Kemna (Unternehmen)

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Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG

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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1867
Sitz Pinneberg
Mitarbeiterzahl 1992
Umsatz 443 Mio. Euro[1]
Branche Verkehrswegebau
Website www.kemna.de
Stand: 31. Dezember 2018

Die Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG ist eine deutsche Unternehmensgruppe mit Sitz in Pinneberg. Sie beschäftigt mehr als 1900 Mitarbeiter und gehört zu den größten Bauunternehmen Deutschlands. Die Firma wurde 1867 unter dem Namen J. Kemna – Breslau als eine Dampfmaschinen-, Dampftraktoren-, Lokomobilen-, Dampfpflug-, Straßenwalzen- und Traktorenfabrik in Breslau gegründet. Heute ist Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG die größte deutsche Straßenbaufirma mit Hauptsitz in Deutschland und die zweitgrößte in Deutschland insgesamt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

J. Kemna – Breslau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Unternehmensgründer Julius Kemna stammte ursprünglich aus Barmen, wo er 1837 geboren wurde. 1867 gründete er in Breslau sein Unternehmen, welches zunächst Landmaschinen herstellte. Zeitweise kooperierte Kemna mit Fowler, beschloss aber schon bald, eigene Lokomobile und Dampfpflüge zu bauen. Nach dem Vorbild Fowlers baute Kemna auch Einzylinder-Sattdampfmaschinen, erkannte aber bald die Vorteile der Hochdruckdampftechnologie mit Heißdampf und der Compound- oder Verbund-Bauweise, welche bei geringerem Verbrauch an Heizmaterial und Wasser zu wesentlich höheren Leistungen imstande ist. Mit Gespür für kommende Entwicklungen hatte Kemna erkannt, dass die Dampfmaschine nicht nur für die Industrie revolutionierend war, sondern auch in der Landwirtschaft und im Straßenbau. Im Jahr 1898 starb Kemna und vererbte seinen Angestellten 30 Mark für jedes Jahr der Anstellung; für viele genug Geld, um ein Haus zu Bauen.[3] 1908 präsentierte Kemna Bau eine Weiterentwicklung des Compound-Systems: Eine Heißdampf-Pfluglokomotive mit überspanntem Dampf und zwei Hochdruckzylindern.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kemna Lokomotiven und Pflüge (ungefähr 1900)

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Firma Julius Kemna das "führende Dampfpflug-Unternehmen auf dem europäischen Kontinent und drang auf dem Weltmarkt in die Monopolstellung englischer Firmen ein". Das Unternehmen entwickelte sich zum "industriellen Großbetrieb" um die Jahrhundertwende. Aufgrund von Kapazitätserweiterungen wurden 1905 ungefähr 900 Arbeitnehmer auf einem 52.000 m² großen Industriegelände angestellt.[4]

Der Erste Weltkrieg führte zur Forderung der Heeresleitung, so dass Zugmaschinen herstellerübergreifend vereinheitlicht werden mussten, um das Ersatzteilproblem in den Griff zu bekommen. Kemna stellte daraufhin die Straßenlokomotive EM (Einheitsmaschine) vor, die bald von verschiedenen Herstellern im Deutschen Reich nachgebaut wurde. Viele dieser Maschinen wurden als Reparationsleistung nach dem Ersten Weltkrieg nach ganz Europa geliefert. 1919 warb Kemna mit seinen Dampf-Lastzügen, Straßenlokomotiven mit zwei Anhängern, die imstande waren „300 bis 400 Zentner zu transportieren bei einer Reichweite von bis zu 30 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 5 bis 10 km/h“. Das Dampfpflügen mit zwei Lokomobilen, zwischen denen der Pflug hin- und hergezogen wurde, ist in den 1920er Jahren allmählich durch den von Kohle und Wasser unabhängigen Traktor abgelöst worden. Durch Produktionsverlagerung stellte sich das Unternehmen auf diese Marktlage ein. Kemnas Unternehmen brachte im Jahr 1923 als erste Firma in Deutschland eine Straßenwalze mit einem Rohölmotor (Deutz-Diesel-Motor) auf den Markt.

