Karmin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Koschenille)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Karmin (Begriffsklärung) aufgeführt.

Wikipedia:Redaktion Chemie/ausgeblendete Strukturformel

Allgemeines
Name Karmin
Andere Namen
  • Karminrot
  • Echtes Karmin
  • E 120
  • C.I. 75470
Summenformel variabel
CAS-Nummer 1390-65-4
Kurzbeschreibung

roter geruchloser Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 492,3930 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[1]

Löslichkeit

fast unlöslich in Wasser[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche nicht möglich

Karmin ist ein organischer roter Farbstoff. Es handelt sich um Calcium- und Aluminiumsalze der Karminsäure. Der Begriff wird von dem ursprünglich persischen Wort kermes für Scharlachbeere abgeleitet. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Karmoisin, Karmesin, Cochenille (Koschenille). Für den Farblack finden sich außerdem Bezeichnungen wie Florentiner Lack, Kugellack, Münchner Lack, Pariser Lack oder Wiener Lack. Der mit diesem Farbstoff erzielte Farbton wird auch als Scharlachrot bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cochenilleschildläuse

In Europa wurde die Farbstoffmischung unter dem Namen Kermes aus den auf Wurzeln von immergrünen Eichen wie der Kermeseiche (Quercus coccifera L.) lebenden Kermes-Schildläusen (Kermes vermilio Planchon), aus der polnischen Kermeslaus (Porphyrophora polonica L.) oder aus der armenischen Kermeslaus (Porphyrophora hamelii Brandt), die auf den Wurzeln bestimmter Gräser zu finden ist, gewonnen. Die Nutzung der Kermes-Schildlaus ist seit der frühen Eisenzeit (Hallstattkultur) belegt, zum Beispiel aus dem Fürstengrab von Hochdorf.

Nach der Entdeckung Amerikas nutzte man die in Mittel- und Südamerika aus den Weibchen der auf Feigenkakteen (Opuntien) lebenden Cochenilleschildlaus (Dactylopius coccus Costa) hergestellte Farbe. Die Cochenilleschildlaus wurde im Jahr 1826 erstmals auf die Kanarischen Inseln gebracht.[2] Auf La Palma wurde bis ins zwanzigste Jahrhundert in kleinem Umfang Cochenille geerntet.

Ein Kilogramm Cochenille ergibt ca. 50 Gramm Karmin.[3] Die getrockneten Schildläuse enthalten etwa 14 % Karmin.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Farbstoff wird aus weiblichen Schildläusen gewonnen. Für ein Kilogramm sind über 100.000 Schildläuse nötig. Zur Gewinnung der Farbe werden die Läuse getrocknet und in Wasser unter Zusatz von etwas Schwefelsäure ausgekocht. Das Karmesin wird dann unter Anwendung von Alaun und etwas Kalk ausgefällt, ausgewaschen und getrocknet. Durch die Verkollerung ist es dann möglich, Karmin auch als Pigment zu verwenden (Farblacke). Heute wird an Stelle von Karmin meist ein synthetischer Farbstoff verwendet.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karmin im Farbkreis mit Bezeichnungen nach dem Farbtonkreis von Müller. Hier sind die Farben in die Normfarbtafel der CIE, unter Beleuchtung mit Normlicht der Art C eingebaut.
Karmin
Farbcode: #960018

Karmin ist ein – vergleichsweise hochwertiger – Ersatz für den Purpur der Schnecken und ergibt scharlach- bis karminrote oder purpurrote Farbtöne.

Karmin wurde zum Färben von Stoffen und Schminken sowie für Malerfarben eingesetzt. Mit dem Hinweis, Lippenstifte seien aus Läuseblut gemacht, wurde gern versucht, junge Mädchen von deren Gebrauch abzuschrecken. Neben Lippenstiften erhielt früher auch Campari seine rote Farbe von den Cochenille-Läusen.

Als Malerfarbe ist Karmin nur wenig lichtbeständig. Es wurde häufig als Aquarellfarbe eingesetzt oder aber auch für Lasuren.

Seit der Entwicklung synthetischer Farbstoffe ist die Bedeutung von Cochenille und Karmin stark gesunken. Cochenille ist als Lebensmittelfarbstoff E 120 zugelassen und kann in farbigen Getränken und Süßigkeiten Verwendung finden.[4]

Ein preisgünstiges Surrogat ist Cochenillerot A, ein nicht unumstrittener, unter E 124 registrierter Azofarbstoff, der zur Lebensmittel- und Kosmetikfärbung zugelassen ist.

Karminessigsäure eignet sich zum Fixieren und gleichzeitigem Anfärben von Chromosomen (diese werden dunkel schwarzrot) in der Mikroskopie (für genetische Untersuchungen).

Toxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Einatmen kann echtes Karmin als Aeroallergen Asthma auslösen.[5] Auch bei oraler Einnahme wurden allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie beschrieben, wobei IgE-Antikörper per RAST und Immunoblot nachgewiesen wurden.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karminrot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Die Cochenille – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Datenblatt Carmin (C.I. 75470) (PDF) bei Carl Roth, abgerufen am 29. August 2010.
  2. H. Honegger, Einführung und Cultur der Cochenille auf den kanarischen Inseln., Der Zoologische Garten 22, 1879.
  3. Eintrag zu Karmin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 15. Juni 2016.
  4. ZZulV: Anlage 1 (zu § 3 Abs. 1 und § 7) Zusatzstoffe, die zum Färben von Lebensmitteln oder zum Erzielen von Farbeffekten bei Lebensmitteln zugelassen sind
  5. A. I. Tabar, S. Acero, C. Arregui, M. Urdánoz, S. Quirce: [Asthma and allergy due to carmine dye]. In: Anales del sistema sanitario de Navarra. Band 26 Suppl 2, 2003, ISSN 1137-6627, S. 65–73, PMID 13679965 (Review).
  6. Lothar Jäger, Brunello Wüthrich, Barbara Ballmer-Weber, Stefan Vieths (Hrsg.): Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen: Immunologie – Diagnostik – Therapie – Prophylaxe. 3. Auflage, Elsevier, Urban&Fischer, 2008, ISBN 978-3-437-21362-5, S. 224.
Farb-Check-RGB.png

Die in diesem Artikel angezeigten Farben sind nicht farbverbindlich und können auf verschiedenen Monitoren unterschiedlich erscheinen.
Eine Möglichkeit, die Darstellung mit rein visuellen Mitteln näherungsweise zu kalibrieren, bietet das nebenstehende Testbild (nur wenn die Seite nicht gezoomt dargestellt wird):
Tritt auf einer oder mehreren der drei grauen Flächen ein Buchstabe („R“ für Rot, „G“ für Grün oder „B“ für Blau) stark hervor, sollte die Gammakorrektur des korrespondierenden Monitor-Farbkanals korrigiert werden. Das Bild ist auf einen Gammawert von 2,2 eingestellt, der gebräuchliche Wert bei TV-Geräten und Computern mit Windows oder OS X (ab Version 10.6)