Kryptochristentum

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Unter Kryptochristentum bezeichnet man die verborgene Ausübung des christlichen Glaubens, bei einem gleichzeitigen öffentlichen Bekenntnis zu einer anderen Religion. Kryptochristen sind demnach Menschen, die christliche Bräuche und Traditionen befolgen, obwohl sie formell einer anderen Glaubensgemeinschaft angehören.

Verbreitung und Geschichte[Bearbeiten]

Japan[Bearbeiten]

Seit der Einführung des Christentums in Japan 1550 durch den heiligen Francisco de Xavier wurde das Christentum als Gefahr für die Macht des Shōgun gesehen. 1643 wurde das Christentum verboten, alle Kirchen zerstört und der christliche Einfluss systematisch ausgelöscht. Das Verbot wurde erst 1858 wieder aufgehoben. Während dieser Zeit bildete sich in Japan die kryptochristliche Gruppierung Kakure Kirishitan.

Albanien und Kosovo[Bearbeiten]

Der Ursprung des Christentums lässt sich zurückführen auf die Zeit der Apostel. Mit dem Einzug der Osmanen begann dann im 14. Jahrhundert auch der Prozess der Islamisierung in dem damals christlichen Balkangebiet. Dieser Prozess fand relativ zügig statt, was vor allem auf rechtliche und wirtschaftliche Vorteile einer Konversion zum Islam zurückzuführen ist: Als Muslim war man im osmanischen Reich gleichgestellt, während man als Andersgläubiger eine zum Teil hohe „Kopfsteuer“ zahlen musste. So entwickelte sich neben einem synkretistischen Zusammenleben zwischen Anhängern des christlichen und muslimischen Glaubens, in welchem sich Bräuche beider Religionen vermischten, auch eine Art des Kryptochristentums, welche von Albert Ramaj in Krypto-Christentum im Kosovo wie folgt beschrieben wird:

„Viele christliche Albaner gaben sich den osmanischen Behörden gegenüber als Muslime aus und trugen muslimische Vornamen. Viele Christen haben also lange Zeit, z.T. bis ins 19. Jahrhundert, eine Doppelexistenz bzw. eine Art Doppelbekenntnis geführt, ohne dass den osmanischen Behörden dies besondes aufgefallen wäre.“[1]

Türkei[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kryptoarmenier

Während die Christen in der heutigen türkischen Republik aufgrund des Völkermords an den Armeniern, den Aramäern und der Massaker an den Pontosgriechen eine sehr kleine Minderheit bilden, man geht Schätzungen nach von 100.000 bis 120.000 Christen aus, bildeten Armenier und Griechen mit ca. 3 Millionen Anhängern eine beachtlich größere Gruppe zu Zeiten des osmanischen Reiches. Bezüglich der Existenz von Kryptochristen äußert sich Dr. Tessa Hofmann wie folgt:

„In der Türkei leben Hunderttausende – nach schwer überprüfbaren Schätzungen sogar Millionen – Menschen, deren christliche Vorfahren durch steuerliche Benachteiligung oder direkten Druck gezwungen wurden, sich zum Islam zu bekehren. Sie haben oft ihre Sprachen bewahren können und praktizieren teilweise christliches (Relikt-)Brauchtum.“[2]

Abgrenzung zu „Kryptokonfessionen“[Bearbeiten]

Bei Kryptocalvinismus, Kryptokatholizismus und Kryptoprotestantismus handelte es sich um die Ausübung christlicher Riten, die der (christlichen) Landeskonfession (vgl. Konfessionalisierung vs. Church of England) eigentlich widersprachen und deshalb verheimlicht oder als der Landeskonfession genügend verbrämt wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Bartl: Kryptochristentum und Formen des religiösen Synkretismus in Albanien. In: Grazer und Münchener Balkanologische Studien. München 1967. S.117-127 (= Beiträge zur Kenntnis Südosteuropas und des Nahen Orients 2).
  • Albert Ramaj: Krypto-Christentum im Kosovo. G2W (Zürich), 3/2007 35, S. S. 24-25
  • Albert Ramaj: Burime dhe dëshmi. Stublla në dokumente arkivore austriake, shkolla, kriptokrishtenizmi në Karadak. Stublla im Kosovo. Die Geschichte, die Schule und das Krypto-Christentum der Karadakregion. St. Gallen 2008.
  • Daniel Klingenberg: Verborgene Christen. Christ und Moslem zugleich: Die Doppelexistenz der «Kryptochristen» in Kosovo. Tagblatt (St. Gallen), 26. Mai 2007, S. 27.
  • Albert Ramaj: Lazër Mjeda në argjipeshkvinë Shkup-Prizren mes 1909-1921 (Sipas arkivit Austriak, emërimi tij, laramanizmi, largimi nga Prizreni). In: Imzot Lazër Mjeda - Mbrojtës dhe lëvrues i identitetit shqiptar, Albanisches Institut, St. Gallen 2011, ISBN 978-3-9523077-7-9, S. 47-172.
  • Zefi, Shan: Islamization of Albanians through centuries. Prizren 2006.
  • Stadtmüller, Georg:Die Islamisierung bei den Albanern. In: JbbGOE, NF 3-30/1955, S. 404-429.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ramaj, Albert (2007): Krypto-Christentum im Kosovo. G2W, 3/2007 35, S. 24-25
  2. Hofmann, Tessa (2007) : "Wer in der Türkei Christ ist, zahlt seinen Preis dafür". Märtyrer 2007:Das Jahrbuch zur Christenverfolgung heute, S.156-184