Kloster Hausen

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Kloster Hausen
Kloster Hausen in Bad Kissingen
Kloster Hausen in Bad Kissingen
Lage DeutschlandDeutschland Deutschland
Liegt im Bistum Würzburg
Koordinaten: 50° 13′ 46,9″ N, 10° 4′ 0,5″ OKoordinaten: 50° 13′ 46,9″ N, 10° 4′ 0,5″ O
Patrozinium Heilig Kreuz
Gründungsjahr (wohl vor) 1161 durch Prämonstratenserinnen
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1581
Mutterkloster Kloster Oberzell
Ehemalige Klosterscheune (heute Klosterweg 7a)
Ehemalige Klostermühle (heute Klosterweg 11).

Das Kloster Hausen ist ein ehemaliges Prämonstratenserinnen-Stift in Hausen bei Bad Kissingen. Es gehört zu den Bad Kissinger Baudenkmälern und ist gemeinsam mit der dazugehörigen Kloster Kirche „Heilig-Kreuz“ unter der Nummer D-6-72-114-186 in der Bayerischen Denkmalliste registriert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dem Heiligen Kreuz geweihte Kloster wurde durch Graf Heinrich von Henneberg gegründet. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Klosters stammt aus dem Jahr 1161. Stadt- und Kreisheimatpfleger Werner Eberth grenzt die eigentliche Entstehungszeit des Klosters auf die Zeit zwischen 1141 (Entstehungszeit des Klosters Veßra, dessen Abt das Kloster Hausen zeitweise unterstand) und 1161 ein und schätzt das Jahr 1150.[1]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf Heinrich von Henneberg hatte den Ort Hausen von Eberhard von Bamberg im Tausch gegen die Dörfer Heyden und Hircendorf erworben. Nach der Gründung übergab Heinrich von Henneberg das Kloster an das Bistum Würzburg unter Fürstbischof Heinrich II. von Stühlingen.

Im Jahr 1250 erfolgte eine umfangreiche Schenkung von Grundstücksfläche an das Kloster Hausen. Es war zunächst ein Tochterkloster von Kloster Oberzell bei Würzburg, unterstand jedoch im 13. Jahrhundert zeitweise auch im Rahmen eines Visitationsrechts durch das Kloster Veßra dessen Abt. Das Kloster verfügte über das Recht, im Dorf Hausen die Niedergerichtsbarkeit auszuüben.

Wahrscheinlich beherbergte das Anwesen eine Klosterschule, die Mädchen zu Nonnen ausbilden sollte und zunächst von einer Magistra (die letzte bekannte Nennung einer Magistra stammt aus dem Jahr 1465), dann von einer Priorin (erste bekannte Nennung einer Priorin: 1518) geleitet wurde. Die Klosterschule war mit der heutigen Realschule, eventuell sogar dem heutigen Gymnasium, vergleichbar und war an ein Internat angeschlossen.[2]

Möglicherweise entstand gleichzeitig mit der Gründung des Klosters dessen Klosterkirche. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung der Klosterkirche stammt aus dem Jahr 1250; aus dem Jahr 1272 ist in einer Urkunde der Deutschordenskommende Münnerstadt[3][2] die Bezeichnung der Kirche als „ecclesia sanctae crucis“ („Kirche des Heiligen Kreuzes“) überliefert.

Eine Anordnung von Kaiser Karl IV. vom 8. August 1356 an den Würzburger Bischof, das Kloster Hausen gegen die Übergriffe der Brüder Karl und Mangold von Ostheim zu schützen, deutet darauf hin, dass das Kloster bereits so gut wie vollständig in das Hochstift Würzburg eingebunden war.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bauernaufstand von 1525 wurde Hausen verwüstet. Die Nonnen fanden Zuflucht im Kloster Oberzell; dessen Abt Georg von Oberzell baute das Kloster Hausen wieder auf. Wenig später wurde das Kloster Hausen erneut schwer getroffen, und zwar einerseits im Zweiten Markgrafenkrieg (1552/1553) und andererseits in den Grumbachschen Händeln (1565).

Für 1556 ist erstmals ein weltlicher Klosterverwalter belegt. Mit Genehmigung von Papst Gregor XIII. kam das Kloster im Jahr 1581 mit seinem gesamten Vermögen, vor allem seines Waldbesitzes in Form des Klauswalds, unter die Verwaltung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. Dies entspricht der Auflösung des Klosters; die letzte belegte Priorin war Ottilie (von?) Forstmeister.

