Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei.

Peter Lustig

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Peter Lustig im Oktober 2005

Peter Fritz Willi Lustig (* 27. Oktober 1937 in Breslau, Schlesien; † 23. Februar 2016 bei Husum)[1][2] war ein deutscher Fernsehmoderator und Kinderbuchautor. Bekannt wurde er vor allem als Hauptdarsteller und Autor der ZDF-Kinderserie Löwenzahn sowie dessen Ableger mittendrin.

Ausbildung und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lustig war gelernter Rundfunktechniker und studierte nach der Ausbildung Elektrotechnik. Nach dem Studium begann er beim US-amerikanischen Radiosender AFN als Toningenieur zu arbeiten, später ging er zum SFB. Dort schrieb er nebenbei Hörspiele für das Radio, war Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, verantwortlich für den Ton der Filmaufnahme von John F. Kennedys Rede Ich bin ein Berliner[3] vor dem Rathaus Schöneberg sowie der Günter-Grass-Verfilmung Katz und Maus und arbeitete auch in der Schöneberger Weltlaterne in der Berliner Motzstraße.

1973 trat Peter Lustig bei der Sendung mit der Maus in Einspielern mit dem Titel Peter und Atze auf, in denen er zusammen mit dem Robotervogel Atze Technik erklärte (z. B. ein Telefon oder eine Klingel). Danach moderierte er die Wolpertinger Wochenschau für den Bayerischen Rundfunk. Bei einer Fernsehproduktion für die Sendung Pusteblume 1979 beim ZDF wurde Lustig als Moderator und Hauptfigur entdeckt. Er blieb dies auch nach der Umbenennung der Sendung in Löwenzahn. Kennzeichen waren seine blaue Latzhose, seine Nickelbrille sowie seine regelmäßige Aufforderung an die kindlichen Zuschauer, nach der Sendung den Fernsehapparat auszuschalten. Neben Löwenzahn, dessen Autor und Texter er auch war, moderierte er von 1993 bis 1997 die eher auf eine jugendliche Zielgruppe gerichtete Fernsehreihe mittendrin und war 1998 Sprecher der Fernsehreihe Raumschiff Erde im Kinderkanal (KIKA).[4][1][5]

1984 erkrankte Peter Lustig an Lungenkrebs, der in sieben Operationen behandelt wurde. Ein Lungenflügel wurde entfernt.[6] Während seiner Krankenhausaufenthalte schrieb er kindgerechte Briefe an seinen Sohn, die als Kinderbuch unter dem Titel Lieber Momme – Wunderliche Briefe veröffentlicht wurden.

Im Jahr 2004 startete die Zeichentrickserie Mammutland, die in einer deutsch-französisch-britischen Zusammenarbeit entstand. Peter Lustig bearbeitete die deutsche Version der Sendung und sprach den Erfinder. Die Serie spielt auf einer Insel, auf der die Menschen Mammuts als Arbeitstiere halten. Die Figuren machen in jeder Episode thematisch bezogene Erfindungen und erklären physikalische Zusammenhänge.

Bedingt durch die gesundheitlichen Einschränkungen kündigte Peter Lustig am 23. März 2005 seinen Rückzug ins Privatleben an.[7][8] Am 16. Oktober 2005 war er in dem Löwenzahn-Spielfilm Die Reise ins Abenteuer zum 25-jährigen Jubiläum der Serie zu sehen. Es folgten im November und Dezember desselben Jahres noch vier letzte neue Folgen; neben erwähntem Film sind beim ZDF insgesamt 197 Episoden mit Peter Lustig entstanden. Zudem trat er in der Folge Lebenswandel – Zeitreise in Bärstadt (Erstausstrahlung am 28. Oktober 2007) als Gast zusammen mit seinem Nachfolger Guido Hammesfahr auf.

