Krupp-Gürtel

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ThyssenKrupp Hauptquartier als Kern des Krupp-Gürtels, Februar 2013
See mit Seebühne im Krupp-Park

Als Krupp-Gürtel wird ein städtebauliches Projekt bezeichnet, das zurzeit in Essen verwirklicht wird. Die 230 Hektar große Fläche liegt im Westviertel zwischen der Innenstadt und dem westlich davon gelegenen Stadtteil Altendorf. Das zwischen 1945 und 2007 größtenteils brachliegenden Gelände der ehemaligen Kruppschen Gussstahlfabrik, wurde im Zweiten Weltkrieg teils zerstört, die Reste später jedoch sind demontiert und nicht wieder aufgebaut worden. Das Hauptquartier der ThyssenKrupp AG (Krupp und Thyssen fusionierten 1999) ist am 17. Juni 2010 als erste Neuansiedlung offiziell eröffnet worden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gebiet des Krupp-Gürtels befand sich, 1811 durch Friedrich Krupp gegründet, die Krupp Gussstahlfabrik. Sie bildete die Keimzelle der zu einem Schwerindustrie-Unternehmen aufgestiegenen Friedrich Krupp AG, die heute in ThyssenKrupp als Deutschlands größtem Stahl- und Rüstungsunternehmen aufgegangen ist. Haupteinnahmequelle war die Rüstungsindustrie, so erhielt die Stadt Essen zur Zeit des Nationalsozialismus den Beinamen Waffenschmiede des Deutschen Reiches. Nach schwerer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden die Reste der Fabrikanlagen demontiert und als Reparationsleistung ins Ausland gebracht. Seitdem lagen große Teile der ehemaligen Werksfläche brach. Erst 2010 siedelte sich das ThyssenKrupp Hauptquartier im Rahmen des Projektes Krupp-Gürtel hier an.

Mitte Mai 2016 verkaufte ThyssenKrupp rund 70 Hektar nicht betriebsnotwendiger Fläche im Krupp-Gürtel an einen in Essen ansässigen Investor.[1]

Hauptquartier ThyssenKrupp[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: ThyssenKrupp Hauptquartier

In das ThyssenKrupp Hauptquartier ist die Konzernzentrale der ThyssenKrupp AG 2010 von Düsseldorf aus umgesiedelt. Das Quartier bildet den Kern des städtebaulichen Projektes Krupp-Gürtel und steht genau auf dem Grund, auf dem Krupp mit der Gussstahlfabrik in Essen seine Wurzeln hat und sich auch das Stammhaus Krupp befindet. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt des Hauptquartiers wurden mit über 300 Millionen Euro beziffert.

Berthold-Beitz-Boulevard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Berthold-Beitz-Boulevard

Als Berthold-Beitz-Boulevard wird die in Teilen errichtete, insgesamt etwa drei Kilometer lange Hauptstraße bezeichnet, die den Krupp-Gürtel erschließt und ihn in Nord-Süd-Richtung durchläuft. Sie kann als Erweiterung des Innenstadtrings gesehen werden.

Krupp-Park[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Krupp-Park

Der Krupp-Park befindet sich in einer Nord-Süd-Ausdehnung parallel westlich des Berthold-Beitz-Boulevards, wobei zunächst der nördliche Teil mit kleinem See im August 2009 eröffnet wurde. Im südlichen Teil befindet sich eine Sportstätte, die im September 2017 der Öffentlichkeit übergeben wird.[2] Beide Parkteile sind etwa 23 Hektar groß und bilden das viertgrößte innerstädtische Gebiet zur Erholung nach dem Gruga-, dem Borbecker Schloss- und dem Hügelpark.

QuartierWest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

QuartierWest im Bau 2017

Westlich des Krupp-Parks wurde Ende 2013/Anfang 2014 der Real-Markt abgerissen. Er eröffnete am 24. Oktober 2013 im neuerrichteten Kronenberg-Center südlich der Altendorfer Straße.

Auf dem Gebiet des südlichen Parkplatzes des ehemaligen Marktes an der Ecke Altendorfer Straße/Dickmannstraße entsteht seit Juni 2016 nördlich parallel zur Altendorfer Straße ein dreistöckiges Dienstleistungs- und Einzelhandelszentrum mit dem Namen QuartierWest für rund 17 Millionen Euro. Auf dem gut 20.000 Quadratmeter großen Grundstück bietet das etwa 8000 Quadratmeter große, U-förmige Gebäude Räume für einen Lebensmittelhandel, einen Discounter, ein Möbelgeschäft, einen Haushaltswarenhandel und ein Hotel. Gut 12.100 Quadratmeter Geschäftsfläche werden dafür vermietet. Hinzu kommt eine Tiefgarage mit 61 Stellplätzen und eine äußere Parkfläche für 200 Pkw. Die Eröffnung ist für Ende 2017 geplant. Danach ist nördlich des Zentrums neue Wohnbebauung am Krupp-Park vorgesehen.[3][4]

Essen 51[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Essen 51 wird ein Projekt zum Wohnen, Arbeiten und Leben bezeichnet, dessen Bau 2018 im nördlichen Krupp-Gürtel beginnen wird. Die Bezeichnung Essen 51 leitet sich daraus ab, dass die Fläche fast die Größe eines neuen Stadtteils bildet und Essen derzeit bereits aus 50 Stadtteilen besteht.

Im Mai 2016 verkaufte ThyssenKrupp rund 100 Hektar ehemalige Fabrikationsfläche, darunter die 52 Hektar, auf dem Essen 51 entstehen wird, an ein Essener Immobilienunternehmen. Die Fläche liegt im Grenzbereich der Stadtteile Nordviertel und Bochold überwiegend auf dem Gelände der ehemaligen Lokomotiv- und Waggonbaufabrik Krupp. In diesem Bereich werden 1250 Mietwohnungen und Kleingewerbe sowie Grünflächen neuerrichtet und neugestaltet. Im Zentrum wird ein Park entstehen, dessen Wasserlauf mit dem Niederfeldsee im benachbarten Altendorf verbunden wird.[5][6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marion Heistermann: Demontage und Wiederaufbau – Industriepolitische Entwicklungen in der „Kruppstadt“ Essen nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–1956). Klartext-Verlag, Essen 2004, ISBN 978-3-89861-275-3
  • JSWD Architekten und Chaix & Morel et Associés: "ThyssenKrupp Hauptquartier", JOVIS Verlag Berlin 2010, ISBN 978-3-86859-090-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Krupp-Gürtel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DerWesten.de vom 21. Mai 2016: Thyssenkrupp verkauft Immobilien und Grundstücke an Investor; abgerufen am 1. Juni 2017
  2. Sportanlage im Krupp-Park steht vor der Eröffnung in: IKZ-online.de vom 12. Juli 2017
  3. Schoofs: Essen, QuartierWest am Krupp-Gürtel; abgerufen am 27. Juli 2017
  4. Quartier West in Altendorf geht auf die Zielgerade, in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 27. Juli 2017; abgerufen am 27. Juli 2017
  5. Thelen-Gruppe: Essen 51; abgerufen am 1. Juni 2017
  6. Pressemeldung vom 4. Oktober 2016; abgerufen am 1. Juni 2017

Koordinaten: 51° 27′ 36″ N, 6° 59′ 20″ O