Tschernjachowsk

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Dieser Artikel behandelt die ehemals deutsche Stadt Insterburg (Ostpreußen). Für weitere Bedeutungen des Begriffes siehe Insterburg (Begriffsklärung).
Stadt
Tschernjachowsk/Insterburg
Черняховск
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Tschernjachowsk
Oberhaupt Juri Alexejewitsch Kowylkin
Gegründet 1336
Frühere Namen Insterburg (bis 1946)
Stadt seit 10. Oktober 1583
Fläche 58 km²
Bevölkerung 40.449 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 697 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 30 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 40141
Postleitzahl 238150–238169
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 239 501
Geographische Lage
Koordinaten 54° 38′ N, 21° 49′ O54.63333333333321.81666666666730Koordinaten: 54° 38′ 0″ N, 21° 49′ 0″ O
Tschernjachowsk (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Tschernjachowsk (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎
Liste der Städte in Russland

Tschernjachowsk (russisch Черняховск; bis 1946 Инстербург; deutsch Insterburg, litauisch Įsrutis) ist eine Rajonstadt in der russischen Exklave Kaliningrad mit 41.680 Einwohnern (2006). Tschernjachowsk ist auch Sitz der städtischen Gemeinde Tschernjachowskoje gorodskoje posselenije.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Tschernjachowsk liegt im Zentrum der Oblast Kaliningrad etwa 90 Kilometer östlich der Stadt Kaliningrad (Königsberg) am Fluss Angerapp (prußisch angurys ape: Aal-Fluss, russisch Angrapa), die sich bei der Stadt mit dem Fluss Inster (russisch Instrutsch) zum Pregel (russisch Pregolja), dem größten Fluss des ehemaligen Ostpreußen, vereinigt.

Stadt Tschernjachowsk[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Insterburg östlich von Königsberg und südlich von Tilsit auf einer Landkarte eines Teils Ostpreußens von 1881.
Hindenburgstraße um 1890
Altes Gebäude in der Innenstadt von Tschernjachowsk
Denkmal für Barclay de Tolly
Noch nicht geschlossenes Massengrab auf dem vom VDK neu angelegten Deutschen Soldatenfriedhof Insterburg. Die kleinen Holzsärge mit den sterblichen Überresten deutscher Soldaten sind durchnummeriert, links beginnend mit „2035“ (Aufnahme von 1999).

Vom Ursprung bis 1800[Bearbeiten]

Ihren deutschen Namen Insterburg verdankte die Stadt dem Fluss Inster (ältester Name Instrut / Instrud: Mehrere linguistische Deutungen, die wahrscheinlichste sei Mündung / Einfluss; vgl. litauisch: istras, intaka)

Der Deutsche Orden unter seinem Hochmeister Dietrich von Altenburg errichtete um 1336 anstelle der von ihm zerstörten heidnischen Burg Unsatrapis (prußisch unzei: an, auf, über/ trapt, trapuns: treten; litauisch trapte: Floß, Teil eines Holzfloßes; vermutlich eine hölzerne Brücke) eine Festung namens Instierburg, die zum Ausgangspunkt der Feldzüge gegen Litauen wurde. Die Litauer waren es dann, die erstmals die Burg Insterburg 1376 zerstörten. Die wieder aufgebaute Burg fiel 1457 erneut der Brandschatzung, diesmal durch Polen zum Opfer. Auch danach baute der Orden die Burg wieder auf, die er zunächst als Komtursitz und ab 1347 als Amtssitz eines Pflegers nutzte.

Der preußische Herzog Albrecht säkularisierte im Zuge der Durchsetzung der Reformation 1525 die Ordensburg und machte sie zu einem weltlichen Hauptamt. Das noch von Wildnis geprägte Umland ließ er von Litauern besiedeln. Dem daraus entstandenen Ort zu Füßen der Burg gewährte er 1541 das Marktrecht. Markgraf Georg Friedrich erhob am 10. Oktober 1583 den Marktflecken Inster zur Stadt. Wenige Jahre später, am 9. Juni 1590, vernichtete ein Brand 140 von den 149 vorhandenen Häusern. Im 17. Jahrhundert hatte die Stadt unter den ständigen Durchzügen kriegerischer Truppen von Schweden, Russen und Tataren zu leiden. Von 1643 bis 1648 wohnte die schwedische Königin Maria Eleonore, die Witwe von König Gustav Adolf, in der Insterburg. 1689 verstarb Ännchen von Tharau als Pfarrwitwe Beilstein in Insterburg.

