Latzhose

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Junge in Latzhose in der Textilindustrie Fall River, Massachusetts

Eine Latzhose ist eine spezielle Form der Hose, an die vorne ein Vorderlatz angesetzt ist. Hinten an der Latzhose sind in der Länge verstellbare Hosenträger angebracht, die über die Schultern verlaufen und am Latz befestigt werden.

Die Latzhose ist als Arbeitskleidung in Handwerk und Industrie sehr verbreitet, weiterhin bei Rettungsdiensten wie der Feuerwehr.[1] Sie dient hier als Schutzkleidung zum Beispiel gegen Öl, Staub, Farbe, Schmutz oder Funkenflug. Latzhosen kommen als Schutzkleidung in Betracht nach DIN EN 510, welche die „Festlegungen für Schutzkleidungen für Bereiche, in denen ein Risiko des Verfangens in beweglichen Teilen besteht“ beschreibt.[2][3]

Ausführung als Arbeits- und Schutzkleidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Latzhosen, die als Arbeits- und Schutzkleidung dienen, haben meist zwei schräge Leistentaschen, aufgesetzte Schenkeltaschen und einen verstellbaren Seitenschlitz in der linken Seitennaht. Der Hosenbeinabschluss ist weitenverstellbar und hat einen silbernen Reflexstreifen rundum, der Vorderlatz ist mit aufgesetzter Latztasche, die elastischen Träger mit Steckschlossschnallen und das hochgezogene Rückenteil mit Nierenschutz. Diese Ausführung wird für Männer, Frauen und Kinder angeboten.[4]

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute wird unter Latzhose generell eine Hose mit Brustlatz und Hosenträgern verstanden. Im ersten Drittel des 20. Jhs war damit eine Hose mit Klappe an der Vorderhose gemeint, die von Bügelfalte zu Bügelfalte ging. Ihr Hosenschlitz war zugenäht, und damit dem Träger die Latzhose beim Abknöpfen der Klappe nicht herunterfiel, wurde die Hose oben mit einem Latz versehen. Die Klappe wurde auf das Latzstück geknöpft, im Latzstück waren auch die Seitentaschen angebracht.[5] Eine Latzhose als kurze Trachtenhose gab es für 21 Warenbeschaffungspunkte auf einer Reichskleiderkarte von 1940.[6]

Modische Erscheinung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges waren attraktive Uniformen eine Rekrutierungsmaßnahme für Frauen in die Armee und Marine der USA und Großbritanniens. Frauen im Dienst suchten die Uniformen, Latzhosen und Overalls modisch zu kombinieren.[7][8]

In den 1970er und 1980er war die Latzhose modern und vor allem in der Ökoszene und der Frauenbewegung zu beobachten, sie erwies sich aber als unpraktisch beim Toilettengang.[9]


Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Feuerwehrschutzkleidung – Tipps für Beschaffer und Benutzer. Deutsche Unfallversicherung, abgerufen am 14. Juli 2019.
  2. Berufsgenossenschaftliche Regeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Deutsche Unfallversicherung, abgerufen am 14. Juli 2019.
  3. DGUV Regel 112-189 - Benutzung von Schutzkleidung (BGR 189) / 4 Bewertung und Auswahl / 4.3 Ausführungsbeispiele. Abgerufen am 14. Juli 2019.
  4. Feuerwehr - Uniform vollendet - Hinweise für ein einheitliches Erscheinungsbild bei der Bekleidung. Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg, abgerufen am 14. Juli 2019.
  5. Erich Donner: Handbuch für die Bekleidungsindustrie und den Bekleidungs-Einzelhandel: Ein Lehr- und Nachschlagewerk für die gesamte Herren- und Knabenbekleidung. Springer-Verlag, 1938, ISBN 978-3-642-91142-2, S. 253, 394 (google.de [abgerufen am 14. Juli 2019]).
  6. Martin Tripp: Die Regelung der Warenabgabe, Wiederbeschaffung und Preisgestaltung im Textileinzelhandel. Springer-Verlag, 1940, ISBN 978-3-663-14789-3, S. 19, 74 (google.de [abgerufen am 14. Juli 2019]).
  7. DK: Fashion: The Ultimate Book of Costume and Style. Dorling Kindersley Limited, 2012, ISBN 978-1-4093-2241-2 (google.de [abgerufen am 14. Juli 2019]).
  8. Jim Moran: U.S. Marine Corps Women's Reserve: 'They Are Marines': Uniforms and Equipment in World War II. Grub Street Publishers, 2017, ISBN 978-1-5267-1047-5 (google.de [abgerufen am 14. Juli 2019]).
  9. Michael Miersch, Henryk M. Broder, Josef Joffe, Dirk Maxeiner: Früher war alles besser: Ein rücksichtsloser Rückblick. Albrecht Knaus Verlag, 2010, ISBN 978-3-641-05089-4 (google.de [abgerufen am 14. Juli 2019]).