Karsten Brensing

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Karsten Brensing

Karsten Brensing (* 18. Januar 1967 in Erfurt) ist ein deutscher Meeresbiologe, Verhaltensforscher und Autor, der sich als wissenschaftlicher Gutachter und Verfasser von populärwissenschaftlichen Büchern für ein besseres Verständnis von Tieren einsetzt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karsten Brensing besuchte von 1974 bis 1984 die POS 27 in Erfurt, anschließend erfolgte eine Ausbildung zum Elektriker beim VEB Funkwerk Erfurt. 1987 legte er an der Volkshochschule Erfurt sein Abitur ab. Im Juni 1989 verließ er illegal die damalige DDR.

Von 1989 bis 1996 studierte Brensing Biologie (Grundstudium 1989 bis 1991 an der Georg-August-Universität Göttingen; Hauptstudium 1991 bis 1996 an der Christian-Albrechts-Universität Kiel) mit dem Abschluss Diplombiologe (Hauptfach: Biologische Meereskunde).

Von 1997 bis 2004 war er Lehrbeauftragter an der Freien Universität Berlin, wo er 2004 bei Dietmar Todt im Fachbereich Biologie/Neurobiologie in Verhaltensbiologie über das Verhalten von Großen Tümmlern in Swim-With-Dolpins-Programmen (Delfine in Schwimmprogrammen und Delfintherapie) promovierte. Seine Untersuchungen zu Stress bei Delfinen hatte er während des Jahres 1998 bei Dolphins Plus[1] in Key Largo, Florida,[2] und in den Jahren 2000 bis 2003 bei Besuchen des Dolphin Reef[3] in Israel[4] durchgeführt.

Skipper Karsten Brensing, gebucht von dem Reisejournalisten Dirk Engelhardt (Sizilien 2007)

Bereits als 17-Jähriger hatte Brensing 1984 eine Tauchausbildung am Senftenberger See mit der Tauchsportprüfung B abgeschlossen. Darauf folgten 1988 eine Tauchlehrerausbildung in Greifswald, 1992 als Weiterbildung ein Brevet als Berufstaucher in Kiel, 1999 eine Lizenz zum Tauchen mit Kreislaufgeräten und schließlich 2007 der Divemaster in Berlin. Parallel dazu machte er 1989 den Sportbootführerschein (Motorboot Binnen und See) in Hamburg und 1992 den Segelschein des Deutschen Segler-Verbandes. Er segelte viel mit den Friendships der Universität Kiel in der westlichen Ostsee, überquerte 1997 den Atlantischen Ozean als Mitsegler auf der Segelyacht Auweia und arbeitet ab und an als Skipper, beispielsweise für den Reisejournalisten Dirk Engelhardt.[5]

Berufliche Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschungstaucher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1992 bis 1996 war Karsten Brensing während seines Studiums als Forschungstaucher an der Christian-Albrechts-Universität Kiel tätig.

Sachverständiger und Berater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2002 bis 2005 arbeitete Brensing als Consultant für den Cornelsen Verlag. Als Consultant für die Whale and Dolphin Conservation (WDC) erstellte er eine Expertise für ACCOBAMS, das Übereinkommen zum Schutz der Wale des Schwarzen Meeres, des Mittelmeeres und der angrenzenden Atlantischen Zonen.[6] Ab 2005 arbeitete er zuerst als Conservation Manager und später bis 2014 als wissenschaftlicher Leiter des Deutschlandbüros der WDC.[7]

Für das Bundesamt für Naturschutz (BfN) führte er 2009 die Auftragsarbeit Lärmkartierung „Nationale Umsetzung der Meeresstrategierahmenrichtlinie“, FKZ 3509 82 0500, durch. 2010 erledigte er eine Auftragsarbeit für das Umweltbundesamt (UBA), die Machbarkeitsstudie Lärmkartierung der Deutschen See (FKZ 363 01 234).

