Kongresshalle am Alexanderplatz

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Dieser Artikel beschreibt die am Alexanderplatz in Berlin-Mitte stehende Kongresshalle. Zur Kongresshalle in Berlin-Tiergarten siehe Kongresshalle (Berlin).
Kongresshalle
Haus des Lehrers mit rechts daneben stehender Kongresshalle

Haus des Lehrers mit rechts daneben
stehender Kongresshalle

Daten
Ort Berlin-Mitte
Architekt Hermann Henselmann-Team
Bauherr Magistrat der Stadt Berlin
Baustil Moderne
Baujahr 1961–
9. September 1964
Grundfläche 2500 m²
Koordinaten 52° 31′ 14″ N, 13° 24′ 59″ OKoordinaten: 52° 31′ 14″ N, 13° 24′ 59″ O

Die Kongresshalle am Alexanderplatz ist ein Bauwerk in Berlin. Sie bildet zusammen mit dem Haus des Lehrers ein denkmalgeschütztes Bauensemble am Alexanderplatz, das bei der Neubebauung des Platzes Anfang der 1960er Jahre entstand.

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ergebnis eines Beschlusses des Berliner Magistrats von 1964 erfolgte ein vollständiger Neuaufbau des im Krieg zerstörten Alexanderplatzes nach einer städtebaulichen Konzeption von Joachim Näther und Peter Schweitzer.[1]

Für den zentralen Bereich des Platzes sah die Konzeption am Ort des früheren Lehrervereinshauses ein neues Haus des Lehrers (HdL) vor. Dieses und die südwestlich angrenzende Kongresshalle entstanden nach Plänen des Ost-Berliner Architekturbüros von Hermann Henselmann mit seinen Mitarbeitern Bernhard Geyer und Jörg Streitparth. Für die Feinplanung, die Bauingenieurarbeiten und die künstlerische Gestaltung der Fassaden und der Innenräume waren unter anderem Bernhard & Haustein, Günther & Kless, Otto & Schmidt, Ullrich & Wagner, Siegfried & Weißhaupt sowie Karl-Heinz Wendisch zuständig.[2][3] Die Ausführung der Bau- und kunsthandwerklichen Arbeiten oblag dem VEB Stuck und Naturstein Berlin. Zwischen der Grundsteinlegung am 12. Dezember 1961 durch den damaligen Ost-Berliner Oberbürgermeister Friedrich Ebert[4] und der Übergabe an die Öffentlichkeit vergingen drei Jahre intensiver Bautätigkeit.[5] Haus des Lehrers und Kongresshalle wurden am 9. September 1964 eröffnet.[6] Bis zur Fertigstellung des Palastes der Republik im Jahr 1976 war die Kongresshalle Tagungsort der Volkskammer der DDR.

Blick in den großen Saal der Kongresshalle, 1964

Die Kongresshalle am HdL war eine neue Idee der Nutzung, die nicht nur der Lehrerbildung dienen sollte. Der Kuppelbau in Stahlbeton-Schalenbauweise hat einen runden Innenraum, um den sich zweietagige Flachbauten herumziehen. Hier gab es kleine Gesprächsräume sowie einen Imbissraum. Die Zentralhalle verfügt über 1000 Sitzplätze und wurde mit damals modernster Technik ausgestattet. Lange Jahre diente sie nach ihrer Fertigstellung der Durchführung von Kongressen, der Aufführung von Konzerten, zentralen Feiern des Magistrats oder auch für Tanzveranstaltungen. In den 1980er Jahren stellte sich heraus, dass die Akustik des Kuppelsaals nicht optimal war, die Magistratsverantwortlichen ließen mögliche bauliche Veränderungen prüfen. Das führte dazu, dass im Deckenbereich kleine Mehrflächner angebracht wurden, die zu einem besseren Klangbild führten.

