Lac Lioson

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Lac Lioson
Lac Lioson 2.jpg
Geographische Lage Kanton Waadt
Abfluss Hongrin
Orte in der Nähe Les Mosses
Daten
Koordinaten 576150 / 137272Koordinaten: 46° 23′ 11″ N, 7° 7′ 43″ O; CH1903: 576150 / 137272
Lac Lioson (Kanton Waadt)
Lac Lioson
Höhe über Meeresspiegel 1848 m ü. M.[1]
Fläche 7 ha[1]
Maximale Tiefe 25 m[1]

Der Lac Lioson ist ein Gebirgsee der Waadtländer Voralpen in der Westschweiz. Er liegt in der Nähe des Col des Mosses im Gebiet der Gemeinde Ormont-Dessous.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name lioson kommt wahrscheinlich von den Worten lieu (Mundartlich liu, französisch für Ort) und son (von französisch: sommet, Gipfel) und bezeichnet die höchstgelegenen Weiden, auf die das Vieh im Sommer als letztes getrieben wurde. Erstmals ist der Name als Lyuson im Jahre 1247 belegt.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lac Lioson ist glazialen Ursprungs[3] und liegt in den Waadtländer Voralpen auf 1848 Meter Höhe nördlich des Châtillon und des Pic Chaussy, von deren Ausläufern er umgeben ist. Politisch befindet er sich auf dem Gebiet der waadtländischen Gemeinde Ormont-Dessous. Dem See entspringt der Hongrin, ein linker Nebenfluss der Saane, die über Aare und Rhein in die Nordsee entwässert. Die kleinen Schmelzwasserseen im benachbarten Kar Vers les Lacs entwässern bereits in Richtung Rhône und Mittelmeer. Damit befindet sich der See direkt an der Rhein-Rhône-Wasserscheide.

Der Lac Lioson ist rund sieben Hektar gross bei einer maximalen Tiefe von 25 Metern. Sein Volumen beträgt 846000 m3 und die mittlere Tiefe folglich 13.6 Meter. Sein Einzugsgebiet erstreckt sich über 1,5 km² und besteht hauptsächlich aus nackter Erde (28 %), Grasflächen (27 %) und landwirtschaftlich genutzten Gebiet (30 %). Die restlichen 15 Prozent machen Wald (14 %) und bebaute Fläche (1 %) aus.[3]

Physikalische und chemische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seiner Lage in 1848 Metern Höhe ist der See über etwa sieben Monate des Jahres eisbedeckt (typischerweise von November bis Juni). Aufgrund der Dichteanomalie des Wassers ist der See zu dieser Zeit stabil geschichtet mit Wassertemperaturen von ~3 °C im Tiefenwasser und leichteren, um 0 °C warmen Wasser im Epilimnion. Auch im Sommer bildet sich eine stabile Schichtung mit Wassertemperaturen von etwa 12 °C im Epilimnion und 3 °C in der tiefsten Schicht aus. Folglich mischt der See zweimal jährlich: am Ende der Periode mit Eisbedeckung und Ende des Sommers, sodass er zu den dimiktischen Seen gezählt wird.[3]

Die Sichttiefe, gemessen mit der Secchi-Scheibe, beträgt im Sommer etwa 7,5 Meter. Schon 1923 wurde im Sommer eine Secchi-Tiefe von 7 Metern gemessen.[4] Die Nährstoffkonzentrationen sind relativ gering (im Mittel 13 mg L−1 Phosphor), weswegen der Lac Lioson zu den oligotrophen Seen gerechnet wird.[1] Aufgrund der stabilen Schichtung in Winter und Sommer sinkt der Sauerstoffgehalt trotzdem in den tiefsten Wasserschichten regelmässig in den hypoxischen Bereich.[3] Trotz des geringen Nährstoffgehaltes ist der Anteil an organischen Kohlenstoff in den oberen Sedimentschichten mit 11 % relativ hoch, was auf die geringe Temperatur und niedrige Sauerstoffkonzentrationen zurückzuführen ist, die den Abbau organischer Substanzen verlangsamen.[5]

Biologische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untersuchungen in 15 und 25 m Tiefe ergaben eine ausschliesslich aus Oligochaeta und Insektenlarven bestehende Makrofauna, wobei der tiefste Bereich des Sees fünf mal weniger artenreich war als der Bereich mittlerer Tiefe, die Zahl der Individuen war sogar fast zehn mal geringer (10'833 ± 6982 ind. m−2 in 15 m Tiefe gegenüber nur 1'146 ± 1273 ind. m−2 in 25 m Tiefe). Vor allem im tiefsten Bereich weisen die Beobachtungen, auch das Vorhandensein von Tubifex tubifex, auf einen dystrophen Zustand mit mittlerem Nährstoffgehalt und hohen Anteil an Huminsäuren hin.[3]

Im See gibt es relativ wenig Wasserpflanzen, was auf die Beschaffenheit des Sediments und die starke Steigung der Uferzone zurückgeführt werden kann. Insgesamt wurden fünf Arten von Wasserpflanzen und fünf weitere, den Uferbereich besiedelnde Arten beobachtet. Vier davon stehen auf der roten Liste gefährdeter Arten.[3]

Ursprünglich lebten keine Fische im See, er wurde aber mit verschiedenen Arten besetzt. 1824 fand man keinen einzigen Fisch, obwohl angeblich vorher schon Forellen eingesetzt wurden. 1923 gab es bereits Bachforellen, wann diese in den See kamen, ist jedoch nicht bekannt.[4] Seit den 1960er-Jahren wurden vom Kanton Waadt regelmäßig See- und Bachsaiblinge, Amerikanische Seesaiblinge, Bachforellen und Regenbogenforellen eingesetzt, seit 1984 nur noch Bach- und Regenbogenforellen.[6] Obwohl nur noch zwei Fischarten regelmäßig eingesetzt werden, werden immer noch sechs Arten beobachtet (neben den oben genannten noch die Bachschmerle).[3] Der Seesaibling ist die am häufigsten vorkommende Art, da sie im alpinen Lac Lioson nur ein geringes Wachstum aufweist und daher bei den Fischern wenig beliebt ist.[6]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der See wird zum Angeln und im Winter zum Eistauchen genutzt.[7] Sein klares Wasser bietet unter anderem Lebensraum für Seesaiblinge, Forellen und Regenbogenforellen.[8] Am Ufer befindet sich ein Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeiten.[9] Zu Fuss ist der See vom Col des Mosses in etwa einer Stunde zu erreichen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d B. Müller, A. Lotter, M. Sturm und A. Ammann (1998): Influence of catchment quality and altitude on the water and sediment composition of 68 small lakes in Central Europe. Aquatic Science 60, S. 316–337.
  2. Henri Jaccard: Essai de toponymie. Origine des noms de lieux habités et des lieux-dits de la Suisse romande. Lausanne, Bridel, 1906. S. 234f.
  3. a b c d e f g Brigitte Lods-Crozet, Pierre-Alain Chevalley und Andrés Strawczynski: Suivi écologique du Lac Lioson, campagne 2012. Division Protection des eaux, Direction générale de l’environnement, Canton de Vaud 2014.
  4. a b Emile André (1923): Le lac Lioson et sa faune. Bulletin de la Société vaudoise des Sciences naturelles 55, S. 22–29.
  5. Brigitte Lods-Crozet, Olivier Reymond und Andrés Strawczynski (2008): Evaluation de l’état écologique de deux lacs sub-alpins suisses (canton de Vaud). Bulletin de la Société vaudoise des Sciences naturelles 91, S. 157–173.
  6. a b Jean-François Rubin (1991): L'omble chevalier, Salvelinus alpinus (L.), dans le Lac Lioson (Suisse). Bulletin de la Société vaudoise des Sciences naturelles 80, S. 419–434.
  7. Site de plongée du Lac Lioson. Le Scaph, 30. Dezember 2014, abgerufen am 5. Oktober 2015.
  8. Lac Lioson auf nature-peche.com. nature-pêche, abgerufen am 5. Oktober 2015.
  9. Massenlager am "Lac Lioson". Leysin Tourisme, abgerufen am 5. Oktober 2015.