2010 war Brensing zusammen mit 14 weiteren Wissenschaftlern Mitglied der deutschen Delegation der ICES Working Group on Marine Mammal Ecology, bei deren Bericht[8] es auch um die Lärmverschmutzung beziehungsweise Lärmreduzierung der Meere geht.

Von 2010 bis 2016 war Brensing Mitglied der Arbeitsgruppe der Europäischen Kommission TSG11, die sich mit den technischen Möglichkeiten und gesetzlichen Regelungen zur Lärmreduzierung im Meer beschäftigte.[9]

Brensing arbeitet auch als Berater für Film und Fernsehen. 2009 war er wissenschaftlicher Berater für den Film Das Geheimnis der Wale in Südafrika,[10] und seit 2019 ist er Berater der ARD-Degeto-Reihe „MariTeam – Im Einsatz für die Meere“.[11]

Für den für den Deutschen Filmpreis nominierten Dokumentarfilm „The Whale and the Raven“ von Mirjam Leuze war er Filmpate.[12]

Tierrechtler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sachverständiger setzt sich Brensing auch auf politischer Ebene (Deutscher Bundestag) für die artgerechte Haltung von Delfinen ein.[13][14] Durch die Ergebnisse seiner eigenen Arbeiten zu Stress bei Delfinen wurde er zu einem konsequenten Kritiker der Therapie mit Delfinen.[15]

Im Rahmen seiner Tätigkeit für die WDC klagte Brensing mehrere Jahre lang gegen die Stadt Nürnberg bezüglich des dortigen Tiergartens mit Delfinarium.[16] 2011 gewann er in zwei Instanzen das Recht zur Akteneinsicht, wobei offengelegt werden konnte, dass dortige Tiere in zoologischer Haltung bedarfsweise unter Psychopharmaka gesetzt werden.[17]

Er war Mitglied der Arbeitsgruppe des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Überarbeitung der Haltungsbedingungen von Zootieren,[18] verließ diese Gruppe aber 2013 aufgrund der unwissenschaftlichen Arbeitsweise der Vertreter der Zoos. Seine Argumente für diesen Austritt trug er bei einer Bundestagsanhörung vor.[19]

Auf Initiative der Tierschutzorganisation PETA legte Brensing gemeinsam mit der Hamburger Philosophin Christine Ax und Harald Ullmann, dem Chef von Peta Deutschland,[20] eine Verfassungsbeschwerde ein.[21] Das Besondere an der Beschwerde ist, dass die Beschwerdeführer Tiere sind. Die Anwältin Dr. Cornelia Ziehm ist die juristische Vertreterin von 22 Millionen Ferkeln, die sich mit der Beschwerde gegen ihre schmerzhafte Kastration wehren. Es handelt sich um den ersten Fall dieser Art in der internationalen Rechtsgeschichte.

Schriftsteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brensing arbeitet auch selbständig als Buchautor. 2013 erschien sein erstes Buch, Persönlichkeitsrechte für Tiere,[22] mit einem Vorwort von Hannes Jaenicke.

Sein 2017 erschienenes Sachbuch Das Mysterium der Tiere ist ein Bestseller. Es erreichte als beste Platzierung Rang 9 der Spiegel-Bestsellerliste (Ausgabe 43/2017) in der Kategorie Hardcover Sachbücher.[23][24][25] Das Buch wurde in Geo, der Mitteldeutschen Zeitung und der Freien Presse rezipiert.[26][27][28]

Wie Tiere denken und fühlen wurde 2019 als Wissensbuch des Jahres ausgezeichnet[29] und erhielt den Umweltpreis der Kinder und Jugend Literatur 2019.[30] Ebenfalls 2019 war er Schirmherr der Ansbacher Kinderbuch-Woche.[31]