Peter Lustig hat unter anderem ein Buch über die Vertonung von Filmen geschrieben und an zwei Bastelbüchern wie auch an der Buchreihe zu Löwenzahn mitgewirkt. Zudem gibt es von ihm den Technik-Comic Wie funktioniert ein Auto?, den er als Antwort auf diese Frage seines Sohnes gezeichnet hat. Ebenfalls lieh er in der Computerspielreihe Willy Werkel, dem gleichnamigen Tüftler und Erfinder, in den ersten vier Spielen seine Stimme.

Am 4. September 2007 wurde ihm von Bundespräsident Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.[9]

Im Jahr 2012 startete eine „Peter-Lustig-Ausstellung“, die als Wanderausstellung über technische Erfindungen informierte. Die Ausstellung wurde vom Technikmuseum Freudenberg (Siegerland) initiiert. Aufgrund des großen Erfolges wurde sie 2013 fortgesetzt, vom 2. April bis zum 31. Oktober desselben Jahres.[10]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fresenhof in Bohmstedtfeld

Sein Vater starb, als Peter Lustig ein Jahr alt war – seine Mutter musste aus Breslau fliehen.[7][11]

Peter Lustig gehörte in den 1980er Jahren der Neo-Sannyas-Bewegung an, bis deren Gründer Osho 1990 verstarb.[12][13] In zweiter Ehe war er mit Elfie Donnelly (Autorin u. a. von Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen) verheiratet, die ebenfalls Schülerin Oshos wurde[14] und mit der er einen Sohn (Momme Pavi) hatte. Donnelly schrieb das Kinderbuch Peters Flucht über die Flucht des achtjährigen Peter aus Breslau.[15]

Mehr als zehn Jahre wohnte Peter Lustig mit seiner Frau Astrid Berge in Bohmstedt auf dem Fresenhof in der Nähe von Husum. 2014 zogen sie nach Berlin.[16]

Peter Lustig verstarb am 23. Februar 2016 im Kreise seiner Familie.[17] Er hinterließ vier Kinder.[18][19]

Medienkontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das BoulevardblattBild am Sonntag“ veröffentlichte 2002 eine aus dem Zusammenhang gerissene Schlagzeile mit dem Titel Peter Lustig – ich kann Kinder nicht leiden, was ihm fortan angelastet wurde. Anlass für dieses Missverständnis war ein Interview mit der Stuttgarter Zeitung, in dem er beschrieb, wie anstrengend es sei, mit Kindern vor der Kamera zu arbeiten. Der ironische Unterton wurde in folgenden Berichterstattungen unterschlagen; der Interviewer Kai Biermann bezeichnete die Interpretation durch andere Medien als „verdreht“ und „verbogen“.[20][21]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schauspielrollen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehauftritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synchronrollen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2003–2004: Mammutland
  • 2007: Gordos Reise ans Ende der Welt

