Kayser’s Hof

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Der Kaysers Hof wie er schrittweise zerfiel (2013).
Im ehemaligen Rotlichtviertel am Flensburger Hafen; der Kaysers Hof mit dem alten Kontakthof des Eroscenters (2014).

Der Kayser’s Hof (auch: Kaysers Hof) ist ein als Kulturdenkmal der Flensburger Innenstadt eingetragenes Hotelgebäude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.[1]

Der Name verweist auf die ursprüngliche Besitzerfamilie Kayser.[2] Ende des 20. Jahrhunderts war das Haus mit der Adresse Schiffbrücke 32 als Eroscenter eine Attraktion im historischen Rotlichtviertel Flensburgs zwischen Oluf-Samson-Gang und Herrenstall. Nach umfangreichen Umbaumaßnahmen eröffnete dort am 1. Dezember 2016 das Hotel Hafen Flensburg.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hotel Kaysers Hof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das spätklassizistische Haus wurde um 1850, vermutlich 1852/53, errichtet.[4][5][6] Die Familie Kayser eröffnete darin am 1. Mai 1853 einen Hotelbetrieb.[2] In dieser Zeit soll Friedrich VII. zusammen mit seiner dritten Frau Louise Gräfin Danner dort Zimmer bezogen haben.[7] Friedrich VII. besuchte Flensburg mehrfach und nächtigte an verschiedenen Orten der Stadt, so auch im Borgerforeningen. Der Gastwirt Marcus Hinrich Kayser, der das Hotel knapp vier Jahre betrieb, verkaufte das Gebäude anschließend an den „königlichen Militäretat“.[8] Ab 1857 war der Kaysers Hof Sitz des zweiten dänischen Generalkommandos.[7][4] Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 diente das Gebäude zunächst, ähnlich wie der Regierungshof am Holm, als Militärlazarett.[5] Wilhelm II., der am 21. November 1910 die Marineschule Mürwik einweihte, nächtigte nicht im Gebäude. Was sich im Gebäude damals befand, ist unklar.

Eroscenter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1981 befand sich im ehemaligen Hotel ein Bordell,[7] das bis 1983 zum Eroscenter mit angebautem „Kontakthof“ ausgebaut wurde.[5] In den 1990er-Jahren, als das Gebäude langsam zerfiel, stellte das Eroscenter seinen Betrieb ein[7] und die Diskothek Sunny eröffnete anschließend.[9] Der Denkmalpfleger Lutz Wilde beurteilte das Gebäude im Jahr 2001 mit dem Wortlaut: „heute durch Umbauten entstellt“.[4]

Hotel Hafen Flensburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hotel Hafen Flensburg
Stadt Flensburg
Adresse Schiffbrücke 33
24939 Flensburg
Website Hotel Hafen Flensburg
Hotel Hafen Flensburg visuell verstehen
Hotelinformationen
Eröffnung 1. Dezember 2016
Gebäude Kayser’s Hof
Besitzer Hotel Hafen Flensburg GmbH
Leitung Geschäftsführer Kirsten Herrmann und Tino Neunes
Mitarbeiter 28
Ausstattung
Zimmer 69
Restaurants Columbus
Foto des Hotels

Koordinaten: 54° 47′ 32″ N, 9° 26′ 0″ O

Auf Wusch des Flensburger Rathauses begannen Vorbereitungen zum Aufbau eines 4-Sterne-Hotels im alten Rotlichtviertel. Als erstes betraf es den Abriss der Diskothek Speicher im Hinterhof, das ein positives Image hatte.[10] Während des Neuaufbaus beschlossen die Bauherren, dass das marode Gebäude zu einem großen Teil neu gebaut werden muss.[11][12] Im Vorderbereich, wo das eigentliche, frühere Kaysers Hof und das ehemalige Eroscenter stand, sah das Bauverfahren eine komplette Entkernung, gehalten von einem 50-Tonnen-Stahlkorsett, und eine Tiefgründung vor.[13] Im Anschluss erfolgte der Umbau zu Hotelzimmern; daneben entstanden Gebäude für die Verwaltung sowie Aufenthaltsräume.[14][15]

