Klaus Stiglat
Klaus Stiglat (* 3. August 1932 in Insterburg, Ostpreußen; † vor 13. Oktober 2025[1]) war ein deutscher Bauingenieur.
Biografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Klaus Stiglat wuchs in Ostpreußen auf; nach der Vertreibung studierte er von 1952 bis 1957 Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Karlsruhe, war dort wissenschaftlicher Assistent bei Bernhard Fritz (bis 1965) am Institut für Baustatik und promovierte 1960 mit der Dissertation Beitrag zur numerischen Berechnung der Schnittkräfte von rechteckigen und schiefen Platten mit Randbalken. Die Einstellung von Stiglat und Herbert Wippel am Lehrstuhl von Fritz erfolgte auf Anregung von dessen Assistenten Heinrich Bechert ausdrücklich mit dem Ziel, die Plattenstatik für die Baupraxis aufzubereiten.[2] Stiglat und Wippel schrieben so ein Handbuch für das Entwerfen von Plattensystemen.
Von 1968 bis 2000 war Stiglat Partner in der Ingenieurgruppe Bauen, die er mit Ernst Buchholz, Horst Weckesser und Herbert Wippel gründete. Von 1968 bis 2000 war er Prüfingenieur für Baustatik. Außerdem war er rund 25 Jahre Redakteur der im Verlag Wilhelm Ernst & Sohn erscheinenden Zeitschrift Beton- und Stahlbetonbau (bis 1998). Dort initiierte er auch eine Reihe von 22 meist autobiografischen Porträts von deutschen Bauingenieuren, die in der Zeitschrift von 1990 bis 1999 erschienen und erweitert 2004 als Buch veröffentlicht wurden.
Als Bautechnik-Historiker befasste Stiglat sich vor allem mit Brücken und Betonbau. Er veröffentlichte auch Bände mit eigenen Karikaturen über den Beruf des Bauingenieurs. Er kritisierte, dass die Normen-Autoren nicht genügend mit in der Praxis tätigen Ingenieuren kommunizieren und ihre Normen nicht genügend für die Praxis aufbereitet seien, dass dadurch und die Verwendung von Computern das schöpferische konstruktive Entwerfen in den Hintergrund geriete und Ingenieure immer weniger die Literatur kennen würden.
Klaus Stiglat war Initiator des Ingenieurbau-Preises.
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Rechteckige und schiefe Platten mit Randbalken. Ernst & Sohn, Berlin / München 1962.
- mit Herbert Wippel: Platten. Ernst & Sohn, Berlin 1966. (weitere Auflagen 1973, 1983 und 1993)
- Schon genormt? Karikaturen eines Bauingenieurs. (mit einem Essay von Manfred Sack) Ernst & Sohn, Berlin 1993, ISBN 3-433-01276-8.
- Brücken am Weg. Frühe Brücken aus Eisen und Beton in Deutschland und Frankreich. Ernst & Sohn, Berlin 1996, ISBN 3-433-01299-7.
- Schon zertifiziert? Karikaturen eines Bauingenieurs. Ernst & Sohn, Berlin 1998, ISBN 3-433-01782-4.
- als Herausgeber und Mitautor: Bauingenieure und ihr Werk. Ernst & Sohn, Berlin 2004, ISBN 3-433-01665-8.
- Apokalypse Bau. Aus dem Alltag eines Bauingenieurs. Ernst & Sohn, Berlin 2010, ISBN 978-3-433-02964-0.
- Bauingenieur? Bauingenieur! Aufsätze, Reden, Essays. Ernst & Sohn, Berlin 2012, ISBN 978-3-433-03038-7.
- Brücken. Form, Konstruktion, Kritik. In: Bautechnik, 89. Jahrgang 2012, S. 128–136.
- Aus der Frühzeit des Betonbaus. In: Bautechnik, 89. Jahrgang 2012, S. 484–491.
- Geschichte der Bautechnik. Anmerkungen eines Beratenden Ingenieurs. (Vortrag auf der 1. Jahrestagung der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte am 8. November 2013 am Lehrstuhl für Tragkonstruktionen, RWTH Aachen) In: Bautechnik, 91. Jahrgang 2014, S. 292–297.
- Bücher sind Brücken. Ein Streifzug durch 300 Jahre Bauingenieurliteratur. Ernst & Sohn, Berlin 2017.