1709 raffte die Pest einen Großteil der Bevölkerung hin. Um die Stadt wieder zu beleben, veranlasste Preußenkönig Friedrich Wilhelm I., angeworbene Salzburger, westdeutsche und Schweizer Einwanderer anzusiedeln. 1723 wurde in der Burg das preußische Hofgericht untergebracht. Insterburg, die Vorstadt und die Burgfreiheit wurden administrativ zur Stadt zusammengefasst. Von 1721 bis 1748 kaufte Herzog Leopold von Dessau, der "Alte Dessauer", weite Landstriche westlich von Insterburg, um dort Mustergüter anzulegen. 1732 wurde Trakehnen Hauptgestüt und Insterburg Landesgestüt. Während des Siebenjährigen Krieges war Insterburg von 1758 bis 1762 von den Russen besetzt.

Von 1800 bis 1945[Bearbeiten]

1809 hatte Insterburg als eine der ersten preußischen Städte eine Stadtverordnetenversammlung. 1812 machte Napoleon bei seinem Russlandfeldzug Quartier in der Stadt (Erinnerungstafel an der Herbergswand).

Nachdem Preußen 1815 seine Territorialverwaltung neu geordnet hatte, wurde Insterburg Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises und wurde dem Regierungsbezirk Gumbinnen zugeordnet. Eine zwischen 1828 und 1835 erbaute Chaussee, die später so genannte Reichsstraße 1, wurde durch Insterburg geführt. Ab 1860 wurde Insterburg Eisenbahnknoten für die Strecken KönigsbergKaunas und TilsitThorn. Durch die guten Verkehrsanbindungen siedelten sich viele Industriebetriebe, wie mehrere Maschinenfabriken, Eisengießereien und eine Flachsspinnerei an. 1885 lebten 20.914 Menschen in der Stadt.

Insterburg hatte eine höhere Lehranstalt, deren Anfänge auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückgingen. Im Jahr 1860 wurde der Schule der Status eines Gymnasiums zuerkannt.[2] An das Gymnasium war im 19. Jahrhundert eine Realschule angeschlossen. Am 31. August 1866 wurde die Lehranstalt von insgesamt 317 Schülern besucht; 172 Schüler, von denen 79 Einheimische und 93 Auswärtige waren, besuchten das Gymnasium, und 145, von denen 62 Einheimische und 83 Auswärtige waren, besuchten die Klassen der Realschule.[3]

Zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs war Insterburg aber vor allem eine wichtige Garnisonsstadt der preußischen Armee. Im Osten der Stadt entstand ein großes Kasernenviertel. In Insterburg standen 1914 das Kommando der 2. Division mit zwei Brigadekommandos und mehreren Verbänden der Infanterie, Kavallerie und Feldartillerie (darunter zwei Bataillone des Infanterie-Regiments 45), insgesamt über 2000 Soldaten.[4]

Nach Beginn des Ersten Weltkriegs war die Stadt infolge der Schlacht bei Gumbinnen vom 24. August bis 11. September von der russischen Armee besetzt und wurde danach Hauptquartier von Paul von Hindenburg.

1926 wurde nach Fertigstellung des Pregelseitenkanals der Hafen Insterburg eingeweiht. Nachdem die Stadt zur Zeit der Reichswehr ihre Garnison behalten konnte, erfolgte von 1935 bis 1937 der Bau eines großen Flugplatzes und von Kasernen für die Wehrmacht. 1939 wurde mit der Restaurierung der Insterburg begonnen. Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war die Bevölkerung auf 49.000 Einwohner angewachsen.

Ab Juni 1944 konnte man das ferne Grollen der Artillerie aus Richtung Litauen hören. Am 27. Juli wurde Insterburg durch einen sowjetischen Bombenangriff erheblich zerstört. 120 Tote waren zu beklagen, obwohl der Kern der Altstadt mit besonders leicht brennbaren Häusern schon geräumt worden war. Von da an wurde die Zivilbevölkerung der Stadt schrittweise weiter evakuiert, besonders seit dem zeitweisen Einbruch der Roten Armee bei Goldap im Oktober 1944 ("Oktober-Katastrophe"). Anfang Januar 1945 befanden sich noch 8.000 bis 10.000 Insterburger in der Stadt, vorwiegend solche mit Funktionen in noch nicht evakuierten Betrieben und Institutionen. Am 13. Januar 1945 begann die sowjetische Großoffensive in Ostpreußen. Einem schweren Luftangriff am 20. Januar fielen noch einmal 30 Zivilisten zum Opfer. Von da an lag die weitgehend geräumte Stadt unter ständigem Beschuss durch Tiefflieger und Artillerie. Der letzte Zug verließ Insterburg am 22. Januar um 0:30 Uhr. An diesem Tag besetzte die Rote Armee die brennende Stadt.

1945 bis jetzt[Bearbeiten]

Sowjetische Truppen eroberten die Stadt am 22. Januar 1945. In der Stadt wurde ein großes Internierungslager des NKWD eingerichtet. Nach der Annexion des nördlichen Teils von Ostpreußen durch die Sowjetunion wurde die nicht evakuierte oder geflohene deutsche Bevölkerung ausgewiesen und durch Bewohner aus allen Sowjetrepubliken ersetzt. Die Stadt wurde nach dem sowjetischen General Iwan Tschernjachowski in Tschernjachowsk umbenannt. Der General war Kommandeur der 3. Weißrussischen Front der Roten Armee, die weite Teile Ostpreußens eroberte, und kam am 18. Februar 1945 bei Mehlsack ums Leben.

In Georgenburg bei Insterburg existierte von 1946 bis 1949 ein großes Durchgangslager für deutsche Kriegsgefangene, das von 250.000 Gefangenen durchlaufen wurde, von denen 16.000 dort verstarben.

Seit der Auflösung der Sowjetunion und dem Beitritt der Nachbarländer in die EU liegt Tschernjachowsk in einer russischen Exklave und hat mit großen wirtschaftlichen Problemen und einer hohen Arbeitslosenquote zu kämpfen. 2002 hatte die Stadt wieder über 44.300 Einwohner mit erneut rückläufiger Tendenz.

1996 eröffnete der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Tschernjachowsk einen wiederhergestellten Friedhof aus dem Ersten Weltkrieg für 556 deutsche und 165 russische Gefallene. Die Anlage wurde unter anderem durch deutsche und russische Teilnehmer von Jugendlagern unter der Anleitung von Wolfgang Hegemeister restauriert. Sie wurde von da an als Deutscher Soldatenfriedhof Insterburg zum Sammelfriedhof auch für über 8.700 im östlichen Ostpreußen 1945 gefallene deutsche Soldaten. Die Umbettungen hierher dauern an.

Lokalinitiativen in Zusammenarbeit mit der Insterburger Landsmannschaft stellten in den letzten Jahren (seit Mitte 1990er) einige Bauten (Bogenbrücke) und Denkmäler (Ulanen) wieder her. Ein Reiterstandbild erinnert seit 2007 an den russischen Feldmarschall schottisch-baltischer Herkunft Michael Barclay de Tolly, der 1818 unweit der Stadt starb.

