Karl-Eugen Kurrer

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Karl-Eugen Kurrer (* 10. August 1952 in Heilbronn) ist ein deutscher Bauingenieur und Historiker der Bautechnik.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurrer studierte, nach dem Realschulabschluss und einer Maurerlehre in Heilbronn, Bauingenieurwesen an der Fachhochschule Stuttgart, arbeitete als Werkstudent in einer Holzbau-Firma in Heilbronn und nach Abschluss des Studiums daselbst in der Abteilung Hallenbau als Bauingenieur.

1974 erhielt er den Zugang zum Universitätsstudium und ging an die TU Berlin, an der er 1981 mit der Arbeit, Entwicklung der Gewölbetheorie vom 19. Jahrhundert bis zum heutigen Stand der Wissenschaft am Beispiel der Berechnung einer Bogenbrücke das Diplom erlangte und 1986 auch promoviert wurde.[1]

In Zusammenarbeit mit Eberhard Gock und Jih-Jau Jeng verfolgte Kurrer das Thema der Dissertation weiter.[2] Die Entwicklung führte schließlich in den 1990er-Jahren an der TU Clausthal zur gegenüber der herkömmlichen Rohrschwingmühlen wesentlich energieeffizienteren Exzenter-Schwingmühle.[3] Für diesen neuartigen Mühlentyp erhielt der Leiter der Forschergruppe, Gock, mit dem Industriepartner den Technologietransferpreis der Industrie- und Handelskammer Braunschweig des Jahres 1998.[4]

Von 1989 bis 1995 arbeitete Kurrer als Entwicklungsingenieur bei Telefunken Sendertechnik in Berlin (unter anderem beteiligte er sich an der Entwicklung von Tragstrukturen für große Antennenanlagen sowie einer drehbaren Kurzwellenantenne).[5]

1996 wurde Kurrer Leiter des Arbeitskreises Technikgeschichte des VDI-Bezirksvereins in Berlin-Brandenburg e. V.; (Ende 2003 trat Stefan Poser in die Leitung des Arbeitskreises ein).[6]

Kurrer ist seit 1996 Chefredakteur der Zeitschrift Stahlbau[7] im Verlag Ernst & Sohn. Dort trieb er die Gründung der Zeitschrift Steel Construction – Design and Research[8] voran, die in Kooperation mit der European Convention for Constructional Steelwork (ECCS)[9] seit 2009 vierteljährlich erscheint und ist im Verlag für den Bereich Stahlbau zuständig.

Kurrer ist ein führender Historiker der Bautechnik. Er schrieb darüber neben zahlreichen Aufsätzen[10][11][12][13] und Buchbeiträgen[14][15] auch eine Monographie,[16] (540 Druckseiten), die in erweiterter Fassung auch ins Englische übersetzt wurde[17] (848 Druckseiten) und weltweit Verbreitung fand. Mit der im Dezember 2015 publizierten 2., stark erweiterten deutschen Auflage (1164 Druckseiten) gelang Kurrer die erste Gesamtdarstellung der Entwicklungsgeschichte der Baustatik[18], die u. a. eine Geschichte der Erddrucktheorie, der Computerstatik und 243 Biografien von Protagonisten der Baustatik enthält. Zudem arbeitet er an der Neuen Deutschen Biographie (NDB) mit.[19]

Seit 2002 war er an den Organisationen von internationalen Kongressen zur Bautechnikgeschichte beteiligt (International Congress on Construction History). Mit dem Inhaber des Lehrstuhls für Bautechnikgeschichte und Tragwerkserhaltung der BTU Cottbus-Senftenberg, Werner Lorenz, organisiert Kurrer seit 2007 die Vortragsreihe „Praktiken und Potenziale von Bautechnikgeschichte“ am Deutschen Technikmuseum, Berlin.[20] Kurrer ist Gründungsmitglied der Gesellschaft für Technikgeschichte[21] und der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte.[22] Auf der Homepage der letztgenannten Gesellschaft findet sich auch sein Text über die „Aufgaben der Bautechnikgeschichte“.[23]

Seit 1980 publiziert Kurrer auch zahlreiche Zeitungsbeiträge, die sich mit der Technik sowie den Technik- und Naturwissenschaften im gesellschaftlichen Kontext befassen.[24][25] Für das im Herbst 2012 gegründete online-Magazin „momentum“ verfasst er regelmäßig Texte über Themen aus den genannten Bereichen und der Bautechnik.[26][27][28]

