Kempter Wald

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Lage des Kempter Waldes im Landkreis Oberallgäu

Der Kempter Wald (auch Kemptener Wald) ist ein großflächiges Waldgebiet östlich von Kempten (Allgäu) auf dem Gebiet der Landkreise Ober- und Ostallgäu. Er hat eine Ausdehnung von 12 km² und liegt teilweise auf gemeindefreiem Gebiet zwischen den Orten Durach, Betzigau, Kraftisried, Unterthingau, Görisried und Oy. Der Kempter Wald erreicht Höhen bis ca. 960 m ü. NHN südlich von Hauptmannsgreut und bei Bodelsberg.

Der Dengelstein

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kempter Wald ist Teil der voralpinen Allgäuer Moor- und Hügellandschaft, die in der letzten Eiszeit geprägt wurde. Aus dieser Zeit stammt auch eine der größten Findlings-Verteilungen der gesamten Nordalpen mit über 4000 Findlingen, wobei die größten darunter (Dengelstein, Beichelstein, Baltenstein, der Stein) beachtliche Größen von über 3000 m³ und 20 m im Durchmesser erreichen.[1] Der Wald ist Quellgebiet mehrerer Bäche und Kleinflüsse (z. B. der Kirnach), deren Wasser im weiteren Verlauf in die Iller oder in die Wertach mündet. 54,4 % der Fläche des Kempter Waldes unterliegen europäischer oder nationaler Naturschutzgesetzgebung. Das FFH-Gebiet „Kempter Wald mit Oberem Rottachtal“ ist identisch mit diesem Anteil, zu den Besonderen Schutzgebieten (Vogelschutzgebieten nach einer EU-Richtlinie) zählen 6,8 % der Fläche und der Naturschutzgebietsanteil beläuft sich auf 7,2 % (Stand 2003).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fürstäbte von Kempten legten im Kempter Wald 80 Fischweiher an und zählten ihn zu den „jagdreichsten Gebieten Deutschlands“. Immer wieder waren seinerzeit die Nutzungsrechte im Kempter Wald (Holzeinschlag, Jagd, Waldweide, Zoll) Gegenstand von Streitigkeiten zwischen dem Benediktinerstift und der Reichsstadt Kempten. Bereits 1373 ließ der damalige Fürstabt einen bestehenden Saumpfad durch den Wald zu einer befahrbaren Straße ausbauen. Der Fürstabt hatte auch eine Zollstätte im Wald, an einer alten Römerstraße, die früher von Kempten bis Reutte führte und dort Anschluss an die Via Claudia findet (in der Nähe liegt heute der Bahnhaltepunkt Zollhaus-Petersthal der Außerfernbahn). 1694 wollte er von seiner Zollstätte eine Straße nach Immenstadt bauen, um einer zeitgleich geplanten Straße von Feldkirch über den Arlberg das Wasser abzugraben und den Handel an den Reichsstädten Kempten, Isny, Wangen und Lindau vorbei direkt nach Bregenz zu führen. Das Projekt scheiterte jedoch am Einspruch der Reichsstädte inklusive Augsburgs, des Herzogtums Württemberg und des Bischofs von Konstanz.

Die Waldkapelle im Kempter Wald

Heute quert der von Augsburg zum Bodensee führende Schwäbisch-Allgäuer Wanderweg (gleichzeitig ein Teilstück des Münchner Jakobswegs) den Kempter Wald. Er führt an der mitten im Wald stehenden, 1938 erbauten „Waldkapelle“ vorbei.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mittelalterliche Burg Wolkenberg lag im Kempter Wald auf dem heutigen Gemeindegebiet von Wildpoldsried und ist als Ruine erhalten. Ebenso gibt es in der Nähe der Ortschaft Durach die Ruine Neuenburg. Auch eine Fliehburg ist erwähnt. Traditionelle Ausflugsziele sind auch verschiedene Gasthöfe im Kempter Wald („Tobias“, Ausschankrecht seit 1894; „Waldschenke“, seit 1912; „Adler“ in Bodelsberg, Ausschank seit 1526; Hauptmannsgreut), die bewirtschafteten Landalpen „Alpe Beilstein“ und „Mehlblockalpe“ und der Grillplatz „Stellbrunnen“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alpstein Tourismus (Hrsg.): Wanderkarte Kempter Wald (1:25.000), Immenstadt 2008 (erhältlich in angrenzenden Gemeinden)
  • Rüdiger Filger: Streu- und Feuchtwiesen im Kempter Wald, Dissertation: Kassel, Universität, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, 2007 (Online-Ressource)
  • M. Müller, H. Scholz: Neues zum Findling-Streufeld des Kempter Waldes im Allgäu. Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben., Bd. 115, Augsburg 2011, S. 95–127.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. M. Müller, H. Scholz: Neues zum Findling-Streufeld des Kempter Waldes im Allgäu. Berichte des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben., Bd. 115, Augsburg 2011, S. 95–127

Koordinaten: 47° 43′ 13″ N, 10° 26′ 25″ O