Kalofer

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Kalofer (Калофер)
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Karte von Bulgarien, Position von Kalofer hervorgehoben
Basisdaten
Staat: Bulgarien
Oblast: Plowdiw
Einwohner: 2861 (31. Dezember 2016)
Koordinaten: 42° 37′ N, 24° 59′ OKoordinaten: 42° 37′ 0″ N, 24° 59′ 0″ O
Höhe: 666 m
Postleitzahl: 4370
Telefonvorwahl: (+359) 03133
Kfz-Kennzeichen: PB
Verwaltung
Bürgermeister: Sofia Dimitrowa
Website: www.kalofer.com
der zentrale Platz in Kalofer
das Haus von Christo Botew in Kalofer

Kalofer (bulgarisch Калофер) ist eine Stadt in der Gemeinde Karlowo in der Oblast Plowdiw in Zentralbulgarien.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalofer, an den südlichen Hängen des Balkangebirges gelegen, liegt in unmittelbarer Nähe des Nationalparks Zentrales Balkangebirge, am Fuße des Botew. Die Stadt liegt im Rosental, zwischen dem Balkangebirge (im Norden) und dem wesentlich kleineren Gebirgszug der Sredna Gora (im Süden). Die Stadt liegt zu beiden Seiten des Flusses Tundscha. In der Nähe der Stadt fließen der kleinere Fluss Bjala reka.

Bis zur nächsten größeren Stadt Karlowo sind es 17 km, bis Sopot 22 km. Die Stadt liegt 164 km östlich der Hauptstadt Sofia und 56 km westlich von Plowdiw. Bis Burgas am Schwarzen Meer sind es 222 km. Die Hauptstraße SofiaKarlowoBurgas verläuft am südlichen Ortsrand. Die Bahnlinie Sofia–Burgas verläuft 2 km südlich des Ortes, wo auch der Bahnhof liegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name von Kalofer leitet sich von dem Wojwoden Kalifer ab. Nach anderen Versionen hieß er Kalefer, Kalefir, Karanfil oder Kalemfir. Der Legende nach war er der Anführer eines 40 Mann starken Trupps von Heiducken, die diesen Teil des Balkangebirges beherrschten, regelmäßig die Handelskarawanen der Osmanen überfielen und die Gegend unsicher machten. Ihr Basislager war bei den Ruinen der alten slawischen Stadt und Befestigung Swanigrad (bulg. Звъниград), die von den Osmanen zerstört worden war - westlich des heutigen Kalifer.

Swanigrad, von dem es heute keine Spuren mehr gibt, lag zwischen Strascha und dem Kloster von Kalofer, am Ufer eines kleinen Flusses, der Swanuschka hieß; westlich des Tales des Flusses Bjala reka, die Stelle wird heute Poleto genannt (bulg. местност Полето). Nach dem Einfall der Osmanen (Ende des 14., Anfang des 15. Jahrhunderts), wurde Swanigrad zerstört.

Nach Jahren des Kampfes war Kalifer bereit sich den Osmanen zu beugen und suchte schließlich eine Verständigung mit ihnen. Da die Osmanen dieser Überfälle nicht Herr werden konnten, war der Sultan Murad III. (1546–1595) gezwungen ihnen entgegenzukommen. Der Erlass des Sultans (Ferman) bot ihnen an sich in der Region anzusiedeln, unter der Bedingung, dass sie die Überfälle einstellten und den Strascha-Pass (bulg. проход "Стражата") sowie den Weg Rusalska pateka (bulg. Русалска пътека) für die Osmanen bewachten, ihnen also als Derwendschi dienten, was ihnen auch die Befreiung von der Steuer brachte. Kalifer nahm das Angebot an und handelte aus, dass ihm zusätzlich zur Siedlung noch ein Gebiet überlassen wird, das er in zwei Tagen zu Pferd umrunden kann. Als List ließ er von seinen Leuten entlang der Strecke ausgeruhte Pferde postieren, die er bei seinem Gewaltritt mehrmals wechselte und so ein sehr großes Gebiet für seine neue Siedlung absteckte. So wurde hier Mitte des 16. Jahrhunderts, in einem Gebiet, wo nur Wälder standen, die Stadt Kalofer gegründet, mit einer sehr großen umgebenden Fläche, die auch heute noch zur Stadt gehört. Weiter erzählt die Legende, dass die Heiducken, da sie keine Frauen hatten, diese aus der benachbarten Stadt Sopot raubten (Brautraub).

Die Privilegien, die die Siedlung schon seit ihrer Gründung erhielt, förderten die Erhaltung ihres rein bulgarischen Charakters. Die traditionellen bulgarischen Feste wurden hier immer gefeiert. Die Osmanen nannten die Siedlung Usun Uluk ("langes Flussbett"; kyrillisch: Узун Улук).

In den Jahrhunderten nach seiner Gründung wuchs Kalofer zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum und wurde als das "Goldenen Kalofer" bezeichnet (türk. Altan Kalofer).

1799 und 1804 wurde die Stadt von den Bewohnern des benachbarten Kardschali niedergebrannt und danach schnell wieder aufgebaut.

Kalofer war während der Periode der Bulgarischen Wiedergeburt ein Zentrum der nationalen Rückbesinnung. Hier entstand während dieser Periode, vor 150 Jahren, eine der ersten bulgarischen Schulen, die Schule von Botjo Petkow.

Kalofer erreicht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine Blütezeit. Zu dieser Zeit gab es 1200 Handwerker in der Stadt.

Während des Russisch-Osmanischen Krieges (1877–1878) ereilte Kalofer das gleiche Schicksal wie die Nachbarorte Karlowo und Sopot, es wurde von den Baschi Bosuks, irregulären osmanischen Truppen, niedergebrannt und ausgeplündert, so dass heute fast nichts mehr aus der Zeit vor 1877 in Kalofer erhalten ist.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist Kalofer auch wegen seiner vielen Kirchen und Klöster bekannt und wegen der erhalten gebliebenen alten bulgarischen Handwerkskünste. Hier gibt es immer noch Holzschnitzer, Weber Töpfer, Kupfertreiber und Böttcher. Die Stadt ist besonders für die traditionellen Teppiche und die einmaligen Spitze aus Kalofer bekannt.

Das Männerkloster wurde 1640 erbaut und das Frauenkloster 1700 (Sw. Roschdestwo Bogoroditschno; bulg. Св. Рождество Богородично). Beide Klöster sind mehrmals niedergebrannt. Sie stehen heute für Besucher offen. In der Stadt stehen die Kirchen Sw. Bogorodiza (Св. Богородица) und Sw. Atanas (bulg. Св. Атанас") aus der Zeit der bulgarischen Wiedergeburt.

In der Stadt gibt es drei Museen: das Christo-Botew-Museum, das Museum mit einer der ersten bulgarischen Schulen und das Geschichtsmuseum der Stadt.

Donnerstag ist Markttag. Eine Fabrik zur Destillation von Rosenöl steht ebenfalls in Kalofer.

Kalofer zählt zu den 100 nationalen touristischen Objekten Bulgariens. Der Stempel dazu befindet sich im Christo-Botew-Museum.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kalofer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien