Hosentasche

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Hosentasche an einer Jeans

Die Hosentasche bzw. der Hosensack ist ein in die Hose eingenähtes Stoffsäckchen oder ein auf die Hose aufgenähtes Behältnis aus Stoff zum Mitführen kleinerer Gegenstände. Bei Hosentaschen erfolgt eine Unterscheidung nach verschiedenen Taschenformen und Gestaltungsmerkmalen, dem Verwendungszweck sowie der Position, Anordnung und Orientierung der Tasche. Neben funktionalen Eigenschaften erfüllen sie auch dekorative Zwecke.

Namen für Hosentasche in verschiedenen Dialekten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Terminus Tasche im Zusammenhang mit der Kleidung ist ein aus dem Norddeutschen eingebürgerter Begriff, während in Österreich und der Schweiz die Bezeichnung Hosensack gebräuchlicher ist. In den schwäbisch-alemannischen Sprachregionen spricht man auch von Seckel oder Säckel (einem kleinen Sack). In den niedrigen Sprecharten war um 1800 auch der Begriff Hosenficke gebräuchlich.[1]

In dem Projekt Der Rosettastein der Dialekte wurde das Gedicht Mym Bueb sy Hosesagg aus dem Buch Schweizer Dialekte von Robert Christ in verschiedene Dialekte und Sprachen übersetzt. Inzwischen existieren mehr als 100 Versionen des ursprünglich in Baseldeutsch verfassten Gedichts.[2]

Taschenformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taschen der Hinterhose (Gesäßtasche)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hose mit aufgesetzten Taschen (rechts zusätzlich mit Klappe (Patte) und Knopf)

Die Gesäßtasche wird vor allem von Herren häufig zur Aufbewahrung von Geldbörsen oder Ausweistaschen verwendet, was die Größe der Tasche weitgehend vorgibt.

Aufgesetzte Hosentasche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einfache, aufgesetzte Hosentasche ist die typische Taschenart für Gesäßtaschen bei Jeans. Sie ist bei vielen Freizeit- und Arbeitshosen zu finden. Die meist 5-eckige Aufsetztasche wird bei Jeans unfixiert und ungefüttert auf die Hinterhose aufgesteppt.[3] Die Steppnähte auf den rückwärtigen Taschen stellen häufig Markenzeichen der Hersteller dar. Zum Teil werden Aufsetztaschen auch mit einer Abdeckklappe (Patte) versehen, die dann meist geknöpft wird.

Form, Größe und Anordnung der Taschen an der Hinterhose werden speziell in der Damenmode gezielt eingesetzt, um rundliche Formen zu betonen oder zu kaschieren. Applikationen (Strasssteine), Nieten oder aufwendige Ziernähte können die Tasche optisch hervorheben. Gesäßtaschen mit geknöpfter Abdeckklappe tragen stärker auf und betonen diesen Teil vom Po. Kleinere Taschen, die zudem noch enger beieinander angeordnet sind, lassen einen großen Po eher etwas kleiner erscheinen.[4][5] Der Verlust an Funktionalität wird in der Damenmode häufig zur Erreichung ästhetischer Aspekte in Kauf genommen. Daraus folgt teilweise sogar ein vollständiger Wegfall der Nutzbarkeit.[6]

Eingesetzte Hosentasche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der eingesetzten Variante ist der eigentliche Taschenbeutel im Inneren der Hose verborgen. Der Taschenbeutel besteht meist aus einem Extrastoff und nicht aus dem Oberstoff. Der in den Oberstoff geschnittene Tascheneingriff wird mit einem Besatz überdeckt, um die Schnittkanten zu versäubern. Je nach Gestaltung unterscheidet man Paspeltaschen, Leistentaschen und Pattentaschen.

