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Lateinamerikanische Tänze

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Samba
Cha-Cha-Cha
Rumba
Paso Doble
Jive
Lateinformation

Lateinamerikanische Tänze, auch kurz Latein-Tänze bzw. Latein genannt, ist ein feststehender Sammelbegriff für diese fünf Gesellschafts- und Turniertänze: Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und Jive.[1][2][3] Sie bilden, zusammen mit den Standardtänzen, einen Großteil des Welttanzprogramms.[4]

Trotz des Namens ist für die Zugehörigkeit eines Tanzes zu den lateinamerikanischen Tänzen nicht die Herkunft entscheidend. Die fünf lateinamerikanischen Tänze ähneln sich stark in den technischen Elementen. Die Zugehörigkeit wurde von weltweiten Tanzverbänden festgelegt und richtet sich vor allem nach der Tanztechnik. Von den fünf lateinamerikanischen Tänzen stammen tatsächlich nur drei aus Lateinamerika: die Rumba (Kuba), die Samba (Brasilien) und der Cha-Cha-Cha (Kuba).[1][2][3] Der Jive entstand in den USA, der Paso Doble hat seinen Ursprung in Spanien und Frankreich[1][2][3].

Insbesondere nicht zu den hier beschriebenen „lateinamerikanischen Tänzen“ gehören die folgenden Tänze aus Lateinamerika: Bachata, Mambo, Merengue, Salsa, Tango Argentino. Diese werden allgemein als Gesellschaftstänze oder Modetänze bezeichnet. Auch in vielen Volksgruppen in Lateinamerika werden diese Tänze zu traditioneller Musik getanzt.

Charakteristisch für die lateinamerikanischen Tänze ist die Kommunikation zwischen den Partnern. Alle lateinamerikanischen Tänze thematisieren die Paarbeziehung auf unterschiedliche Art und Weise. Weitere Charakteristika sind schnelle Drehungen sowie der häufige Wechsel zwischen treibenden und ruhigen Bewegungsphasen sowohl zeitlich als auch von verschiedenen Teilen des Körpers (Separation). Der Körper wird nicht als Ganzes betrachtet. Anders als in den Standardtänzen, bei denen in erster Linie die Bewegung des Paares im Raum die tänzerische Botschaft vermittelt,[3] steht hier die aufeinander abgestimmte Bewegung der einzelnen Tänzer im Vordergrund. Die Tänzer haben nicht das Ziel in ihrer Bewegung als Paar eins zu werden, sondern durch abwechselnde Aktionen für das Publikum sichtbar zu kommunizieren und dieses auch mit einzubeziehen.

Die lateinamerikanischen Tänze ähneln sich sehr stark in Technik und Tanzfiguren. Im Gegensatz zu den Standardtänzen, die in enger Tanzhaltung getanzt werden,[5] stehen die Tanzpartner in der Tanzhaltung der lateinamerikanischen Tänze weiter auseinander,[5] was die Bewegung im Körper sowohl für das Publikum als auch für den Partner leichter sichtbar werden lässt. Diese Distanz erlaubt zudem erst die verschiedenen Kniebewegungen, Hüftaktionen und Drehungen auszuführen.[5] Ober- und Unterkörper sowie Arme und Beine werden separiert, das heißt bewegen sich unabhängig voneinander. Bis auf den Paso Doble weisen alle lateinamerikanischen Tänze deutliche Hüftbewegungen auf.[5][3] Schritte werden, außer im Paso Doble, fast immer auf dem Fußballen angesetzt und im Anschluss auf den flachen Fuß abgesenkt.[5][3] Doch in anderen Tänzen wird diese Technik ebenfalls benutzt.

Im Turniertanz, der in verschiedene Altersgruppen und Leistungsklassen unterteilt ist, werden die fünf Lateintänze stets in der gleichen Reihenfolge getanzt: Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble, Jive.[6] Jedes Paar beginnt normalerweise in der untersten Leistungsklasse, der D-Klasse. Nach einem festen Schlüssel erwirbt das Paar Aufstiegs- und Platzierungspunkte und steigt so in seiner Altersgruppe über die D-, C-, B- und A-Klasse in die Sonderklasse (S-Klasse), die höchste Amateurtanzsportklasse, auf.[6] Dabei gibt es unterschiedliche, nach Alter gestaffelte Startgruppen.[6]

Während jedem Turnier sind, je nach Turnier-Art, drei bis neun Wertungsrichter anwesend.[6] Diese können über eine spezielle Software auf einem Smartphone (oft als „Digi“ bezeichnet[6]) tanzende Paare mit einer Rangliste bewerten. Nach dem getanzten Turnier rechnen die Organisatoren aus, welches Paar von den Wertungsrichtern auf welchem Platz eingestuft wurde. Im Anschluss findet meist die Siegerehrung statt.[6]

Die sportliche Organisation unterliegt in Deutschland dem Deutschen Tanzsportverband (DTV), in Österreich dem Österreichischen Tanzsportverband (ÖTSV) und in der Schweiz dem Schweizer Tanzsport Verband (STSV). Die drei nationalen Verbände sind alle Mitglied in dem Welttanzsportverband World DanceSport Federation (WDSF).[7]

Seit 1959 werden regelmäßig Latein-Weltmeisterschaften der Professionals ausgetragen, seit 1960 Latein-Weltmeisterschaften der Amateure.[8]

Einige der größten Turniere in Deutschland sind die German Open Championships (GOC) in Stuttgart, Hessen tanzt in Frankfurt am Main, Blaues Band der Spree in Berlin und die Dancecomp in Wuppertal.

