das nicht eingefriedet ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstrecke zwischen Berlin und Cottbus wurde in den Jahren 1865 bis 1866 errichtet und bis 1867 nach Görlitz verlängert. 1865 entstand auch das Bahnhofsgebäude in Halbe. Der ausführende Architekt war August Orth, der unter anderem auch den Görlitzer Bahnhof in Berlin entwarf. Er ließ ein Ensemble bestehend aus dem öffentlich zugänglichen Bahnhofsempfangsgebäude im Norden und einem weiteren Gebäude weiter südlich errichten – das Königliche Empfangsgebäude. Es war ausschließlich für den deutschen Kaiser Wilhelm I., bzw. dessen Nachfolger Friedrich III. und Wilhelm II. bestimmt. Die Kaiser nutzen das Gebäude als Ausgangspunkt für ausgedehnte und repräsentative Hofjagden, die von der in der Nähe gelegenen Oberförsterei Hammer in das Schenkenländchen und in die Dubrow gingen.

1912 wurde das Gebäude in eine zivil genutzte Wohnanlage umgewidmet. Handwerker zogen Trennwände und Zwischendecken ein und erweiterten den südlichen Baukörper um eine einstöckige Veranda. Im Norden entstand zusätzliche Lagerfläche in einem Güterschuppen.

In den 1990er Jahren verfielen die Gebäude zusehends. 2010 begann ein Investor damit, das Königliche Empfangsgebäude zu rekonstruieren. Die Zwischenwände und -decken wurden entfernt, das Dach neu eingedeckt und die Fassade saniert. Die Arbeiten sollten ursprünglich im Juli 2019 abgeschlossen sein, verzögern sich aber durch steigende Baukosten.[1] Die Planungen sehen vor, im Gebäude neben einer Ferienwohnung ein Restaurant sowie ein Café einzurichten.[2] Im Bahnhofsempfangsgebäude soll eine Begegnungsstätte mit Vortrags- und Seminarräumen eingerichtet werden.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhofsempfangsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhofsempfangsgebäude

Das Empfangsgebäude wurde im Wesentlichen aus rötlichen Mauersteinen errichtet. Es entstand ein zweigeschossiges Bauwerk mit einem im Kern rechteckigen Grundriss. Die mit Pilastern geschmützte Fassade wird darüber hinaus mit gelblichen Ziegeln verziert, die horizontale Linien bilden. Nach Südosten hin ist ein rechteckiger Vorbau mit einer darüber befindlichen Veranda. Die Fenster sind überwiegend gedrückt-segmentbogenförmig ausgeführt und lediglich im Giebel des Satteldachs rechteckig. Dort ist ein nach unten geöffneter Fries. Nach Norden schließt sich ein eingeschossiger Geräteschuppen an.

Königliches Empfangsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zweite Baukörper entstand ebenfalls aus rötlichen Mauersteinen, wurde jedoch deutlich aufwändiger gestaltet. Zwar besitzt er ebenfalls einen rechteckigen Grundriss, doch ließ Orth an den Ecken vier quadratische Türme anbauen. In beiden Geschossen sind jeweils zwei schmale und hochrechteckige Fenster zu jeder Seite verbaut. Der Eingang im Südosten erfolgte durch eine große und überdachtes Arkadenhalle. Ihre Bögen sind dreifach profiliert und mit einem Kämpfer betont. Am Übergang zum Satteldach ist ebenfalls ein reichhaltiger Fries angebracht.

Im Innenraum befinden sich nach der Sanierung drei große Räume, die dem ursprünglichen Bauzustand entsprechen. Sie wurden als Kaisersaal, Gefolgesaal und Eingangshalle genutzt. Die mittlerweile freigelegten Wandmalereien aus der Zeit um 1865 werden vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum (BLDAM) als „aufwändig gewölbt“ und teilweise „prächtig“ bezeichnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio (Bearb. Gerhard Vinken u. a.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Brandenburg Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kaiserbahnhof Halbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank Pawlowski: Verzögerungen beim Kaiserbahnhof. In: Märkische Allgemeine, 28. Juni 2018, abgerufen am 19. August 2019.
  2. Kaiserbahnhof in Halbe, Webseite der Brandenburgischen Architektenkammer, abgerufen am 19. August 2019.

Koordinaten: 52° 6′ 32″ N, 13° 42′ 5″ O