Er veröffentlichte auch 1998 privat eine Sammlung seiner Kolumnen (In den Tag geschrieben) und später seine Erinnerungen (Blicke zurück).
Das Buch Bauingenieure und ihr Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das 2004 erschienene Buch Bauingenieure und ihr Werk enthält Beiträge über 97 Bauingenieure aus dem deutschsprachigen Raum, teilweise autobiografisch mit ausführlichen Reflexionen über ihr Arbeitsleben und ihre Erfahrungen. Die porträtierten Bauingenieure sind:
Arnold Agatz, Wolfhardt Andrä, Hugo Bachmann, Rudolf Barbré, Walther Bauersfeld, Willi Baur, Hermann Bay, Heinrich Bechert, Hubert Beck, Kurt Beyer, Kuno Boll, Friedrich Wilhelm Bornscheuer, Paul Böss, Reinhold Braschel, Gottfried Brendel, Ernst Chwalla, Wilhelm Cornelius, Friedrich Czerny, Karl Deininger, Franz Dischinger, Heinz Duddeck, Georg Ehlers, Josef Eibl, Otto Eiselin, Friedrich Engesser, Karl Federhofer, Ulrich Finsterwalder, Wilhelm Flügge, Gotthard Franz, Bernhard Fritz, Wilhelm Fuchssteiner, Karl Girkmann, Hans Goffin, Hans Grassl, Volker Hahn, Robert von Halász, Siegfried Hasenjäger, August Hertwig, Hellmut Homberg, Herbert Hotzler[3], Mauritz Hünnebeck, György Ivanyi, Charlotte Jurecka, Walter Jurecka, Karl Kammüller, Gaspar Kani, Wilhelm Klingenberg, Kurt Klöppel, Werner Koepcke, Tihamér Koncz, Karl Kordina, Theodor Kristen, Arthur Lämmlein, Fritz Leonhardt, Peter Martens (Ingenieur), Alfred Mehmel, Ernst Melan, Emil Mörsch, Leopold Müller-Salzburg, Ulrich Müther, Friedrich Nather, Leonhard Obermeyer, Josef Oxfort, Alfred Pauser, Jörg Peter, Helmut Pfannmüller, Alf Pflüger, Klaus Pieper, Stefan Polonyi, Adolf Pucher, Ernst Rausch, Friedrich Reinitzhuber, Hubert Rüsch, Sargis Safarian, Rudolf Saliger, Konrad Sattler, Reiner Saul, Karl Schaechterle, Herbert Schambeck, Gottwalt Schaper, Jörg Schlaich, Ferdinand Schleicher, Martha Schneider-Bürger, Hans Siebke, Wilhelm Silberkuhl, Friedrich Standfuß, Holger Svensson, Anton Tedesko, Friedrich Voß, René Walther, Bernhard Wedler, Fritz Wenzel, Louis Wintergerst, Hans Wittfoht, Günter Worch, Wolfdietrich Ziesel, Günter Zumpe
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Josef Steiner: Klaus Stiglat 75 Jahre. In: Bautechnik, 84. Jahrgang 2007, S. 599 f.
- Karl-Eugen Kurrer: Klaus Stiglat 80 Jahre. In: Stahlbau, 81. Jahrgang 2012, S. 671–673.
- Josef Steiner, Dietmar H. Maier, Josef Seiler: Doppeltes Jubiläum. Klaus Stiglat und Herbert Wippel wurden 85 Jahre alt. In: Stahlbau, 86. Jahrgang 2017, Heft 12, S. 1125–1126. (online)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Ursula Baus: Klaus Stiglat (1932-2025). In: marlowes.de. 13. Oktober 2025, abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ Autobiografie von Heinrich Bechert in: Klaus Stiglat: Bauingenieure und ihr Werk, 2004
- ↑ Herbert Hotzler, geboren 1927 in Berlin, promovierter Bauingenieur, von Stiglat als Beispiel für einen in der Praxis tätigen Bauingenieur in der DDR aufgenommen. Da er sich weigerte einer Partei beizutreten wirkte sich das hinderlich auf seine Karriere aus. Er war in verschiedenen VEB Kombinaten tätig und veröffentlichte zum Beispiel in Bautechnik.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Stiglat, Klaus |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bauingenieur |
| GEBURTSDATUM | 3. August 1932 |
| GEBURTSORT | Insterburg, Ostpreußen |
| STERBEDATUM | vor 13. Oktober 2025 |