Löbauer Berg

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Löbauer Berg / Lubijska Hora
Schafberg (links) und Löbauer Berg (rechts), vom Bubenik gesehen, im Vordergrund die Stadt Löbau

Schafberg (links) und Löbauer Berg (rechts), vom Bubenik gesehen, im Vordergrund die Stadt Löbau

Höhe 448 m ü. HN
Lage Sachsen, Deutschland
Gebirge Lausitzer Bergland
Koordinaten 51° 5′ 27″ N, 14° 41′ 33″ OKoordinaten: 51° 5′ 27″ N, 14° 41′ 33″ O
Löbauer Berg (Sachsen)
Löbauer Berg
Typ Schlotfüllung
Gestein Basalt (Nephelindolerit)
Besonderheiten Doppelgipfel mit dem Schafberg (449,5 m ü. HN)

Der Löbauer Berg (obersorbisch Lubijska Hora) ist ein erloschener Vulkan und mit 448 m ü. HN der Hausberg der namensgebenden Stadt Löbau im Landkreis Görlitz im südöstlichen Sachsen. Er ist bestanden mit Bergmischwald, bestehend aus Stieleiche, Hainbuche und Winter-Linde.

Lage und Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gipfel des Löbauer Berges liegt ca. 1,8 km östlich des Zentrums der Stadt Löbau, welche sich auch gern mit dem Beinamen Die Stadt am Berge schmückt. Östlich des Berges liegt Herwigsdorf. Im Norden wird das Bergmassiv von der Eisenbahnlinie Löbau–Görlitz sowie der Staatsstraße S 129 begrenzt; nach Süden sind es der Grundbach sowie die Kreisstraße K 8681.

Berggasthof Honigbrunnen

Auf dem Gipfel befindet sich der als Aussichtsturm konzipierte gusseiserne König-Friedrich-August-Turm mit Turmgaststätte. Der Gasthof Berghaus ist nur noch eine Ruine. Am Westhang auf halber Höhe liegt der am 1. Dezember 2006 wiedereröffnete Berggasthof Honigbrunnen.

Auf dem Nachbargipfel, dem Schafberg, steht ein weithin sichtbarer Sendeturm der Deutschen Telekom.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turmgaststätte

Der Löbauer Berg ist der sattelförmige Rest eines tertiären Vulkans mit ovalem Umriss. Er war einst viel höher, zahlreiche Blockhalden an den Abhängen zeugen von der Abtragung durch wechselnde Eiszeiten, Wind und Wasser. Der Gipfelbereich stellt das größte quellkuppenartige Basaltvorkommen der Oberlausitz dar, es bedeckt eine Fläche von ca. 3 km².

Das Besondere des eigentlich in der Gegend häufig vorkommenden Gesteins ist die grobkörnige Struktur der erstarrten Lava. Durch außergewöhnlich langsame Auskühlung konnten sich größere Mineralstrukturen und ein grobkörniges Gefüge (Dolerit) herausbilden. So enthält der Basalt unter anderem Einschlüsse des Feldspates Nephelin, dessen spätere Auswitterung zur pockennarbigen Oberfläche der Felsen am Löbauer Berg führte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

König-Friedrich-August-­Turm

Bereits in der Bronzezeit ist der Gipfelbereich von Menschen genutzt worden. Eine Wallanlage der Lausitzer Kultur enormen Ausmaßes ist dort zu finden. Der Umfang des Walls, auch als Schlackenwall bekannt, ist ca. 1.600 Meter lang und umschließt eine Fläche von 5 Hektar. Im Innern fand man neben Wohnpodesten auch prähistorische Werkzeuge, Schmuck sowie Keramik und Bronzegegenstände.

1738 errichtete man die erste einfache Hütte, welche jedoch im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) zerstört wurde. 1770 baute die Löbauer Kaufmannschaft ein weiteres Gebäude aus Stein.

Seit 1854 erhebt sich auf dem Gipfel der erst in jüngster Zeit restaurierte, 28 Meter hohe gusseiserne König-Friedrich-August-Turm, ein technisches Denkmal und der einzige seiner Art in Europa. Im Jahr der Errichtung des Turmes wurde ebenfalls die noch heute existierende Turmgaststätte eröffnet.

Schutzgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Löbauer Berg wurde Ende 2009 vom Dresdner Landesamt für Denkmalpflege als Ensemble in die Liste der Kulturdenkmale Sachsens aufgenommen.

Die Einzeldenkmale sind: der Gusseiserne Turm, die Rodelbahn mit gemauerter Auenwange, der Honigbrunnen mit Areal und Stützmauern, das Berghaus mit Stützmauern und Resten ehem. Nebengebäude, die Granittreppe vom Berghaus, die Prinzenstufen, das Kriegerehrenmal von 1927, das Große Steinmeer, zwei kleine Steinbrüche (einer davon 1929/30 vom Humboldtverein mit Steingarten und Gebirgsflora versehen), der Große Steinbruch, die Judenkuppe, die alte Rodelbahn, der schwarze Winkel, der Kaffeebrunnen, die Turnerbank, der Brücknerstein (1942), der Engwichtstein (1954) und der Mücklich-Gedenkstein (1912).

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Löbauer Berg ist gemäß Sächsischem Naturschutzgesetz auch als Landschaftsschutzgebiet sowie mit seinen „Schlucht- und Hangmischwälder“-Lebensraumtyp-Flächen als Teil des Fauna-Flora-Habitat-Gebietes „Basalt- und Phonolithkuppen der östlichen Oberlausitz“[1] erfasst.

Aussicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über Kittlitz und Strohmberg zum Kraftwerk Boxberg (37 km)

Auf Grund seiner exponierten Lage hat man vom Berg eine hervorragende Aussicht. Im Süden erhebt sich der Kottmar und dahinter die Bergkette des Zittauer und Lausitzer Gebirges, im Osten erblickt man die vulkanischen Phonolith- und Basaltkuppen des Rotsteins sowie der Landeskrone bei Görlitz, bei ausreichenden Sichtbedingungen die Berge des Iser- und Riesengebirges. Weiter nördlich sind die Königshainer Berge zu sehen, gefolgt von der weiten Ebene im Norden der Oberlausitz, aus der die Silhouette des Braunkohlenkraftwerks Boxberg hervorsticht. Nordwestlich reicht der Blick bis zu den Türmen der Stadt Bautzen sowie dem Hochstein.

Sonnenphänomen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 untersuchten Heimatforscher aus Sohland den Geldkellerfelsen am Osthang des Schafberggipfels auf seine Eignung für kalendarische Sonnenbeobachtungen. Es zeigte sich, dass spezielle Sichtöffnungen die Bestimmung der Tagundnachtgleiche (Frühlings- und Herbstbeginn) und der Sonnenwenden bei Sonnenauf- und - untergang gestatten. Im gleichen Jahr gründete die Volks- und Schulsternwarte "Bruno-H.-Bürgel" in Sohland/Spree für die Erforschung derartiger Sonnenphänomene an Fels- und Steinformationen der Oberlausitz und angrenzender Regionen die Fachgruppe Archäoastronomie. 2012 erhielt die Fachgruppe Archäoastronomie die Möglichkeit im Rahmen der Landesgartenschau Löbau eine archäoastronomische Steingartenanlage zu konzipieren, welche das Sonnenbeobachtungsschema des Geldkellers nachempfand. [2].

Sendeanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Schafberg steht ein 162 Meter hoher Sendeturm aus Stahlbeton.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Meyers Naturführer Oberlausitz. Meyers Lexikonverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich, ISBN 3-411-07161-3
  • Emil Borott: Der Löbauer Berg und der Friedrich-August-Thurm. Löbau 1854 (Digitalisat)
  • Alfred Moschkau: Löbau und dessen Umgebung - ein Führer durch diese alte Vierstadt, auf den Löbauer Berg, Cottmar, Rothstein, Sonneberg, Horken und in die Scala. Verlag Petzold, Dresden 1872 (Digitalisat)
  • Ernst Scholze: Der Löbauer Berg im Mittelpunkte der mythenreichen Oberlausitz. Duroldt & Schier, Löbau 1853 (Digitalisat)
  • Ernst Siegl: Unsere Oberlausitzer Berge - ein Wanderführer. Domowina-Verlag, Bautzen, 1991

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Löbauer Berg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beschreibung MaP-Kurzfassung (pdf), Karte (pdf)
  2. Infopack 2011, "Sonnenheiligtümer der Oberlausitz", Sternwarte „Bruno-H.-Bürgel“ Sohalnd/Spree; Ralf Herold, „Sonnenheiligtümer der Oberlausitz –Der Geldkeller auf dem Löbauer Berg und sein wahrer Schatz“, Oberlausitzer Verlag, 2012