Krimderode

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Koordinaten: 51° 31′ 50″ N, 10° 46′ 50″ O

Krimderode
Wappen von Krimderode
Höhe: 197 (195–210) m
Einwohner: 1300
Eingemeindung: 1. Juli 1950
Postleitzahl: 99734
Vorwahl: 03631
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Lage von Krimderode in Nordhausen

Krimderode (bis März 1948 Crimderode[1]; Mundart Crimderimde) ist ein Stadtteil im Norden der Stadt Nordhausen in Thüringen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krimderode befindet sich zwei km nördlich des Nordhäuser Stadtzentrums in den äußersten Südausläufern des Harzes und liegt westlich der Rüdigsdorfer Schweiz. Nachbarortschaften sind Niedersachswerfen im Norden, Rüdigsdorf im Osten, Nordhausen im Süden und im Südwesten Salza. Nordwestlich vom Ort liegt die Siedlung Obersalza und der Kohnstein. Durch Krimderode fließt die Zorge mit dem Mühlgraben.

Die Gegend um das Dorf ist sehr reich an Erdfällen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Nicolai
Gutshof

Krimderode ist zu unterscheiden von dem gleichnamigen Dorf, das am Märschgraben, südöstlich vom Rodeberge bei Urbach lag und 1412 wüst wurde, was die Zuordnung von mittelalterlichen Dokumenten teilweise erschwert. Nach dem Nordhäuser Regionalhistoriker Ernst Günther Förstemann (1788–1859) wurde dieser Ort 891 als Criemhilterot urkundlich erwähnt.[2] Ferner ist er für 1268 als Cimilderode und 1281 als Crimolderode bezeugt.[3]

Krimderode war ehemals Reichsdorf und unterstand bis zum Kauf durch den Ritter von Bula im Jahr 1436 dem Reichsschulzen in Nordhausen.

Der historische Ortskern von Krimderode liegt bei der um 1580 erbauten evangelisch-lutherischen Kirche St. Nicolai, die neben der „Alten Burg“ das älteste Gebäude des Dorfes ist.[4] Die Alte Burg befindet sich direkt hinter der Kirche und diente bis zum Brand 1609 als Wohnung der jeweiligen Lehnsbesitzer, u. a. der Familie Wurmb. Der letzte Nachkomme dieser Familien-Line starb am 18. Juni 1815 in der Schlacht bei Waterloo. Das Gasthaus des Ortes trug daher den Namen La Belle-Alliance (nach Napoleons Hauptquartier Belle-Alliance) und war ein beliebtes Ausflugsziel für Nordhäuser Bürger. Nach dem Brand von 1609 wurde durch den Lehnsbesitzer Oberst von Römer das Herrenhaus auf dem Gutshof errichtet. Die wieder aufgebaute Alte Burg diente von 1610 bis 1818 als Amtshaus mit Gericht und Gefängnis. Nach dem Brand von 1818 wurde sie vor allem als Wohnung genutzt. Nach Jahren des Zerfalls wurde die Alte Burg in den 1990er Jahren bis auf den Keller abgerissen und ist heute Teil eines neu errichteten Wohnhauses.

Das Rittergut von „Grimderode“ (1836)[5] hatte die Polizei die bürgerliche und hochnotpeinliche Gerichtsbarkeit im Ort. 1850 wurde die Gerichtsbarkeit aufgehoben.

Zwischen Niedersachswerfen und Krimderode lag der Hannoversche Zoll, der von den Nordhäuser Bürgern oft besucht wurde, da hier die Waren ohne Zoll billiger waren. Nach Aufhebung der Zollgrenzen 1834 wurde das Zollgebäude durch den Grafen von Stolberg in ein Gasthaus umgebaut, in dem u. a. auch die Stände der Grafschaft tagten. 1848 hielt hier der spätere preußische Minister Johannes von Miquel Freiheitsreden. 1876 brannte der Zoll ab.

Ab 1885 gehörte das Dorf zum Kreis Ilfeld bzw. ab 1932 zum Landkreis Grafschaft Hohenstein. Durch die Zugehörigkeit zur preußischen Provinz Hannover stand die Kirchengemeinde zur hannoverschen Landeskirche (Konsistorialbezirk Ilfeld).

1904 wurde bei der ehemaligen „Flehmühle“ die Gipsfabrik „Bruno Steuerlein“ gegründet, die sich in den folgenden Jahrzehnten von einer wassergetriebenen Gipsmühle zu einem größeren Industriebetrieb entwickelte.[6] Das Unternehmen wurde 1981 verstaatlicht, 1988 wurde die Produktion eingestellt. Die Gipsfabrik verfiel in den folgenden Jahren und wurde 2000 bis auf das Verwaltungsgebäude (erbaut 1948) und den alten Schachtofen, der seitdem unter Denkmalschutz steht, abgerissen. Der Schachtofen wurde in den 1870er Jahren errichtet und gilt als ältestes Zeugnis der Gipsindustrie im Raum Nordhausen.[6]

Preisgünstiges Bauland, niedrige Grundsteuern und Mieten führten in den 1930er Jahren zu einer regen Bautätigkeit und Zuzügen, vor allem aus Nordhausen. So stieg die Zahl der Einwohner von 598 (1935) auf 1.080 (1939).

Bei der Besetzung von Nordhausen am 11. April 1945 durch US-Truppen kam es in der Umgebung des Kohnsteins und in Krimderode zu einigen Zwischenfällen mit deutschen Nachhuten.[7] So sprengte eine deutsche Gruppe die Felsenböschung gegenüber dem Zorge-Wehr der Jericho-Mühle und blockierte so die Harzstraße. Anschließend ging sie Auf der Liethen oberhalb des Dorfes in Stellung und beschoss anrückende Infanterie. US-amerikanische Einheiten durchkämmten den Ort und forderten die Einwohner unter Drohungen auf, sich nach Rüdigsdorf zu begeben. Nachdem am späten Nachmittag die deutsche Stellung mit Jagdbombern angegriffen wurde, zog sich die Gruppe Richtung Harz zurück.

Anfang 1946 nahm der Ort 400 Vertriebene aus den Ostgebieten auf. 1948 wurde Krimderode von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht; der entstandene Schaden belief sich auf ca. 100.000 Reichsmark.

Seit dem 1. Juli 1950 gehört Krimderode zum Gebiet der Stadt Nordhausen.[8] Eine Eingemeindung wurde bereits seit Mitte der 1930er Jahre angestrebt und im August 1938 stimmten die Krimderöde Gemeinderäte dieser zu.[9] Der Kriegsausbruch verhinderte die Eingemeindungspläne, die im März 1946 wieder aufgegriffen wurden. Der letzte Bürgermeister von Krimderode war der Sozialdemokrat Ernst Henneberg.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1546 errichtete die Kirchengemeinde das erste „Schulhäuschen“, 1902 wurde das Schulgebäude an der Zorge erbaut, das heute als Kindergarten dient. Im Jahr 1948 wurde der Grundstein für die 1952 eingeweihte Polytechnische Oberschule (POS) „Dr. Jan Cespiva“ gelegt, die nahezu komplett aus Trümmern der Stadt Nordhausen erbaut wurde. Die Einwohner leisteten beim Bau über 20.000 freiwillige Arbeitsstunden. Seit 2002 ist die Evangelische Grundschule Nordhausen im Schulgebäude untergebracht.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flehmüllers Eiche

Landschaftsprägend ist die auf dem Liethberg (235 m ü. NHN) oberhalb von Krimderode stehende Eiche, die mit etwa 600 bis 1000 Jahren eines der ältesten Naturdenkmale im Südharz ist. 2015 hat der Brusthöhenumfang 7,25 Meter betragen, bei einer Höhe von 21 Meter.[10] Die als Flehmüllers Eiche bekannte Stieleiche stand in einem Wald, der seit 1829 allmählich gefällt wurde. 1840 beantragte der damalige Krimderöder Rittergutsbesitzer Drechsler beim Hochgräflichen Stolberg-Hohnsteinischen Consisorium den Erhalt der Eiche. Seit 1992 wird unter dem Baum im Juni das „Eichenfest“ veranstaltet. 1995 wurde in direkter Nachbarschaft eine ca. 15 Jahre alte Eiche gepflanzt.