American Rhythm

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International Style Latin (oder International Latin) bezeichnet die Art der lateinamerikanischen Tänze, wie sie weltweit nahezu überall getanzt werden. Im Gegensatz dazu ist der American Style[9] jene Art zu tanzen, die in den USA[10] und in Kanada[11] kultiviert wird. American Style Rhythm (oder American Rhythm) entspricht dabei in etwa den lateinamerikanischen Tänzen, American Style Smooth (oder American Smooth) in etwa den Standardtänzen.

Getanzt werden im American Rhythm die Tänze Cha-Cha-Cha, Rumba, (East Coast) Swing, Bolero und Mambo.[9][10][11]

Sowohl Rumba als auch Cha-Cha-Cha haben zwar viele Gemeinsamkeiten in beiden Tanzstilen, unterscheiden sich aber im Detail u. a. in der Technik, dem Timing, den Schrittmustern sowie dem Musiktempo.[9][10][11]

  • Walter Laird: The Laird Technique of Latin Dancing. 8. Auflage. IDTA Sales Ltd, Brighton (England) 2022, ISBN 0-900326-21-2 (englisch, 244 S.).
  • WDSF (Hrsg.): WDSF Technique Books – Samba. 3. Auflage. 2018 (englisch, 228 S.).
  • WDSF (Hrsg.): WDSF Technique Books – Cha-Cha-Cha. 3. Auflage. 2018 (englisch, 216 S.).
  • WDSF (Hrsg.): WDSF Technique Books – Rumba. 3. Auflage. 2018 (englisch, 192 S.).
  • WDSF (Hrsg.): WDSF Technique Books – Paso Doble. 3. Auflage. 2018 (englisch, 176 S.).
  • WDSF (Hrsg.): WDSF Technique Books – Jive. 3. Auflage. 2018 (englisch, 176 S.).
Commons: Lateinamerikanische Tänze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Portal: Tanz – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Tanz
Wikibooks: Tanzen – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise

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  1. a b c Walter Laird: The Laird Technique of Latin Dancing. 8. Auflage. IDTA Sales Ltd, Brighton (England) 2022, ISBN 0-900326-21-2, S. 8 (englisch, 244 S.).
  2. a b c Christoph Burgauner (Hrsg.): Tanzen in Deutschland: Vom Tanzkurs zur Meisterschaft. Kastell Verlag GmbH, München 1986, ISBN 3-924592-00-4, Die fünf lateinamerikanischen Tänze, S. 175.
  3. a b c d e f Herbert und Ursula Stuber (Hrsg.): Wörterbuch des Tanzsports. Kastell Verlag GmbH, München 1990, ISBN 3-924592-21-7, Schlagworte: Latein-Tänze, Latein-Tanzen, S. 139–141 (315 S.).
  4. Immaterielles Kulturerbe: Welttanzprogramm (WTP) für den Paartanz. In: UNESCO. Abgerufen am 28. November 2025.
  5. a b c d e Gertrude Krombholz, Astrid Haase-Türk: Richtig tanzen: Lateinamerikanische Tänze. 5. Auflage. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München 2001, ISBN 3-405-14428-0, Wie tanzt man die Lateinamerikanischen Tänze?, S. 12–14 (159 S.).
  6. a b c d e f DTV Turnier- und Sportordnung (TSO). (PDF; 2,9 MB) In: DTV. 1. Juli 2025, abgerufen am 28. November 2025.
  7. Members. In: WDSF. Abgerufen am 28. November 2025.
  8. Hall of Fame: Weltmeister Einzel. In: DTV. Abgerufen am 29. November 2025.
  9. a b c Jonathan S. Marion: Ballroom: culture and costume in competitive dance. English ed. Berg Publishers, Oxford / New York 2008, ISBN 978-1-84520-799-1, The Major Divisions of Ballroom, S. 22–24 (englisch, 210 S.).
  10. a b c NDCA Rules & Regulations. (PDF; 1,7 MB) In: National Dance Council of America. Juli 2025, S. 37, abgerufen am 29. November 2025 (englisch).
  11. a b c NDCC Rule Book. (PDF; 4,1 MB) In: National Dance Council of Canada. 1. Januar 2025, S. 20, abgerufen am 29. November 2025 (englisch).