Der Ordensburg nimmt sich die 1997 ins Leben gerufene private einheimische russische Stiftung Samok Insterburg an.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Anzahl Anmerkungen
1782 4.528 ohne die aus einem Regiment Dragoner bestehende Garnison[5]
1790 4.972 ohne das Militär[6]
1875 16.303[7]
1880 18.745[7]
1885 22.227[7]
1890 31.624 davon 437 Katholiken und 348 Juden[7]
1900 27.787 davon 788 Katholiken und 350 Juden[8]
1910 31.624 davon 29.672 Evangelische und 1.040 Katholiken[7]
1925 39.311 davon 36.792 Evangelische, 1.174 Katholiken, 86 sonstige Christen und 338 Juden[7]
1933 41.230 davon 39.458 Evangelische, 1.078 Katholiken, fünf sonstige Christen und 273 Juden[7]
1939 43.620 davon 40.677 Evangelische, 1.388 Katholiken, 563 sonstige Christen und 87 Juden[7]
1959 29.100 **
1979 35.600 **
1989 39.622 *
2002 44.323 *
2006 41.680
2010 41.680
2011 42.220

Anmerkung: * Volkszählung ** Volkszählung (gerundet)

Kirche[Bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten]

Kirchengemeinde[Bearbeiten]
Kirchengemeinde Insterburg[Bearbeiten]

Die Reformation hatte in Insterburg sehr bald Fuß gefasst.[9] Bereits ab 1525 waren hier lutherische Geistliche tätig. Im Jahre 1537 wurde hier eine Kirche errichtet, die einem Vorgängerbau folgte. In den 1930er Jahren gehörten 42.000 Gemeindeglieder in der Stadt und im Kirchspiel der näheren Umgebung zur evangelischen Kirchengemeinde, die bis 1945 zum Kirchenkreis Insterburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Zum Ende des 20. bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren vier Pfarrer tätig, unterstützt von einem speziellen Geistlichen für die Strafanstalt. Das kirchliche Leben kam aufgrund von Flucht und Vertreibung zum Erliegen.

Kirchenregion Tschernjachowsk[Bearbeiten]

In den 1990er Jahren entstand in Tschernjachowsk eine neue evangelisch-lutherische Gemeinde mit eigenem Pfarramt, das zuständig ist für die Kirchenregion Tschernjachowsk[10] (russisch: Zerkowski region Tschernjachowsk) mit mehr als 20 Ortsgemeinden, darunter die in der Stadt Tschernjachowsk selbst sowie in Meschduretschje (Norkitten), Oljochowo (Grieben), Schtschegly (Saugwethen, 1938–1946 Saugehnen) und Wolodarowka (Jodlauken, 1938–1946 Schwalbental). Sie ist eine von vier Kirchenregionen der Propstei Kaliningrad[11] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland. In Ermangelung eines eigenen Gotteshauses plant die Gemeinde den Neubau bzw. den Ausbau eines vorhandenen Gebäudes für ein Gemeindezentrum, dessen Namen den des Reformators Martin Luther tragen soll.

Kirchengebäude[Bearbeiten]
Lutherkirche[Bearbeiten]

Siehe dazu den HauptartikelLutherkirche (Insterburg)

Die Lutherkirche in Insterburg am Alten Markt vor 1945

Anstelle einer bereits 1537 erwähnten älteren Kirche wurde zwischen 1610 und 1612 die Lutherkirche erbaut.[12] Es handelte sich um einen chorlosen verputzten Backsteinbau mit einem vorgesetzten Westturm und einer reichhaltigen Innenausstattung. Das Gotteshaus wurde 1945 beschädigt und 1972 gesprengt.[13] Die Ruinenreste wurden danach abgetragen. Lediglich einige Kellergewölbe sowie eine Arkadenwand an der Freitreppe zur Angerapp (Angrapa) künden heute noch vom ehemaligen Standort der Kirche.

Melanchthonkirche[Bearbeiten]

Siehe dazu den HauptartikelMelanchthonkirche (Insterburg)

Zwischen 1909 und 1911 entstand die im neugotischen Stil errichtete zweite Kirche[14] der evangelischen Gemeinde in Insterburg mit dem Namen des Philipp Melanchthon, eines engen Mitarbeiters Luthers. Sie verfügte über einen Innenraum von 800 Plätzen und fiel durch den 50 Meter hohen schlanken Kirchturm auf. Das Gotteshaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört[15], seine Ruine dann zu einer Fabrikhalle für Nagel- und Maschendrahtproduktion umfunktioniert.

