Kleinbahn-Gesellschaft Greifswald-Wolgast

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Greifswald–Wolgast Kleinbahnhof
Strecke der Kleinbahn-Gesellschaft Greifswald-Wolgast
Kursbuchstrecke: 125c (1944)
Spurweite: 750 mm (Schmalspur)
Strecke – geradeaus
von Stralsund (Staatsbahn)
Bahnhof, Station
0,0 Greifswald
   
nach Jarmen
   
nach Züssow (Staatsbahn)
   
1,0 Neunmorgenstraße
   
1,7 Hohenzollernplatz
   
3,1 Normandie
   
5,9 Wieck-Eldena
   
7,6 Elisenhain
   
8,8 Weiße Buche
   
11,4 Diedrichshagen
   
14,0 Hanshagen Gut
   
17,3 Kemnitzerhagen
   
18,5
0,0
Kemnitz
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BSicon exHST.svgBSicon exSTR.svgBSicon .svg
1,5 Rappenhagen
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4,1 Boltenhagen
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6,2 Lodmannshagen
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7,3 Kühlenhagen
   
20,5 Neuendorf
   
23,8 Loissin
   
25,1 Gahlkow
   
26,5 Vierow
   
29,9
0,0
Lubmin Dorf
BSicon .svgBSicon exABZgl.svgBSicon exKHSTeq.svg
0,7 Seebad Lubmin
   
32,1 Wusterhusen
   
34,9 Pritzwald
   
37,3 Rubenow
   
39,2 Voddow
   
41,7 Kröslin
   
43,5 Karrin
   
45,0 Groß Ernsthof
   
48,0 Wolgast Tannenkamp
   
48,7 Wolgast Schlachthof
   
49,4 Wolgast Kleinbahnhof
   
nach Wolgast Hafen

Die Kleinbahn-Gesellschaft Greifswald-Wolgast (KGW) wurde am 14. September 1897 gegründet. Sie erschloss in Neu-Vorpommern den damaligen Landkreis Greifswald zwischen der Ostseeküste im Norden und der Peene im Süden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Genehmigung für den Betrieb wurde am 21. Juli 1898 erteilt. Rund ein halbes Jahr später, am 19. Dezember 1898 fand die Eröffnungsfeier im Hotel „Preußischer Hof“ in Greifswald statt; einen Tag später wurde die erste Strecke eröffnet. Im Jahr 1907 konnte die Konzession zum Betrieb der Bahn auf 120 Jahre verlängert werden.

In Jarmen entstand bis 1924 eine gemeinsame Zentralwerkstatt mit Lokschuppen für die fünf in diesem Gebiet tätigen Bahnen. Die Waggons konnten jetzt im ganzen Einflussgebiet verkehren, ausgenommen die Wagen der Kleinbahngesellschaft Anklam-Lassan (ALKB), die eine geringere (600 mm) Spurweite hatte. Sie konnte nur über das Schienennetz der MPLB nach Jarmen zur Werkstatt gelangen.

Auf der Zweigbahn Kemnitz–Kühlenhagen endete der Personenverkehr 1933. Zum Sommerfahrplan 1939 wurde der Gesamtverkehr zwischen Lubmin Dorf und Wolgast eingestellt, aber während des Krieges (1942) wieder aufgenommen. Insgesamt war der Personenverkehr mit Ausnahme der Badezüge zum Seebad Lubmin hinter den Erwartungen zurückgeblieben. So ergänzte man den Schienenverkehr schon ab dem 27. März 1926 durch eine bahneigene Omnibuslinie Greifswald–Lubmin, der noch weitere Linien folgten, bis diese 1942 kriegsbedingt stillgelegt werden mussten.

Bis fast zum Kriegsende fuhren wieder Personenzüge auf der Schiene von Greifswald bis Wolgast. Dann wurde die gesamte Schmalspurbahn Mitte 1945 als Reparationsleistung demontiert. Auch die vorhandenen Lokomotiven gingen in die Sowjetunion. Allerdings blieb das normalspurige Teilstück Kröslin–Wolgast noch bis zum 25. Mai 1963 für den Personen- und bis 1. November 1965 für den Güterverkehr in Betrieb.

Am 28. September 1969 ging die Bahnstrecke Greifswald–Lubmin in Betrieb. Sie wurde von der Deutschen Reichsbahn erbaut, um das Kernkraftwerk Lubmin an ein Schienennetz anzuschließen. Die Trasse zweigt in Schönwalde von der Hauptbahn Greifswald–Anklam ab und führt auf möglichst direktem Weg zum Ziel. Sie berührt nur in Kemnitz und bei Lubmin die alte Kleinbahntrasse. Der Personenverkehr wurde am 28. Mai 1999 eingestellt, während die Strecke weiterhin für den Güterverkehr genutzt wird. Ein Abzweig dieser Strecke wurde 2012 zum Hafen Vierow der Gemeinde Brünzow fertiggestellt.

Streckennetz und Transportleistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahn fuhr zunächst von Greifswald, wo sie die Abfahrtstelle der Jarmener Kleinbahn am Staatsbahnhof mitbenutzte, über Kemnitz nach Lubmin Dorf. Von hier ging es weiter über Kröslin, bis nach 50 Kilometern die Hafenstadt Wolgast erreicht wurde. Dieses letzte Teilstück von acht Kilometern Länge war in Schmal- und Normalspur angelegt, um Güterwagen, die vor allem Fische von Kröslin wegtransportierten, schnell zur Staatsbahn überstellen zu können.

