KStV Flamberg Bonn

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Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Universität: Hochschulen in und bei Bonn
Gründungsdatum: 1. November 1924 in Freiburg
Prinzipien: Scientia, Amicitia, Religio
Wahlspruch: Ich dien!
Website: www.flamberg.de

Die Katholische Studierendenvereinigung Flamberg, gegründet 1924 in Freiburg als Katholischer Studentenverein (KStV) Flamberg, bis 2007 aktiv unter dem Namen KStV Flamberg zu Bonn, ist eine gemischte, nicht farbentragende, nichtschlagende Studentenverbindung in Bonn.

Gründung in Freiburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der KStV Flamberg entstand am 1. November 1924 in Freiburg im Breisgau als Abspaltung des KStV Brisgovia Freiburg[1][2] und trat am 1. Januar 1925 dem Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine (KV) bei. Mitbegründer waren unter anderem der Widerstandskämpfer Josef Wirmer[3] und Hanns Seidel[4].

Als Prinzipien wurden Scientia – Amicitia – Religio (Wissenschaft – Freundschaft – Religion), als Nichtfarben Schwarz–Weiß–Schwarz und als Wahlspruch das traditionsreiche (u. a. beim Prince of Wales) Ich dien! gewählt und sah sich dem Prinzip der Zeitoffenheit verpflichtet.[5]

Die Abspaltung entstand aus einem Konflikt zwischen einer Gruppe Bier und der Gruppe Geist der Brisgovia. Während ein Teil der Aktiven das althergebrachte Studentenleben weiter zu führen gedachte (die Gruppe Bier), wollte die andere Gruppe, die späteren Flamberger, das Korporationsleben zugunsten einer geistig und religiös tief verankerten, stärker jugendbewegten Gemeinschaft hin verändern (die Gruppe Geist).[6] Der Flamberg lud damals schon externe Fachleute zu Vorträgen ein, so den Philosophen Martin Honecker 1930 zum Thema Philosophie und Weltkrieg.[7] Laut der Biographie Meyers war die Ausgründung des Flambergs ohne die Jugendbewegung nicht denkbar und Ausdruck einer Erneuerungsbestrebung des Verbindungslebens.[6]

Der Name Flamberg bezieht sich auf Flamberge, ein traditioneller Ausdruck für ein geflammtes beidhändig geführtes mittelalterliches Schwert, mit dem der Erzengel Michael als Schutzpatron der Deutschen bevorzugt dargestellt wurde. Bezugnahmen auf diese Waffe waren damals im bündischen Umfeld recht geläufig.[8][9] Die Verbindung war jedoch zu keinem Zeitpunkt schlagend.

Im Nationalsozialismus wurden alle Aktivitäten, wie bei anderen Verbindungen auch, eingestellt. Der KStV Flamberg löste sich auf Betreiben Franz Meyers auf einer Tagung Anfang März 1934 selbst auf und kam damit der 1935 allgemein verordneten Zwangsauflösung für Studentenverbindungen durch die nationalsozialistische Diktatur zuvor.[10]

Rekonstitution in der Bundeshauptstadt Bonn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich einige Flamberger in Bonn nieder und rekonstituierten dort im Jahr 1948[11] die Verbindung, die weiterhin im Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine (KV) eingebunden war. 1955 wurde der Flamberg Heimverein e.V. gegründet, der ein Verbindungshaus von der KStV Frisia angemietet und 1967 schließlich erworben hat.[12][13] In der Frühzeit der Bundesrepublik gehörten mit Hanns Seidel und Franz Meyers gleichzeitig zwei amtierende Ministerpräsidenten sowie mit Max Adenauer der Sohn des Bundeskanzlers zu der am Regierungssitz ansässigen Verbindung. Meyers Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen und seine politische Karriere sind eng mit dem Flamberg verbunden, der zeitlebens ein wichtiger Bezugspunkt für ihn darstellte.[14] Der Spiegel stellte die Karriere Meyers unter Einbeziehung seiner öffentlichen Präsenz beim Flamberg in Freiburg „Zum Senioren gekürt, paradierte er bei der Rektoratsfeier und zu Fronleichnam in vollem Wichs und arrangierte für den etwas einfältigen Kommersbetrieb politische Diskussionen, ohne dass er sich dabei selber politisch exponierte.“ (Der Spiegel 1958[15]) in einer Titelgeschichte dar.