Bei einer Leistentasche bzw. einfachen Paspeltasche ist der Eingriff einseitig durch einen zusätzlich aufgenähten, doppelt gelegten Stoffstreifen (Leiste) verstärkt, wodurch gleichzeitig der Ansatz der Innentasche verdeckt ist. Die Leistentasche kann mit einem Knopf oder einem Knopf mit Schlaufe versehen werden.[7]

Bei der doppelten Paspeltasche sind beide Kanten des Eingriffs verstärkt. Die Paspel kann aus dem Oberstoff oder kontrastierend einem anderen Stoff (z. B. einem Futterstoff) erstellt werden. Bei Bedarf kann ein Knopf oder ein versteckter Reißverschluss den direkten Eingriff in die Tasche verhindern und somit deren Inhalt besser schützen.

Die Pattentasche (früher auch Klappentasche) bezeichnet eine Tasche, die von einer Patte (Klappe) verdeckt ist, so dass die Tasche erst zugänglich wird, nachdem die Patte hochgeklappt wurde. Die Patte kann zusätzlich durch einen Knopf gesichert sein, der direkt durch die Patte oder verdeckt geknöpft wird. Die Saumkante unter der Patte wird verdeckt.[7]

Taschen der Vorderhose und Seitentaschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Seitentasche ist ein Sammelbegriff für Außentaschen, die an der Seite der Hose zu finden sind, d. h. an der Naht zwischen Vorder- und Hinterhose oder rechts bzw. links in der Vorderhose platziert sind. Viele Seitentaschen sind als Schubtaschen ausgeführt, wobei die handliche Platzierung ein bequemes Einschieben der Hände erlaubt. Stecktaschen findet man hingegen eher in der Nähe des Hosenbunds als sogenannte Uhren- oder Kleingeldtaschen.

Bei Jeans und vielen sportlichen Freizeithosen haben sich Vordertaschen mit geschwungenem Eingriff (Swing-pocket) durchgesetzt. Der abgerundete Naht verläuft vom Hosenbund (Gürtelschlaufe) zur Seitennaht der Hose. Bei Jeans sind die Enden der Naht normalerweise mit Nieten verstärkt, um ein Ausreißen des Stoffs an diesen Stellen zu verhindern. Diese Idee geht auf ein Patent von Davis und Levis aus dem Jahr 1873 zurück.[8] In der rechten Vordertasche befindet sich bei der Five-Pocket-Jeans die obligatorische Stecktasche, die ursprünglich für die Taschenuhr verwendet wurde.

Bei eleganteren Hosen verläuft der Eingriff häufig gerade vom Hosenbund bis zur seitlichen Naht. Die Tasche endet dabei deutlich neben der Gürtelschlaufe. Die Orientierung reicht von nahezu senkrecht bis zu einem Winkel von etwa 45° (Diagonaltasche oder französische Tasche). Zur Verstärkung des Eingriffs finden Paspeln oder Leisten Verwendung. Die Bananentasche bezeichnet eine leicht geschwungene Taschenform mit relativ steilem Seiteneingriff. Die Flügeltasche ist eine Eingrifftasche mit geschwungenem oder abgewinkeltem Eingriff.

Paspeltaschen sind typische Anzugtaschen, schlicht und elegant. Flügeltaschen oder französische Taschen wirken etwas sportlicher, lassen sich aber ebenfalls als Anzughosen tragen. Bei Smokinghosen ist häufig eine elegante, entlang der Seitennaht verlaufende Tasche zu finden.[9] Durch ihre Lage ist diese Tasche unauffällig.

Sonstige Taschenformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hose mit Blasebalgtaschen als Beintaschen

Beintaschen sind normalerweise als aufgesetzte Tasche konstruiert und dienen dem Zweck zusätzlichen Stauraum zu generieren. Bei vielen Arbeitshosen gibt es z. B. spezielle Zollstocktaschen oder verschließbare Handytaschen als Beintasche. Faltentaschen besitzen eine oder mehrere Falten im Aufsetzteil. Das Auseinanderklappen der Falten bei Benutzung vergrößert das Füllvolumen der Tasche.[10]

Bei der Blasebalgtasche (auch Harmonikatasche) handelt es sich um eine großvolumige, aufgesetzte Tasche, die bei Armeebekleidung und Cargo-Hosen zum Einsatz kommt. Bei diesem Typ wird nicht das Aufsetzteil der Tasche auf die Hose genäht, sondern ein ringsum besonders angeschnittener Stoffstreifen mit Falte. Der Stoffstreifen ermöglicht ein Aufspringen bei der Benutzung, während sich die Tasche ohne Inhalt wieder in ihre ursprüngliche Lage anlegt.[11]

Eine Innentasche im Futter ist nicht direkt von außen zugänglich und daher unsichtbar. Sie befindet sich meist im vorderen Bereich des Hosenbunds und dient als Versteck für Geld und Wertsachen auf Reisen.

Bei Latzhosen befindet sich im Brustbereich meist eine oder mehrere waagerecht angeordnete Brusttaschen auf dem Latz.

Unechte Taschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blindtasche oder falsche Tasche ist eine imitierte, d. h. nur angedeutete Tasche für dekorative Zwecke. Sie besitzt keine Gebrauchstüchtigkeit, weil sie keine Eingriffe hat. Die Blindtasche ist zu unterscheiden von echten Hosentaschen, die mit einer entfernbaren Steppnaht vorübergehend zugenäht sind, um Transportschäden, Verschmutzung und Ausbeulen bei der Anprobe zu vermeiden.

Bei der Durchgrifftasche fehlt der innere Hosenbeutel. Es handelt sich also nur um einen eingearbeiteten Durchgriff, um die Tasche der darunter getragenen Hose zu erreichen. Die Durchgrifftasche ist Bestandteil mancher Regen- oder Arbeitshosen, die über eine normale Hose angezogen werden.

Die Hosentasche im Zusammenhang mit dem Ausdruck von Körpersprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akzeptanz von Händen in der Hosentasche wird kontrovers bewertet und hängt auch von der Stellung der Person in der Gesellschaft, ihrer Beziehung zum Gegenüber, der Umgebungssituation und der restlichen Körperhaltung ab. Die Hände in den Hosentaschen sind Teil der Körpersprache und senden wichtige Signale an den Gesprächspartner oder Beobachter.

In manchen Situationen, z. B. Begrüßung oder Verabschiedung, wird die Hand in der Hosentasche als mangelnde Aufmerksamkeit, Unsicherheit oder gar Geringschätzung empfunden.[12] Beim Militär werden die Hände in den Hosentaschen grundsätzlich nicht toleriert. Auch bei Bewerbungsgesprächen wird die Hand in der Hose als völlig unpassend empfunden, da dadurch die Bereitschaft zum Handeln fehlt.[13] Im Rahmen einer lockeren Plauderei unter Freunden und Gleichgestellten wird die eine oder andere Hand in der Hosentasche inzwischen akzeptiert.[14]

Manche Politiker scheinen durch die lässige Haltung mit den Händen in den Hosentaschen Volksnähe demonstrieren zu wollen.[12][13] In zahlreichen Modeaufnahmen werden heute eine Hand oder beide Hände gezielt in die Hosentasche gesteckt, um eine gewisse Lockerheit und Coolness auszudrücken.

Die Hosentasche in Sprichwörtern und Redewendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufig wird der Zusatz Tasche und speziell Hosentasche für kleine, kompakte und transportable Ding verwendet (z. B. Taschenuhr, Taschenbuch, Taschengeld oder Reiseführer für die Hosentasche).

In der Redensart die Gegend wie seine eigene Hosentasche / Westentasche kennen, wird die Begriffe Hosentasche bzw. Westentasche als Synonym sich gut auskennen genutzt.[15]

Das russische Sprichwort Mit den Händen in den Hosentaschen kann man keine Kuh melken. bedeutet so viel wie: Nur wer sein Ziel anpackt, kann etwas erreichen.[16] Eine ähnliche Bedeutung hat auch das amerikanische Sprichwort: Die Leiter des Erfolges kann man nicht mit den Händen in den Hosentaschen erklimmen.[17] In beiden Fällen steht der Begriff die Hände in der Hosentasche für untätig sein und nicht mit anzupacken.