Nach Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erfolgte im Jahr 1681 die Wiedererrichtung des Klosters unter Peter Philipp von Dernbach; die Klosterkirche wurde unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn wieder aufgebaut sowie unter den Fürstbischöfen Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths und Johann Philipp Franz von Schönborn ausgestaltet. Der umfangreiche Waldbesitz des Klosters ist noch heute Staatsforst (Klauswald).

Bis 1821 war die Anlage unter Verwaltung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und ging dann in Staatsbesitz über. Der Staat verkaufte 1837 das Klostergut (ohne Kirche) an den jüdischen Baron Joel von Hirsch, der 1847 den Besitz an 28 örtliche Landwirte weiterverkaufte (wie es heißt, sah er sich dazu veranlasst, weil ihm ein Mönch in weißem Habit erschienen sei, der der Sage zufolge seit den Urzeiten des Klosters im Klostergebäude wandelt).

1860 kaufte der Kissinger Landrichter Graf Friedrich von Luxburg die Klostergebäude für den Distrikt Kissingen und richtete darin eine „Kath. Rettungsanstalt Marienpflege für die verwahrlosten Mädchen im Bezirk Bad Kissingen“ ein. Diese wurde im Jahr 1942 von den Nationalsozialisten in ein „Kreiskinderheim“ für Kinder aus dem gesamten Dritten Reich umgewandelt. Im Jahr 1959 wurde das Kreiskinderheim aufgelöst.

Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 fanden bayerische Soldaten Unterkunft im Kloster Hausen, das nach deren Rückzug von preußischen Soldaten geplündert wurde.

Nachdem Maria-Stern-Schwestern aus Augsburg die Zuständigkeit für das Kloster übernahmen, wurde im Jahr 1894 im Erdgeschoss eine Kinderbewahranstalt eingerichtet. Im Jahr 1960 erfolgte die Auflösung des Kinderheims.

Nach der Auflösung des Kinderheims verlegte der Landkreis Bad Kissingen das bis dahin im Schloss Massbach untergebrachte Kreisaltersheim in das Kloster Hausen. 1962 kam es zur Übereignung der Klosterkirche durch den Staat an die Pfarrei Hausen. 1976 erfolgte die Auflösung des Altenheims, dessen Betrieb nach Münnerstadt verlegt wurde. Das Klostergebäude wird seitdem als Dienststelle des Landratsamts Bad Kissingen genutzt. Im Jahr 1990 zerschlug sich nach kurzer Zeit der Plan vietnamesischer Zisterzienser-Mönche, in das Kloster Hausen einzuziehen.

Daraufhin schuf der örtliche Pfarrer und Bad Kissinger Dekan Georg Hirschbrich zum 25. Todestag des aus Hausen stammenden Kardinals Julius Döpfner (24. Juli 2001) im Kloster das kleine Kardinal-Döpfner-Museum als Gedenkstätte an den bekannten Kardinal.[4][5][6]

Klosterkirche „Heilig Kreuz“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum Kloster Hausen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung der klösterlichen Heilig-Kreuz-Kirche stammt aus dem Jahr 1250; aus dem Jahr 1272 ist in einer Urkunde der Deutschordenskommende Münnerstadt[3][2] die Bezeichnung der Kirche als „ecclesia sanctae crucis“ („Kirche des Heiligen Kreuzes“) überliefert.

Unter dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn wurde die Kirche gemeinsam mit dem Kloster wieder instandgesetzt, woran eine Inschrifttafel mit Wappen im linken Seitenschiff der Kirche erinnert. Ein Wappen im Westportal belegt eine Erneuerung der Kirche unter den Fürstbischöfen Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths und Johann Philipp Franz von Schönborn im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts; der für eine Barockkirche ungewöhnliche Grundriss der Kirche deutet darauf hin, dass die Erneuerung auf dem Vorgängerbau der Kirche basiert.