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Theo Kerp: Die Hamster kommen. vgs, Köln 1982, ISBN 3-8025-5020-X.
  • Wie funktioniert ein Auto? Peter Lustigs Technik-Comic. Maier, Ravensburg 1983, ISBN 3-473-35565-8.
  • Im Kopf brennt noch Licht. vgs, Köln 1983, ISBN 3-8025-5024-2.
  • mit Burckhard Mönter: Peter Lustigs Bastelbuch. Band 1, vgs, Köln 1985, ISBN 3-8025-5036-6.
  • mit Burckhard Mönter: Peter Lustigs Bastelbuch. Band 2, vgs, Köln 1987, ISBN 3-8025-5041-2.
  • mit Gerhard Lechenauer: Vertonen. Der Ton zu den Bildern. Dia, Film und Video. Rowohlt, Reinbek 1987, ISBN 3-499-17189-9.
  • mit Sabine Damke: Der Feuerwehrmann, den keiner mehr haben wollte. W. Mann, Berlin 1988, ISBN 3-926740-01-9.
  • mit Sophie Brandes, u. a.: Der Schneemann, der verreisen wollte. W. Mann, Berlin 1988, ISBN 3-926740-02-7.
  • Lieber Momme – Wunderliche Briefe. W. Mann, Berlin 1989, ISBN 3-926740-16-7.
  • Kochbuch für kleine Feinschmecker. W. Mann, Berlin 1992, ISBN 3-926740-04-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peter Lustig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Der Welterklärer mit der Latzhose ist tot / ZDF trauert um langjährigen „Löwenzahn“-Moderator Peter Lustig. In: ZDF Presseportal. 24. Februar 2016, abgerufen am 25. Februar 2016.
  2. Peter Lustig wird 75 – Panorama – Mittelbayerische. In: mittelbayerische.de. Abgerufen am 26. Februar 2016.
  3. Video auf Tagesspiegel.de, 25. Juni 2013
  4. Peter Lustig ist tot – Medien – Süddeutsche.de. In: sueddeutsche.de. Abgerufen am 25. Februar 2016.
  5. Raumschiff Erde: Mit Peter Lustig auf der Umlaufbahn, Fernsehserien.de, abgerufen am 26. Februar 2016
  6. Vor 25 Jahren erfuhr er die Diagnose Lungenkrebs. Bild.de, abgerufen am 24. Februar 2016.
  7. a b Alexander Kühn: Peter Lustig. Der Erklärbär geht in Rente. Auf: Stern.de, 16. Oktober 2005.
  8. Rene Martens: Dickkopf im Bauwagen. Ein Vierteljahrhundert war Peter Lustig im ZDF „Löwenzahn“ – nun hört er auf. Auf: Sueddeutsche.de, 13. Oktober 2005, In: Süddeutsche Zeitung, 14. Oktober 2007.
  9. Bundespräsident Horst Köhler zeichnet 28 Persönlichkeiten für ihre Verdienste um das Ziel „Bildung für alle“ mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus (Memento vom 19. Januar 2008 im Internet Archive). Pressemitteilung des Bundespräsidialamtes, 27. August 2007.
  10. Peter Lustig – Ausstellung im Technikmuseum Freudenberg. In: peter-lustig-ausstellung.de. Abgerufen am 25. Februar 2016.
  11. Müller, Felix: Basteln und Tüfteln waren seine Passion, In: Hamburger Abendblatt, 25. Februar, S. 23
  12. Peter Lustig. „Ich mag kein Müsli und Gemüse auch nicht so sehr.“ Interview in: Galore, März 2008, S. 80–84
  13. Bhagwan-Bewegung: Orgien im Namen des Herrn. In: einestages, 2. April 2010
  14. Bhagwan: Glaube und Mammon. In: Der Spiegel. Nr. 6, 1984 (online).
  15. Elfie Donnelly: Peters Flucht. Jugend und Volk, Wien 1986, ISBN 3-224-11218-2.
  16. Löwenzahn-Star : Peter Lustig verlässt Nordfriesland, SHZ, 31. Mai 2014
  17. Lisa Miller: Trauer um „Löwenzahn“-Moderator: Welterklärer mit Latzhose: Peter Lustig ist tot. In: heute.de. 24. Februar 2016, abgerufen am 24. Februar 2016.
  18. Herr Löwenzahn blüht wieder in Berlin, BZ-berlin.de, 7. Juli 2012
  19. „Löwenzahn“: Peter Lustig von langer Krankheit gezeichnet, TV Movie, 14. Mai 2015
  20. Kai Biermann: Er hasste Kinder nicht. Zeit Online, 24. Februar 2016, abgerufen am 26. Februar 2016 (deutsch).
  21. Rebecca Baumann: Der Mann, der kein Kinder-Hasser war. Stuttgarter Zeitung, 25. Februar 2016, abgerufen am 26. Februar 2016 (deutsch).
  22. Preisträger 1982, grimme-institut.de, abgerufen am 25. Februar 2016
  23. Preisträger auf dpg-physik.de
  24. Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus. vf-holtzbrinck.de, abgerufen am 25. Februar 2016
  25. Umweltmedienpreis 2005 – Impressionen der Preisverleihung
Gesprochene Wikipedia Dieser Artikel ist als Audiodatei verfügbar:
Speichern | Informationen | 7:33 min (4,94 MB) Text der gesprochenen Version (6. März 2013)
Mehr Informationen zur gesprochenen Wikipedia