Kirchenkreis Insterburg[Bearbeiten]

Bis 1945 war Insterburg Verwaltungssitz des Kirchenkreises (auch: Inspektion) Insterburg, dessen Fläche den poltitischen Landkreis Insterburg umfasste. Er gehörte zur Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union mit zwölf Pfarreien[16]:

Die Reformierte Kirche in Insterburg vor 1945
Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer Name
Aulowönen,
1938–1946: Aulenbach
Kalinowka Jodlauken,
1938–1946: Schwalbental
Wolodarowka
Berschkallen,
1938–1946: Birken
Gremjatschje Norkitten Meschduretschje
Didlacken,
1938–1946: Dittlacken
Telmanowo Obehlischken,
1938–1946: Schulzenhof
Selenzowo
Georgenburg Majowka Puschdorf Puschkarjowo
Grünheide Kaluschskoje Pelleningken,
1938–1946: Strigengrund
Sagorskoje
Insterburg Tschernjachowsk Saalau Kamenskoje
Reformierte Kirche[Bearbeiten]

Siehe dazu den HauptartikelReformierte Kirche (Insterburg)

Bereits 1701 bestand in Insterburg eine eigene reformierte Gemeinde[17], zunächst von Schotten, später von Nassauern und Schweizern gebildet. Nach den Plänen des Königsberger Architekten Friedrich Adler wurde zwischen 1886 und 1890 ein neuromanisches Bauwerk errichtet, mit einem 60 Meter hohen Westturm und zwei kleineren Türmen im Osten. Das Gotteshaus diente nach 1945 zunächst als Lagerhalle[18], auch als Club bzw. Basketballhalle. Nach einem Brand begann das Gebäude zu verfallen. Es wurde dann der russisch-orthodoxen Kirche übergeben, die es nach grundlegender Renovierung heute als ihr Gotteshaus benutzt. Die reformierte Gemeinde Insterburg, zu der vor 1945 1.700 Gemeindeglieder in der Stadt und im Landkreis Insterburg gehörten, besteht nicht mehr bzw. kooperiert mit der jetzigen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Tschernjachowsk.

Katholisch[Bearbeiten]

Kirche St. Bruno[Bearbeiten]
Die katholische Kirche St. Bruno in Tschernjachowsk

Die katholische Kirche Insterburgs wurde 1912 geweiht.[19] Es handelt sich um eine schlanke neogotische Hallenkirche, die nach den Plänen des Architekten Fritz Heitmann entstand. Seit 1994 wird das dem Hl. Bruno gewidmete Gotteshaus wieder von den ansässigen Katholiken genutzt, nachdem es zeitweise nach 1945 als Munitionsdepot und Militärmagazin gedient hatte und es zeitweise Pläne gab, es zu einer Konzerthalle umzubauen. Die Kirche steht in der ehemaligen Hindenburgstraße (jetzt Leninstraße / ул. Ленина).

Orthodox[Bearbeiten]

Erzengel-Michael-Kirche[Bearbeiten]
Der Westturm der Erzengel-Michael-Kirche in Tschernjachowsk

Siehe dazu den HauptartikelErzengel-Michael-Kirche (Tschernjachowsk)

Im Zuge der Perestroika gelang es der Russisch-orthodoxen Kirche in Tschernjachowsk Fuß zu fassen und das kirchliche Leben zu aktivieren. Mit Hilfe staatlicher Stellen wurde die einstige Reformierte Kirche renoviert und 1989 mit einem neuen Kupferdach versehen. Im Inneren erhielt das Gotteshaus eine Ikonostase. Am 2. Mai 1992 weihte der Erzbischof und Metropolit Kyrill das Gotteshaus und widmete es dem Erzengel Michael. Zschernjachowsk gehört seit 2009 zur neu formierten Diözese Kaliningrad und Baltijsk der Russisch-orthodoxen Kirche.