Im Jahr 1821 wurde die Kirche gemeinsam mit dem Kloster Staatsbesitz. Seit 1962 befindet sie sich im Eigentum der Pfarrkirchenstiftung Hausen. Im Jahr 1988 wurde die Kirche renoviert.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nach Osten orientierte Kirche weist einen kreuzförmigen Grundriss auf. Der Chor ist wie die Arme des Querhauses gerade geschlossen. Die Ausstattung der Kirche ist einheitlich und entstand zur Bauzeit der Kirche unter dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn.

Bei den Altären der Klosterkirche handelt es sich um schwere Stuckmarmoraltäre, die wahrscheinlich von Kilian Staufer geschaffen wurden. Alle drei Altäre sind gleichartig mit Säulenädikulen aufgebaut, wobei die Ädikulen des Hauptaltars reicher bekrönt sowie mit offenen, vorschwingenden Seitenjochen mit Heiligenfiguren ausgestattet sind. Das Altarbild des Hauptaltars zeigt die Kreuzaufrichtung. Auf dem linken Seitenaltar befindet sich eine Darstellung des Innsbrucker Gnadenbildes Mariahilf nach Lucas Cranach dem Älteren, während der rechte Hauptaltar den hl. Antonius von Padua zeigt.

Die Orgel stammt aus dem Jahr 1680 und befindet sich auf einer Orgelempore mit Balustergeländer auf zwei korinthischen Säulen aus Sandstein.

Das Wappen im linken Seitenschiff der Kirche zu Erinnerung an die Kirchenneugestaltung durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn ist im Stil der Frührenaissance gestaltet.[7] Sehr wahrscheinlich befand es sich ursprünglich außen an der Kirche, vermutlich an der Westfassade. Der Text des Wappens ist im antiken Versmaß des Distichons verfasst, was gemeinsam mit der aufwändigen Gestaltung der Gedenktafel dafür spricht, dass die Klosterkirche dem Fürstbischof sehr am Herzen lag.

Der gemalte Kreuzweg der Kirche entstand in der Mitte des 18. Jahrhunderts und ist mit „I.A.SCH.BCH“ bezeichnet.

An der Nordwand der Kirche befindet sich ein Denkmal für den in Hausen geborenen Kardinal Julius Döpfner.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Eberth: Chronik der Pfarrei Heilig Kreuz Hausen. In: 100 Jahre Katholische Arbeitnehmerbewegung Hausen 1896-1996, Bad Kissingen 1996
  • Denis André Chevalley, Stefan Gerlach: Stadt Bad Kissingen (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band VI.75/2). Karl M. Lipp Verlag, München 1998, ISBN 3-87490-577-2, S. 128–130.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern I: Franken: Die Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken: BD I, Deutscher Kunstverlag München Berlin, 2., durchgesehene und ergänzte Auflage, 1999, ISBN 3-422-03051-4, S. 431f.
  • 850 Jahre Kloster Hausen, in: Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 3. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2011, S. 14–30
  • Werner Eberth: Fürstbischof Julius Echter und seine Bauinschriften – Ein PR-Gag des 17. Jahrhunderts, Theresienbrunnen-Verlag Bad Kissingen, 2017, S. 34f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Hausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Heilig-Kreuz-Kirche Hausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 3. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2011, S. 19
  2. a b c Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 3. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2011, S. 22–24
  3. a b Staatsarchiv Würzburg, Deutscher Orden, Kommende Münnerstadt Urkunden 1272, alter Lagerort: Würzburger Urkunden 82/17; Würzburger Urkunden 4342
  4. Publik-Forum, Band 30, 2001
  5. Darstellung auf der Website kardinal-doepfner.de (Webarchiv (Memento vom 20. Oktober 2007 im Internet Archive))
  6. Mit Döpfner hatte Hirschbrich drei Berührungspunkte: 1. Als Bischof von Würzburg spendete Döpfner im Jahr 1948 in Sonneberg bei Hirschbrich die Firmung (Quelle: Karin Reinshagen: In Hausen zuhause: Pfarrer Georg Hirschbrich wird 70, siehe Literatur). 2. Döpfner war wie Hirschbrich Internatsschüler im Kilianeum gewesen. 3. Hirschbrich hatte 35 Jahre lang als Pfarrer in Döpfners Geburtsort Hausen gewirkt.
  7. Werner Eberth: Fürstbischof Julius Echter und seine Bauinschriften – Ein PR-Gag des 17. Jahrhunderts, Theresienbrunnen-Verlag Bad Kissingen, 2017, S. 34f.