Kersten Reich

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Kersten Reich (* 14. August 1948 in Hamburg) ist ein deutscher Pädagoge und Kulturtheoretiker. Er war von 1979 bis 2006 Professor für Allgemeine Pädagogik und ist seit 2007 Professor für Internationale Lehr- und Lernforschung an der Universität zu Köln. Er begründete den Ansatz des Interaktionistischen Konstruktivismus und ist durch seine konstruktivistischen Theorien in den Bereichen Didaktik und Pädagogik bekannt. In seinen Arbeiten zur Chancengerechtigkeit und Inklusion verfolgt er einen weiten Inklusionsbegriff in Theorie und Praxis. Sein Ansatz wird in der Praxis der Inklusiven Universitätsschule Köln, der ersten Praxisausbildungsschule in der neueren deutschen Lehramtsausbildung umgesetzt.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reich studierte Kunst und Politikwissenschaften mit Staatsexamen für Lehramt sowie Psychologie, Pädagogik und Philosophie. Er wurde zum Dr. phil. promoviert. Seine Dissertation Theorien der Allgemeinen Didaktik legte er 1976 vor. Mit einer Arbeit über Erziehung und Erkenntnis habilitierte er sich 1978. Er absolvierte längere Auslandsaufenthalte in Großbritannien, den USA und der Volksrepublik China.

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Pädagogik wurde Kersten Reich mit seiner Dissertation Theorien der Allgemeinen Didaktik in den 70er Jahren bekannt, in der er die Bildungstheoretische Didaktik kritisch darstellte und die lerntheoretische Didaktik in ihrem umfassenden Begründungskontext zeigte. In der Habilitationsschrift wird eine Wende zum Erlanger Konstruktivismus erkennbar. In den 90er Jahren begründete er den Interaktionistischen Konstruktivismus. Dieser Ansatz versteht sich als ein soziokulturell orientierter Konstruktivismus, der insbesondere an den Pragmatismus nach John Dewey anknüpft. Reich hat deshalb auch das Kölner Dewey-Center in direkter Kooperation mit dem amerikanischen Dewey-Center gegründet. Zusammen mit Jim Garrison und Stefan Neubert hat er zwei Grundlagenarbeiten zu "John Dewey's Philosophy of Education" und zu "Democracy and Education reconsidered" veröffentlicht.

1998 erschien das Hauptwerk zum Interaktionistischen Konstruktivismus Die Ordnung der Blicke in zwei Bänden. In Auseinandersetzung mit Strömungen der neueren Erkenntniskritik begründet er, weshalb Konstruktivisten nicht nur auf eine Beobachtertheorie zurückgreifen sollten, sondern immer auch die Rolle der Teilnehmer und Akteure in ihrem interaktiven Zusammenhang zu bedenken haben.

Die Arbeiten "Inklusion und Bildungsgerechtigkeit" aus dem Jahre 2012 und "Chancengerechtigkeit und Kapitalformen" aus 2013 thematisieren umfassend die Bildungsbenachteiligungen sowohl im deutschen als auch internationalen Erziehungs- und Bildungssystemen. Reich erweitert Bourdieus Theorie der Kapitalformen indem er den Mehrwert der unterschiedlichen Kapitalformen herausarbeitet und das Körper- und Lernkapital hinzufügt.

Seine kulturtheoretischen Analysen hat Reich vor allem in drei Büchern in die Pädagogik und Didaktik umgesetzt. In Systemisch-konstruktivistische Pädagogik stellt er die Grundlagen einer konstruktiven und systemischen Arbeit in der Pädagogik dar. Die Systemik ergibt sich durch eine Wahrnehmung neuer Perspektiven und fremder Weltbilder im Rahmen der Interaktion, die zu einer Rekonstruktion des eigenen Weltbildes führen können (vgl. Systemische Therapie). Dabei geht er auf mögliche Anwendungsfelder ein. Das Buch ist bereits in sechs Auflagen erschienen. In Konstruktivistische Didaktik, die in der 5. Auflage vorliegt, wird der konstruktivistische Lehr- und Lernansatz umfassend für die Praxis beschrieben. Der dazugehörige Methodenpool hilft, sich gezielt einen Überblick über Methoden des Lehrens und Lernens zu verschaffen. In der Didaktik wird herausgearbeitet, wie eine inklusive Erziehung und Bildung gelingen kann.

Privat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kersten Reich ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Heimann: Didaktik als Unterrichtswissenschaft. Hrsg. und eingeleitet von Kersten Reich und Helga Thomas. Klett, Stuttgart 1976.
  • Theorien der Allgemeinen Didaktik. Zu den Grundlinien didaktischer Wissenschaftsentwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und in der Deutschen Demokratischen Republik. Klett, Stuttgart 1977 (Dissertation, TU Berlin, 1976).
  • Erziehung und Erkenntnis. Studien zur Methodologie der Erziehungswissenschaft. Klett-Cotta, Stuttgart 1978 (Habilitationsschrift, TU Berlin).
  • Unterricht, Bedingungsanalyse und Entscheidungsfindung. Ansätze zur neuen Grundlegung der Berliner Schule der Didaktik. Klett-Cotta, Stuttgart 1979.
  • Häuser der Vernunft. Meine Gespräche mit philosophischen Denkern des Abendlandes. Lang, Bern 1988.
  • Systemisch-konstruktivistische Pädagogik. Luchterhand, Neuwied 1996; 6. Auflage: Beltz, Weinheim 2010.
  • mit Yuqing Wei: Beziehungen als Lebensform. Philosophie und Pädagogik im alten China. Waxmann, Münster 1997.
  • Die Ordnung der Blicke. 2 Bände. Luchterhand/Beltz, Neuwied u. a. 1998.
  • Konstruktivistische Didaktik. Luchterhand, Neuwied 2012; 5. Auflage: Beltz, Weinheim 2012 ISBN 978-3-407-25689-8.
  • Inklusion und Bildungsgerechtigkeit. Beltz, Weinheim 2012.
  • Chancengerechtigkeit und Kapitalformen. Springer VS, Wiesbaden 2013.
  • Inklusive Didaktik. Bausteine für eine inklusive Schule. Beltz, Weinheim 2014, ISBN 978-3-407-25710-9.
  • Eine inklusive Schule für alle. Das Modell der Inklusiven Universitätsschule Köln. Beltz, Weinheim/Basel 2015 ISBN 978-3-407-25725-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]