Klassiker

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Klassiker (Begriffsklärung) aufgeführt.

Klassiker sind klassische Werke, Autoren, Topoi oder Produkte.

Als „klassisch“ im allgemeinen sprachlichen Sinne wird etwas bezeichnet, das typische Merkmale in einer als allgemeingültig akzeptierten Reinform in sich vereint und mithin als formvollendet und harmonisch gilt. Das Klassische bildet somit den zeitlosen Kontrapunkt zur zeitabhängigen Mode. Beispiel: die klassische „griechische“ Nase oder die „klassische“ Rennstrecke von 100 m. Umgangssprachlich ist es heute auch oft ein Synonym für typisch (z. B. „den klassischen Anfängerfehler machen“).

Merkmale eines Klassikers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • lange überregionale Bekanntheit (oft auch generationsübergreifend)
  • gewisser Traditionswert
  • hoher Wiedererkennungswert
  • hohe Qualität wird zugestanden
  • Innovationspotential
  • Einfluss auf die Kultur
  • bei Texten: Zeitlosigkeit der Themen, so zum Beispiel Liebe, Hass & Wut, Familie, Abenteuer, Widerstand & Anpassung

Es müssen nicht alle Merkmale auf jeden Klassiker zutreffen.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich rührt das Wort von den Bürgern erster Klasse (classis) im alten Rom her, wo ein vermögender Bürger als classicus bezeichnet wurde.[1] Seit dem 2. Jahrhundert wird das Wort bildlich auf hervorragende Schriftsteller angewandt (erstmals bei Aulus Gellius).

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im kulturgeschichtlichen Sinne sind Klassiker Werke u. a. der Musik, der Malerei, der Filmkunst u. s. f. von überragender, allgemein anerkannter Bedeutung. Beispiele:

Klassiker in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im engeren Sinne werden die antiken griechischen oder lateinischen Schriftsteller, deren Werke auch heute noch Bedeutung besitzen, als Klassiker bezeichnet. In der Literaturgeschichte sind mit „deutsche Klassiker“ die Dichter der Blütezeit der deutschen Literatur zur Zeit Goethes, Schillers und Hölderlins gemeint, im engeren Sinne als „Weimarer KlassikerWieland, Herder, Goethe und Schiller.

Als „Klassiker der Moderne“ werden Künstler bzw. deren zum allgemein anerkannten Literatur- bzw. Kunstkanon gehörende Werke jüngeren Datums bzw. der Gegenwart bezeichnet. Innerhalb der deutschen Literatur sind es die Romane Der Process, Das Schloss, Buddenbrooks, Der Zauberberg, Berlin Alexanderplatz oder Der Mann ohne Eigenschaften. Die Gedichte Rilkes, Benns oder Brechts. Weiterhin James Joyce Ulysses, Louis-Ferdinand Céline Reise ans Ende der Nacht, William Faulkner Schall und Wahn oder Vladimir Nabokovs Lolita. Zu den Gegenwartsklassikern werden die Romane Homo Faber und Die Blechtrommel gezählt, Theaterstücke wie Der Besuch der alten Dame und Die Physiker, sowie die Lyrik Paul Celans und Ingeborg Bachmanns.

Darüber hinaus bildeten sich in der Genreliteratur Werke, die eine größere Bekanntheit erreicht haben und innerhalb einzelner Genres zum Vorbild für nachfolgende Romane wurden. In der Kriminalliteratur sind es Romane wie Der Hund von Baskerville oder Der talentierte Mr. Ripley. Kinderbuch-Klassiker, so Pippi Langstrumpf, Emil und die Detektive oder Der Struwwelpeter. Während Klassiker der Hochliteratur stilistische Merkmale erfüllen müssen, z. B. die durchgängige Einhaltung des inneren Monologs in Arthur Schnitzlers Novelle Leutnant Gustl, die letztendlich ihren Status rechtfertigen, genügen in der Genreliteratur die Bekanntheit und vor allem der Formelcharakter des Werks.

Siehe auch: Weltliteratur

Klassiker in Kunst und Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bildenden und Angewandten Kunst sowie in der Architektur umfasst die so genannte Klassische Moderne Künstler und Werke der Zwischenkriegszeit. Das bekannteste Beispiel ist die Kunst-, Design- und Architekturschule Bauhaus.

In der Musikgeschichte als Wiener Klassiker sind die in Wien zwischen ca. 1781 und 1827 wirkenden „klassischen“ Komponisten Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven u. a. zu nennen.

Die Klassiker der Popularmusik wie Jazz, Swing, Rock oder Pop sind zum Beispiel In the Mood von Glenn Miller, Satisfaction von The Rolling Stones, Imagine von John Lennon oder Billie Jean von Michael Jackson.

Philosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klassiker der Philosophie sind z. B. Platons Dialoge oder Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft.

Sozialwissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Soziologie sind als Klassiker z. B. Karl Marx (Das Kapital), Émile Durkheim (De la division du travail social), Vilfredo Pareto (Trattato di sociologia generale) oder Ferdinand Tönnies (Gemeinschaft und Gesellschaft) zu nennen.

In den Wirtschaftswissenschaften gibt es Vertreter der klassischen Nationalökonomie.

Forstwissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Forstwissenschaft wird eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten, die als Enzyklopädisten am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts entscheidende Beiträge zur Entwicklung und Etablierung dieser wissenschaftlichen Disziplin geleistet haben, als „forstliche Klassiker“ bezeichnet. Es sind dies Georg Ludwig Hartig, Heinrich Cotta, Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil, Johann Christian Hundeshagen, Carl Justus Heyer und Gottlob König. Sie waren in der Lage, das gesamte forstliche Wissen ihrer Zeit zu erfassen und zu beeinflussen.[2]

Industrielle Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abgeleitet aus der vorgenannten Verwendung häufig auch für industrielle Produkte, die sich durch Avantgarde Design ausgezeichnet haben und (teilweise) noch heute produziert werden. Beispiele:

Klassiker im Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sportberichterstattung besondere Ereignisse, die wegen ihrer herausragenden Stellung Berühmtheit erlangten, Beispiele:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Klassiker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paul-Ludwig Weinacht: Aktualität von Klassikern des politischen Denkens. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 24, 2005, S. 474–496, hier: S. 478 f.
  2. vgl. z. B. Karl Hasel, Ekkehard Schwartz: Forstgeschichte. Ein Grundriss für Studium und Praxis. Kessel, Remagen 2002, ISBN 3-935638-26-4, S. 333ff.