2016 erhielt er die Ehrenplakette des VDI.[29]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geschichte der Baustatik. Ernst & Sohn, Berlin 2002, ISBN 3-433-01641-0.
  • The History of the theory of structures. From arch analysis to computational mechanics. Ernst & Sohn, Berlin 2008, ISBN 978-3-433-01838-5.
  • Zur Entwicklungsgeschichte des deutschsprachigen Tabellenwerks im Bauingenieurwesen. In: Uta Hassler (Hrsg.): Der Lehrbuchdiskurs über das Bauen. Vdf Hochschulverlag, Zürich 2015, ISBN 978-3-7281-3686-2, S. 262–281.
  • Johann Wilhelm Schwedler. In: Jessica Hänsel, Jörg Haspel, Christiane Salge, Kerstin Wittmann-Englert (Hrsg.): Baumeister – Ingenieure – Gartenarchitekten. (= Berlinische Lebensbilder. Band 11). Duncker & Humblot, Berlin 2016, ISBN 978-3-428-14587-4, S. 439–456.
  • Geschichte der Baustatik. Auf der Suche nach dem Gleichgewicht, 2., stark erw. Aufl., Ernst & Sohn, Berlin 2016, ISBN 978-3-433-03134-6.[30]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur inneren Kinematik und Kinetik von Rohrschwingmühlen. Dissertation. VDI-Verlag, Düsseldorf 1986, ISBN 3-18-142403-X.
  2. K-E. Kurrer, Jih-Jau Jeng, Eberhard Gock: Analyse von Rohrschwingmühlen. VDI-Verlag, Düsseldorf 1992, ISBN 3-18-148203-X.
  3. K-E. Kurrer, Eberhard Gock: Exzenter-Schwingmühlen für die Feinstzerkleinerung – eine kinematische Analyse. In: Zement-Kalk-Gips International. 50 (1997), Nr. 7, S. 362–373, ISSN 0949-0205.
  4. Technologietransferpreis der Industrie- und Handelskammer Braunschweig 1998
  5. P. Bruger, B. Buchmann, K. E. Kurrer, C. Ozimek: Rotatable shortwave curtain antenna operable at very high wind speed. In: IEEE Transactions on Broadcasting. Vol. 42, No. 1, March 1996, S. 50–54, ISSN 0018-9316.
  6. Arbeitskreis Technikgeschichte des VDI-Bezirksvereins Berlin Brandenburg
  7. Offizielle Webseite der Zeitschrift Stahlbau
  8. Steel Construction – Design and Research
  9. European Convention for Constructional Steelwork
  10. 200 Jahre ‘Einleitung in die statische Baukunst’. In: Bauingenieur. 65 (1990), H. 1, S. 3–10, ISSN 0005-6650.
  11. The Tasks & Aims of a History of Theory of Structures. iacm expressions 24/09, S. 8–13.
  12. Konrad Zuse und die Baustatik. In: Bautechnik. 87 (2010), H. 11, S. 676–699 u. H. 12, S. 763–783, ISSN 0932-8351.
  13. Wissenschaft in praktischer Absicht. Die Tragwerkslehre als induktive bauwissenschaftliche Grundlagendisziplin. In: Bautechnik. 91 (2014), H. 1, S. 58–62, ISSN 0932-8351.
  14. Grundriss zu einer Historischen Technikwissenschaft. In: Uwe Fraunholz, Sylvia Wölfel (Hrsg.): Ingenieure in der technokratischen Hochmoderne. Waxmann Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-8309-2771-6, S. 45–63.
  15. Der Bauingenieur August Hermann Adalbert Hertwig (1872–1955). In: Mühlhäuser Beiträge. Heft 34, 2011, ISBN 978-3-935547-46-8, S. 135–146.
  16. Geschichte der Baustatik. Ernst & Sohn, Berlin 2002, ISBN 3-433-01641-0.
  17. The History of the theory of structures. From arch analysis to computational mechanics. Ernst & Sohn, Berlin 2008, ISBN 978-3-433-01838-5.
  18. Geschichte der Baustatik. Auf der Suche nach dem Gleichgewicht. 2., stark erw. Auflage. Ernst & Sohn, Berlin 2016, ISBN 978-3-433-03134-6.
  19. Neue Deutsche Biographie
  20. Vortragsreihe am Deutschen Technikmuseum, Berlin
  21. Gesellschaft für Technikgeschichte
  22. Gesellschaft für Bautechnikgeschichte
  23. Aufgaben der Bautechnikgeschichte. PDF
  24. Die Melancholie des Ingenieurs
  25. Wenn Eisenbahnräder müde werden.
  26. Eine Basisinnovation im Kranbau feiert ihren 100 Geburtstag.
  27. Die Anfänge der Festigkeitslehre bei Galilei.
  28. Karl Bernhard - Ein vergessener Meister der Ingenieurbaukunst.
  29. TechnikBegeistert, VDI Berlin-Brandenburg, 2016, Nr.2.
  30. Karl-Eugen Kurrer, Der wirklich geniale Ingenieur ist poetischer Denker, momentum Magazin, 29. Januar 2016, Interview zur Neuauflage seiner Geschichte der Baustatik und insbesondere der Geschichte der Erddrucktheorien