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Historisches Stadtwappen

Historisches Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber auf grünem Boden ein schreitender, schwarzer Bär, über ihm die goldenen Initialen „G.F.“ - Georg Friedrich.“[20]

Herzog Georg Friedrich von Preußen erhob am 10. Oktober 1583 den um die Burg an der Inster angesiedelten Ort zur Stadt und gab ihm zum Insiegel „einen weißen Schilt, darinnen unnden ein grüner Berg, darauf ein schwarzer Behr auf allen vyeren stehndt unnd zu beyder seytten inwendig des Schilts die beyde Buchstaben G unnd F.“ Über dem Schilde erscheint bei reicherer Darstellung ein wachsender Jäger mit seinem Jagdhorn.[21]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Es bestehen Partnerschaften mit folgenden Städten:

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Ordensburgruine – Das äußerlich noch intakte Gebäude kann nicht genutzt werden. Alle zwei Jahre sollen Ritterfestspiele stattfinden, die zuletzt im Jahre 2007 abgehalten wurden.
  • Schlossteich
  • russisch-orthodoxe Erzengel-Michael-Kirche von 1890 (ehemalige Reformierte Kirche)
  • katholische Pfarrkirche St. Bruno von 1912
  • Gestüt in Majowka (ehemals Georgenburg)
  • Ruine des Bismarckturms bei Georgenburgkehlen, nordwestlich von Insterburg, erbaut 1913[22]
  • In der Kamswyker Alle wurde in den Jahren 1921 bis 1924 durch den seit 1918 in Insterburg ansässigen Architekten Hans Scharoun die sogenannte Bunte Reihe errichtet. Die zwei Mehrfamilienhäuser samt zwei Reihenhauszeilen sind in Angerform gebaut und folgten im Farbkonzept der Tuschkastensiedlung in Berlin-Falkenberg der Architekten Bruno Taut und Franz Hoffmann. Die unter Denkmalschutz stehende Siedlung ist im Jahre 2013 dringend sanierungsbedürftig. Der russische Architekt Dimitri Suchin versucht auch für dieses Baudenkmal in der Stadt Interesse zu wecken. Mit der Hilfe von russischen und deutschen Baufachleuten und Architekten scheint eine Sanierung voran zu kommen.[23] Weitere Bauten Scharouns in Insterburg sind durch Kriegshandlungen 1945 zerstört worden.

Verkehr[Bearbeiten]

Nach Kaliningrad (Königsberg) besteht sowohl eine gute Straßenverbindung, ab Talpaki (Taplacken) vierspurig, als auch eine Eisenbahnlinie. Nach Süden führt eine Fernstraße zum Grenzübergang nach Polen, der sich beim 57 Kilometer entfernten Schelesnodoroschny (Gerdauen) befindet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Nach Geburtsjahr geordnet

Dem fiktiven, also nur erfundenen, in der Juristenliteratur immer wieder auch in seriösen Publikationen erwähnten deutschen Verfassungsjuristen Friedrich Gottlob Nagelmann, der von 1889 bis 1994 gelebt haben soll, wird als Geburtsort Insterburg zugeschrieben.

Mit der Stadt in Verbindung[Bearbeiten]

  • Im Jahre 1689 starb in Insterburg die Pfarrwitwe Anna Beilstein, die als Ännchen von Tharau in das deutsche Liedgut einging.
  • Der russische General Michael Barclay de Tolly, der in den Befreiungskriegen gekämpft hatte, starb 1818 unweit der Stadt.
  • Im Jahre 1896 wurde der Komponist Max Gulbins Kantor in Insterburg
  • In der Zeit des Ersten Weltkrieges arbeitete der Architekt Hans Scharoun, u.a. durch die Berliner Philharmonie und das Haus Schminke bekannt, im Insterburger Bauberatungsbüro von Paul Kruchen. Nach dem Ersten Weltkrieg eröffnete Scharoun sein erstes eigenes Architekturbüro in Insterburg und verwirklichte einige Vorhaben in der Stadt.
  • Im Jahre 1929 starb die Dichterin Frieda Jung in Insterburg und wurde hier auch beigesetzt.