Der Krimderöder Karneval Club ist einer der ältesten Karnevalsvereine des Landkreises Nordhausen.

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1600 120[11]
1817 230[12]
1900 490[11]
1910 592[13]
1925 601
1933 789
1935 598[9]
1939 1.070[9]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krimderode liegt an der Bundesstraße 4 und besitzt einen Haltepunkt der Harzquerbahn.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurioses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wisselbeeren“ sind wilde Kirschen, die es im 18. Jahrhundert in und um Krimderode in großen Mengen gab und häufig als Kuchenbelag genutzt wurden, vor allem zur Kirmes. Dies brachte den Einwohnern den Ortsnecknamen Wisselbeerkönige, Twisselbeerkönige bzw. Wisselbeerhengste ein.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leni Arnold: Krimderode 1946 bis 1950. In: Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Kreis Nordhausen. Nordhausen-Salza, Iffland, Bd. 35.2010, S. 7–26.
  • Hans Jürgen Grönke: Aus der Geschichte von Krimderode und Umgebung. In: Nordhäuser Nachrichten. Südharzer Heimatblätter, Bd. 13.2004, 4, S. 6–8.
  • Wilhelm Vahlbruch: Heimatbüchlein der Graffschaft Hohnstein im Kreis Ilfeld (Südharz), Crimderode 1927. S. 24.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leni Arnold: Krimderode 1946 bis 1950. In: Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Kreis Nordhausen. Nordhausen-Salza, Iffland, Bd. 35.2010, S. 20.
  2. Ernst Günther Förstemann: Kleine Schriften zur Geschichte der Stadt Nordhausen, Ferd. Förstemann, Nordhausen 1855. S. 69.
  3. Karl Meyer: Die Wüstungen der Grafschaft Stolberg-Stolberg, Nordhausen 1871, S. 284.
  4. Hans-Jürgen Grönke: Aus der Geschichte von Krimderode und Umgebung. In: Nordhäuser Nachrichten. Südharzer Heimatblätter, Bd. 13.2004, 4, S. 6–8
  5. Adolf Ziemann: Bibliothek der gesammten deutschen National-Literatur. Band 1, Basse, Quedlinburg 1835, S. 34.
  6. a b Hans-Jürgen Grönke: Aus der Geschichte der „Gipsfabrik Bruno Steuerlein“ in Krimderode – die Produktionsgebäude und ihre Funktionen bis zur Schließung des Betriebes, in: Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Kreis Nordhausen (Band 26/2001). S. 14–24.
  7. Jürgen Möller: Der Kampf um den Harz April 1945. Rockstuhl, Bad Langensalza 2011. S. 127.
  8. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  9. a b c Leni Arnold: Krimderode 1946 bis 1950. In: Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Kreis Nordhausen. Nordhausen-Salza, Iffland, Bd. 35.2010, S. 7.
  10. Flehmüllerseiche bei Monumentale Eichen
  11. a b Wilhelm Vahlbruch: Heimatbüchlein der Graffschaft Hohnstein im Kreis Ilfeld (Südharz), Crimderode 1927. S. 24.
  12. Justus Ludwig Günther Leopold: Kirchen-, Pfarr- und Schul-Chronik..., Nordhausen, Weichelt, 1817. S. 105
  13. http://www.ulischubert.de/geografie/gem1900/gem1900.htm?hannover/ilfeld.htm
  14. Frauenprojekt an der Umweltakademie Nordthüringen e.V (Hrsg.): Erfrischendes aus der Region: Spitznamen aus dem Landkreis Nordhausen. Regionale-Verlag, Auleben 1999. S. 40.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Krimderode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien