Landschaftsbibliothek

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Landschaftsbibliothek
Westerhusen msu-9986.jpg
Die Landschaftsbibliothek

Gründung um 1600
Bestand 115.000[1]
Bibliothekstyp Regionalbibliothek
Ort Aurich Welt-IconKoordinaten: 53° 28′ 2,7″ N, 7° 28′ 52,9″ O
ISIL DE-Au3
Website http://www.ostfriesischelandschaft.de/bibliothek

Die Landschaftsbibliothek mit Sitz in Aurich ist die größte wissenschaftliche Bibliothek in Ostfriesland. Nach dem Verkauf der fürstlichen Bibliothek im Jahre 1746 (zwei Jahre nach dem Übergang Ostfrieslands an Preußen) sieht sie sich selbst der Tradition staatlichen Buchbesitzes in Ostfriesland verpflichtet und leitet daraus den Anspruch ab, ostfriesische Regionalbibliothek zu sein.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bestand der Bibliothek befinden sich auch wenige Bücher aus dem Besitz der Grafen und Fürsten von Ostfriesland.

Ein genaues Gründungsdatum ist der Landschaftsbibliothek ist unbekannt, jedoch gilt die Zeit um 1600 als sehr wahrscheinlich, als sich die Administratoren der ostfriesischen Landstände (als Vorläufer des Landschaftskollegiums) sich für ihre Verwaltungstätigkeit eine Handbibliothek anlegten.[1] Die Landstände hatten sich zu dieser Zeit spätestens seit der Emder Revolution als zweites politisches Machtzentrum gegenüber dem Landesherrn etabliert und benötigten die Bibliothek sowohl für die Erledigung ihrer Aufgaben in der Landesverwaltung als auch zur Begründung ihres besonderen verfassungsrechtlichen und politischen Anspruchs.[2]

Erstmals wird die Landschaftsbibliothek 1696 genannt. Aus diesem Jahr ist ein wahrscheinlich unvollständiges Inventarverzeichnis erhalten.

Als das einheimische Fürstenhaus 1744 ausstarb und Ostfriesland an Preußen fiel, ließ der neue Landesherr, Friedrich II. ab 1746 viele ihm zufallenden Werte in der Region, darunter auch die ostfriesische Fürstenbibliothek aus dem Auricher Schloss versteigern, so dass heute kaum noch etwas davon übrig ist.[3] Nach dem Verkauf war die damalige Administratorenbibliothek die einzige in Ostfriesland, die Buchbestände von übergeordneter Bedeutung für die ganze Region unterhielt, auch wenn sie sich als reine Gebrauchsbibliothek für die Arbeit der Administratoren von der höfischen Sammlung unterschied.[3]

In der ostfriesischen Bevölkerung war das Interesse an einer Bibliothek, welche sie mit wissenschaftlicher Literatur über die Region versorgen sollte so hoch, dass Friedrich II. schon wenige Jahre nach der Veräußerung der fürstlichen Bibliothek die Kriegs- und Domänenkammer in Aurich anwies, eine öffentliche Bibliothek „zum Besten der Künste und Wissenschaften“ einzurichten.[3] Die Bestände dieser so genannten Regierungsbibliothek gingen später in der Landschaftsbibliothek auf, die noch im ganzen 18. Jahrhundert eine kleine, nichtöffentliche Gebrauchsbibliothek der landständischen Administratoren blieb.[2]

Nach der Napoleonischen Zeit, der damit einhergehenden zwischenzeitlichen Abschaffung ihrer Privilegien und dem Übergang Ostfrieslands an das Königreich Hannover ordneten die Landstände ihre Aufgaben neu. So wurde aus der nicht öffentlichen Administratorenbibliothek eine öffentliche Bibliothek für die 1820 ein Erwerbungsprofil angelegt wurde, das mit kleinen Veränderungen bis heute gilt. So wird die „die möglichst vollständige Erwerbung der landesgeschichtlichen und landeskundlichen Literatur“ angestrebt, daneben soll „Literatur über die benachbarten Frieslande“ und „eine gewisse Auswahl der geisteswissenschaftlichen, insbesondere der geschichtswissenschaftlichen Literatur“ beschafft werden.[3] Einen größeren Ausbau ihrer Bestände erfuhr die Bibliothek in der Folgezeit jedoch nicht; die Prioritäten der Ostfriesischen Landschaft lagen in hannoverscher und der darauf folgenden zweiten preußischen Zeit eher auf der Wahrung ihrer alten Privilegien. Erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts begann die Landschaftsbibliothek mit dem gezielten Ankauf weiterer Buchbestände, was durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, aber schon ab den 50er Jahren fortgesetzt wurde. Die Räumlichkeiten der Bibliothek, die nach 1945 im Dachgeschoss des Landschaftshauses untergebracht war, erwiesen sich bald als zu klein. So folgte 1956 der Umzug in ein Provisorium an der Hafenstraße in Aurich, wo die Bibliothek bis zur Fertigstellung eines Neubaus im Garten des Landschaftshauses 1965 residierte. Zu diesem Zeitpunkt umfasste der Bestand 18.000 Bände, der jedoch durch umfangreiche Zukäufe und Deposita stark anwuchs.[3] Seit 1987 ist die Landschaftsbibliothek dem Niedersächsischen Bibliotheksrechenzentrum in Göttingen angeschlossen und erledigt Katalogisierung und Fernleihe im Online-Verbund. Ende der 80er Jahre war der Magazinturm der Bibliothek, der auf 100.000 Bände angelegt war, voll, so dass ein Neubau erforderlich wurde. Dieser wurde 1992 mit finanzieller Unterstützung durch das Land Niedersachsen und die Niedersachsenstiftung begonnen. Am 31. August 1995 wurde das Gebäude durch den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen offiziell eröffnet.

