Kimberley-Prozess

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Mitgliedsstaaten

Der Kimberley-Prozess ist ein komplexes System, das über staatliche Herkunftszertifikate den Handel mit sogenannten Blutdiamanten unterbinden soll. Als Blutdiamanten werden geschmuggelte Diamanten bezeichnet, durch die verschiedene Kriege in Afrika finanziert wurden bzw. werden.[1]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die über illegal geschürfte Diamanten finanzierten Bürgerkriege in Liberia und Sierra Leone machten das Problem der Blutdiamanten in den 1990er Jahren deutlich. 1998 verbot der UNO-Sicherheitsrat erstmals einer Rebellenbewegung, der angolanischen UNITA, die Ausfuhr von Diamanten, um so den Bürgerkrieg in Angola zu beenden. Als offensichtlich geworden war, dass die UNITA weiterhin ihren Krieg über Diamanten finanzierte, trafen sich im Mai 2000 im südafrikanischen Kimberley mehrere Diamanten produzierende Länder aus dem südlichen Afrika, um die Problematik grundsätzlich anzugehen. Seit 2003 ist der Kimberley-Prozess offiziell in Kraft, das heißt es dürfen nur solche Diamanten gehandelt werden, für die offizielle Herkunftszertifikate des jeweiligen Ursprungslandes vorliegen.

Gegenwärtiger Stand und weitere Planungen[Bearbeiten]

Inzwischen beteiligen sich 50 Länder (die Staaten der Europäischen Union als eines gerechnet), darunter sämtliche afrikanischen Diamantenproduzenten, am Kimberley-Prozess.[2] Ein internationales Gremium ist eingerichtet worden, das prüft, ob die teilnehmenden Staaten die Zertifikate korrekt ausstellen. Neben etlichen Berichten über Korruption innerhalb des Prozesses und gefälschte Zertifikate gibt es einige offensichtliche Erfolge des Systems. Inzwischen existieren darüber hinaus Überlegungen, das System mit positiver Stoßrichtung auszubauen. Dabei soll es nicht nur weg von den „Blut-“ oder „Kriegsdiamanten“ gehen, sondern auch hin zu Friedensdiamanten, also zu einem System, das auch soziale oder ökologische Fragen thematisiert („Diamanten für Entwicklung“).

Teilnehmende Staaten bzw. Staatenverbund[Bearbeiten]

  1. Angola
  2. Armenien
  3. Australien
  4. Bangladesch
  5. Botswana
  6. Brasilien
  7. Volksrepublik China
  8. Europäische Union
  9. Ghana
  10. Guinea
  11. Guyana
  12. Indien
  13. Indonesien
  14. Israel
  15. Japan
  16. Kanada
  17. Demokratische Republik Kongo
  18. Kroatien
  19. Demokratische Volksrepublik Laos
  20. Lesotho
  21. Libanon
  22. Liberia
  23. Malaysia
  24. Mauritius
  25. Namibia
  26. Neuseeland
  27. Norwegen
  28. Russische Föderation
  29. Schweiz
  30. Sierra Leone
  31. Simbabwe
  32. Singapur
  33. Sri Lanka
  34. Südafrika
  35. Republik Korea (Südkorea)
  36. Tansania
  37. Thailand
  38. Togo
  39. Türkei
  40. Ukraine
  41. USA
  42. Venezuela
  43. Vereinigte Arabische Emirate
  44. Vietnam
  45. Weißrussland
  46. Zentralafrikanische Republik

Gegen die Elfenbeinküste wurde wegen des illegalen Handels von Diamanten ein Embargo bis Ende 2010 verhängt.[3]

Kritik[Bearbeiten]

Es gibt aber auch kritische Stimmen zum Kimberley-Prozess. Die deutsche Hilfsorganisation Medico international kritisiert das Abkommen, weil die Kontrollen völlig unzureichend sind und fordert ferner, die am Diamantenhandel beteiligten transnationalen Unternehmen für die Beseitigung der Kriegsschäden, etwa in Sierra Leone und Angola, zur Verantwortung zu ziehen.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. De Beers "The Kimberley Process" aufgerufen 31. Oktober 2011 (en)
  2. Tielnehmerstaaten auf der Website des Kimberley-Prozesses (englisch), abgerufen am 3. Juni 2012
  3. Kimberley-Jahrestagung: Rückschlag bei Blutdiamanten - taz-Artikel, abgerufen am 17. Juni 2010
  4. Pressemitteilung von medico.de, abgerufen am 31. Oktober 2011