Anfang 2016 entschieden sich die zukünftigen Betreiber nach einem Namenswettbewerb, dass das neue Hotel mit dem neuen Namen „Hotel Hafen Flensburg“ eröffnen soll.[13] Eine Flensburger Investorengruppe, bestehend aus dem Bauunternehmer Hermann Höft, dem Kaufmann Norbert Erichsen von der FFG und dem Baustoffhändler Boy Meesenburg, feierte fünf Monate nach Grundsteinlegung mit einem Richtfest am 14. April 2016 den Wiederaufbau eines „modernen Hotels mit historischem Kern“, dessen Eröffnung am 1. Dezember 2016 stattfand. Das Hotel stellt 69 Zimmer für Gäste zur Verfügung, die von 28 Hotelangestellten betreut werden. Das neue Hotelrestaurant, welches zuerst den historischen Namen Kaysers Hof tragen sollte,[16] erhielt den Namen Columbus,[17] wie schon zuvor eine Gastwirtschaft im Herrenstall, dessen Gebäude im Rahmen des Umbaus abgerissen und durch ein modernes Gebäude ersetzt worden war.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaysers Hof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historisches Bild mit dem Namen Kayser’s Hof, abgerufen am: 27. Oktober 2016
  2. a b Joachim Pohl: Neues Gewand für Kaysers Hof: Spurensuche auf historischem Terrain. In: Flensburger Tageblatt. 16. Oktober 2015, abgerufen am 16. April 2016.
  3. Joachim Pohl: Einweihung: Ein Schmuckstück an der Küste. In: Flensburger Tageblatt. 2. Dezember 2016, abgerufen am 2. Dezember 2016.
  4. a b c Lutz Wilde: Stadt Flensburg (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland / Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2). Wachholtz, Neumünster 2001, ISBN 3-529-02521-6, S. 248.
  5. a b c Eiko Wenzel, Henrik Gram: Zeitzeichen, Architektur in Flensburg, S. 72
  6. Der Denkmalpfleger Lutz Wilde mutmaßt in seinem Buch, dass es vom Architekten Laurits Albert Winstrup stammen könnte. Dieser war in der damaligen Zeit in Flensburg tätig. Vgl. Lutz Wilde: Stadt Flensburg (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland / Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein. Band 2). Wachholtz, Neumünster 2001, ISBN 3-529-02521-6, S. 248.
  7. a b c d Andreas Oeding, Broder Schwensen, Michael Sturm: Flexikon. 725 Aha-Erlebnisse aus Flensburg!, Flensburg 2009, Artikel: Kaysers Hof
  8. Vgl. Eiko Wenzel, Henrik Gram: Zeitzeichen, Architektur in Flensburg, S. 72
  9. Sunny – der Schandfleck an der Küste, vom: 26. Juli 2012; abgerufen am: 1. November 2015
  10. Vgl. Flensburger Tageblatt: Flensburger Disco: Facebook-User trauern um den Speicher, vom: 23. Juni 2014; abgerufen am: 6. März 2015
  11. Flensburger Tageblatt: Stadtplanung: Flensburgs spannendste Baustelle, vom: 27. September 2015; abgerufen am: 1. November 2015
  12. Gemeindliches Einvernehmen zum Teilabbruch des Gebäudes Schiffbrücke Nr. 32 Kaysers Hof, SUPA - 71/2015 (PDF), vom: 14. August 2015; abgerufen am: 7. November 2015
  13. a b Joachim Pohl: Ein Name als Statement. In: Flensburger Tageblatt. 7. Februar 2016, abgerufen am 18. April 2016.
  14. WiF - 4-Sterne-Hotel, abgerufen am: 6. März
  15. Flensburger Tageblatt: Hafenumbau in Flensburg: Bagger im alten Rotlicht-Viertel, vom: 14. November 2014, abgerufen am: 6. März
  16. Tina Ludwig: Schiffbrücke: Modernes Hotel mit historischem Kern. In: Flensburger Tageblatt. 15. April 2016, abgerufen am 15. April 2016.
  17. Unser Restaurant Columbus. Hotel Hafen Flensburg Website, abgerufen am 27. Oktober 2016.