Katharina Zweig

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Katharina Anna Zweig (2016)

Katharina Anna Zweig, geb. Lehmann (* 22. Mai 1976 in Hamburg) ist eine deutsche Forscherin. Sie leitet als Universitätsprofessorin am Fachbereich Informatik der TU Kaiserslautern das Algorithm Accountability Lab.[1]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Universität Tübingen studierte sie zunächst Biochemie mit den Nebenfächern Physikalische Chemie und Physiologie und schloss 2001 mit einem Diplom ab. Fünf Jahre später beendete sie das Bioinformatikstudium ebenfalls an der Universität in Tübingen. Im Jahr 2007 promovierte Katharina Zweig mit dem Thema „Local Behavior and Global Structures in the Evolution of Complex Networks“.

Unterstützt durch ein Stipendium der Leopoldina verbrachte sie als Postdoc anderthalb Jahre in der Gruppe von Tamás Vicsek (Statistische Biophysik, ELTE Universität, Budapest). Danach leitete sie eine Nachwuchsgruppe zum Thema "Graphentheorie und Analyse komplexer Netzwerke" an der Universität Heidelberg am Interdisziplinären Zentrum für wissenschaftliches Rechnen (IWR).

Seit 2012 leitet sie als Professorin eine Arbeitsgruppe mit demselben Titel an der TU Kaiserslautern. Dort gestaltete sie federführend den damals deutschlandweit einmaligen Studiengang Sozioinformatik, der die Auswirkung der Digitalisierung auf Individuum, Organisation und Gesellschaft untersucht. Sie ist seit 2013 Junior-Fellow der Gesellschaft für Informatik[2] und wurde 2014 als eine von 39 Digitalen Köpfen von Bundesministerin Wanka ausgezeichnet. Ihr Hauptforschungsgebiet ist „Network Analysis Literacy“, gesellschaftlich setzt sie sich für eine breite Diskussion über die Macht und möglichen Auswirkungen von Algorithmen ein.[3]

2016 gründete sie zusammen mit Lorena Jaume-Palasí, Lorenz Matzat und Matthias Spielkamp (Projektleiter von iRights.info und Vorstandsmitglied bei Reporter ohne Grenzen) die Plattform Algorithm Watch.[4] Hierfür wurde sie 2018 mit den anderen Gründern mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet.[5]

2018 wurde sie als Sachverständige in die neu konstituierte Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale des Deutschen Bundestags berufen.[6]

Zweig bezeichnet die Resultate von Algorithmen, die Menschen klassifizieren, als Entseelte Entscheidungen, wenn die Algorithmen nicht von Anfang an einer rigorosen Qualitätskontrolle unterworfen werden.[7] Sie fordert eine Ethik für Algorithmen und einen erweiterten Datenschutz für relationale Informationen[8] und äußert sich gleichzeitig kritisch zur Umsetzung des Rechts auf Vergessen.[9]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweig beschäftigt sich in ihrer Forschung hauptsächlich mit der Methodenentwicklung und Methodenanalyse im Bereich der komplexen Netzwerkanalyse. Seit 2016 hat sie diese Forschung auf den allgemeineren Bereich der „Algorithm Accountability“ ausgeweitet und ihre Forschungsgruppe zum „Algorithm Accountability Lab“ umbenannt.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Lerner, Dorothea Wagner, and Katharina Zweig: Algorithmics of Large and Complex Networks, Springer Verlag (2009). ISBN 978-3-642-02093-3.
  • Wolfgang Neuser, Katharina A. Zweig, Ingo Scholtes, Volkmar Pipek, and Markus Rohde: Proceedings of the first workshop on Socioinformatics. (2014), ISBN 978-3-319-09377-2.
  • Katharina A. Zweig: Network Analysis Literacy, Springer Verlag. (2016), ISBN 978-3-7091-0740-9.
  • Katharina A. Zweig: Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl. Wo künstliche Intelligenz sich irrt, warum uns das betrifft und was wir dagegen tun können, Heyne Verlag (2019). ISBN 978-3-453-20730-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Algorithm Accountability Lab. TU Kaiserslautern, abgerufen am 16. April 2019.
  2. a b Mitteilung der Gesellschaft für Informatik (Memento vom 5. Juli 2016 im Internet Archive) vom September 2013
  3. Stefan Schmitt: Algorithmen: Was dürfen Rechner entscheiden, Frau Zweig? In: Die Zeit. Nr. 42, 10. Oktober 2019 (online für Abonnenten [abgerufen am 16. Oktober 2019]).
  4. AlgorithmWatch. Abgerufen am 16. April 2019.
  5. a b Theodor Heuss Stiftung: 53. Theodor Heuss Preis. 2018, abgerufen am 16. April 2019.
  6. Gesellschaft für Informatik (GI): Hannah Bast, Antonio Krüger und Katharina Zweig in Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ berufen. 5. Oktober 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  7. Katharina Zweig: Entseelte Entscheidungen. In: Der Standard. 6. Mai 2016, abgerufen am 1. Januar 2019.
  8. a b Katharina Zweig, Sozioinformatik-Professorin an der TU Kaiserslautern (Memento vom 7. Mai 2016 im Internet Archive)
  9. Katharina Zweig: Ein menschliches Gedächtnis für das Internet. In: Das Wissenschaftsjahr. Bundesministerium für Bildung und Forschung, abgerufen am 16. Juli 2019.