Klangstuhl

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Klangstuhl

Ein Klangstuhl ist eine besondere Variante des Monochords[1] in Form eines Stuhls, welcher auf der Rückseite mit mehreren auf die gleiche Tonhöhe gestimmten Saiten bespannt ist.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klangstuhl – Rückansicht mit den Saiten

Bei einem Klangstuhl handelt es sich um einen Stuhl variabler Größe, der mit blanken oder umsponnenen Saiten versehen ist, welche auf die gleiche Tonhöhe gestimmt sind. Während eine Person auf diesem Stuhl sitzt, streicht eine zweite, hinter dem Stuhl stehende Person über die Saiten.[2] Der entstehende Schall und die entstehenden Schwingungen sowie die entstehende Vibration übertragen sich auf den kompletten Körper der sitzenden Person bis hin in die Fingerspitzen.[3][4] Die entstehenden Klänge und körperlich spürbaren Vibrationen sollen zu einer Entspannung führen und beruhigend wirken.[3][5]

In der Regel werden Klangstühle aus Holz hergestellt, allerdings war in der Ausstellung „Harter Stoff. Carbon – das Material der Zukunft“ im Deutschen Museum in München eine vom Stuttgarter Institut für Flugzeugbau konstruierte Sonderanfertigung eines Klangstuhls aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff („Carbon“) zu sehen.[6][7] Die Leibniz-Gemeinschaft zählte dieses Sondermodell eines Klangstuhls zu den Highlights der Ausstellung.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Klangstuhl wurde von dem Berliner Instrumentenbauer Bernhard Deutz entwickelt[8] und 1996 auf dem internationalen Musiktherapie-Weltkongress in Hamburg neben anderen in der Musiktherapie eingesetzten Instrumenten ausgestellt.[2] Dort wurde er in dem von der World Federation of Music Therapy veranstalteten Wettbewerb für neue Therapieinstrumente mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.[9] Mittlerweile werden Klangstühle auch von einer Reihe weiterer Anbieter hergestellt.

Verwendungsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingesetzt werden Klangstühle zur Meditationsunterstützung[4] sowie in der Musiktherapie,[8][1][10] etwa unterstützend bei der Behandlung von Kommunikationsstörungen im Kindesalter,[11] bei der Arbeit mit hörbeeinträchtigten Kindern,[12] zur Unterstützung imaginativer Konzepte,[13] bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen[2] und in der Palliativmedizin.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hans-Helmut Decker-Voigt und Eckhard Weymann (Hrsg.): Lexikon Musiktherapie, Hogrefe Verlag, Göttingen 2009, S. 301 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b c T. Schröter: Die Klangwiege in der Musiktherapie bei Patienten mit chronischen Schmerzen. In: Günther Bernatzky (Hrsg.): Nichtmedikamentöse Methoden in der Praxis, Springer Science+Business Media, Berlin 2007, S. 185 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. a b c M. Warth, G. Platzbecker, J. Kessler und H. J. Bardenheuer: Möglichkeiten der musiktherapeutischen Arbeit mit Monochord und Klangstuhl anhand einer Einzelfalluntersuchung. In: Zeitschrift für Palliativmedizin 2014.
  4. a b Sybille Engels und Jan Eßwein: Meditation für Ungeübte und Ungeduldige, Gräfe und Unzer, München 2008, S. 73 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Körpermonochordbehandlung in der Psychosomatik - subjektives Erleben und psychophysiologische Parameter, auf der Webseite der Berliner Charité.
  6. a b Carbon – Material der Zukunft, auf der Webseite der Leibniz-Gemeinschaft.
  7. Harter Stoff. Carbon – das Material der Zukunft (Memento vom 9. Mai 2015 im Internet Archive), auf der Webseite des Deutschen Museums.
  8. a b Ingrid von Hänisch (Hrsg.): Wer begleitet die Begleiter? Theodor Springmann Stiftung, Heidelberg 2009, S. 13 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Bernhard Deutz, Cordula Dietrich: Körpertambura - ein neues musiktherapeutisches Instrument. In: Jahrbuch Musiktherapie / Music Therapy Annual, Band 1 (2005), S. 67(eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. Christian Schulz, Andreas Heller und Christine Dunger (Hrsg.): Palliative Care und Hospiz. Eine Grounded Theory, Springer Science+Business Media, Berlin 2014, S. 129 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. Gerhard Böhme: Komplementäre Verfahren bei Kommunikationsstörungen: für Logopäden, Sprachtherapeuten und Ärzte, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010, S. 52 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. Shirley Salmon: Musik als Weg zum Dialog bei hörbeeinträchtigten Kindern, Vortrag gehalten am 13. Mai 2002 im Herbert von Karajan Centrum in Wien. In: bidok.
  13. Thomas Richter: Die KlangWoge – Ein Instrument zur Erweiterung und Verstärkung imaginativer Konzepte rezeptiver Musiktherapie. In: Musiktherapeutische Umschau, Band 29,1 (2008), S. 34–41, hier S. 35 (PDF, 161 kB).