Kobierzyce

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Koberwitz ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum deutschen Journalisten, Autor und KZ-Überlebenden siehe Edgar Kupfer-Koberwitz.
Kobierzyce
Wappen von Kobierzyce
Kobierzyce (Polen)
Kobierzyce
Kobierzyce
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Breslau
Geographische Lage: 50° 59′ N, 16° 56′ O50.98333333333316.933333333333Koordinaten: 50° 59′ 0″ N, 16° 56′ 0″ O
Höhe: 133 m n.p.m
Einwohner: 2095
Postleitzahl: 55-040
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DWR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Autobahn A4
E 67 KłodzkoBreslau
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Landgemeinde
Gemeindegliederung: 30 Ortsteile
Fläche: 149,11 km²
Einwohner: 18.232
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 122 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0223052
Verwaltung (Stand: 2011)
Gemeindevorsteher: Ryszard Pacholik
Adresse: al. Pałacowa 1
55-040 Kobierzyce
Webpräsenz: www.ugk.pl

Kobierzyce (deutsch: Koberwitz, 1937–45 Rößlingen) ist ein Dorf und zugleich Sitz der gleichnamigen Gemeinde im Powiat Wrocławski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.

Geografie[Bearbeiten]

Kobierzyce liegt im Schlesischen Tiefland an der Europastraße 67. Die nächste Anschlussstelle zur Autobahn A4 liegt zehn Kilometer entfernt. Dort verläuft auch die Nordgrenze der Gemeinde, an die das Stadtgebiet von Breslau anschließt.

Geschichte[Bearbeiten]

Bahnhof Koberwitz (1914)
Schloss Koberwitz (1910)
Schloss Koberwitz (2006)

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Cobliwiz entstammt einem Dokument des Breslauer Herzogs Heinrich III. aus dem Jahr 1257. Bereits 1333 tauchte mit dem Gut Koberwitz, der bis 1937 gültige Ortsname auf.[2]

In Koberwitz zweigte die 1898 eröffnete Eisenbahnlinie über Schönbankwitz nach Heidersdorf von der bereits 1885 eröffneten Eisenbahnlinie BreslauStröbel ab. Durch den Ort führte die Reichsstraße 116 (BreslauGlatz).

Das Rittergut gehörte zur bedeutenden Zuckerfabrik in Klettendorf bei Breslau, die bis 1945 unter den Namen „Vom Rath, Schoeller & Skene“ firmierte.

Im Juni 1924 veranstaltete Rudolf Steiner auf dem Gut von Graf Carl von Keyserlingk (1869–1928, seit 1899 mit Johanna von Skene (1879–1966) verheiratet) einen mehrtägigen Kurs über Biologisch-dynamische Landwirtschaft.[3][4] Im September 1999 wurde zu Ehren von Rudolf Steiner eine Tafel an der Fassade von Schloss Kobierzyce angebracht.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Koberwitz 1945 wie fast ganz Schlesien an Polen und wurde in Kobierzyce umbenannt. Die deutsche Bevölkerung, wurde soweit sie nicht schon vorher evakuiert oder geflohen war, vertrieben. Nach der politischen Wende von 1989 erlebte die Gemeinde wegen der Nähe zum florierenden Wirtschaftsstandort Breslau und der Autobahn A4 einen rasanten Aufschwung. Nach Angaben der Gemeinde wurden mittlerweile über 1,6 Milliarden Euro von ausländischen Unternehmen investiert und rund 6000 Arbeitsplätze geschaffen – vor allem im Gewerbegebiet Węzeł Bielański im Ortsteil Bielany Wrocławskie nahe der A4 mit dem riesigen Centrum Bielany mit vielen Bau-, Einrichtungs- und Hypermärkten. Im Ortsteil Biskupice Podgórne wurde zudem von der LG.Philips LCD ab 2005 ein Werk für Flüssigkristallbildschirme errichtet, von dem sich die Gemeinde samt den neuentstehenden Zulieferbetrieben bis 2015 20.000 neue Arbeitsplätze erhofft.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen von Kobierzyce (inkl. Gutsbezirk; spätere Zahlen beziehen sich auf die gesamte Landgemeinde):[5]