Kurdisches Sprichwort: Die Hosentaschen der Armen sind leer, doch ihre Herzen sind voll.[18] Leere Taschen und speziell leere Hosentaschen stehen als Synonym für Armut und Besitzlosigkeit.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hosentasche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Hosentasche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Hosentasche, in Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1297.
  2. Der Rosettastein der Dialekte: Mym Bueb sy Hosesagg – Gedicht in Versionen, Birkhäuser Verlag, 1965, abgerufen am 10. Oktober 2015
  3. Wilfried Schierbaum: Bekleidungs-Lexikon: Mode, Formgestaltung, Schnittkonstruktion, Gradierung, Ausstattung, Zuschnitt, Verarbeitungstechnik, Bügeln, Management und Marketing, Fachverlag Schiele & Schoen, 1993, ISBN 978-3-7949-0563-8, Seite 31, Vorschau bei Google-books
  4. gofeminin Fashion & Beauty, Ann-Kathrin Schöll (27. Juli 2015): Kleiner, größer oder knackiger: Wie ihr euch mit der richtigen Jeans einen Traum-Po zaubert!, abgerufen am 10. Oktober 2015
  5. Damenmodeberater: Damenjeans – Infos und Beratung, abgerufen am 10. Oktober 2015
  6. Tanya Basu: The Gender Politics of Pockets. In: The Atlantic. Abgerufen am 5. März 2016 (amerikanisches Englisch).
  7. a b Fashionart: Leistentasche und Pattentasche, abgerufen am 19. Oktober 2015
  8. Patent US139121A: Improvement in fastening pocket-openings. Angemeldet am 9. August 1872, veröffentlicht am 20. Mai 1873, Anmelder: Jacob W. Davis; Levis Strauss & Co, Erfinder: Jacob W. Davis.
  9. Der Businessanzug: Hosenmodelle. Müller Maßmanufaktur, abgerufen am 15. November 2015.
  10. Wilfried Schierbaum: Bekleidungs-Lexikon: Mode, Formgestaltung, Schnittkonstruktion, Gradierung, Ausstattung, Zuschnitt, Verarbeitungstechnik, Bügeln, Management und Marketing, Fachverlag Schiele & Schoen, 1993, ISBN 978-3-7949-0563-8, Seite 115, Vorschau bei Google-books
  11. Wilfried Schierbaum: Bekleidungs-Lexikon: Mode, Formgestaltung, Schnittkonstruktion, Gradierung, Ausstattung, Zuschnitt, Verarbeitungstechnik, Bügeln, Management und Marketing, Fachverlag Schiele & Schoen, 1993, ISBN 978-3-7949-0563-8, Seite 58, Vorschau bei Google-books
  12. a b Elisabeth Bonneau: 300 Fragen zum guten Benehmen, Gräfe und Unzer, 2012, EAN: 9783833830907, Seite 42, (Vorschau bei google-Books)
  13. a b Nadine Kmoth: Körperrhetorik: eine Anleitung zum Gedankenlesen… und -zeigen, MVG Verlag, 2005, ISBN 3-478-73070-8, Seite 195, (Vorschau bei google-Books)
  14. Annette Kessler: Small Talk von A bis Z: 150 Fragen und Antworten, GABAL Verlag GmbH, 2007, ISBN 978-3-89749-673-6, Seite 75, (Vorschau bei google-Books)
  15. Redensarten-index, abgerufen am 11. Oktober 2015>
  16. Sprichwörter Woxikon: Mit den Händen in den Hosentaschen kann man keine Kuh melken., abgerufen am 11. Oktober 2015
  17. Die Leiter des Erfolges kann man nicht mit den Händen in den Hosentaschen erklimmen. abgerufen am 11. Oktober 2015
  18. Die Hosentaschen der Armen sind leer, doch ihre Herzen sind voll. abgerufen am 11. Oktober 2015