Nach der politischen Wende mit der Wiedervereinigung der Stadt Berlin entstand die Situation, dass dem nun zuständigen Senat zwei Kongresshallen gehörten: die 1957 eröffnete Kongresshalle im Tiergarten und die Kongresshalle am Alexanderplatz. Der gesamte Baukomplex am Alex konnte an den Zusammenschluss der bcc-Grundstücksgesellschaft und der Wohnungsbaugesellschaft Mitte verkauft werden. Diese investierte rund 2,5 Millionen Euro für eine Komplettsanierung und einen denkmalgerechten Umbau. In den Jahren 2001 bis 2003 war das Veranstaltungsgebäude deswegen geschlossen. Bis zur Wiedereröffnung im September 2003 wurden im Gebäude der Kongresshalle insgesamt 23 Veranstaltungsräume mit bis zu 2500 Sitzplätzen für Großveranstaltungen eingerichtet und die gesamte Veranstaltungstechnik erneuert. Außerdem kamen nun – nach vorherigen praktischen Versuchen an der Technischen Universität Berlin an einem 3D-Modell der Halle – neuartige Lautsprecher im Kuppelsaal zum Einsatz, die gute und gleichmäßige Klangqualität garantieren. Die Bestuhlung wurde gegen eigens für die Kongresshalle entwickelte und produzierte Stühle mit roten Polstern und Klappsitzen ausgetauscht, der Fußboden behielt den schwarzen Naturschiefer, die Wandfarben wurden entsprechend den ursprünglichen Ausstattungsplänen aufgefrischt.[7]

Aufgrund der Namensähnlichkeit mit der in West-Berlin vorhandenen Kongresshalle erhielt das Gebäude am Alexanderplatz nun den gemischt deutsch-englischen Namen Berliner Congress Center (BCC).[7]

Seit 2003 finden im BCC unter anderem regelmäßig Kongresse des Chaos Computer Clubs (CCC) statt, auch internationale Veranstaltungen von Ärzten, Wissenschaftlern, Künstlern oder Politikern, Filmpremieren oder Preisverleihungen gab es hier bereits.[7] (Der CCC hatte schon in den 1990er Jahren mit computergesteuerter Fensterbeleuchtung am Haus des Lehrers – den Blinkenlights – für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt.)

Folgende respektvolle Einschätzung des Geschäftsführers des BCC, Helo Brackenhoff, beschreibt den Gesamteindruck der Kongresshalle am Alex sehr treffend und bekräftigt damit auch die Aufnahme dieses Hauses in die Baudenkmals-Liste des Senats:[7]

„Dieses Haus ist in seiner Kombination von klaren Formen, ausgesuchten Materialien wie Aluminium und dem ungewöhnlichen Farbspektrum so einzigartig. Wobei der Kuppelsaal sicher ein Highlight ist. […] Das Haus hat auch keine typische DDR-Architektur, sondern ist in einer Zeit entstanden, in der die Architekten Freiräume hatten.“

Die ältere Halle im Ortsteil Tiergarten dient seit 1989 mehr künstlerischen Veranstaltungen und heißt seitdem Haus der Kulturen der Welt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kongresshalle am Alexanderplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alexanderplatz – das Scharnier im Osten Berlins. In: Der Tagesspiegel, 25. September 2013; abgerufen am 2. November 2016.
  2. Baudenkmalsensemble Haus des Lehrers und Kongresshalle
  3. Dr.-Ing. Karlheinz Wendisch. In: archINFORM; abgerufen am 2. November 2016.
  4. Erstes Fundament fürs Stadtzentrum. In: Neues Deutschland, 13. Dezember 1961, S. 8.
  5. Joachim Schulz, Werner Gräbner: Berlin. Hauptstadt der DDR. Architekturführer DDR, VEB Verlag für Bauwesen Berlin, 1974; S. 48 und 53.
  6. Ein Geschenk für unsere Pädagogen. In: Neue Zeit, 10. September 1964, S. 12.
  7. a b c d Uwe Aulich: Am Alexanderplatz wird aus der Berliner Kongresshalle das Berliner Congress Center. In: Berliner Zeitung, 23. September 2003, abgerufen am 2. November 2016.