Personal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei ihrem Umzug in den Neubau im Garten des Landschaftshauses hatte die Bibliothek zwei Mitarbeiter, was sich jedoch durch Ausweitung der Bestände und Zuweisung neuer Aufgaben schnell als unzureichend erwies. Heute beschäftigt sie sechs Mitarbeiter. Leiter der Bibliothek ist Paul Weßels.[1]

Bestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in die Landschaftsbibliothek
Die Koberger-Bibel ist das älteste Buch im Bestand der Bibliothek

Der Buchbestand der älteren Administratorensbibliothek ist historisch unsicher. Für das Jahr 1696 ist ein Inventarverzeichnis belegt, das neben landesgeschichtlichen Titeln allgemein historische, theologische, geographische, Geschäfts- und Gebrauchsbücher sowie Karten enthält.[4]

Für das Jahr 1797 ist ein erster vollständiger Katalog für die Administratorenbibliothek überliefert. Zu diesem Zeitpunkt umfasste der Bestand 241 Titel, darunter 24 Periodica und hatte seinen Schwerpunkt auf staatswissenschaftlicher, landeskundlicher und historischer Literatur.[4] Ein gedruckter Katalog aus dem Jahr 1901 nennt 1687 Titel.

1965 waren es 18.000 Bände, Ende der 80er Jahre ca. 100.000 Bände. Heute finden sich 115.000 Bände und 640 laufende Zeitschriften im Bestand der Bibliothek. Insgesamt liegt die Kapazität der Bibliothek bei 265.000 Bänden. Jedes Jahr kommen etwa 2500 bis 3000 Neuerwerbungen hinzu.[1]

Neben den eigenen Beständen verwahrt die Landschaftsbibliothek bedeutende Buchbestände als Deposita. Größter Einzelposten ist hier die Bibliothek des ersten preußischen Regierungspräsidenten Christoph Friedrich von Derschau (1714–1799) mit 10.525 Titeln (dazu kommen 3,6 Meter noch nicht katalogisierter Dissertationen), darunter 3 Inkunabeln, 7 Titel bis 1520, 60 Titel bis 1550, 381 Titel aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs, 1168 Titel aus der ersten Hälfte und 2934 aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, 4193 Titel aus der ersten Hälfte und 1779 Titel aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.[2] Derschau hatte seine Bücher testamentarisch dem Land Preußen vererbt, mit der Auflage, sie in Aurich zu belassen. Zudem empfahl er, sie zum Grundstock einer Landesbibliothek zu machen.

Die noch während der Regierungszeit Friedrichs II. 1764 angelegte Regierungsbibliothek der Kriegs- und Domänenkammer umfasst 1845 Titel. Drittes großes Depositum ist die alte Gymnasialbibliothek des Auricher Ulricianums mit 6627 Bänden.[2]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in die Bibliothek.

Das Gebäude der Landschaftsbibliothek wurde 1992 nach Plänen der Architektengemeinschaft Arnke, Göken und Häntsch (Berlin und Oldenburg) errichtet. Diese bezogen die Räumlichkeiten der alten Bibliothek mit in ihr Konzept ein und versuchten, der Öffentlichkeit der Bibliothek mit ihrem Entwurf Rechnung zu tragen. Der Eingangsbereich ist mit einer Glasfront versehen, die Einblicke in den auf zwei Ebenen verteilten Freihandbereich für 30.000 Bände erlaubt. Zudem wurde der Eingang an einen stark frequentierten Fußweg der Auricher Innenstadt verlegt. Vom alten Baubestand wurde der Magazinturm übernommen. Das 3. Obergeschoss dient seither zur Unterbringung des landeskundlichen Bildarchivs, das 1. und 2. Obergeschoss werden als Buchmagazin für 40.000 Bände genutzt. Das Erdgeschoss wird heute als Freihandbereich genutzt. Hier finden noch einmal 10.000 Bände Platz. Neu errichtet wurde auch der Magazinriegel. Er liegt quer über der Lesehalle und dem Freihandbereich und kann bis zu 180.000 Bände aufnehmen.

Den Vorplatz am Eingangsbereich ziert eine von dem Berliner Bildhauer Christian Schneider-Moll stilisierte Fassung des Wappens der Ostfriesischen Landschaft.

Das Gebäude wurde mehrfach ausgezeichnet. 1996 erhielt es eine Anerkennung beim Balthasar-Neumann-Preis. Im selben Jahr wurde es vom Land Niedersachsen beim Tag der Architektur am 30. Juni als eines der Vorzeigeobjekte ausgewählt. 1997 erhielt es den Weser-Ems-Preis für Architektur und Ingenieurbau der OLB-Stiftung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Lison-Ziessow, Martin Tielke: Die Geschichte der Landschaftsbibliothek. 1995, ISBN 3-92536587-7.
  • Peter L. Arnke: Landschaftsbibliothek Aurich. Essen 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landschaftsbibliothek (Aurich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Ostfriesischelandschaft.de: Portrait- Die Landschaftsbibliothek Aurich- Von der Handbibliothek zur „Ostfriesischen Bibliothek“@1@2Vorlage:Toter Link/bib.ostfriesischelandschaft.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..
  2. a b c d Bernhard Fabian: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa., digitalisiert 2003 von Günter Kükenshöner.
  3. a b c d e Martin Tielke: Die neue Bibliothek der Ostfriesischen Landschaft in Aurich
  4. a b Lippische Landesbibliothek Detmold: Kurzporträt: Landschaftsbibliothek Aurich.