Friedrich Engesser

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Friedrich Engesser (* 12. Februar 1848 in Weinheim an der Bergstraße; † 29. August 1931 in Achern) war ein deutscher Bauingenieur.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engesser besuchte das Bendersche Privatinstitut in Weinheim und das Gymnasium in Mannheim und studierte 1865 bis 1869 an der TH Karlsruhe (damals Polytechnikum) mit dem Abschluss der badischen Staatsprüfung. Danach arbeitete er als Ingenieur für die Schwarzwaldbahn (ab 1874 in der Zentraldirektion in Karlsruhe) und war dann Zentralinspektor der badischen Staatsbahn in Karlsruhe. 1876 wurde er Ingenieur 1. Klasse, 1884 Bahnbau-Inspektor und 1885 Staatseisenbahn-Baurat. 1885 wurde er in Karlsruhe an der gerade umbenannten Technischen Hochschule Professor für Statik, Brückenbau und Eisenbahnwesen. Er hatte seinen Lehrstuhl bis 1915, lehrte aber noch bis 1923. 1910 wurde er Geheimer Oberrat. Sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl wurde Wilhelm Schachenmeier.

Er befasste sich vor allem mit Konstruktivem Ingenieurbau und Baustatik zum Beispiel im Holzbau, Stahlbau, Massivbau, Eisenbahnwesen, Wasserbau, mit Festigkeitslehre und Eigenschaften von Baustoffen. Außerdem entwickelte er eine Erddrucklehre im Grundbau.[1] Er arbeitete über statisch unbestimmte Fachwerke (Zusatzkräfte, Nebenspannungen) und die Knickfestigkeit von Stäben.

Nach Karl-Eugen Kurrer bildete er mit Heinrich Müller-Breslau und Christian Otto Mohr das „Dreigestirn der klassischen Baustatik“ und „trug wie kein anderer zur baustatischen Grundlegung des Stahlbaus bei“.

Er war Ehrendoktor der TH Braunschweig.[2] Auf dem Campus der Uni Karlsruhe wurde eine Straße nach ihm benannt. Friedrich Engesser war Ehrenmitglied der Karlsruher Burschenschaft Tulla.[3] Aus Anlass des 100. Geburtstages von Engesser würdigte Otto Steinhardt dessen wissenschaftlich-technischen Lebenswerks in umfassender Weise.[4]

Er galt als gewissenhafter, gründlicher und unermüdlicher Lehrer. Zu seinen zahlreichen Schülern gehören Heinrich Leitz und Karl Kriemler.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Berechnung von Rahmenträgern. Ernst und Sohn, Berlin 1913, 2. Auflage 1919.
  • Die Zusatzkräfte und Nebenspannungen eiserner Fachwerkbrücken. I. Die Zusatzkräfte, Julius Springer, Berlin 1892 Internet Archive
  • Die Zusatzkräfte und Nebenspannungen eiserner Fachwerkbrücken. II. Die Nebenspannungen, Julius Springer, Berlin 1893 Internet Archive
  • Theorie und Berechnung von Bogenfachwerkträgern ohne Scheitelgelenk. Springer, Berlin 1880.
  • Über die Knickfestigkeit gerader Stäbe, Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover, 1889, S. 455
  • Über die Berechnung auf Knickfestigkeit beanspruchter Stäbe aus Schweißeisen und Flußeisen, Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins, 1893, S. 506.
  • Über die Bestimmung der Knickfestigkeit gegliederter Stäbe, Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins, Heft 47, 1913

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • E. Gaber: Friedrich Engeßer †. In: Die Bautechnik, 9. Jahrgang, Heft 45 (16. Oktober 1931), S. 664.
  • Walter Sbrzesny: Engesser, Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 530 f. (Digitalisat).
  • Otto Steinhardt Erinnerung an Friedrich Engesser. in: Die Bautechnik. 75. Jahrgang, Heft 2, Februar 1998, S. 109–111.
  • zu seiner Erddrucklehre T. Dietrich: Five outstanding contributors to the development of earth pressure theory in Germany. in: Geotechnik. 1985 (Sonderheft). Behandelt werden neben Engesser Fritz Kötter, Ludwig Prandtl, Hans Reissner, Theodore von Kármán.
  • Biographischer Eintrag in Karl-Eugen Kurrer: Geschichte der Baustatik. Ernst und Sohn, Berlin 2008.
  • Jörg Wauer: Die Mechanik und ihre Fachvertreter an der Universität Karlsruhe, KIT Science Publ., 2017, S. 77f
  • Klaus Stiglat (Hrsg.): Bauingenieure und ihr Werk, Ernst und Sohn 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Engesser: Zur Theorie des Baugrundes. Centralblatt der Bauverwaltung, Berlin, 1893, S.306–308; Geometrische Erddrucklehre. Z. Bauwesen, Band 30, 1880, S. 189; Über den Erddruck gegen innere Stützwände. Deutsche Bauzeitung, Band 16, 1882, S. 91–93.
  2. Bestand B2 – Akten der Ehrendoktoren – Engesser, Friedrich (1848–1931) (Memento des Originals vom 26. Juni 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.biblio.tu-bs.de auf biblio.tu-bs.de (PDF; 214 kB)
  3. Karlsruher Burschenschaft Tulla 1893-1993. Karlsruhe 1993 S. 29
  4. Otto Steinhardt: Friedrich Engesser. C. F. Müller, Karlsruhe 1949.