Konrad Adenauer selbst war bei der Mutterverbindung des Flambergs Brisgovia aktiv gewesen. Der Spiegel thematisierte 1968 die Nachwirkungen der verschiedenen katholischen Netzwerke in den Ministerialbehörden, wie Kanzler Adenauers Vorbehalte gegenüber einzelnen Angehörigen des Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen, wie zum Beispiel Edmund Forschbach. Im Artikel In Bonn schreibt man Zufall mit CV beschrieb der Spiegel die Unterschiede zwischen den Verbindungen überspitzt mit: „CV säuft, KV tanzt, Unitas betet.“ (Der Spiegel 1968 [16])

Neuausrichtung nach 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flamberger begannen nach 1992 über die ADV Penthesilea Frauen entgegen den ursprünglichen Aufnahmekriterien einzuschleusen.[17] Die Aktivitas trat nach einem längeren Findungsprozess (ca. 2005) aus dem KV aus, die Penthesilea wurde aufgelöst. Die ursprüngliche Altherrenschaft ist nach wie vor im KStV Flamberg organisiert, hat aber keine Aktivitas mehr. Die katholische Studierendenvereinigung Flamberg umfasst weibliche und männliche Aktive von Fachhochschulen wie Universitäten wie auch die seit 2007 philistrierten Altflamberger.

Die Studierendenvereinigung Flamberg nimmt als nach dem eigenen Selbstverständnis moderne Studierendengemeinschaft weibliche und männliche Studenten gleichberechtigt auf.[18] Es gibt keine Probe- oder Fuchsenzeit, über die Aufnahme wird auf schriftlichen Antrag vom Konvent entschieden.

Die Vereinigung besetzt die Chargen des Seniors/Seniora und des Konseniors/Konseniora doppelt mit männlichen und weiblichen Aktiven, der Schriftwart wird nur von einem Aktiven versehen. Die Semesterprogramme beinhalten ein Semesterthema (2012 Gemeinschaft, Bewegung, Revolution) und beginnen und schließen das Semester, wie bei christlichen Studentenverbindungen üblich, mit Gottesdienstfeiern. Statt Kneipen werden Semesteranfang und -ende mit Partys begangen. Daneben finden ebenso Stiftungsfeste, Vorträge, Konvente und Gesellschaftsabende statt.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In alphabetischer Reihenfolge