Jahr Einwohner
1910 1.459
1933 1.296
1939 1.203
1995 11.371
2000 12.038
2005 13.081
2008 14.508

Gemeinde[Bearbeiten]

Gut Schlanz um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Schloss Groß Tinz um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Die Landgemeinde Kobierzyce umfasst ein Gebiet von 149,11 km² mit rund 15.000 Einwohnern. Zur Gemeinde gehören neben dem Hauptort Kobierzyce folgende Orte:

  • Bąki (Wilhelmsthal)
  • Bielany Wrocławskie (Bettlern)
  • Biskupice Podgórne (Bischwitz am Berge; 1937–45: Linden am Berge)
  • Budziszów (Buchwitz; 1937–45: Buchen N.S.)
  • Chrzanów-Magnice (ZaumgartenMagnitz; 1937–45: Magning)
  • Cieszyce (Seschwitz; 1937–45: Trostdorf)
  • Dobkowice (Duckwitz; 1937–45: Gutendorf)
  • Domasław (Domslau)
  • Damianowice (Damsdorf)
  • Jaszowice (Jäschwitz; 1937–45: Hannsfeld N.S.)
  • Królikowice-Nowiny (Krolkwitz; 1937–45: Weidmannsau – Neuen)
  • Krzyżowice (Schlanz)
  • Księginice (Kniegnitz; bis 1908: Polnisch Kniegnitz; 1937–45: Elfhofen)
  • Kuklice (Guckelwitz; 1937–45: Berghuben)
  • Małuszów (Malsen)
  • Owsianka (Haberstroh)
  • Pełczyce (Peltschütz; 1937–45: Buschfelde)
  • Pustków Wilczkowski (Stein)
  • Pustków Żurawski (Puschkowa; 1937–45: Hubertushof)
  • Rolantowice (Lorankwitz; 1937–45: Rolandsmühle)
  • Solna (Groß Sägewitz; 1937–45: Segen)
  • Ślęza (Lohe)
  • Szczepankowice (Schönbankwitz; 1937–45: Schönlehn)
  • Tyniec Mały (Klein Tinz)
  • Tyniec nad Ślęzą (Groß Tinz a. d. Lohe)
  • Wysoka (Wessig; 1937–45: Bergmühle)
  • Wierzbice (Wirrwitz; 1937–45: Konradserbe)
  • Żerniki Małe-Racławice Wielkie (Klein SürdingHaidänichen)
  • Żurawice (Schauerwitz; 1937–45: Freienfeld)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Schloss in Biskupice Podgórne (2006)
  • Schloss in Kobierzyce im Stil der Neorenaissance (Sitz der Gemeindeverwaltung)
  • Neubarockes Schloss in Biskupice Podgórne mit ausgedehntem Schlosspark
  • Fachwerk-Herrenhaus in Bielany Wrocławskie aus dem 16. Jahrhundert
  • Spätromanische St.-Michaels-Kirche (kościół św. Michała Archanioła) in Tyniec nad Ślęzą aus dem 13. Jahrhundert mit barocker Ausstattung und einem Turm aus dem 16. Jahrhundert. Vor der Kirche befindet sich eine Statue des böhmischen Landesheiligen Johann von Nepomuk von 1733
  • Spätgotische Kirche Mariä Himmelfahrt (kościół Wniebowzięcia Najświętszej Marii Panny) in Tyniec Mały von 1493-1516 mit einem schiefen, niedrigen Glockenturm

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kobierzyce – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Hrsg.: Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. a b Vgl. http://www.ugk.pl
  3. Paull, John "Attending the First Organic Agriculture Course: Rudolf Steiner’s Agriculture Course at Koberwitz, 1924", European Journal of Social Sciences, 2011, 21(1):64-70.
  4. Paull, John (2013) "Koberwitz (Kobierzyce); In the footseps of Rudolf Steiner'", Journal of Bio-Dynamics Tasmania, 109 (Autumn), pp. 7-11.
  5. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1885: [1] – 1910: [2] – 1933, 1939: [3] – 1995, 2000, 2005: [4] – 2007: PDF