Kleinbahn Steinhelle–Medebach

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Kleinbahn Steinhelle–Medebach
Kursbuchstrecke: 238b (1950)
Streckenlänge: 36,3 km
Spurweite: 750 mm (Schmalspur)
Höchstgeschwindigkeit: 24 km/h
   
0,0 Steinhelle 352,5 m
   
3,4 Assinghausen 394,1 m
   
5,7 Wiemeringhausen 432,6 m
   
9,3 NiedersfeldPost 515,3 m
   
9,8 Niedersfeld Gbf
   
12,5 Grönebach-Hildfeld 579,0 m
   
16,7 Küstelberg 662,5 m
   
19,66 obere Spitzkehre 593,0 m
   
21,12 untere Spitzkehre 566,0 m
   
22,9 Wissinghausen 521,0 m
   
24,3 Deifeld 492,0 m
   
26,5 Referinghausen 441,8 m
   
28,0 Düdinghausen
   
29,5 Oberschledorn 407,5 m
   
33,4 Langeln 450,0 m
   
36,3 Medebach (Sauerland) 410,0 m
Ehemaliger Bahnhof Olsberg-Wiemeringhausen an der Kleinbahn von Nordosten an der B 480
Bahnhof Wiemeringhausen von Südosten

Die Kleinbahn Steinhelle-Medebach GmbH betrieb eine 750-mm-Schmalspurbahn im heutigen Hochsauerlandkreis. An der Gesellschaft waren der preußische Staat bzw. nach 1945 das Land Nordrhein-Westfalen, ferner der Provinzialverband Westfalen, der sich später Landschaftsverband Westfalen-Lippe nannte, und der frühere Landkreis Brilon beteiligt.

Die 36 km lange steigungsreiche Strecke führte von dem Bahnhof Steinhelle an der Bahnstrecke Nuttlar–Frankenberg zur Kleinstadt Medebach an der Grenze zum ehemaligen Land Waldeck. Eine Kuriosität war die in Mitteleuropa im Personenverkehr einmalige doppelte Spitzkehre zwischen Küstelberg und Wissinghausen, zwischen km 18 und km 23.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell Museum Medebach

Der erste Abschnitt im Ruhrtal bis Niedersfeld wurde am 1. Mai 1902 eröffnet, am 15. Juni ging es bis Küstelberg, dem mit 662 m höchsten Punkt der Strecke weiter. Dann fiel die Strecke wieder und erreichte am 21. Dezember Oberschledorn. Nach einem Jahr war am 1. Mai 1903 der Endpunkt Medebach (410 m über NN) erreicht, wo sich auch die örtliche Betriebsleitung befand. Die Höchstgeschwindigkeit für die Strecke wurde zunächst auf 20 km/h festgelegt, was eine Gesamtfahrzeit von über 2½ Stunden für den „Feurigen Elias“ bedeutete. Dafür standen drei Dampflokomotiven zur Verfügung.

Den Betrieb führte anfangs die Westfälische Landeseisenbahn GmbH, seit 1904 jedoch die Kleinbahnabteilung der Westfälischen Provinzialverwaltung in Münster.

Das Verkehrsaufkommen lag jährlich meist zwischen 20.000 t und 30.000 t Güter, insbesondere Bauholz für den Bergbau, und um die 100.000 Passagiere, nur in den Jahren des Zweiten Weltkriegs und den Jahren danach lag die Zahl der Fahrgäste erheblich darüber.

Der Gesamtverkehr wurde bald nach dem fünfzigjährigen Jubiläum, zu dem noch eine Festschrift erschienen war, am 23. Juni 1953 eingestellt und die Gleise anschließend abgebrochen.

Als Ersatz diente ein bahneigener Omnibusbetrieb, der ein Netz von Linien eingerichtet hatte. Dieser firmierte ab 5. Dezember 1963 als „Verkehrsbetriebe Kreis Brilon – Kleinbahn Steinhelle-Medebach GmbH“, obwohl es keinerlei Schienenverkehr mehr gab. Erst am 24. Januar 1979 wurde der Busbetrieb in den Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH eingegliedert.

Entlang der gesamten Strecke sind einzelne Gebäude des Bahnbetriebs erhalten geblieben. Im Städtischen Museum Medebach lässt sich ein Modell der Kleinbahn besichtigen, dort sind auch einige originale Ausrüstungsgegenstände und zahlreiche Fotos ausgestellt.

Spitzkehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Küstelberg und Wissinghausen waren auf 6,2 km 141 Höhenmeter zu überwinden. Dampfzüge brauchten für diese Strecke 25 Minuten, Triebwagen 14 Minuten. Die beiden Spitzkehren waren eine betriebliche Besonderheit. Ein Umsetzen der Lok war in den Spitzkehren nicht möglich, so wurde der Zug geschoben, auf der vorderen Plattform stand der Zugführer und gab Signale, besonders an der Landstraße Küstelberg–Deifeld war das nötig.[1]

Kleinbahn im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs nahm der Bahnverkehr stark zu, da die Privat-LKWs der Wehrmacht übergeben werden mussten.[2] Die planmäßigen Züge reichten für den Güterverkehr nicht mehr aus; so setzte die Kleinbahn zusätzliche Bedarfszüge ein. Wegen Waggonmangels der Reichsbahn, der im Laufe des Krieges immer größer wurde, kam es zum Warenstau im Bahnhof Steinhelle. Waren wurden deshalb in Dringlichkeitsstufen unterteilt. Trotzdem standen dort selbst Waren mit hoher Dringlichkeitsstufe bis zu vier Wochen, bis die Reichsbahn sie abtransportierte. Später, insbesondere nach Intensivierung der Luftangriffe auf das Ruhrgebiet, mussten zeitweise sämtliche Wagen der Kleinbahn eingesetzt werden, um Evakuierte aus dem Ruhrgebiet, mit ihrem Hab und Gut, zu ihren Evakuierungs-Orten entlang der Kleinbahn oder in Bahnhöfe in der Nähe zu bringen. Im Herbst 1944 fielen die ersten Bomben auf die Kleinbahnstrecke. Die Gleise wurden aber nicht direkt getroffen. Einmal mussten die Reisenden in Wiemeringhausen 100 m vor einem Blindgänger, der vier Meter neben den Gleisen lag, den Zug verlassen und 100 m nach diesem wieder einsteigen. Der Zug passierte nur mit dem Zugpersonal an Bord den Sprengkörper, welcher von Feuerwerkern entschärft wurde. Ab Anfang 1945 kam es immer wieder zu Tieffliegerangriffen auf Züge. An der kurvigen Strecke gelang es den alliierten Flugzeugen aber nicht, die Züge zu treffen. Schließlich fuhr die Bahn nur noch in den Morgenstunden und am Abend mit Eintritt der Dämmerung. Morgens fuhr der Zug um fünf Uhr in Medebach ab und war um acht Uhr in Steinhelle. Der Zug wurde dort am Waldrand abgestellt und getarnt. Abends musste der Zug meistens zwei bis drei Stunden warten, da die Züge aus dem Ruhrgebiet so große Verspätung hatten und die Ankunft dieser Züge abgewartet werden musste. Als am 20. März ein Munitionszug im Bahnhof Willingen nach einem Tieffliegerangriff explodierte, flogen Trümmer bis auf die Kleinbahngleise. Der Zug hatte deshalb vier Stunden Verspätung, da erst die Gleise kontrolliert werden mussten. Am 29. März wurde nach Ankunft des Frühzuges in Steinhelle bekannt, dass US-Panzer Hallenberg besetzt hatten. Der Zug fuhr am Nachmittag zurück nach Medebach. Da die Straße im Ruhrtal und die Bahnübergänge mit fliehenden Wehrmachts-Fahrzeugen verstopft war, kam der Zug nur langsam voran. In Oberschledorn wurde gemeldet, dass US-Truppen bereits in Medebach seien. Mit einer weißen Fahne an der Lokomotive fuhr der Zug unbehelligt nach Medebach. Bei den Kämpfen um diesen Ort in den Ostertagen wurden zahlreiche Waggons beschädigt. Bei den Personenwagen waren die Scheiben zerstört, die meisten Wagen hatten Durchschüsse und Geschosssplitterschäden. Im Juni begannen Aufräumarbeiten an der Strecke. Anfang Juli 1945 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Verschiedene Verfasser: 50 Jahre Kleinbahn Steinhelle–Medebach. 1902–1952. Vogel & Wirth, Lippstadt 1952.
  • Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939–1945 – Erlebnisberichte vieler Mitarbeiter aus dem ganzen Kreisgebiet. Josefs-Druckerei, Bigge 1955.
  • Paul Wambach, Friedhelm Ketteler: Dem Menschen dienen. 75 Jahre Verkehrsbetriebe Kreis Brilon „Kleinbahn Steinhelle–Medebach“. 1902–1977. Westfälische Verkehrsgesellschaft mbH, Münster 1977.
  • Hinrich Rudolfsen, Marilo Lambeng, Josef Drilling: Die Schmalspurbahn Steinhelle–Medebach. Verlag Kenning, Nordhorn 2003, ISBN 3-933613-62-0 (Nebenbahndokumentation 77).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerd Wolff: Die doppelte Spitzkehre der Kleinbahn Steinhelle–Medebach. In: Die Museums-Eisenbahn 4/2012, S. 16–19
  2. Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939-1945. 1955, Kapitel Kriegsereignisse und Kriegsfolgen bei der Kleinbahn Steinhelle-Medebach, S. 172–173.