Kloster Hausen

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Innenraum Kloster Hausen
Kloster Hausen in Bad Kissingen
Ehemalige Klosterscheune (heute Klosterweg 7a)
Ehemalige Klostermühle (heute Klosterweg 11).

Das Kloster Hausen ist ein ehemaliges Kloster der Prämonstratenserinnen in Hausen bei Bad Kissingen. Es gehört zu den Bad Kissinger Baudenkmälern und ist unter der Nummer D-6-72-114-186 in der Bayerischen Denkmalliste registriert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dem Heiligen Kreuz geweihte Kloster wurde im Jahr 1161 durch Graf Heinrich von Henneberg gegründet. Dieser hatte den Ort Hausen von Eberhard von Bamberg im Tausch gegen die Dörfer Heyden und Hircendorf erworben. Nach der Gründung übergab Heinrich von Henneberg das Kloster an das Bistum Würzburg unter Fürstbischof Heinrich II. von Stühlingen. Wahrscheinlich beherbergte das Anwesen eine Klosterschule, die Mädchen zu Nonnen ausbilden sollte und zunächst von einer Magistra, dann von einer Priorin geleitet wurde. Möglicherweise entstand gleichzeitig mit der Gründung des Klosters dessen Klosterkirche. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung der Klosterkirche stammt aus dem Jahr 1250; aus dem Jahr 1272 ist die Bezeichnung der Kirche als „ecclesia sanctae crucis“ („Kirche des Heiligen Kreuzes“) überliefert. Das Kloster verfügte über das Recht, im Dorf Hausen die Niedergerichtsbarkeit auszuüben.

Im Jahr 1250 erfolgte eine umfangreiche Schenkung von Grundstücksfläche an das Kloster Hausen. Es war zunächst ein Tochterkloster von Kloster Oberzell bei Würzburg, unterstand jedoch im 13. Jahrhundert zeitweise auch im Rahmen eines Visitationsrechts durch das Kloster Veßra dessen Abt.

Im Bauernaufstand von 1525 wurde Hausen verwüstet. Die Nonnen fanden Zuflucht im Kloster Oberzell; dessen Abt Georg von Oberzell baute das Kloster Hausen wieder auf. Wenig später wurde das Kloster Hausen erneut schwer getroffen, und zwar einerseits im Zweiten Markgrafenkrieg (1552/1553) und andererseits in den Grumbachschen Händeln (1565). Die letzte Erwähnung des Klosters als eigenständige Institution stammt vom 9. September 1553. Im Jahr 1581 kam es unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn unter die Verwaltung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit dem Zweck, diese wirtschaftlich abzusichern.

Nach Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erfolgte im Jahr 1681 die Wiedererrichtung des Klosters unter Peter Philipp von Dernbach; die Klosterkirche wurde unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn wieder aufgebaut sowie unter den Fürstbischöfen Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths und Johann Philipp Franz von Schönborn ausgestaltet. Der umfangreiche Waldbesitz des Klosters ist noch heute Staatsforst (Klauswald).

Die nach Osten orientierte Kirche weist einen kreuzförmigen Grundriss auf. Der Chor ist wie die Arme des Querhauses gerade geschlossen.

Bis 1821 war die Anlage unter Verwaltung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und ging dann in Staatsbesitz über. Der Staat verkaufte 1837 das Klostergut (ohne Kirche) an den jüdischen Baron Joel von Hirsch, der 1847 den Besitz an 28 örtliche Landwirte weiterverkaufte (wie es heißt, sah er sich dazu veranlasst, weil ihm ein Mönch in weißem Habit erschienen sei, der der Sage zufolge seit den Urzeiten des Klosters im Klostergebäude wandelt). 1860 kaufte der Kissinger Landrichter Graf Friedrich von Luxburg die Klostergebäude für den Distrikt Kissingen und richtete darin eine „Distriktsrettungsanstalt für Mädchen“ und später ein Kinderheim ein.

Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 fanden bayerische Soldaten Unterkunft im Kloster Hausen, das nach deren Rückzug von preußischen Soldaten geplündert wurde.

Nachdem Maria-Stern-Schwestern aus Augsburg die Zuständigkeit für das Kloster übernahmen, wurde im Jahr 1894 eine Kinderbewahranstalt eingerichtet. 1960 erfolgte die Auflösung des Kinderheims und die Umwandlung in ein Altersheim durch den Landkreis Bad Kissingen. 1962 kam es zur Übereignung der Klosterkirche durch den Staat an die Pfarrei Hausen. 1976 erfolgte die Auflösung des Altenheims, dessen Betrieb nach Münnerstadt verlegt wurde. Das Klostergebäude wird seitdem als Dienststelle des Landratsamts Bad Kissingen genutzt. Im Jahr 1990 zerschlug sich nach kurzer Zeit der Plan vietnamesischer Zisterzienser-Mönche, in das Kloster Hausen einzuziehen.

Daraufhin schuf der örtliche Pfarrer und Bad Kissinger Dekan Georg Hirschbrich zum 25. Todestag von Kardinal Julius Döpfner (24. Juli 2001) im Kloster das kleine Kardinal-Döpfner-Museum als Gedenkstätte an den bekannten Kardinal.[1][2][3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Eberth: Chronik der Pfarrei Heilig Kreuz Hausen. In: 100 Jahre Katholische Arbeitnehmerbewegung Hausen 1896-1996, Bad Kissingen 1996
  • Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 3. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2011 (mit einem umfangreichen Kapitel über das Kloster Hausen)
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Bayern I: Franken: Die Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken, Deutscher Kunstverlag Berlin/München 1979, ISBN 3-422-00359-2, S. 349 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Hausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Publik-Forum, Band 30, 2001
  2. Darstellung auf der Website kardinal-doepfner.de (Webarchiv (Memento vom 20. Oktober 2007 im Internet Archive))
  3. Mit Döpfner hatte Hirschbrich drei Berührungspunkte: 1. Als Bischof von Würzburg spendete Döpfner im Jahr 1948 in Sonneberg bei Hirschbrich die Firmung (Quelle: Karin Reinshagen: In Hausen zuhause: Pfarrer Georg Hirschbrich wird 70, siehe Literatur). 2. Döpfner war wie Hirschbrich Internatsschüler im Kilianeum gewesen. 3. Hirschbrich hatte 35 Jahre lang als Pfarrer in Döpfners Geburtsort Hausen gewirkt.

Koordinaten: 50° 13′ 46,9″ N, 10° 4′ 0,5″ O