Lebensmittelsicherheit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Lebensmittelhygiene)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Lebensmittelsicherheit (auch: Lebensmittelhygiene) ist ein Oberbegriff für alle Maßnahmen und Konzepte, die sicherstellen sollen, dass Lebensmittel für den Endverbraucher zum Verzehr geeignet sind und von ihnen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Schädigungen ausgehen können.

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontrollen und vorbeugenden Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Hygiene bei der Produktion und im Umgang mit Lebensmitteln, sowie der Integrität der Produkte bezüglich Kontaminanten oder Rückständen gehören ebenso zum Oberbegriff der Lebensmittelsicherheit, wie auch die Rückverfolgbarkeit der Produkte und ihrer Bestandteile, die sicherstellen soll, dass der Verbraucher beim Erkennen einer Gefährdung z. B. durch Rückrufaktionen möglichst umfassend geschützt wird.

Lebensmittelsicherheit in der Europäischen Union[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Lebensmittelbasisverordnung [1] wurden auf europäischer Ebene die ersten Allgemeinen Grundsätze zu Lebensmittelrecht und -Sicherheut festgelegt und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority EFSA) gegründet. Mit einer Vielzahl von weiteren Verordnungen von der Hygiene bis zur Deklaration werden die Vorschriften und Methoden zur Lebensmittelsicherheit immer weiter vereinheitlicht und harmonisiert.

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland fordert die zum Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch gehörige Lebensmittelhygieneverordnung VO(EG)852/2004 die Anwendung eines HACCP-Systems. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hat – gemeinsam mit ausländischen Schwesterorganisationen – den International Featured Standard (IFS) etabliert, dem Eigenmarkenhersteller von Lebensmitteln faktisch unterworfen sind. Zertifizierungsgesellschaften wie DQS und TÜV prüfen, ob diese Lebensmittelproduzenten die Forderungen des umfangreichen IFS-Fragenkatalogs erfüllen, also in der Lage sind sichere, qualitativ hochwertige und verkehrsfähige Lebensmittel zu erzeugen. Fast alle Hersteller von Lebensmitteln für Handelsmarken verfügen über eine solche Zertifizierung.

Das Hygienezentrum mit Sitz in Münster ist das bundesweit erste, privatwirtschaftlich organisierte Hygienezentrum für die Lebensmittelbranche.

In Deutschland sind die Bundesländer mit ihren jeweiligen Ministerien als oberste Landesbehörden für die Lebensmittelsicherheit zuständig. Die behördliche Lebensmittelüberwachung, je nach Bundesland auf kommunaler oder Landesebene, kontrolliert das Einhalten der Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit durch stichprobenhafte Kontrollen. Oberste Bundesbehörde ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. In Deutschland ist der Bereich der Lebensmittelsicherheit auf Bundesebene auf zwei nachgeordnete Behörden verteilt: die wissenschaftliche Risikobewertung und die Risikokommunikation erfolgt durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), davon getrennt ist das Risikomanagement. Für dieses, insbesondere als Knotenpunkt zwischen den Bundesländern und der Europäischen Gemeinschaft ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zuständig.[2]

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist die Lebensmittelsicherheit im Rahmen des Verbraucherschutzes die Kernkompetenz des staatlich geprüften Lebensmittelchemikers. Besonders im Bereich der Untersuchung von Lebensmitteln aus tierischen Quellen sind auch Veterinärmediziner ein wichtiger Teil der Kontrolle. Beide Berufsgruppen sind entsprechend der Gegenproben-Verordnung [3] auch als private Gegenproben-Sachverständige zugelassen.

Seit 2011 gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusätzlich den Studiengang Lebensmittelsicherheit als einen Dualen Studiengang an der Berufsakademie Sachsen – Staatliche Studienakademie Plauen Dieser Studiengang wurde bisher als Diplomstudiengang (BA) und wird ab Wintersemester 2015/16 als sechssemestriger praxisintegrierter Dualer Bachelorstudiengang angeboten. Die Inhalte des Studiengangs umfassen neben Lebensmittelmikrobiologie und Hygiene auch Lebensmittelsensorik, Lebensmittelanalytik sowie Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement.[4] Mit dem Wintersemester 2015/2016 startet im Land Hessen an der Hochschule Geisenheim und in Kooperation mit der privaten Hochschule Fresenius ein weiterer Bachelorstudiengang Lebensmittelsicherheit im Direktstudium.[5][6] Dieser sechssemestrige Studiengang mit dem Abschluss eines Bachelor of Science widmet sich den Schwerpunktthemen mikrobiologischer und chemischer Analytik, Lebensmitteltechnologie, Qualitätsmanagement und Lebensmittelrecht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norman G. Marriott, Robert B. Gravani: Principles of Food Sanitation. Springer, 2006 (5. Auflage). ISBN 0387250255.
  • Carol Wallace, William Sperber, Sara E. Mortimore: Food Safety for the 21st Century: Managing HACCP and Food Safety throughout the Global Supply Chain. Wiley-Blackwell, 2010. ISBN 9781405189118.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verordnung 178/2006. In: Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften. 1. Februar 2002, abgerufen am 19. Mai 2013 (deutsch).
  2. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Sichere Lebensmittel.
  3. Verordnung über die Zulassung privater Gegenprobensachverständiger und über Regelungen für amtliche Gegenproben bei Gesetze-im-Internet.de.
  4. Studieninhalte Dualer Studiengang Lebensmittelsicherheit.
  5. Hochschule Geisenheim: Neue Studiengänge für mehr Lebensmittelqualität.
  6. Hochschule Fresenius: Kooperationsstudiengang Lebensmittelsicherheit.