  • Max Adenauer (1910–2004), Politiker (CDU), Oberstadtdirektor von Köln, Sohn Konrad Adenauers
  • Friedrich Wilhelm Bosch (1911–2000), Jurist und Hochschullehrer, Nestor des deutschen Familienrechts
  • Hans Daniels (* 1934), Politiker (CDU), 1983 bis 1990 MdB, von 1975 bis 1994 Oberbürgermeister der Stadt Bonn
  • Hans Dichgans (1907–1980), Politiker (CDU), 1961 bis 1972 MdB, 1961 bis 1970 Abgeordneter im europäischen Parlament
  • Jochen Dieckmann (* 1947), Politiker (SPD), Justiz- (1999–2002) und Finanzminister (2002–2005) von Nordrhein-Westfalen
  • Bernard Henrichs (1928–2007), katholischer Priester, Dompropst der Hohen Domkirche zu Köln
  • Guido Hertel (1903–1963), Jurist und Präsident des Bundesrechnungshofes
  • Rudolf Hoberg (* 1936), Professor für Sprachwissenschaft und ehemaliger Vorsitzender der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS)
  • Bernhard Kötting (1910–1996), katholischer Kirchenhistoriker, Patrologe und Christlicher Archäologe, Hochschullehrer
  • Klaus Mertes SJ (* 1954), Priester, Direktor des Kollegs St. Blasien
  • Franz Meyers (1908–2002), Politiker (CDU) und Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens
  • Wiegand Pabsch (* 1932), Deutscher Botschafter in Santiago de Chile und in Buenos Aires
  • Julia Seeliger (* 1979), Journalistin und Politikerin (vormals Bündnis 90/Die Grünen, heute SPD)
  • Hanns Seidel (1901–1961), Politiker (BVP, später CSU), Bayerischer Ministerpräsident
  • Ernst Wirmer (1910–1981), langjähriger Ministerialdirigent im Bundesverteidigungsministerium
  • Josef Wirmer (1901–1944), Jurist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wiegand Pabsch u. a.: Josef Wirmer, Herausgeber: KStV. Flamberg, Bonn 1986 (mit einem Kapitel über die Gründung des K. St. V. Flamberg)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte des Katholischen Studentenvereins Brisgovia in Freiburg i. Br. 1880 – 1930, Verlag: Offenburg, H. Zuschneid (1930)
  2. Das akademische Deutschland, Band 2, von Michael Doeberl und Alfred Bienengräber bei C.A. Weller, 1931
  3. Josef Wirmer, ein Gegner Hitlers: Aufsätze und Dokumente Museumsverein Warburg, Museumsverein und Kulturforum Warburg, Verein der Ehemaligen H. Hermes, 1989 – 144 Seiten
  4. Siegfried Koß, Wolfgang Löhr (Hrsg.): Biographisches Lexikon des KV. 1. Teil (= Revocatio historiae. Band 2). SH-Verlag, Schernfeld 1991, ISBN 3-923621-55-8, S. 95.
  5. Jahrbuch des Kartellverbandes der katholischen Studentenvereine Deutschlands (K.V.). 29. Jg. 1931, S. 23.
  6. a b Franz Meyers, 1908-2002: eine politische Biographie, Stefan Marx, Klartext, 30. Juni 2003
  7. Die deutsche Universitätsphilosophie in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, Band 1, Christian Tilitzki, Akademie Verlag, 2002 – 1473 Seiten
  8. Vgl. die Namensgebung bei Flamberg, Monatszeitschrift der Schilljugend, die 1925–1929 von Werner Lass unter Mitarbeit von Ernst Jünger herausgegeben wurde, dazu Näheres bei Bündische Jugend – Wehrjugendbewegung und Nationalsozialismus am Beispiel von Werner Laß DFG Projekt 2011
  9. Ernst Jünger: Politische Publizistik 1919-1933. Herausgegeben von Sven Olaf Berggötz. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2001
  10. Akademische Monatsblätter, 118. Jg., Nr. 9, S. 7. pdf
  11. [1]@1@2Vorlage:Toter Link/couleurkarten.ooecv.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  12. Eigendarstellung bei der Flambergwebseite 2004 (Memento vom 10. Juni 2004 im Internet Archive)
  13. Bild vom Haus, Flambergwebseite 2004 (Memento vom 6. Dezember 2004 im Internet Archive)
  14. Zum Flamberg als Heimat Meyers in Rheinische Vierteljahrsblätter, Band 69 Universität Bonn. Institut für Geschichtliche Landeskunde der Rheinlande Bouvier Verlag, 2005
  15. BUNDESLÄNDER / NORDRHEIN-WESTFALEN Der fixe Franz Keiner ist zu jeder Stunde klug, 30. Juli 1958 Der Spiegel
  16. Bundespressemamt Zufall mit CV, Der Spiegel 4. November 1968
  17. 26. März 2008 erfolgter Blogeintrag von Julia Seeliger
  18. Webseite der Katholischen Studierendenvereinigung Flamberg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]