Kryptojuden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Kryptojuden (engl. Crypto-Jews) werden gelegentlich Konvertiten (vom Judentum zu einer andern Religion) und deren Nachkommen bezeichnet, die entgegen ihrer öffentlichen Religionszugehörigkeit sich weiterhin der alten Religion verbunden fühlen und im Geheimen jüdische Kultur und Religion praktizieren.

Anwendung[Bearbeiten]

Das Wort ist abgeleitet von griechisch: κρυπτός, kryptós, „verborgen“. Der Begriff Kryptojudaismus wird in der religionswissenschaftlichen Literatur verwendet.

Erste kryptojüdische Gruppen entstanden im 8. Jahrhundert nach den Zwangsbekehrungen unter den Westgoten und im 12. Jahrhundert unter den Almohaden in Nordafrika und Spanien.

Die bekannteste Gruppe der Kryptojuden sind die Marranen, Juden und deren Nachkommen, die auf der iberischen Halbinsel unter Zwang zum Christentum übertraten. Ein Teil von ihnen hing weiterhin der alten Religion an, was die ganze Gruppe unter den Generalverdacht des Judaisierens (judaizar / judaisar) brachte. Kryptojüdische Gemeinschaften bestehen bis heute in nördlichen Portugal (Beispiel: Belmonte).

Für die Kryptojuden im islamischen Raum wird keine einheitliche Gruppenbezeichnung verwendet.[1] Im 19. Jahrhundert wurde in Maschad (Persien) eine Gruppe zwangsbekehrter Juden unter dem Namen Jadid al-Islam („Neulinge im Islam“) bekannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Deutsch
  • Bernard Lewis: Die Juden in der islamischen Welt. Vom frühen Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51074-4, (Beck'sche Reihe 1572).
Englisch
  • Miriam Bodian: Dying in the law of Moses. Crypto-Jewish martyrdom in the Iberian world. Indiana University Press, Bloomington IN 2007, ISBN 978-0-253-34861-6, (The modern Jewish experience).
  • David Martin Gitlitz: Secrecy and Deceit. The Religion of the Crypto-Jews. Jewish Publication Society, Philadelphia PA 1996, ISBN 0-8276-0562-5, (Auch: University of New Mexico Press, Albuquerque NM 2002, ISBN 0-8263-2813-X, (Jewish Latin America)).
  • Janet Liebman Jacobs: Hidden Heritage. The Legacy of the Crypto-Jews. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2002, ISBN 0-520-23346-8.
  • Renée Levine Melammed: Heretics or daughters of Israel? The crypto-Jewish women of Castile. Oxford University Press, New York NY u. a. 1999, ISBN 0-19-509580-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maurus Reinkowski: Kryptojuden und Kryptochristen im Islam. In: Saeculum 54 (2003), S. 13 - 37
  2. Nadia Zeldes: The Former Jews of This Kingdom. Sicilian Converts After the Expulsion 1492-1516. (The Medieval Mediterranean, Vol. 46) Leiden, Boston: Brill Academic Publishers, 2003 ISBN 90-04-12898-0