Moderator und Redner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2018 arbeitet Brensing als Redner für die renommierte Agentur 5 Sterne Redner. Im April und Mai 2019 moderierte Karsten Brensing gemeinsam mit der Schauspielerin Lisa Feller die Unterhaltungssendung Das Tier in Dir, die in wöchentlichem Abstand in drei Folgen im WDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde.[32]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karsten Brensing ist mit der Wissenschaftsjournalistin Katrin Linke verheiratet; ihre Flucht aus der DDR 1989 erzählen sie in ihrem Buch „Eine Liebe ohne Grenzen“. Das Paar hat zwei Söhne. Der Schauspieler Walter Amtrup war Karsten Brensings Großvater.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brehms Tierleben. Die Gefühle der Tiere (Teil 1 Vorwort von Karsten Brensing; Teil 2 Originaltexte von Alfred Brehm) Duden, Berlin 2018 ISBN 3-411-71782-3
  • Mensch-Tier-Kommunikation: Delfine und Wale. In: Michael Schetsche (Hrsg.): Interspezies-Kommunikation. Voraussetzungen und Grenzen (= PeriLog. Freiburger Beiträge zur Kultur- und Sozialforschung. 7). Logos, Berlin 2014, ISBN 978-3-8325-3830-9, S. 64–84.
  • Tödliches Hämmern – Die Gefahren der Windkraft zur See für die Meeresfauna. In: Georg Etscheit (Hrsg.): Geopferte Landschaften. Wie die Energiewende unsere Umwelt zerstört. Heyne, München 2016, ISBN 978-3-453-20127-9, S. 187–205.
  • Eine Liebe ohne Grenzen. Unsere Flucht aus der DDR. K. Linke und K. Brensing, Bastei Lübbe, Köln 2019, ISBN 978-3-7857-2648-8.
  • Haben Tiere Rechte? – Aspekte und Dimensionen der Mensch-Tier-Beziehung. SCHRIFTENREIHE (BD. 10450) der Bundeszentrale für politische Bildung, Hrsg.: Elke Diehl und Jens Tuider, Bonn 2019, Seite 336 – 352, ISBN 978-3-7425-0450-0

