Lateinamerikanischer Bischofsrat

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Der Lateinamerikanische Bischofsrat (CELAM, spanisch Consejo Episcopal Latinoamericano) ist der Zusammenschluss der nationalen Bischofskonferenzen in Süd- und Mittelamerika. In ihm sind alle römisch-katholischen Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik vertreten.

Sitz des Generalsekretariats ist die kolumbianische Hauptstadt Bogotá. An der Spitze des Gremiums steht ein auf vier Jahre gewählter Präsident. Seit 2019 ist dies der Erzbischof von Trujillo, Héctor Miguel Cabrejos Vidarte OFM.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste kontinentale Treffen lateinamerikanischer Bischöfe im Jahr 1899 gilt als Gründungsereignis der päpstlichen Lateinamerikapolitik.[2] Bis heute finden parallel zu den Generalkonferenzen der CELAM auch lateinamerikanische Kontinentalsynoden in Rom statt, auf denen sich die Bischöfe aus Lateinamerika austauschen.[3]

Die Gründung der CELAM war Ausdruck einer bewussteren Wahrnehmung sozialer Fragen durch einzelne Kreise der katholischen Kirche Lateinamerikas seit den 1930er Jahren. Progressive Bischöfe wie Hélder Câmara forderten ein Zusammenwachsen der stark national ausgerichteten lateinamerikanischen Kirche. Dieses Umdenken manifestierte sich erstmals auf der I. Generalkonferenz der CELAM 1955 in Rio de Janeiro, wo die offizielle Gründung erfolgte. Einzelne Bischöfe setzten sich dort für soziale Reformen ein. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch das Zweite Vatikanische Konzil und die päpstlichen Sozialenzykliken. Tragende Figuren waren Dom Hélder Câmara aus Brasilien, Bischof Manuel Larraín aus Chile und Erzbischof Antonio Samorè, Nuntius in Kolumbien.

Die II. Generalkonferenz 1968 in Medellín übte einen profunden Einfluss auf die Entwicklung der Befreiungstheologie aus. Sie wurde von Papst Paul VI. auf seiner Reise nach Kolumbien persönlich eröffnet, der ersten Interkontinentalreise eines Papstes in der Geschichte. Das Abschlussdokument der Konferenz wurde von Theologen wie Gustavo Gutiérrez und Lucio Gera konzipiert, die als theologische Berater der versammelten Bischöfe fungierten. In ihm „wird die Situation der Bevölkerungsmehrheiten in Lateinamerika als Ergebnis von Strukturen der Abhängigkeit, Ungerechtigkeit und Unterdrückung beschrieben. (…) Die vorrangige und solidarische Option für die Armen wird theologisch (!) begründet (…). Die Armen (…) werden selber in ihrem evangelisatorischen Potential, nicht als pastoral Betreute, sondern als Subjekte der Evangelisierung beschrieben. Und schließlich werden die kirchlichen Basisgemeinden als die Keimzellen der Kirche (…) bestärkt.“[4] In den Jahren nach Medellín galt die CELAM, und insbesondere das ihr angegliederte Lateinamerikanische Pastoralinstitut IPLA (geleitet von Segundo Galilea), als Zentrum des befreiungstheologisch ausgerichteten Katholizismus in Lateinamerika und der Karibik.

1972, mit der Wahl Alfonso López Trujillos zum CELAM-Generalsekretär, gewannen konservative Bischöfe an Einfluss. López Trujillo versuchte, durch Statutenänderungen und Umstrukturierungen in den Instituten der CELAM die Befreiungstheologie zurückzudrängen. Mit Bonaventura Kloppenburg ernannte er einen scharfen Kritiker der Befreiungstheologie zum Leiter des IPLA.[5]

Die III. Generalkonferenz 1979 in Puebla, die Papst Johannes Paul II. eröffnete, war bereits im Vorfeld von Auseinandersetzungen zwischen befreiungstheologischen und konservativen Bischöfen und Theologen bestimmt. In den Abschlussdokumenten von Puebla setzte sich eine abgeschwächte befreiungstheologische Linie durch; jedoch bekannte sich die lateinamerikanische Kirche in ihnen erstmals ausdrücklich zur Option für die Armen.

Während die IV. Generalkonferenz 1992 in Santo Domingo eine Abkehr von der Befreiungstheologie erbrachte, wurde mit der auf Initiative des chilenischen Schönstatt-Kardinals und damaligen CELAM-Generalsekretärs Javier Errázuriz angesetzten und von dem Mexikaner Luis Robles Díaz, dem ersten selbst aus Lateinamerika stammenden Vizepräsidenten der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika, maßgeblich vorbereiteten V. Generalkonferenz 2007 in Aparecida, die von Papst Benedikt XVI. eröffnet wurde, wieder stärker an diese theologische Linie angeknüpft. Als prägende Gestalt des Treffens wahrgenommen wurde Kardinal Jorge Bergoglio, der zusammen mit dem honduranischen Salesianer Óscar Rodríguez Maradiaga die Arbeitsgruppe leitete, die das Abschlussdokument erstellte.[3] Der zuvor verworfene befreiungstheologische Dreischritt Sehen – Urteilen – Handeln und die Option für die Armen wurden darin wieder aufgenommen.[6]

Bisherige Generalkonferenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • I. Generalkonferenz 1955 in Rio de Janeiro, Brasilien
  • II. Generalkonferenz 1968 in Medellín, Kolumbien
  • III. Generalkonferenz 1979 in Puebla, Mexiko
  • IV. Generalkonferenz 1992 in Santo Domingo, Dominikanischen Republik
  • V. Generalkonferenz 2007 in Aparecida, Brasilien

Liste der Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder des Rates sind die nationalen Bischofskonferenzen der Süd- und Mittelamerikanischen Staaten.

Derzeitige Funktionsträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funktionsträger sind (Stand Mai 2015):[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Guía Eclesiástica – Celam, abgerufen am 25. Mai 2019.
  2. Bob Nardini: Issues in Vendor/Library Relations – "I Am the Only Bay of Pigs Librarian", in: Against the Grain, Bd. 22, Heft 2, Article 39, S. 80f. (Interview mit Salvador Miranda, 2010).
  3. a b Ernesto Cavassa SJ: On the Trail of Aparecida: Jorge Bergoglio and the Latin American ecclesial tradition. In: America Magazine, 30. Oktober 2013, abgerufen am 10. Juni 2019 (englisch).
  4. Bruno Kern: Theologie der Befreiung, Verlag A. Francke, Tübingen 2013, ISBN 978-3-8252-4027-1, S. 12
  5. Horst Goldstein: „Selig ihr Armen.“ Theologie der Befreiung in Lateinamerika... und in Europa? Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989, S. 135ff.
  6. Bruno Kern: Theologie der Befreiung, Verlag A. Francke, Tübingen 2013, ISBN 978-3-8252-4027-1, S. 136–137.
  7. Meldung auf www.celam.org (spanisch), abgerufen am 16. Mai 2015