Stadtgemeinde Tschernjachowsk[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Lage der Stadtgemeinde Tschernjachowsk innerhalb des Rajon Tschernjachowsk

Seit der Verwaltungsreform in der Oblast Kaliningrad 2008/2009 ist Tschernjachowsk namensgebender Ort und Verwaltungssitz der Tschernjachowskoje gorodskoje posselenije (Stadtgemeinde Tschernjachowsk), zu der neben der Stadt noch fünf weitere Siedlungen gehören. Die Gesamtfläche beträgt 102 km², auf der 41.074 Einwohner (Stand: 2010) leben.

Die Stadtgemeinde Tschernjachowsk liegt „eingebettet“ in die Swobodnenskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Swoboda (Jänischken, 1938–1946 Jänichen)), lediglich der Nordwesten berührt die Kamenskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Kamenskoje (Saalau)) und der Nordosten die Kaluschskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Kaluschskoje Grünheide, mit Sitz in Sagorskoje (Pelleningken, 1938–1946 Strigengrund)).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Stadtgemeinde Tschernjachowsk gehören seit einer umfassenden Struktur- und Verwaltungsreform[24]:

Russischer Name Deutscher Name
Загородное (Sagorodnoje) Neuendorf
Красновка (Krasnowka) Birkenfeld[25]
Петрозаводское (Petrosawodskoje) Eichwald[25]
Тимофеевка (Timofejewka) Tammowischken
1938–45 Tammau
Шоссейное (Schosseinoje) Szameitkehmen
1936–38 Schameitkehmen
1938–45 Walkenau

Verkehr[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Die Stadtgemeinde Tschernjachowsk liegt am Kreuzungspunkt dreier russischer Fernstraßen:

Schienen[Bearbeiten]

Auch bahntechnisch ist Tschernjachowsk ein Knotenpunkt, treffen sich hier doch die Linien:

Das vor 1945 bestehende weitverzeigte Netz der Insterburger Kleinbahnen wird heute nicht mehr betrieben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • A. E. Henning: Topographisch-historische Beschreibung der Stadt Insterburg. Königsberg 1794 (Online, Google)
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 29 (Online, Google).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tschernjachowsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 62–63
  3. Programm des Königlichen Gymnasiums mit Realklassen zu Insterburg. Insterburg 1866, S. 22.
  4. Meyers Orts- und Verkehrslexikon des Deutschen Reichs, Leipzig und Wien, 1912, Band A-K, S. 878: 2660 Militärpersonen [Volkszählung 1910]. Bis 1914 wohl über 3.000, denn das Jägerregiment z. P. Nr. 9 wurde erst 1913 aufgestellt.
  5. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 29.
  6. A. E. Henning: Topographisch-historische Beschreibung der Stadt Insterburg. Königsberg 1794, S. 44.
  7. a b c d e f g h Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Ostpreußen - Kreis Insterburg (2006)
  8. Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 9, Leipzig und Wien 1908, S. 873.
  9. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente', Göttingen, 1968, Seite 481
  10. Die Kirchenregion Tschernjachowsk der evangelisch-lutherischen Propstei Kaliningrad
  11. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad
  12. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 102
  13. Angaben bei ostpreussen.net
  14. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III (wie oben), Seite 102
  15. Angaben bei ostpreussen.net (wie oben)
  16. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: (wie oben), Seite 480 bis 482
  17. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II (wie oben) Seite 103 sowie Band III (wie oben), Seite 508
  18. Angaben bei ostpreussen.net (wie oben)
  19. Angaben bei ostpreussen.net (wie oben)
  20. Prof. Dr. Erich Keyser: Deutsches Städtebuch - Handbuch städtischer Geschichte Band I Nordostdeutschland Seite 65/66. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 1939.
  21. Prof. Otto Hupp: Deutsche Ortswappen. Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft, Bremen 1925.
  22. Bismarckturm Insterburg auf www.bismarcktuerme.de, abgerufen am 18. März 2013
  23. Nils Aschenbeck: Lasst Farben sprechen. Graues Erbe: In Tschernjachowsk, einst Insterburg, verfallen Bauten Hans Scharouns. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Juli 2013, S. 34.
  24. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 262 vom 30. Juni 2009, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  25. a b Wurde umbenannt durch die Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 5. Juli 1950