Drei Maschinen von Kemna können in Museen in Sinsheim und Berlin sowie im polnischen Nationalmuseum der Landwirtschaft bei Posen noch besichtigt werden, eine weitere steht frei zugänglich im Dorf Veitsch in der Steiermark (Österreich). Unter der Marke Wratislawia wurden von Kemna Dreschmaschinen und andere Geräte angeboten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden von Kemna auch Traktoren mit Verbrennungsmotor hergestellt. Es wurden bei Kemna auch Dampf-Straßenwalzen gebaut, die nach dem Ersten Weltkrieg schon bald mit Verbrennungsmotor ausgerüstet wurden. Straßenwalzen von Kemna waren in ganz Europa bekannt. Nach dem Eintritt des Sohnes Erich Kemna wandte sich das Unternehmen verstärkt dem Bereich Straßenbau zu. Bereits 1910 wurde hierfür ein Asphalt-Gemisch angeboten. Der Standort für den Bereich Straßenbau wurde nach Berlin verlagert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk in Breslau völlig zerstört; aufgrund der Gebietsabtretung Schlesiens an Polen wurde das Werk J. Kemna im Jahr 1945 geschlossen. In Polen wurden unter der Firma FADROMA Wrocław nach 1945 weiter Baumaschinen, Lader und Walzen hergestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Lübeck-Travemünde im Hatra-Werk Kemna-Walzen weitergebaut, doch der Namenszug Kemna verschwand bald auf den Maschinen. Damit endete der Fahrzeugbau unter dem Namen Kemna für immer.

Der Straßenbaubereich von Kemna in Berlin stand unter der Kontrolle der Siegermächte, deshalb wurde in Hamburg aus einer zuvor eher unbedeutenden Zweigniederlassung heraus die Kemna Baugesellschaft mbH gegründet. Nach dem Wegfall der alliierten Kontrolle wurde der Berliner Betrieb wieder eingegliedert. Es wurde wieder Gussasphalt angeboten, zudem wurden Verfahrensweisen zur Rationalisierung des Straßenbaus entwickelt. Werke wurden hinzugekauft und das Unternehmen wuchs stetig. Unter der Firmierung KEMNA BAU Andreae GmbH & Co. KG existiert der Name Kemna bis heute.

Kemna Bau Andreae[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Kemna-Werk in Hannover

In der heutigen Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG und ihren Tochterunternehmen waren 2018 mehr als 1900 Mitarbeiter beschäftigt. Der Jahresumsatz betrug 2018 über 440 Mio. €. Das Unternehmen gehört zu den 25 größten deutschen Bauunternehmen.[2]

Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG ist ein Unternehmen mit vertikaler Struktur. Neben vielen Zweigniederlassungen gehören zu den Tochterfirmen und Beteiligungsgesellschaften unter anderem Gehrken Straßen- und Tiefbau GmbH & Co. KG, VSB infra, Guss-Asphalt Wilfried Ceh GmbH, Tesch Straßenbau GmbH & Co. KG, Vereinigte Asphalt Mischwerke GmbH & Co, ASPA GmbH, NORDHARZ ASPHALT-MISCHWERKE, DAM Delitzscher Asphaltmischwerk GmbH, MITTELDEUTSCHE BAUSTOFFE GmbH, Amiro GmbH und Ancandra Trans S. R. L, Malkus GmbH, Erdtrans Hamburg GmbH & Co. KG und ServiTra GmbH & Co. KG.

In 5 Steinbrüchen und 10 Kieswerken werden Mineralstoffe entweder direkt von Kemna oder über eine Mehrheitsbeteiligung produziert. In 13 konzerneigenen Asphaltsplitt-Werken und 26 Betrieben von 8 Beteiligungsgesellschaften produziert Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG Mischgut für den Asphaltstraßenbau. Kemna Bau Andreae GmbH & Co. KG wickelt alle Leistungen um den Verkehrswegebau einschließlich einiger Spezifischen- und Nebenarbeiten auf dem Gebiet der Flächenbefestigung in 9 Baubetrieben und 4 Beteilungsgesellschaften ab.[5] Die Firma benutzt nach eigenen Angaben das "Recyceln von Asphaltflächen, das Versiegeln und Wiedereinbauen belasteten Straßenaufbruchs, das Aufbereiten von Altmaterialien zur Wiederverwendung als klassifizierte Baustoffe",[6] um nachhaltig zu sein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kemna Fahrzeuge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Kemna Bau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesanzeiger: Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2018 bis zum 31.12.2018, abgerufen am 31. Mai 2020
  2. a b Übersicht Bauunternehmen - Die Deutsche Bauindustrie. Abgerufen am 9. März 2020.
  3. KEMNA - Verkehrswegebau I Straßenbauunternehmen. Abgerufen am 21. Juli 2020.
  4. Deutsche Biographie: Kemna, Julius - Deutsche Biographie. Abgerufen am 18. Juli 2020.
  5. KEMNA BAU, die Organisation des Unternehmens. Abgerufen am 9. März 2020.
  6. KEMNA BAU, das Unternehmen stellt sich vor. Abgerufen am 9. März 2020.