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • K. Brensing, K. Linke und D. Todt: Can dolphins heal by ultrasound? Journal of Theoretical Biology, 225 (1), 2003, S. 99–105.
  • K. Brensing und K. Linke: Behavior of dolphins towards adults and children during swim-with-dolphin programs and towards children with disabilities during therapy sessions, Anthrozoös 16 (4), 2003, S. 315–331.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Swim with dolphins in the Florida Keys!; abgerufen am 6. Februar 2018.
  2. K. Brensing, K. Linke und D. Todt: Sound source location by phase differences of signals, J. Acoust. Soc. America 109, 2001, S. 430–433.
  3. Dolphin Reef Eilat; abgerufen am 6. Februar 2018.
  4. K. Brensing, K. Linke, M. Busch, I. Matthes und S. E. van der Woude: Impact of different kinds of humans in Swim-With-The-Dolphin-Programs in two settings, Anthrozoös 18, 2005, No. 4, S. 409–429.
  5. Dirk Engelhardt: Landratten auf Mittelmeertörn – eine bittersüsse Sache. In: Tages-Anzeiger. Zürich 6. Juli 2007.
  6. K. Brensing: Expert-statement “swim with the dolphin programs” and “dolphinassisted therapy”, ACCOBAMS 3rd meeting of the scientific committee, Cairo, Egypt, 14–17 May, 2005.
  7. Karsten Brensing: Fütterung von Delfinen – Ein verfehltes Bildungskonzept@1@2Vorlage:Toter Link/de.whales.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , WDC, 16. April 2009.
  8. Jakob Tougaard, Ben Wilson, Steven Benjamins, Jan Haelters, Klaus Lucke, Stefanie Werner, Karsten Brensing, David Thompson, Gordon Hastie, Steve Geelhoed, Stefan Braeger, George Lees, Ian Davies, Kai-Uwe Graw und Eunice Pinn: Assessment of the marine renewables industry in relation to marine mammals (2010), synthesis of work undertaken by the ICES Working Group on Marine Mammal Ecology (WGMME) International Council for the Exploration of the Sea, 2010, 212 S.
  9. René Dekeling, Mark Tasker, Michael Ainslie, Mathias Andersson, Michel André, Fabrizio Borsani, Karsten Brensing, Manuel Castellote, John Dalen, Thomas Folegot, Sandra van der Graaf, Russell Leaper, Alexander Liebschner, Jukka Pajala, Stephen Robinson, Peter Sigray, Gerry Sutton, Frank Thomsen, Stefanie Werner, Dietrich Wittekind, John V. Young: The European Marine Strategy: Noise Monitoring in European Marine Waters from 2014. In: Popper A. N.Hawkins A. D. (Hrsg.): The Effects of Noise on Aquatic Life II. Advances in Experimental Medicine and Biology, Nr. 875. Springer, New York 2016, S. 205–215.
  10. Unterwasserlärm versetzt Wale in Panik. Frankfurter Rundschau, 11. Dezember 2008.
  11. ARD: Neue ARD-Degeto-Reihe "MariTeam – Im Einsatz für die Meere". ARD, abgerufen am 9. September 2020.
  12. Grußwort von Filmpate Dr. Karsten Brensing. In: Busse-Film.de. Abgerufen am 9. September 2020.
  13. Streit um 16 Delfine in deutschen Zoos, 11. März 2013; abgerufen am 5. Februar 2018.
  14. Deutscher Bundestag: Kontroverse Sachverständigen-Diskussion im Bundestag über wissenschaftliche Stellungnahmen, Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF); abgerufen am 5. Februar 2018.
  15. K. Brensing: Mythos Delfintherapie, in P&N Journal. 4/08, S. 44–48.
  16. Hendrik Ternieden: Das Konzept ist kompletter Unfug, Spiegel Online, 26. Mai 2011; abgerufen am 6. Februar 2018.
  17. Elke Bodderas und Per Hinrichs: Die Tiere in deutschen Zoos stehen unter Drogen, Welt, 4. Mai 2014; abgerufen am 6. Februar 2018.
  18. Haltung von Säugetieren, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 7. Mai 2014, siehe dortige PDF Haltung von Säugetieren; abgerufen am 6. Februar 2018.
  19. Video der Anhörung, ab Min. 26:25.
  20. Gequälte Ferkel erheben Verfassungsbeschwerde. In: Peta.de. 19. November 2019, abgerufen am 9. September 2020.
  21. Cornelia Ziehm: Verfassungsbeschwerde. 18. November 2019, abgerufen am 9. September 2020.
  22. Karsten Brensing: Persönlichkeitsrechte für Tiere: Die nächste Stufe der moralischen Evolution. Verlag Herder, 5. Juni 2013, ISBN 978-3-451-34692-7.
  23. Das Mysterium der Tiere, Buchreport
  24. Buchcharts – die aktuellen Bestsellerlisten, boersenblatt.net, 17. Oktober 2017.
  25. Spiegel-Bestsellerliste 44/2017
  26. Peter Carstens: „Wir müssen Tiere vermenschlichen“, Geo, 4. Oktober 2017.
  27. Eva Prase: Tierliche Personen, Freie Presse, 12. Januar 2018.
  28. Steffen Höhne: Wachgerüttelt von Flipper – Dieser Biologe erklärt, wie Tiere denken und fühlen, Mitteldeutsche Zeitung, 13. Januar 2018.
  29. Die Sieger des Jahres 2019. 19. November 2019, abgerufen am 9. September 2020.
  30. Umweltpreis der Kinder- und Jugendliteratur 2019. In: Wildpark-MV.de. 26. November 2019, abgerufen am 9. September 2020.
  31. Lesespaß: Kinderbuchwoche Ansbach in den Herbstferien 2019. 15. Oktober 2019, abgerufen am 9. September 2020.
  32. „Das Tier in Dir“: Neue Personality-Show im WDR Fernsehen. WDR, 22. März 2019.