In Kemnitz zweigte eine Stichbahn nach Boltenhagen ab, die man am 3. Juli 1907 bis Kühlenhagen verlängerte; sie war damit sieben Kilometer lang. Von Lubmin Dorf gab es seit dem 26. Juni 1907 eine einen Kilometer lange Verbindung zum Seebad Lubmin am Greifswalder Bodden, die von allen Zügen in einer Stichfahrt mitbedient wurde. Seit 1934 konnte die Bahn auch von der Station Vierow, also ohne Richtungswechsel von Greifswald her, nach Lubmin Strand fahren.

In Greifswald entstand am 21. Januar 1903 eine kleine Hafenbahn, die am 21. November 1919 noch erweitert wurde. Damit umfasste das Netz, das ebenfalls in der Spurweite von 750 Millimetern angelegt war, eine Gesamtlänge von rund 60 Kilometern.

1935 beförderte die KGW 80.727 Personen und 42.546 Tonnen Güter.

Eigentümerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt wurden in die Verbindung rund 1,5 Millionen Reichsmark mit Hilfe von Aktien investiert.[1] Diese waren wie folgt verteilt:

Anteilseigner Aktien (zu je 1.000 RM)
Preußischer Staat 390
Kreis Greifswald 375
Provinz Pommern 375
Betriebsgesellschaft Lenz 223
Gemeinden 65
Privatpersonen 65
Stadt Greifswald 38
Universität Greifswald 34

Die Betriebsführung der Bahn übernahm zunächst die Baufirma Lenz & Co., bis sie 1910 an die Kleinbahnabteilung des Provinzialverbandes Pommern in Stettin abgegeben wurde. Nach deren Auflösung trat 1920 an ihre Stelle die Vereinigung vorpommerscher Kleinbahnen und 1937/1938 die Landesbahndirektion Pommern. 1922 wurde eine Zusammenarbeit der drei Bahnen des Kreises Greifswald mit den Demminer Kleinbahnen Ost und West vereinbart. Die Pommerschen Landesbahnen übernahmen die Gesellschaften mit Wirkung vom 1. Januar 1940 unter der Bezeichnung „Greifswalder Bahnen“ mit einer Streckenlänge von 107 Kilometern und unterstellten sie dem Landesbahnamt in Greifswald. Bei den Greifswalder Bahnen handelte es sich um die Kleinbahngesellschaft Greifswald–Wolgast (KGW), die Greifswald-Jarmener Kleinbahn (GJK) und die Kleinbahngesellschaft Anklam-Lassan.

Wagenfunde in Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 fand man in der Nähe von Moskau zwei Wagen der Kleinbahn. Es handelt sich um einen Personenwagen mit II. und III. Klasse aus dem Jahr 1898 mit der KGW-Nummer 5 sowie um einen gedeckten Güterwagen aus dem Jahr 1914 mit der KGW-Nummer 113. Sie wurden nach Deutschland gebracht und dort von Oktober 2009 bis 2010 rekonstruiert.[1]

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrzeuge vor 1949
Typ/Baureihe Betriebsnummer Bauart Baujahr Bemerkung
KGW Pommersche Landesbahnen
Lenz-Typ m 1m–4m B n2t 1898/1900 Hersteller Hohenzollern, 1900 an Königsberger Kleinbahn/Kreisbahn Wehlau-Friedland abgegeben
Lenz-Typ m 1m(II)–4m(II) 216+217 B n2t 1898 Hersteller Union, 1900 von Kreisbahn Wehlau-Friedland übernommen
Lenz-Typ nn 11nn 250 B'B n4vt 1909
Lenz-Typ M 51M 255 D n2t 1914
Lenz-Typ d 04 B n2t 1894 Regelspurlok, zeitweilig durch die PLB auf dem Abschnitt Wolgast–Kröslin eingesetzt, 1949 zu 98 6004 umgezeichnet
1032 1A 1934 Verbrennungstriebwagen, ehemals Schlawer Kreisbahn T 2, 1949 zu VT 135 512 umgezeichnet

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfram Bäumer, Siegfried Bufe: Eisenbahnen in Pommern. Bufe-Fachbuchverlag, Egglham und München 1988, ISBN 3-922138-34-9, S. 140ff.
  • Klaus Kieper, Reiner Preuß, Elfriede Rehbein: Schmalspurbahn-Archiv. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1980.
  • Werner Hormann, Wolf-Dietger Machel: Kleinbahnen im Altkreis Greifswald. Kenning, 1998, ISBN 3-927587-85-0.
  • Werner Hormann, Wolf-Dietger Machel: Greifswalder Kleinbahnen. Ein eisenbahngeschichtlicher Rückblick. Deutscher Modelleisenbahn-Verband der DDR, Rostock 1983.
  • Werner Hormann, Wolf-Dietger Machel: Greifswalder Kleinbahnen. Die Geschichte der Greifswald-Jarmener Kleinbahn und der Kleinbahn Greifswald-Wolgast. Neddermeyer, Berlin 2014, ISBN 978-3-941712-37-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Energiewerke Nord GmbH: "Rekonstruktion von zwei Wagen der KGW", Juni 2010.